{"id":13515,"date":"2025-04-07T16:46:18","date_gmt":"2025-04-07T16:46:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/13515\/"},"modified":"2025-04-07T16:46:18","modified_gmt":"2025-04-07T16:46:18","slug":"protest-fuer-le-pen-in-frankreich-wenn-es-luftbilder-gibt-sind-wir-erledigt-sagt-ein-unterstuetzer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/13515\/","title":{"rendered":"Protest f\u00fcr Le Pen in Frankreich: \u201eWenn es Luftbilder gibt, sind wir erledigt\u201c, sagt ein Unterst\u00fctzer"},"content":{"rendered":"<p>Nach ihrer Verurteilung geht Marine Le Pen in die Offensive. Aber sich zum Opfer des Systems zu erkl\u00e4ren und sich mit Martin Luther King zu vergleichen, k\u00f6nnte sich als falsche Strategie erweisen. Die Proteste ihrer Anh\u00e4nger sind eine Gratwanderung.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">In Frankreich wurde am Sonntag der Startschuss f\u00fcr das Rennen um die n\u00e4chste Pr\u00e4sidentschaft gegeben. Die drei wichtigsten politischen Str\u00f6mungen des Landes hatten zu Demonstrationen und Kundgebungen aufgerufen. Obwohl die Wahlen 2027 noch weit entfernt scheinen, hatten alle Parteien an diesem sonnigen Aprilsonntag nur eine Frage im Sinn: Wer l\u00f6st Emmanuel Macron ab?<\/p>\n<p>Nachdem Marine Le Pen am Montag vergangener Woche mit sofortiger Wirkung <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/plus255830604\/Le-Pen-Bei-Verkuendung-des-Strafmasses-hatte-sie-das-Gericht-laengst-verlassen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/politik\/ausland\/plus255830604\/Le-Pen-Bei-Verkuendung-des-Strafmasses-hatte-sie-das-Gericht-laengst-verlassen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">das passive Wahlrecht entzogen<\/a> wurde, hatte sie behauptet, ihr sei die Wahl \u201egestohlen\u201c worden. Inzwischen ist offiziell, dass ihre Berufungsverfahren so schnell wie m\u00f6glich eingeleitet werden soll, damit Le Pen im Sommer 2026, ein knappes Jahr vor der Wahl im Mai 2027, ein Berufungsurteil hat.<\/p>\n<p>Derweil versucht die franz\u00f6sische Rechtspopulistin die Anh\u00e4nger des Rassemblement National (RN) auf verschiedenen Wegen zu mobilisieren. W\u00e4hrend sich Le Pen auf der Pariser Place Vauban als Opfer eines parteiischen Justizsystems inszenierte, versammelte sich die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/article255879666\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/article255879666&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">linke Opposition auf der Place de La R\u00e9publique<\/a> auf der anderen Seite der Seine zu einer \u201eGegendemo\u201c, zu der die Gr\u00fcnen-Chefin Marine Tondelier aufgerufen hatte, die angesichts des RN \u201edie Republik in Gefahr\u201c sieht.<\/p>\n<p>Zeitgleich fand im Pariser Vorort Saint-Denis ein lange geplante Kundgebung von Macrons Partei Renaissance statt, die Parteichef Gabriel Attal nutzen wollte, um aus dem Schatten des Parteigr\u00fcnders Macron herauszutreten und sich als Nachfolger des Pr\u00e4sidenten in Stellung zu bringen.<\/p>\n<p>RN mobilisiert mit Reisebussen und 80er-Jahre Hits<\/p>\n<p>Le Pens Einladung zur Demonstration kam einer Gratwanderung gleich. Wem es nicht gelingt, in dieser Lage gen\u00fcgend Teilnehmer zu versammeln, der sendet ein Signal der Schw\u00e4che aus. W\u00e4re es andererseits zu einer massiven Mobilmachung, ja zu Ausschreitungen gekommen, h\u00e4tte sich Le Pen die jahrelange Arbeit, als normale Partei des demokratischen Spektrums erscheinen zu wollen, an einem Tag zunichtegemacht.<\/p>\n<p>Wenn es um reine Zahlen ging, hat Le Pen ihre Wette verloren. \u201eDas Volk von Frankreich hat ein Rendezvous mit seinem Schicksal\u201c, wurde in einem Filmchen deklariert, das zusammen mit verteilten Frankreichfahnen und Hits aus den 80er-Jahren f\u00fcr Stimmung unter den Anh\u00e4ngern sorgen sollte. Doch das Rendezvous mit dem Schicksal haben nicht viele wahrgenommen, trotz der Reisebusse, die die Partei angemietet hatte, um Unterst\u00fctzer aus den fernen Wahlkreisen anzukarren. Die Veranstalter z\u00e4hlten 10.000 Demonstranten, aber das wirkte angesichts eines nur locker gef\u00fcllten Platzes \u00fcbertrieben.<\/p>\n<p>In den vergangenen Tagen habe es allein 25.000 Neueintritte in die Partei gegeben, versicherte der RN, und die Petition f\u00fcr Le Pen soll bereits 550.000 Unterschriften z\u00e4hlen. Doch am Sonntag r\u00e4umten selbst Anh\u00e4nger des RN ein, dass die Fernsehkameras \u201ezum Gl\u00fcck einen anderen Eindruck\u201c vermitteln w\u00fcrden, f\u00fcrchteten aber Aufnahmen von Drohnen. \u201eWenn es Luftbilder gibt, sind wir erledigt\u201c, so ein Mann in der Menge. Ein RN-Kader relativierte die magere Beteiligung. \u201eEs ist nicht in unserem politischen Genom, in dem des rechten Volkes, auf die Stra\u00dfe zu gehen. Das ist eher ein Reflex der Linken.\u201c<\/p>\n<p>Le Pen vergleicht sich mit Martin Luther King<\/p>\n<p>Schon im Vorfeld machte Le Pen deutlich, dass sie durch das Urteil die Demokratie und die B\u00fcrgerrechte in Frankreich bedroht sehe. \u201eWir nehmen uns Martin Luther King als Vorbild\u201c, sagte sie und legte damit nahe, dass in Frankreich Zust\u00e4nde wie in den USA in den sechziger Jahren herrschten, als Schwarze B\u00fcrger zweiter Klasse waren.<\/p>\n<p>Als eine solche empfindet sich auch Le Pen. Sie beteuerte, nicht \u00fcber den Gesetzen zu sehen, sondern darunter: \u201eIch bin eine B\u00fcrgerin zweiter Klasse\u201c, so Le Pen. Das Urteil habe mit F\u00fc\u00dfen getreten, was ihr am wichtigsten ist: \u201emein Volk, mein Land, meine Ehre\u201c. \u201eDas ist nicht Gerechtigkeit, das ist eine Hexenjagd\u201c, rief Le Pen auf der Trib\u00fcne.<\/p>\n<p>\u201eRetten wir die Demokratie\u201c, war der Slogan der Veranstaltung. In ihrer Rede kritisierte sie erwartungsgem\u00e4\u00df die parteiischen Richter und das System, das zu allem bereit sei, um ihre Pr\u00e4sidentschaft zu verhindern. \u201eEs handelt sich nicht um eine Entscheidung der Justiz, sondern um eine politische Entscheidung\u201c, so Le Pen.<\/p>\n<p>Politologe sieht Risiken bei Le Pens Rhetorik<\/p>\n<p>Es ist dieselbe Rhetorik, der sich Le Pen seit Urteilsverk\u00fcndung bedient. Aber damit gehe die Frontfrau ein Risiko ein, urteilt der Politologe Pascal Perrineau. \u201eWer die Autorit\u00e4t der Justiz infragestellt, von konfiszierter Demokratie, ja Tyrannei spricht, der l\u00e4uft Gefahr, als radikale Protest-Partei zu erscheinen, die unf\u00e4hig ist, die Regierung zu \u00fcbernehmen\u201c, sagt Perrineau im Gespr\u00e4ch mit WELT. Die Tatsache, dass die drei Richter bedroht werden und inzwischen unter Politeischutz stehen, sei ein \u201ebeunruhigendes Signal\u201c, so Perrineau weiter.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Rechtsextremismusexperten und Wahlforscher ist auch die schnelle Solidarit\u00e4t von Wladimir Putin, Viktor Orb\u00e1n, Donald Trump und Elon Musk ein klares Hindernis f\u00fcr die Franz\u00f6sin. \u201eDiese Unterst\u00fctzer st\u00e4rken nicht, sondern tragen eher zur Diskreditierung bei\u201c, sagt Perrineau.<\/p>\n<p>Auf der Pariser Kundgebung wurden Solidarit\u00e4tsadressen des italienischen Populisten Matteo Salvini, des Niederl\u00e4nders Gert Wilders, des Ungarn Orb\u00e1n und von Herbert Kickl, dem Chef der \u00d6VP, gesendet. Aber mit der Solidarit\u00e4t der \u201epolitischen Familie\u201c, den Rechtspopulisten Europas, mag man sich noch schm\u00fccken. Mit Russland will der RN nicht mehr in Verbindung gebracht werden. \u201eDie Unterst\u00fctzung des Kreml hat uns keine Sekunde lang geholfen, im Gegenteil, es handelt sich um Einmischung\u201c, sagt der RN-Abgeordnete Jean-Philippe Tanguy, Mitglied des Parteipr\u00e4sidiums.<\/p>\n<p>Immer mehr Parteimitglieder fragen sich, ob man so nah am Ziel eines Einzugs in den Elys\u00e9e-Palast auf ein verletztes Pferd setzen solle. Zumal die j\u00fcngste Umfrage des Instituts Elabe erneut zeigt, dass Parteichef Jordan Bardella dieselben Chancen h\u00e4tte wie Le Pen. W\u00e4ren am kommenden Sonntag Wahlen, w\u00fcrde Le Pen je nach Kandidat der Opposition auf bis zu 36 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang kommen, Bardella auf 35,5 Prozent.<\/p>\n<p>Politischer Beobachter sehen in Le Pens Verteidigungsstrategie ein Indiz f\u00fcr die Trumpisierung Frankreichs. \u201eMan verleugnet die Fakten, behauptet eine L\u00fcge und macht daraus die Wahrheit. Das ist das Reich der Fake News\u201c, so Experte Perrineau. <\/p>\n<p>\u201eDie Masken sind gefallen\u201c, res\u00fcmiert sein Kollege J\u00e9r\u00f4me Jaffr\u00e9 und f\u00fcgt hinzu, dass Le Pen die offizielle Kandidatin von autorit\u00e4ren Staatschefs oder Oligarchen sei, deren erkl\u00e4rtes Zeil es sei, die Europ\u00e4ische Union zerlegen zu wollen. \u201eDas sind Unterst\u00fctzer, die man sich nicht w\u00fcnscht\u201c, so Jaffr\u00e9.<\/p>\n<p>Der RN ist mit der Kritik am Rechtsstaat zu seinen Fundamenten zur\u00fcckgekehrt. Er ist wieder die Anti-System-Partei, die f\u00fcr Stimmung sorgt, der man aber die Schl\u00fcssel des \u00c9lys\u00e9e-Palasts nicht unbedingt anvertrauen will.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/martina-meister\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/autor\/martina-meister\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Martina Meister<\/a> berichtet im Auftrag von WELT seit 2015 als freie Korrespondentin in Paris \u00fcber die franz\u00f6sische Politik.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach ihrer Verurteilung geht Marine Le Pen in die Offensive. 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