{"id":134615,"date":"2025-05-24T00:24:29","date_gmt":"2025-05-24T00:24:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/134615\/"},"modified":"2025-05-24T00:24:29","modified_gmt":"2025-05-24T00:24:29","slug":"berlin-hannover-remscheid-gewalt-und-messer-bei-kindern-und-jugendlichen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/134615\/","title":{"rendered":"Berlin\/Hannover\/Remscheid | Gewalt und Messer bei Kindern und Jugendlichen"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext\">Berlin\/Hannover\/Remscheid (dpa) &#8211; In Berlin greift mutma\u00dflich ein 13-j\u00e4hriger Grundsch\u00fcler einen 12-J\u00e4hrigen mit einem Messer an und verletzt ihn lebensgef\u00e4hrlich. In Remscheid (NRW) wehrt sich ein 11-j\u00e4hriger Sch\u00fcler gegen den wiederholten Angriff eines 13-j\u00e4hrigen Mitsch\u00fclers mit einem Messer und verletzt ihn am Oberschenkel.\u00a0<\/p>\n<p>Alle Beteiligten gelten noch als Kinder und sind nicht strafm\u00fcndig &#8211; aber haben offenbar Erfahrungen mit Gewalt und manche setzen sogar Messer ein. Fragen und Antworten zum Thema:\u00a0<\/p>\n<p>Steigt die Zahl der Gewalttaten von Jugendlichen und Kindern?<\/p>\n<p>In den Kriminalstatistiken der Polizei zeigt sich ein entsprechender Trend. \u00abDa sehen wir schon einen Anstieg, das gilt auch f\u00fcr den Vergleich zur Zeit vor Corona\u00bb, sagt der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Professor Thomas Bliesener.<\/p>\n<p>Laut Bundeskriminalamt (BKA) nahm die registrierte Gewaltkriminalit\u00e4t vor allem bei Kindern, also den unter 14-J\u00e4hrigen, zuletzt zu. Von allen Verd\u00e4chtigen in diesem Bereich waren im vergangenen Jahr 7 Prozent Kinder und knapp 16 Prozent Jugendliche unter 18 Jahren. Laut Bundesinnenministerium bedeutete dies bei den Kindern einen Anstieg um rund 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, bei den Jugendlichen um knapp 4 Prozent.<\/p>\n<p>Die Berliner Polizeipr\u00e4sidentin Barbara Slowik Meisel sagte schon vor Jahren, sie sei sehr besorgt \u00fcber den Anstieg von Gewalttaten von Kindern\u00a0und Jugendlichen. Die Angriffe w\u00fcrden h\u00e4ufig untereinander geschehen.\u00abDas hat leider zugenommen.\u00bb<\/p>\n<p>Welche Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind bekannt?<\/p>\n<p>Bliesener sieht verschiedene Ursachen. \u00abAuf der verbalen Ebene gibt es eine gewisse Verrohung im Umgang miteinander, unterst\u00fctzt durch soziale Medien\u00bb, sagt er. Fr\u00fcher seien Konflikte m\u00fcndlich ausgetragen worden. \u00abHeute wird das ins Internet und die sozialen Medien verlagert und eskaliert dort viel schneller und st\u00e4rker.\u00bb Vor den \u00f6ffentlichen Kr\u00e4nkungen k\u00f6nne man nicht fliehen. \u00abDas wird man nicht so schnell los. Und dann werden manche dazu getrieben, sich k\u00f6rperlich zur Wehr zu setzen.\u00bb<\/p>\n<p>Der Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Marc Allroggen, Experte f\u00fcr aggressives Verhalten, verweist auf Gewalterfahrungen von Kindern, etwa wenn sie geschlagen werden. Die Fragen seien, wie wird in der Familie mit Emotionen wie Wut umgegangen, erlebt das Kind Gewalt, welche Formen von Gewalt werden in der jeweiligen Kultur wie ge\u00e4chtet?\u00a0<\/p>\n<p>\u00abEs geht auch darum, welche Vorbilder das Kind hat. Dazu geh\u00f6ren im weiteren Sinne auch mediale Netzwerke\u00bb, so Allroggen. Smartphones wegen der problematischen Vorbilder zu verbieten, k\u00f6nne man diskutieren. Es werde das Problem allein aber nicht l\u00f6sen.\u00a0<\/p>\n<p>Gilt der Anstieg auch f\u00fcr Messer-Delikte junger Menschen?<\/p>\n<p>Insgesamt registrierte die Polizei 2024 fast 30.000 Taten wie Angriffe und Bedrohungen, bei denen Messer eine Rolle spielten ? allein bei den gef\u00e4hrlichen und schweren K\u00f6rperverletzungen mit Messereinsatz meldete das BKA einen Anstieg um knapp 11 Prozent. Bei wie vielen dieser Delikte Kinder oder Jugendliche beteiligt waren, geht aus der Statistik nicht unmittelbar hervor.<\/p>\n<p>Bliesener verwies auf jahrelange repr\u00e4sentative Umfragen seines Instituts mit Neuntkl\u00e4sslern. Die Zahl der Sch\u00fcler, die ein Messer dabeihaben, habe sich nicht erh\u00f6ht. Aber die Begr\u00fcndung habe sich ver\u00e4ndert. \u00abFr\u00fcher sagten viele, sie h\u00e4tten es als Werkzeug dabei. Inzwischen sagen sie: zur Verteidigung. Dieser Anteil ist wirklich gestiegen\u00bb, sagt Bliesener. \u00abEin Messer wird mehr und mehr tats\u00e4chlich auch als Waffe eingesteckt.\u00bb<\/p>\n<p>Bliesener betont: \u00abWenn ich mich bedroht f\u00fchle, greife ich nicht unbedingt zum Messer, wenn ich es als Werkzeug in der Tasche habe. Wenn ich es aber eigens als Waffe eingesteckt habe, dann liegt dieses Messer mental griffbereit.\u00bb<\/p>\n<p>Warum haben Jugendliche und Kinder \u00fcberhaupt Messer dabei?<\/p>\n<p>Zu dem Argument der Verteidigung kommen nach den Einsch\u00e4tzungen noch weitere Gr\u00fcnde. \u00abEine Rolle spielen Messer bei Jugendlichen und in entsprechenden Gruppen auch als eine Art Statussymbol\u00bb, sagt Bliesinger. \u00abDie Industrie bietet entsprechende Messer an, die sehr martialisch gestaltet sind.\u00bb<\/p>\n<p>Welche Rolle spielen Eltern und Herkunft?<\/p>\n<p>Durch den massiven Einfluss der Internetportale und Chatgruppen seien viele Eltern \u00fcberfordert, stellt Bliesener fest. \u00abGegen Kr\u00e4nkungen auf dieser Ebene vorzugehen, ist auch f\u00fcr Eltern viel schwieriger als fr\u00fcher.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Zur Herkunft sagt er: \u00abEs hat schon auch etwas mit Migration zu tun, mit den Konzepten von Ehre und Ehrgef\u00fchl in anderen Kulturen.\u00bb Daraus resultiere eine Art innerer Verpflichtung, dass sich bei einer Bedrohung verteidigen zu m\u00fcssen. \u00abUm die Ehre wiederherzustellen. Dann ist der Druck bei Beleidigungen sehr viel st\u00e4rker. Das tr\u00e4gt auch zum h\u00e4ufigeren Auftauchen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in der Kriminalstatistik bei.\u00bb<\/p>\n<p>Welche Gegenstrategien gibt es?<\/p>\n<p>\u00abMan muss Jugendlichen klarmachen, welch eine gef\u00e4hrliche Waffe ein Messer ist\u00bb, so Bliesener. \u00abDas ist nicht jedem bewusst. Dass auch kleine Schnitte im Halsbereich t\u00f6dlich sein k\u00f6nnen, ist nicht jedem klar.\u00bb \u00abMan muss sicher an diesem falschen Verst\u00e4ndnis des Ehrbegriffes arbeiten. Auch das Denken, dass man ein Messer zur Verteidigung braucht, muss ge\u00e4ndert werden. Im Regelfall eskaliert die Lage eher und es wird f\u00fcr das Opfer viel gef\u00e4hrlicher.\u00bb<\/p>\n<p>Bliesener sieht auch Schulen in der Pflicht. \u00abPr\u00e4vention gegen Kriminalit\u00e4t sollte Bestandteil der Schule sein. Polizisten k\u00f6nnten in den Unterricht kommen oder Not\u00e4rzte aus ihrem Alltag bei der Lebensrettung schwer verletzter Menschen berichten. Das kann sehr eindr\u00fccklich sein und pr\u00e4ventive Wirkung haben.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin\/Hannover\/Remscheid (dpa) &#8211; In Berlin greift mutma\u00dflich ein 13-j\u00e4hriger Grundsch\u00fcler einen 12-J\u00e4hrigen mit einem Messer an und verletzt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":134616,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1836],"tags":[296,3364,29,30,1724,46,2279,1411,1209],"class_list":{"0":"post-134615","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hannover","8":"tag-berlin","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-gesellschaft","13":"tag-hannover","14":"tag-kriminalitat","15":"tag-niedersachsen","16":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114559966489040436","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/134615","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=134615"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/134615\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/134616"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=134615"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=134615"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=134615"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}