{"id":138556,"date":"2025-05-25T12:50:13","date_gmt":"2025-05-25T12:50:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/138556\/"},"modified":"2025-05-25T12:50:13","modified_gmt":"2025-05-25T12:50:13","slug":"jubel-am-gaertnerplatztheater-donizettis-der-liebestrank-eine-kritik-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/138556\/","title":{"rendered":"Jubel am G\u00e4rtnerplatztheater: Donizettis &#8222;Der Liebestrank&#8220; &#8211; eine Kritik &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Nichts ist schwerer zu erzeugen als Leichtigkeit. Ein forcierter Scherz verschenkt seine Wirkung, ein \u00fcbertriebener Witz kann peinlich werden, unterspielen sollte man auch nicht. Das sind die Fallen einer so \u00fcberdreht aktiven, Pointen reihenden opera buffa wie Gaetano Donizettis \u201eL\u2019elisir d\u2019amore\u201c. Und weil die Oper eine Liebesgeschichte ist, muss auch Sinn f\u00fcrs Zwischenmenschliche bewiesen werden. Das Ensemble des <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/G%C3%A4rtnerplatz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">G\u00e4rtnerplatztheaters<\/a> tut das, trifft beim Repertoire-Dauerbrenner den richtigen Ton zwischen Komik und Romanze und l\u00e4sst so sein Publikum auf die F\u00fc\u00dfe springen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Mitgerissen wird es schon vom Setting. Regisseur Dirk Schmeding bel\u00e4sst die Handlung zwar in einem comichaft bunten Fantasie-Italien (B\u00fchne: Martina Segna), in dem statt der Sonne ein Zitrone strahlt, aber die Figuren orientieren sich in Kleidung und Bewegungslust an der Disco-\u00c4ra der Siebziger. Adina ist auch hier die reiche P\u00e4chterin auf dem Lande, begeistert Nemorino aber auch mit F\u00f6hnwelle, langen Beinen und ihrem Million-Dollar-L\u00e4cheln. Als \u201ereich und launisch\u201c wird sie in der Partitur beschrieben, Jennifer O\u2019Loughlin reichert das an mit dem ihr eigenen B\u00fchnencharisma.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/residenztheater-muenchen-spielzeit-2025-26-programm-li.3238623\" aria-label=\"Artikelverlinkung:\" data-track-szde=\"{&quot;event&quot;:&quot;teaser_clicked&quot;,&quot;teaser_clicked&quot;:{&quot;article_title&quot;:&quot;am_residenztheater_wird_2025_26_die_spielzeit_der_starken_frauen&quot;,&quot;doctype&quot;:&quot;&quot;,&quot;label&quot;:&quot;&quot;,&quot;main_topic&quot;:&quot;kultur_in_muenchen&quot;,&quot;object_id&quot;:&quot;li.3238623&quot;,&quot;pcat&quot;:&quot;metered&quot;,&quot;section&quot;:&quot;muenchen&quot;,&quot;teaser_type&quot;:&quot;article_teaser_top&quot;}}\" data-manual=\"teaser-url\" data-tb-link=\"\" aria-labelledby=\"teaser-httpswwwsueddeutschedemuenchenresidenztheater-muenchen-spielzeit-2025-26-programm-li3238623\" class=\"css-14tg8sh\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/4129025a-fc87-4e6b-8dd2-c9b3f6a47cec.jpeg\"   alt=\"\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/><\/p>\n<p>Bayerisches Staatsschauspiel<\/p>\n<p>:Am Residenztheater wird 2025\/26 die Spielzeit der starken Frauen<\/p>\n<p class=\"css-a6ecqs\" data-manual=\"teaser-text\" data-tb-description=\"\" data-schema-org-speakable=\"true\">Das Bayerische Staatsschauspiel plant eine Saison mit 18 Premieren. Zwei Drittel der Produktionen liegen in weiblicher Hand. Und immer wieder wird M\u00fcnchen zum Thema gemacht.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Dass sich der einfache Landmann Nemorino in sie verguckt hat, ist plausibel, sie kann auch sch\u00f6n singen. O\u2019Loughlins Sopran ist rund, beweglich und bringt die Luft mit m\u00fchelosen Koloraturen zum Sirren, zum ersten Mal in einer glitzernden Arie vom Liebestrank der K\u00f6nigin Isolde. Spitzent\u00f6ne braucht sie nur anzutippen, um sie wie Pfeile durch den Raum schnellen zu lassen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Nemorino hat neben so viel weiblicher Energie zun\u00e4chst wenig Strahlkraft. Matteo Ivan Ra\u0161i\u0107, der Rollenerfahrung hat, gibt sich unbedarft bis verklemmt, darstellerisch anfangs etwas steif, was sich im Laufe des Abends l\u00f6st \u2013 das restliche, bestens aufgelegte Ensemble f\u00e4rbt ab. Stimmlich ist der junge S\u00e4nger ohnehin von der ersten Note an pr\u00e4sent, mit markigem, in der H\u00f6he schimmerndem, biegsamem Tenor, der ganz ohne Anschleifen oder andere Manierismen auskommt. Gegen Ende der Oper wird er mit dem Evergreen \u201eUna furtiva lagrima\u201c, expressiv und stimmsch\u00f6n aufgef\u00fchrt, das Publikum zum Jubeln bringen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Bis es soweit ist, muss indes noch einiges passieren. Ein Nebenbuhler in Unterhosen schwebt an einer W\u00e4scheleine in die Szenerie: Belcore, imposante Gestalt, mehr oder weniger hochdekorierter Milit\u00e4r, umt\u00e4nzelt von seinen Slapstick-Soldaten, die immer f\u00fcr Bewegung auf der B\u00fchne sorgen, wenn sonst nicht so viel passieren w\u00fcrde. Gespielt wird er in der Premiere von Matija Mei\u0107, der dem Sergeant seine erzene, weit vibrierende Stimme leiht. Ein ernstzunehmender Konkurrent f\u00fcr Nemorino also, der seine Probleme gel\u00f6st w\u00e4hnt, als der Wunderheiler Dulcamara aus einem gro\u00dfen Fernseher springt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Levente P\u00e1ll (li.) sieht als Dulcamara aus wie Elvis mit Schnauzbart,\u00a0Jennifer O\u2019Loughlin als Adina teils nach Disco-\u00c4ra. Begleitet werden sie in den Rezitativen vom Gitarren-Amor Pedro Aguiar.\" data-manual=\"overline, headerImageCaption, headerImageSrc, headerImageSrcSet\" data-testid=\"responsive-image\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/d299d7d6-01ba-4b16-9383-5ed17b56a7d4.jpeg\"  role=\"button\" tabindex=\"0\" class=\"css-y4bre2\"\/>Levente P\u00e1ll (li.) sieht als Dulcamara aus wie Elvis mit Schnauzbart,\u00a0Jennifer O\u2019Loughlin als Adina teils nach Disco-\u00c4ra. Begleitet werden sie in den Rezitativen vom Gitarren-Amor Pedro Aguiar. (Foto: Marie-Laure Briane)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Dulcamara, der Bitters\u00fc\u00dfe, seit jeher die vielleicht interessanteste Figur unter den sonst recht transparenten Kom\u00f6dien-Protagonisten, ist hier kein Arzt. Eher ein Alleinunterhalter, der nach Elvis in der Sp\u00e4tphase aussieht (sofern dieser einen Schnauzer getragen h\u00e4tte). Mit schmierigem Charme und pr\u00e4zis leichtf\u00fc\u00dfigem basso buffo \u00fcberzeugt Levente P\u00e1ll die D\u00f6rfler. Diesem Mann kauft man alles ab, auch fragw\u00fcrdig leuchtende Fl\u00fcssigkeiten. Und das, obwohl er leicht bekleidete Blondinen als Werbemittel einsetzt. Das kann man \u00fcberholt finden. Im Dienste des Klamauk wird es akzeptiert.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Denn nach tieferliegenden Botschaften sollte man hier nicht graben. Schmedings Inszenierung zielt auf den gut getimten Lacher, auf sch\u00f6ne, bunte Bilder und \u00fcberraschende Details. Die Rezitative begleitet etwa ein sympathischer, mit Amor-Fl\u00fcgeln ausgestatteter Gitarrist (Pedro Rog\u00e9rio Aguiar Silva). Und beim Barcarola-Duett, mit dem Dulcamara die Dorfgesellschaft im zweiten Akt unterhalten m\u00f6chte, ist die kaprizi\u00f6se Adina drauf und dran, den singenden Quacksalber mit seinem Mikrofon zu verm\u00f6beln. Das w\u00e4re schade, denn die beiden erg\u00e4nzen sich auf lebendige Weise, was Michael Balke hier wie auch sonst durch so aufmerksames wie sprudelndes Dirigat anfeuert.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Wenn dann am Ende wirklich alle gl\u00fccklich sind, Nemorino seine Adina, Dulcamara sein Geld und Belcore seine Soldaten hat, kennen die Premiereng\u00e4ste kein Halten mehr. Das Publikum, schon vorher gro\u00dfz\u00fcgig mit Szenenapplaus, l\u00e4sst das Ensemble kaum von der B\u00fchne. Man zeigt Dankbarkeit f\u00fcr einen Opernabend, der knallte wie eine Konfetti-Kanone.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nichts ist schwerer zu erzeugen als Leichtigkeit. 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