{"id":136914,"date":"2025-05-24T21:32:35","date_gmt":"2025-05-24T21:32:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/136914\/"},"modified":"2025-05-24T21:32:35","modified_gmt":"2025-05-24T21:32:35","slug":"eu-und-grossbritannien-bedeutendste-neuausrichtung-seit-brexit-das-ist-ueber-den-deal-bekannt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/136914\/","title":{"rendered":"EU und Gro\u00dfbritannien: Bedeutendste Neuausrichtung seit Brexit \u2013 das ist \u00fcber den Deal bekannt"},"content":{"rendered":"<p>Die Abwendung der Trump-Regierung von Europa und die Bedrohung aus Russland bringen die EU und Gro\u00dfbritannien wieder n\u00e4her zusammen. Mehrere Abkommen sollen die Beziehung neu aufstellen. WELT beantwortet die wichtigsten Fragen.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Monatelang wurde verhandelt \u2013 jetzt stehen neue Abkommen der EU mit Gro\u00dfbritannien: Die 27-EU-Staaten und das Vereinigte K\u00f6nigreich wollen enger zusammenarbeiten bei Themen wie Verteidigung und Sicherheit, Lebensmittelstandards, Fischerei und Energie. <\/p>\n<p>EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen sprach von einem \u201ehistorischen Moment\u201c. Sie erg\u00e4nzte: \u201eWir beginnen ein neues Kapitel in unserer einzigartigen Beziehung.\u201c Die Einigung f\u00fcnf Jahre nach dem Brexit 2020 sei ein wichtiges Zeichen in unsicheren Zeiten. Die Botschaft sei, dass Europa zusammenstehe angesichts der \u201egr\u00f6\u00dften Bedrohung\u201c, die es seit Generationen gegeben habe, sagte von der Leyen vor dem Hintergrund von Russlands Krieg gegen die Ukraine. EU-Ratspr\u00e4sident Ant\u00f3nio Costa betonte: \u201eWir sind Nachbarn, Verb\u00fcndete, Partner, und wir sind Freunde.\u201c <\/p>\n<p>Der sogenannte EU-UK-Gipfel der Spitzenpolitiker solle k\u00fcnftig j\u00e4hrlich stattfinden, sagte Costa. Der britische Premierminister Keir Starmer betonte, die Einigung sei f\u00fcr beide Seiten ein Gewinn. \u201eDamit beginnt eine neue \u00c4ra in unserer Beziehung\u201c, sagte Starmer. Die Briten rechnen mit, dass bis 2040 rund neun Milliarden Pfund in die eigene Wirtschaft eingebracht werden.<\/p>\n<p>Von der Leyen, Costa und EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas und der mit Gro\u00dfbritannien befasste EU-Kommissar Maros Sefcovic waren am Montag im prunkvollen Lancaster House in London empfangen worden. <\/p>\n<p>Wie kam es zu der Ann\u00e4herung?<\/p>\n<p>Im Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und Gro\u00dfbritannien nach dem Brexit spielte das Thema Verteidigung keine Rolle. Damals war der Krieg in der Ukraine noch weit weg, die Briten wollten das Thema im Rahmen der Nato und bilateraler Beziehungen regeln. Doch seit Russlands gro\u00df angelegtem Einmarsch in sein Nachbarland und der R\u00fcckkehr Donald Trumps ins Wei\u00dfe Haus hat sich das ge\u00e4ndert. Beide Seiten scheinen mehr denn je aufeinander angewiesen. \u201eGro\u00dfbritannien und die EU m\u00fcssen in diesen geopolitisch schwierigen Zeiten zusammenhalten\u201c, sagte Kallas vor dem Treffen dem \u201eTagesspiegel\u201c.<\/p>\n<p>\u00dcber die Details der Abkommen wurde lange gestritten. Der Durchbruch erfolgte nach Diplomatenangaben kurz vor dem Gipfel am Morgen nach n\u00e4chtlichen Verhandlungen. Streitpunkte waren vor allem Fischereirechte sowie Jugendmobilit\u00e4t zwischen der EU und Gro\u00dfbritannien, die es jungen Menschen erleichtern soll, f\u00fcr eine begrenzte Zeit im Ausland zur Schule zu gehen, zu studieren oder zu arbeiten. <\/p>\n<p>Fischerei war schon w\u00e4hrend des Brexit-Referendums ein gro\u00dfes Thema. Die derzeit g\u00fcltige Verteilung l\u00e4uft im kommenden Jahr aus, dann m\u00fcssten die Fangquoten Jahr f\u00fcr Jahr ausgehandelt werden. Vor allem Frankreich pochte darauf, dass die bisherige Regelung weiterhin gilt.<\/p>\n<p>Was ist bisher \u00fcber den Inhalt der Abkommen bekannt? <\/p>\n<p>Die Einigung sieht drei Themenkomplexe vor: einen Sicherheits- und Verteidigungspakt, eine Solidarit\u00e4tserkl\u00e4rung und eine Vereinbarung zu Themen wie Handel, Fischerei und Jugendmobilit\u00e4t. Die Vereinbarung ist dabei oft nur Grundlage f\u00fcr weitere Verhandlungen.<\/p>\n<ul>\n<li>Verteidigung: Im Zentrum der Neuausrichtung der Beziehung steht ein Verteidigungs- und Sicherheitspakt, der Gro\u00dfbritannien die Teilnahme an gemeinsamen Beschaffungen erm\u00f6glicht. Dies ebnet den Weg f\u00fcr britische Unternehmen wie BAE Systems, Rolls Royce und Babcock, an einem 150 Milliarden Euro schweren EU-Programm zur Wiederbewaffnung Europas teilzunehmen. <\/li>\n<li>Ukraine: Auch bei der Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine wollen beide Seiten noch enger als bisher kooperieren.<\/li>\n<li>Fischerei: In der Fischerei werden britische und EU-Schiffe f\u00fcr zw\u00f6lf weitere Jahre Zugang zu den Gew\u00e4ssern des jeweils anderen haben. <\/li>\n<li>Handel: Im Gegenzug f\u00fcr das Entgegenkommen bei Fischereirechten will die EU die B\u00fcrokratie f\u00fcr Lebensmittelimporte aus Gro\u00dfbritannien auf unbestimmte Zeit lockern. <\/li>\n<li>Mobilit\u00e4t: Ein Jugendmobilit\u00e4tsprogramm f\u00fcr Unter-30-J\u00e4hrige soll das Reisen und Arbeiten zwischen Gro\u00dfbritannien und der EU erleichtern. Die Regierung von Starmer betont, dass dies keine R\u00fcckkehr zur Freiz\u00fcgigkeit bedeutet. Stattdessen wird eine kontrollierte Anzahl von Personen mit begrenzter Teilnehmerzahl und Aufenthaltsdauer angestrebt. Laut einem Entwurfsdokument, das Reuters einsehen konnte, werden beide Seiten auf ein solches Abkommen hinarbeiten. Die genaue Teilnehmerzahl wird noch diskutiert.<\/li>\n<li>Energie: Beide Seiten pr\u00fcfen die britische Teilnahme am internen Strommarkt der EU, den Gro\u00dfbritannien nach dem Brexit verlassen hatte. Die britische Energiebranche dr\u00e4ngt jedoch auf effizientere Stromhandelsvereinbarungen mit der EU. Im Jahr 2024 importierte Gro\u00dfbritannien rund 14 Prozent seines Stroms \u00fcber Verbindungen mit Belgien, D\u00e4nemark, Frankreich und Norwegen.<\/li>\n<li>Emissionshandel: Gro\u00dfbritannien und die EU arbeiten an einer Verbindung ihrer Emissionshandelssysteme. Viele Unternehmen auf beiden Seiten fordern eine Verkn\u00fcpfung der Kohlenstoffm\u00e4rkte. Branchenanalysten weisen darauf hin, dass dies wahrscheinlich die britischen Kohlenstoffpreise auf das EU-Niveau anheben w\u00fcrde. Energieunternehmen argumentieren jedoch, dass dies Kosten f\u00fcr Verbraucher senken und die Marktliquidit\u00e4t verbessern k\u00f6nnte. Zudem w\u00fcrde es Gro\u00dfbritannien helfen, Geb\u00fchren unter dem europ\u00e4ischen CO\u2082-Grenzausgleichsmechanismus zu vermeiden, der ab 2026 auf bestimmte Importe erhoben wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p>D\u00fcrfen EU-B\u00fcrger auf Visa-Erleichterungen hoffen?<\/p>\n<p>Hier gibt es noch keinen wei\u00dfen Rauch. Die Bundesregierung pocht schon lange auf ein Programm f\u00fcr junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren, um in Gro\u00dfbritannien zumindest f\u00fcr begrenzte Zeit studieren und arbeiten zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Den Vorsto\u00df der EU-Kommission f\u00fcr ein Youth Mobility Scheme lehnte die inzwischen regierende Labour-Partei noch im April vergangenen Jahres br\u00fcsk ab. Man werde nicht zur Personenfreiz\u00fcgigkeit zur\u00fcckkehren, durch die sich EU-B\u00fcrger ohne weiteres in Gro\u00dfbritannien niederlassen konnten, hie\u00df es damals. <\/p>\n<p>Auch jetzt scheint das Thema weiter schwierig zu sein. Immerhin einigten sich beide Seiten darauf, weiter dar\u00fcber zu sprechen. Auch eine R\u00fcckkehr der Briten in das Erasmus-Austauschprogramm f\u00fcr Studierende wird in Aussicht gestellt.<\/p>\n<p>Was sind die roten Linien?<\/p>\n<p>Die britische Regierung legt weiterhin \u00e4u\u00dfersten Wert darauf, m\u00f6glichst wenig Angriffsfl\u00e4che f\u00fcr Brexit-Vork\u00e4mpfer Nigel Farage und seine Partei Reform UK zu bieten, die in Umfragen inzwischen vor Labour und den Konservativen liegt. Sie betont daher stets, es werde auch keine R\u00fcckkehr in den Binnenmarkt oder die Zollunion geben \u2013 obwohl das einen gro\u00dfen Schub f\u00fcr die Wirtschaft br\u00e4chte.<\/p>\n<p>Aufseiten Br\u00fcssels gibt es weiterhin die Sorge, Gro\u00dfbritannien k\u00f6nne durch \u201eRosinenpicken\u201c Begehrlichkeiten bei anderen Partnern wecken, sich Privilegien zu verschaffen, ohne daf\u00fcr Verpflichtungen einzugehen. Ohne Beitr\u00e4ge zum EU-Haushalt und Arbeitnehmerfreiz\u00fcgigkeit d\u00fcrfen sich die Briten kaum Hoffnungen auf weitreichende Erleichterungen beim Marktzugang zur EU machen. <\/p>\n<p>Ein paar heilige K\u00fche der Brexit-Puristen werden geschlachtet, etwa das Nein zur dynamischen Angleichung an EU-Regeln f\u00fcr Lebensmittelstandards und die Ablehnung des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs als Schiedsrichter bei gemeinsamen Vereinbarungen. Das soll den Handel mit Lebensmitteln \u00fcber den \u00c4rmelkanal und auch zwischen Nordirland und dem Rest des Vereinigten K\u00f6nigreichs wieder erleichtern.<\/p>\n<p>Kommen die Briten zur\u00fcck in die EU?<\/p>\n<p>Aktuelle Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der Briten die Brexit-Entscheidung bereut. Es gibt jedoch wenig Interesse an einem Wiedereintritt in die EU. Unter Starmer hat sich Gro\u00dfbritannien kontinuierlich der EU und vor allem Frankreich und Deutschland wieder angen\u00e4hert. Dies kommt vor allem auch im Umgang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und mit dem neuen US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump zum Ausdruck. In diesem Bereich bem\u00fchen sich die Regierungen in London und Paris gemeinsam mit dem neuen Bundeskanzler Friedrich Merz um ein einheitliches Vorgehen, auch zusammen mit Polens Ministerpr\u00e4sident Donald Tusk.<\/p>\n<p>mit Reuters\/dpa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Abwendung der Trump-Regierung von Europa und die Bedrohung aus Russland bringen die EU und Gro\u00dfbritannien wieder n\u00e4her&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":136915,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[331,332,13935,7736,40665,13,15861,6176,14,15,110,12,6382,45,3992,3993,3994,3995,3996,3997],"class_list":{"0":"post-136914","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-brexit","11":"tag-europaeische-union-eu","12":"tag-grossbritannien-politik","13":"tag-headlines","14":"tag-keir","15":"tag-landes-leonhard","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-newsteam","19":"tag-schlagzeilen","20":"tag-starmer","21":"tag-texttospeech","22":"tag-uk","23":"tag-united-kingdom","24":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","25":"tag-vereinigtes-koenigreich","26":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","27":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114564952516365762","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/136914","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=136914"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/136914\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/136915"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=136914"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=136914"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=136914"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}