{"id":137151,"date":"2025-05-24T23:49:09","date_gmt":"2025-05-24T23:49:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/137151\/"},"modified":"2025-05-24T23:49:09","modified_gmt":"2025-05-24T23:49:09","slug":"lettland-alkohol-am-steuer-auto-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/137151\/","title":{"rendered":"Lettland: Alkohol am Steuer \u2013 Auto weg"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nAuf einem gut versteckten Parkplatz der lettischen Polizei in Riga stehen rund 430 Autos. Vom Kleinstwagen bis zum Luxus-Sportwagen ist alles dabei. Etwa die H\u00e4lfte der Autos hat die Polizei von betrunkenen Fahrern konfisziert \u2013 f\u00fcr immer. Der Rest der Wagen stammt aus anderen Strafverfahren.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Ukrainerin Svitlana Nalyvaiko arbeitet f\u00fcr die NGO Agendum und kommt regelm\u00e4\u00dfig auf diesen Parkplatz. Nalyvaiko sucht hier Autos aus, die dann dem Milit\u00e4r in ihrem Heimatland zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Auf diesem Weg unterst\u00fctzt Lettland die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen die russischen Invasoren.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung0\" class=\"jumpLabel\">Gesetz \u00fcber Konfiszierung seit 2022<\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nBevor sie in die Ukraine gebracht werden, bauen Freiwillige der Organisation Agendum konfiszierte sowie durch Spendengelder finanzierte Autos f\u00fcr den Milit\u00e4reinsatz um. Einmal pro Woche fahren sie sie dann in einen Konvoi in das angegriffene Land. &#8222;Ich w\u00e4re zwar gl\u00fccklicher, wenn wir gar nichts abholen m\u00fcssten und der Krieg einfach zu Ende w\u00e4re&#8220;, sagt Nalyvaiko auf dem Polizeiparkplatz, &#8222;aber ich bin froh, dass diese Autos ukrainischen Sanit\u00e4tern und Soldaten helfen werden.&#8220; Gerade hat sie einen Wagen mit deutschem Kennzeichen ausgesucht, den die lettische Polizei einem Halter aus Th\u00fcringen dauerhaft entzogen hat \u2013 wegen Trunkenheit am Steuer.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nFahrern, die in Lettland mit mehr als 1,5 Promille Alkohol im Blut erwischt werden, kann seit 2022 ihr Auto f\u00fcr immer weggenommen werden. Diese harte Ma\u00dfnahme hat Lettland unter anderem eingef\u00fchrt, weil so viele Menschen bei Unf\u00e4llen unter Alkoholeinfluss sterben. Elf Menschen pro eine Million Einwohner waren es 2021, mehr als f\u00fcnf Mal so viele wie in Deutschland. In anderen EU-L\u00e4ndern wie D\u00e4nemark oder Italien geht man inzwischen \u00e4hnlich strikt gegen alkoholisierte Fahrer vor.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung1\" class=\"jumpLabel\">Psychologe: Gesetz hat auch negative Folgen<\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nIgors Ivz\u0101ns ist Psychologe und leitet eine Gespr\u00e4chsgruppe. In der treffen sich M\u00e4nner, die noch vor Inkrafttreten des Gesetzes ihren F\u00fchrerschein verloren haben, weil sie alkoholisiert Auto gefahren sind. Sie haben zwar nicht ihr Auto, aber ihren F\u00fchrerschein verloren. Wer ihn wiederbekommen will, muss an sechs Gruppenterminen mit einem Psychologen teilnehmen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nIgors Ivz\u0101ns findet, die Gesetze m\u00fcssten streng sein, da auch das Problem gro\u00df ist. &#8222;Aber andererseits: Wenn ich an unsere Klienten und ihre Schwierigkeiten denke, spielt das generelle Misstrauen gegen\u00fcber Staat und Gesellschaft eine gro\u00dfe Rolle.&#8220; Eine so strenge Strafe wie der Entzug ihres Eigentums w\u00fcrde die Fahrer negativ beeinflussen, ihr Misstrauen noch vergr\u00f6\u00dfern.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nEin Teil der M\u00e4nner in Ivz\u0101ns Gespr\u00e4chsgruppen sagt, dass sie gegen solche harten Ma\u00dfnahmen seien. In vielen Kreisen gelte man als merkw\u00fcrdig, wenn man keinen Alkohol trinke. Deshalb solle doch eher auf Aufkl\u00e4rung gesetzt werden, sagt ein Mann, der anonym bleiben m\u00f6chte.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung2\" class=\"jumpLabel\">Herausfordernde Polizeiarbeit: Betrunkene Fahrer stoppen<\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nAuf der anderen Seite sind Verkehrspolizisten wie Val\u0113rijs Zlot\u0146ikovs und Mat\u012bss Ananko daf\u00fcr zust\u00e4ndig, auf Rigas Stra\u00dfen betrunkene Fahrer zu stoppen. Die Erfahrung, t\u00f6dliche Unf\u00e4lle aufzunehmen, die Fahrer im Alkoholrausch verursacht haben, kann lange nachh\u00e4ngen, sagt Ananko: &#8222;Das ist kein gutes Gef\u00fchl. Am schwierigsten ist es, wenn ein unschuldiger Mensch ums Leben gekommen ist oder verletzt wurde.&#8220; Kollege Zlot\u0146ikovs f\u00fcgt hinzu, es motiviere ihn, betrunkene Fahrer aus dem Verkehr zu ziehen, da er so andere Menschen vor einem m\u00f6glicherweise t\u00f6dlichen Unfall sch\u00fctzen k\u00f6nne. Eine angenehme Rolle sei das nicht, schon gar nicht in zw\u00f6lfst\u00fcndigen Nachtschichten.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung3\" class=\"jumpLabel\">Konfiszierte Autos \u2013 von &#8222;Waffen&#8220; zu Lebensrettern<\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nF\u00fcr die NGO Agendum sind die in Lettland konfiszierten Autos ein wertvolles Gut. Rund 650 davon hat die Organisation schon in die Ukraine geliefert.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAuch der Audi des Th\u00fcringer Halters landete in der Werkstatt der NGO, wo Freiwillige die Autos f\u00fcr die Front vorbereiten. Imants Skerstens, eigentlich Informatiker, arbeitet in seiner Freizeit in der Werkstatt an einem Gel\u00e4ndewagen, der als Sanit\u00e4tsfahrzeug an der Front nahe Saporischschja eingesetzt werden soll: &#8222;Wir panzern diese Fahrzeuge ein wenig, um die Besatzung vor Splittern zu sch\u00fctzen, falls in der N\u00e4he eine M\u00f6rsergranate oder eine Artilleriegranate explodiert. Oder falls eine Drohne mit einer Sprengladung das Fahrzeug trifft.&#8220; Auch einen Dachgep\u00e4cktr\u00e4ger f\u00fcr eine Bahre und Ersatzreifen bringen die Freiwilligen an. Ein normaler Krankenwagen ohne Allradantrieb, f\u00fchrt Skerstens weiter aus, w\u00fcrde nicht nahe genug an die Stellungen der Soldaten herankommen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAutos von betrunkenen Fahrern dauerhaft einzuziehen, findet Skerstens richtig, &#8222;denn im Grunde k\u00f6nnen sie genauso gef\u00e4hrlich sein wie eine Schusswaffe. Was wir tun, ist, diese Autos von einer Waffe in einen Lebensretter zu verwandeln&#8220;.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDas Gesetz, das das Konfiszieren von Autos stark alkoholisierter Fahrer erlaubt, gilt nun schon mehr als zwei Jahre und scheint zu wirken: Unf\u00e4lle unter Alkoholeinfluss sind in diesem Zeitraum in Lettland um mehr als ein F\u00fcnftel zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Auf einem gut versteckten Parkplatz der lettischen Polizei in Riga stehen rund 430 Autos. 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