{"id":134958,"date":"2025-05-24T03:35:23","date_gmt":"2025-05-24T03:35:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/134958\/"},"modified":"2025-05-24T03:35:23","modified_gmt":"2025-05-24T03:35:23","slug":"neues-buch-von-alejandro-zambra-von-vaetern-und-soehnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/134958\/","title":{"rendered":"Neues Buch von Alejandro Zambra: Von V\u00e4tern und S\u00f6hnen"},"content":{"rendered":"<p class=\"Initial paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Seit ein paar Jahren schon lebt der 1975 in Santiago de Chile geborene Schriftsteller Alejandro Zambra in der mexikanischen Hauptstadt. Dort ist er Vater geworden, bereitet dem kleinen Sohn Silvestre nun ein mexikanisches Fr\u00fchst\u00fcck aus Quesadilla mit Heuschrecken und spaziert mit ihm durch den Bosque de Chapultepec. Auch von diesem neuen Alltag mit Kind erz\u00e4hlt seine j\u00fcngste Ver\u00f6ffentlichung \u201eNachrichten an meinen Sohn\u201c. Risikofreudig und reflektiert l\u00e4sst sich Zambra auf das literarische Wagnis ein.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Mit Silvestres Geburt und seinen ersten 365 Tagen beginnt das Buch. Der erste Teil handelt von den einschneidenden Ver\u00e4nderungen im Leben des Chilenen und seiner Partnerin, der mexikanische Schriftstellerin Jazmina Barrera \u2013 vom fr\u00fchen Aufstehen, qu\u00e4lenden Cluster-Kopfschmerzen, der Pandemie und dem neuen Vergn\u00fcgen an Kinderb\u00fcchern. Die spanischsprachige Originalausgabe erschien 2023 unter dem Titel \u201eLiteratura infantil\u201c.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Doch es w\u00e4re kein Buch von Alejandro Zambra, wenn all diese allt\u00e4glichen Beobachtungen aus der Vater-Perspektive nicht zwangsl\u00e4ufig in Beziehung zu vielf\u00e4ltigen Lekt\u00fcren oder dem Prozess des eigenen Schreibens gesetzt w\u00fcrden, um dem Lauf der Erz\u00e4hlung immer wieder eine \u00fcberraschende Wendung zu verleihen. Mit dem konstanten Wechseln der Ebenen wird das Private mit dem \u00d6ffentlichen verbunden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">\n        <strong>Literarische Stimme seiner Generation<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">Der chilenische Schriftsteller gilt als scharfsinniger Chronist der Gesellschaft seines Geburtslandes. Mit \u201eDie Entdeckung der Kindheit\u201c (2012), <a href=\"https:\/\/taz.de\/Roman-Bonsai-von-Alejandro-Zambra\/!5205120\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eBonsai\u201c (2015)<\/a> oder zuletzt \u201eFast ein Vater\u201c (2021) hat er seiner Generation, die ihre Kindheit unter der Diktatur Pinochets und die Jugend in den ern\u00fcchternden \u00dcbergangsjahren erlebte, eine literarische Stimme verliehen.<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph last\"><strong>Alejandro Zambra:<\/strong> \u201eNachrichten an meinen Sohn\u201d. Aus dem Spanischen von Susanne Lange. Suhrkamp Verlag, Berlin 2025, 239 Seiten, 25 Euro<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"6\">\u201eNachrichten an meinen Sohn\u201c scheint nun eine vers\u00f6hnlichere Facette des Autors hervorzukehren. Hellsichtig stellte Alejandro Zambra schon 2017 in <a href=\"https:\/\/taz.de\/Schriftsteller-ueber-Literatur-aus-Chile\/!5404327\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">einem taz-Gespr\u00e4ch<\/a> fest: \u201c\u2026 eigentlich schreibt man doch immer am selben Buch. Was sich ver\u00e4ndert, ist die Welt und man selbst nat\u00fcrlich auch.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"7\">Im zweiten Teil \u00e4ndert das Buch seinen Erz\u00e4hlstil. Neue Protagonisten tauchen auf. \u201eSchimpfkanonade\u201c erz\u00e4hlt von der engen Kinderfreundschaft zwischen Dario und Sebasti\u00e1n, der allein mit seiner Mutter aufw\u00e4chst. In der Nachbarschaft macht ihn das zum Sonderling. Doch Dario findet dieses Familienleben ohne Vater besonders interessant.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"8\">Die zwei Jungen treffen sich bald t\u00e4glich zum Spielen oder Fernsehen, meist bei Sebastian, dessen Mutter Lali erst sp\u00e4t aus dem B\u00fcro nach Hause kommt. Ein besonderes Vergn\u00fcgen bereitet es den Freunden, in andere Rollen zu schl\u00fcpfen und sich gegenseitig unfl\u00e4tige, vulg\u00e4re Briefe voll w\u00fcster Beschimpfungen zu schreiben. Durch ein ungl\u00fcckliches Missverst\u00e4ndnis wird ihre Verbindung dadurch f\u00fcr viele Jahre unterbrochen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"9\">\n        <strong>Lokal verankerte Sprache<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"10\">Sp\u00e4testens in dieser Kurzgeschichte zeigt sich eindr\u00fccklich, wie viel Bedeutung der Autor einer lokal verankerten Sprache und dem pr\u00e4zisen Jonglieren mit Worten beimisst. F\u00fcr Susanne Lange, die \u00dcbersetzerin, mag dies eine beachtliche Herausforderung dargestellt haben, und nicht immer \u00fcbertr\u00e4gt sich Zambras chilenisch gepr\u00e4gter Wortwitz problemlos ins Deutsche.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"11\">Nicht nur die Entscheidung, den chilenischen \u201eEstallido\u201c, jene Oktober 2019 einsetzenden Massenproteste, die an anderer Stelle des Buches erw\u00e4hnt werden, negativ konnotiert mit \u201eAusschreitungen\u201c zu \u00fcbersetzen, wirft Fragen auf.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"12\">\n        <strong>Erinnerung an die eigene Kindheit und Jugend<\/strong>\n      <\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"13\">In \u201eNachrichten an meinen Sohn\u201c weckt die intime Betrachtung der ver\u00e4nderten Lebenssituation beim Autor auch Erinnerungen an seine eigene Kindheit und Jugend in Chile.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"14\">W\u00e4hrend \u201eWolkenkratzer\u201c, eine autobiografisch anmutende Erz\u00e4hlung, noch den Blick auf ein konfliktreiches Vater-Sohn-Verh\u00e4ltnis wirft, schaltet sich gegen Ende des Buches nun Silvestres chilenischer Gro\u00dfvater regelm\u00e4\u00dfig per Videocall dem mexikanischen Familienalltag zu. Der neue Austausch mit dem Vater veranlasst Zambra nachtr\u00e4glich, einige Kapitel seiner Kindheit umzuschreiben.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"15\">Dem weit verbreiteten Drang, dem eigenen Vater darin eine herausragende Rolle zu geben, widersteht der Schriftsteller allerdings nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit ein paar Jahren schon lebt der 1975 in Santiago de Chile geborene Schriftsteller Alejandro Zambra in der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":134959,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-134958","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114560717761876860","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/134958","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=134958"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/134958\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/134959"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=134958"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=134958"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=134958"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}