{"id":133784,"date":"2025-05-23T16:55:17","date_gmt":"2025-05-23T16:55:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/133784\/"},"modified":"2025-05-23T16:55:17","modified_gmt":"2025-05-23T16:55:17","slug":"warum-der-dark-romance-hype-fuer-furore-sorgt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/133784\/","title":{"rendered":"Warum der Dark-Romance-Hype f\u00fcr Furore sorgt"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 23.05.2025 16:57 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Das Genre boomt, gro\u00dfe Verlage springen auf den Trend auf. Was macht den Reiz von Dark Romance aus, welche Kritik gibt es &#8211; und wie bedenklich sind die B\u00fccher mit drastischen Gewalt- und Sexszenen f\u00fcr junge Lesende?<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Nele Deutschmann, NDR\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nGanz sch\u00f6n spicy &#8211; und erfolgreich: Dark Romance hat sich zu einem stark nachgefragten Genre entwickelt, das auch <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/kultur\/lesen-maenner-booktok-100.html\" title=\"Wie Jungen und M\u00e4nnern via TikTok Lust aufs Lesen gemacht wird\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">durch soziale Medien wie BookTok eine breite Leserschaft<\/a> &#8211; vor allem junge Frauen &#8211; erreicht. In Buchhandlungen gibt es prominent platzierte Romance-Tische, auf den Buchmessen einen regelrechten Ansturm auf die Angebote. Viele Titel schaffen es auf die Bestsellerlisten und sorgen f\u00fcr hohe Ums\u00e4tze.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nGro\u00dfe Verlage gr\u00fcnden Imprints, also Label, die wie eigene Verlage auftreten, um auf die Nachfrage reagieren zu k\u00f6nnen. Gerade hat das Genre bei der Penguin Random House Verlagsgruppe eine neue Heimat gefunden: beim Label Blush. Im September werden die ersten Titel erscheinen &#8211; die bei der Lekt\u00fcre wortw\u00f6rtlich die R\u00f6te ins Gesicht treiben, so Diana Keller, Programmleitung Blanvalet Taschenbuch &amp; Blush.<\/p>\n<p>    Zwischen Tabubruch und Eskapismus<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDark Romance ist ein Subgenre des Romance- und des New-Adult-Genres. Im Mittelpunkt stehen intensive Liebesgeschichten, die von Machtgef\u00e4llen, gef\u00e4hrlichen Leidenschaften, Obsessionen und moralischen Konflikten gepr\u00e4gt sind. Typisch sind Themen wie toxische Beziehungen, Stalking, Entf\u00fchrung, k\u00f6rperliche und psychische Gewalt oder Machtmissbrauch. Dabei werden explizite Erotikszenen und BDSM-Elemente eingebunden. Die drastischen Inhalte sind oft von Trigger-Warnungen ges\u00e4umt und die Cover mit dem Hinweis &#8222;ab 18&#8220; versehen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Geschichten versprechen laut Diana Keller vor allem eines: Eskapismus &#8211; ein Sich-Wegtr\u00e4umen von den Problemen des Alltags und einer sich ver\u00e4ndernden Welt. Wo New Adult neben dem Wegtr\u00e4umen auch viele positive und heilsame Identifikationsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Leserinnen und Leser biete, stelle der Dark-Romance-Trend eine Art Gegenbewegung dar: &#8222;In diesem Subgenre wird es Lesenden erm\u00f6glicht, einen fiktiven Grenzgang ins moralisch Ambivalente oder gar Verbotene zu unternehmen. Dark Romance ist Eskapismus in Extremform&#8220;, so Keller.<\/p>\n<p>    Misogyne Stereotype und Verhaltensmuster?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr Carolin Hauskeller, Buchh\u00e4ndlerin aus Dresden, liegt die Problematik dabei jedoch in der Romantisierung von Gewalt. Meist sei der m\u00e4nnliche Protagonist der Frau \u00fcberlegen, ob im gesellschaftlichen Rang, Status, im beruflichen Umfeld oder einfach nur k\u00f6rperlich. Gewaltt\u00e4tige Handlungen w\u00fcrden mit psychischen Problemen des Protagonisten &#8222;erkl\u00e4rt&#8220; oder mit &#8222;Liebe&#8220; gerechtfertigt. &#8222;Auch die Nomenklatur des Genres und der einzelnen Tropes sind verharmlosend&#8220;, so Hauskeller.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nTypische Dark-Romance-Tropes, also wiederkehrende Motive oder Themen, sind beispielsweise &#8222;Reverse Harem&#8220;, &#8222;Bully Romance&#8220;, &#8222;Dark Academia&#8220;, &#8222;Kidnapping Romance&#8220;, &#8222;Stalker Romance&#8220; oder &#8222;Why choose?&#8220;. Wenn eine Trope wie &#8222;Reverse Harem&#8220; jedoch bedeute, dass eine Frau von mehreren M\u00e4nnern erniedrigt und gequ\u00e4lt werde, sei die Bezeichnung einfach irref\u00fchrend, findet die Buchh\u00e4ndlerin. &#8222;Die extremen Sex-Szenen sind der Handlung selten dienlich und tats\u00e4chlich auch f\u00fcr erwachsene Lesende verst\u00f6rend. Eine seltsame Praktik im Zeitalter des Sensitivity Readings und der Trigger-Warnungen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAls Feministin sei ihr das Genre ein Gr\u00e4uel, so Hauskeller. Vieles sei nur Verschleierung der Tatsache, dass zutiefst patriarchalische Verhaltensweisen beschrieben werden: &#8222;Egal, was die Schreibenden mir erz\u00e4hlen wollen, so oft ist der Mann die treibende Kraft hinter der &#8218;Charakterentwicklung&#8216; der weiblichen Figuren.&#8220; Es werde an toxischen Beziehungen festgehalten, bis die Frau den Mann lange genug ertragen und damit gerettet habe. &#8222;Dieses &#8218;Fem-washing&#8216; &#8211; eine Wortneusch\u00f6pfung von uns f\u00fcr Leute, die uns derartige Inhalte als Feminismus verkaufen wollen &#8211; ist extrem \u00e4rgerlich.&#8220;<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Romantisierung von Gewalt? Das Genre ist umstritten.\n                    <\/p>\n<p>    Wie problematisch ist das Genre f\u00fcr junge Lesende?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nVollj\u00e4hrige Menschen sind frei in ihrer Entscheidung, ob sie solche Inhalte konsumieren wollen. Doch wie sieht es mit jungen Lesenden aus, die in den sozialen Medien auf den Trend sto\u00dfen, vom Reiz des Verbotenen oder durch die Gestaltung der B\u00fccher, die oft mit aufwendigen Covern und Farbschnitten locken, angezogen werden? Welchen Einfluss hat das Genre auf Minderj\u00e4hrige und junge Menschen in der Phase der eigenen Identit\u00e4tsbildung, f\u00fcr die B\u00fccher und andere Medien oft der erste Ber\u00fchrungspunkt mit romantischen Beziehungen sind?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Lesen solcher Literatur sei zwar eine M\u00f6glichkeit, sich mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen oder tabuisierte Fantasien in einer sicheren, weil fiktiven Umgebung zu erleben, sch\u00e4tzt die Bundeszentrale f\u00fcr Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) ein, allerdings: &#8222;Insbesondere bei jungen Menschen, die noch keine gefestigte Vorstellung von gesunden Beziehungsdynamiken haben, besteht die Gefahr, dass sie die dargestellten Verhaltensweisen als romantisch oder erstrebenswert und damit als \u201anormal\u2018 interpretieren.&#8220; Die Bundeszentrale empfiehlt im Umgang mit den B\u00fcchern eine aktive Begleitung der jungen Lesenden und eine reflektierte Auseinandersetzung mit dem Genre, sowohl bei den Jugendlichen selbst als auch im Dialog mit beispielsweise Eltern oder anderen Bezugspersonen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch Diana Keller betont, dass die Kernzielgruppe von Blush Leserinnen im Alter von 20 bis 39 Jahren seien und sich Dark-Romance-B\u00fccher an ein erwachsenes Lesepublikum richte, das Fiktion und Realit\u00e4t unterscheiden und kritisch bewerten k\u00f6nne. Die B\u00fccher werden entsprechend gekennzeichnet. Doch anders als bei Filmen oder Computerspielen gibt es in Deutschland f\u00fcr B\u00fccher keine einheitliche Altersfreigaberegulierung.<\/p>\n<p>    Welche Verantwortung tr\u00e4gt die Buchbranche?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBuchh\u00e4ndlerin Carolin Hauskeller verkauft Dark-Romance-Romane haupts\u00e4chlich auf Kundenbestellung, in ihrem Laden bietet sie nur wenige Titel an. Die B\u00fccher sind dann in der Abteilung f\u00fcr Erwachsene platziert &#8211; nicht, wie in anderen Buchhandlungen so oft, bei den Jugendb\u00fcchern. F\u00fcr sie als H\u00e4ndlerin ist es bei dem boomenden Genre schwierig, den \u00dcberblick zu behalten, geschweige denn, alles lesen zu k\u00f6nnen. Sie sei daher auf die Kennzeichnung extremer Inhalte vonseiten der Verlage angewiesen, so Hauskeller.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAls Buchh\u00e4ndlerin sieht sie sich stark in der Verantwortung und der F\u00fcrsorge verpflichtet, auch wenn sie nicht rechtlich bindend ist: &#8222;Es ist wichtig, dass wir unsere Verantwortung ernst nehmen, die jungen Leserinnen und Leser bestm\u00f6glich beraten und, auch wenn es schade um den Umsatz ist, auch mal den Verkauf zu verweigern.&#8220; Sie erfragt das Alter der Kundinnen, wenn ein Titel unangemessen erscheint, und ber\u00e4t die Begleitpersonen. &#8222;Generell gibt es viel Aufkl\u00e4rungsbedarf auch bei den Eltern, die sich oft einfach nur freuen, dass das Kind liest.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr die Zukunft w\u00fcnscht sich Hauskeller eine einheitliche Linie in der Branche, eine gemeinsame Kennzeichnungsverpflichtung, auch von Seiten der Verlage, und eine einheitliche geregelte Verkaufspraxis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 23.05.2025 16:57 Uhr Das Genre boomt, gro\u00dfe Verlage springen auf den Trend auf. 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