{"id":1386482,"date":"2026-11-07T01:56:11","date_gmt":"2026-11-07T01:56:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1386482\/"},"modified":"2026-11-07T01:56:11","modified_gmt":"2026-11-07T01:56:11","slug":"berlin-merkels-appell-beim-ermutiger-biermann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1386482\/","title":{"rendered":"Berlin | Merkels Appell beim \u00abErmutiger\u00bb Biermann"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa) &#8211; Es geht um ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte der DDR &#8211; die Ausb\u00fcrgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976. Aber am Ende kommt Angela Merkel auf die Gegenwart im Herbst 2026 zu sprechen. \u00abWir als B\u00fcrger m\u00fcssen wieder laut und entschieden f\u00fcr diesen Staat eintreten\u00bb, sagt die Ex-Kanzlerin von der CDU &#8211; und f\u00fcgt hinzu: \u00abEs ist ein Kampf f\u00fcr etwas, f\u00fcr das man gl\u00fccklicherweise nicht verfolgt wird. Aber damit man nicht eines Tages verfolgt wird, muss man sich heute f\u00fcr die Werte unseres Staates engagieren.\u00bb<\/p>\n<p>Die ehemalige Regierungschefin ist ins Kino International in Berlin gekommen, zu einer Veranstaltung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Biermann, der am 15. November 90 Jahre alt wird, sitzt in der ersten Reihe neben ihr. \u00abFestival des kritischen Geistes\u00bb steht gro\u00df an der Leinwand &#8211; und etwas kleiner dar\u00fcber: \u00ab50 Jahre Biermann-Ausb\u00fcrgerung\u00bb. Merkel, die in der DDR aufwuchs und damals 22 Jahre alt war, h\u00e4lt eine Art Festrede. Sie nutzt sie f\u00fcr einige pers\u00f6nliche Anmerkungen, aber auch f\u00fcr einen Appell.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abDie Demokratie braucht uns\u00bb<\/p>\n<p>\u00abUnser Land ist geeint, aber doch aufgeregt und zerrissen\u00bb, sagt die Kanzlerin au\u00dfer Dienst. \u00abWir ahnen, dass die Demokratie verletzlicher ist, als wir dachten, dass sie mehr braucht als nur freie Wahlen. Sie braucht uns, die B\u00fcrger, die in einer Demokratie leben wollen.\u00bb Merkel spricht von einem Auftrag an alle, sich aktiv zu diesem freiheitlichen Staat zu bekennen &#8211; also etwa zur W\u00fcrde jedes Menschen, zur Meinungsfreiheit und auch zum Schutz von Minderheiten.<\/p>\n<p>\u00abInsofern brauchen wir auch heute Ermutigung, wenn auch unter ganz anderen Umst\u00e4nden\u00bb, sagt Merkel und spannt den Bogen zum Anlass des Abends. \u00abWolf Biermann ist uns auch deshalb so nah, weil seine Lieder solche Ermutigungen zum Handeln sind.\u00bb<\/p>\n<p>Vor ihrer Rede hat Biermann mit seiner Gitarre einige Lieder gesungen &#8211; in seiner unnachahmlichen Art, wie Merkel sagt. \u00abEr fleht und er klagt an und immer voller Leidenschaft. Und damit f\u00fcllt er die R\u00e4ume, er befl\u00fcgelt die Fantasie, und wenn alles gut l\u00e4uft, dann macht er sogar Mut.\u00bb<\/p>\n<p>Merkel sah Konzert im Westfernsehen<\/p>\n<p>Merkel beschreibt in ihrer W\u00fcrdigung die Lebensstationen Biermanns, der als 16-J\u00e4hriger von Hamburg in die DDR \u00fcbersiedelte und den Kommunismus mit aufbauen wollte. Schnell geriet er aber mit kritischen Liedern und Gedichten in Konflikt mit der regierenden Einheitspartei SED und bekam ein jahrelanges Auftrittsverbot. Nach einem Konzert in K\u00f6ln am 13. November 1976 durfte er nicht in die DDR zur\u00fcckkehren, seine Staatsb\u00fcrgerschaft wurde ihm aberkannt. Das l\u00f6ste Protest- und Solidarit\u00e4tsaktionen in der Kulturszene der DDR aus.<\/p>\n<p>Biermanns K\u00f6lner Konzert war f\u00fcr Merkel die erste M\u00f6glichkeit, \u00abihn einmal singend in Bild und Farbe zu erleben\u00bb, wie sie erz\u00e4hlt &#8211; in einer Ausstrahlung der ARD einige Tage danach. \u00abIch war, um das Konzert zu verfolgen, extra von meinem Studienort Leipzig nach Templin nach Hause gefahren, da ich im Studentenwohnheim nat\u00fcrlich kein Westprogramm sehen konnte.\u00bb Sonst habe sie die Lieder nur auf Tonbandaufnahmen geh\u00f6rt, die ihr Vater beschaffte.<\/p>\n<p>Verlust der \u00abLebensheimat\u00bb<\/p>\n<p>F\u00fcr Biermann sei die Ausb\u00fcrgerung trotz der brutalen Art, in der er seine \u00abLebensheimat\u00bb verlor, ein weiterer Schritt gewesen, sich vom Glauben an den Kommunismus zu l\u00f6sen, sagt Merkel &#8211; und f\u00fcr die DDR auch mit der folgenden Ausreise so vieler K\u00fcnstler ein weiterer Schritt auf dem Weg zu ihrem Ende. Zum Schluss ihrer Rede, als sie von Biermann als Ermutiger spricht, sagt Merkel: \u00abLieber Wolf, deshalb brauchen wir Deine Stimme nicht nur heute, sondern auch in Zukunft. Alles Gute und ganz viel Dank Dir, dem Fast-Neunzigj\u00e4hrigen.\u00bb<\/p>\n<p>Biermann wird dann auf der Kinob\u00fchne gefragt, wie er und Merkel zueinander stehen. \u00abWenn Leute \u00fcber sie schimpfen, dann verteidige ich sie\u00bb, sagt er direkt als Erstes. Sie seien eben befreundet. Und allm\u00e4hlich habe er gelernt, dass man das auch dann sein k\u00f6nne, wenn man verschiedene Meinungen hat. \u00abDas setzt nat\u00fcrlich voraus, dass man die Feigheit vor dem eigenen Freund \u00fcberwindet.\u00bb Toleranz habe er in der Diktatur nicht lernen k\u00f6nnen, dann aber im Westen. \u00abDas kommt mir bei der Beziehung zu Angela Merkel sehr zugute.\u00bb<\/p>\n<p>Sieg \u00fcber die \u00abSchweinehunde\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Die letzte Frage im kleinen B\u00fchnengespr\u00e4ch lautet noch, wie bewegt er nach allem sei, dass ihm bei der feierlichen Veranstaltung nun so viele Menschen im voll besetzten Saal gern zuh\u00f6ren. Biermann kommt da in den Sinn, wie er dabei war, als die Premiere des Films \u00abSpur der Steine\u00bb in diesem Kino von der DDR-Staatssicherheit gest\u00f6rt wurde. \u00abNat\u00fcrlich ist das tief bewegend, dass wir doch l\u00e4nger gehalten haben als diese Schweinehunde.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Solch einen Sieg m\u00fcsse man auch selbst begreifen, schon damit man die n\u00e4chsten Niederlagen besser aushalte. \u00abDamit man nicht schlapp macht.\u00bb F\u00fcr ihn sei es eine gro\u00dfe Ermutigung, sagt Biermann vor der Kulisse des im DDR-Stil gestalteten Kinos: \u00abNicht nur, dass ich noch lebe, sondern, dass ihr noch lebt. Und das zeigt sich an so einem Abend, dass das hier in dieser Ulbricht-und-Honecker-Kiste m\u00f6glich ist. Ist das nicht wunderbar?\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; Es geht um ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte der DDR &#8211; die Ausb\u00fcrgerung des&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1386483,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1825],"tags":[296,129,29,30,2989,1724],"class_list":["post-1386482","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-berlin","tag-berlin","tag-ddr","tag-deutschland","tag-germany","tag-geschichte","tag-gesellschaft"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1386482","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1386482"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1386482\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1386483"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1386482"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1386482"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1386482"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}