{"id":138651,"date":"2025-05-25T13:43:08","date_gmt":"2025-05-25T13:43:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/138651\/"},"modified":"2025-05-25T13:43:08","modified_gmt":"2025-05-25T13:43:08","slug":"hypothek-auf-die-zukunft-deutschland-zieht-italiens-talente-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/138651\/","title":{"rendered":"Hypothek auf die Zukunft: Deutschland zieht Italiens Talente an"},"content":{"rendered":"<p><strong>700.000 junge Menschen, haupts\u00e4chlich gut ausgebildete, haben in den zur\u00fcckliegenden 13 Jahren Italien verlassen. Deutschland ist eines ihrer bevorzugten Ziele. Die Auswanderungsgr\u00fcnde von heute \u00e4hneln denen vor einem Jahrhundert erstaunlich.<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Ich war 19 als ich nach Deutschland kam, um Soziologie zu studieren&#8220;, erz\u00e4hlt Irina Scelsi ntv.de. &#8222;Ich fand das Studium in Italien zu sehr auf angelerntes Wissen fokussiert und zu wenig auf Austausch, Vergleich und neue Ans\u00e4tze. Das mag f\u00fcr gewisse Fakult\u00e4ten richtig sein, aber nicht f\u00fcr alle.&#8220; <\/p>\n<p>Ihr Vater hatte ihr von der tats\u00e4chlich m\u00f6glichen Gesellschaftskritik und der Frankfurter Schule erz\u00e4hlt. Auch das beeinflusste ihre Wahl. Inzwischen lebt sie seit Jahren in Frankfurt\/Main und sie ist bei Weitem nicht die Einzige, die in Deutschland eine neue Heimat gefunden hat. <\/p>\n<p>Einmal in Deutschland, f\u00fcr immer in Deutschland<\/p>\n<p>Irina denkt nicht im Traum daran, zur\u00fcck nach Italien zu gehen. Nicht nur wegen des Studiums, auch beruflich hat sich ihr Entschluss als gut und richtig erwiesen. &#8222;Heute arbeite ich als Kunstp\u00e4dagogin in einem Jugendzentrum in Frankfurt&#8220;, erz\u00e4hlt sie weiter. Die Arbeit macht ihr Freude und sie kann davon leben &#8211; eine Tatsache, die sie besonders hervorhebt.<\/p>\n<p>H\u00e4tte sie sich denn in Italien nichts in dieser Richtung aufbauen k\u00f6nnen? &#8222;Ich habe Freunde in Mailand, die mehr oder weniger denselben Beruf wie ich aus\u00fcben&#8220;, sagt sie. &#8222;Verdienen tun sie aber die H\u00e4lfte. Wobei man ja nicht behaupten kann, das Leben in Mailand sei halb so teuer wie hier. Im Gegenteil.&#8220;<\/p>\n<p>Irinas Geschichte k\u00f6nnte man hundert- und tausendfach erz\u00e4hlen: Laut dem italienischem Statistikamt ISTAT sind von 2011 bis 2024 knapp 700.000 Italienerinnen und Italiener im Alter zwischen 18 und 34 Jahren ausgewandert. Allein 2024 waren es 191.000, 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Mittlerweile sind es in dieser Altersgruppe fast so viele Frauen (44.159) wie M\u00e4nner (49.251), die auswandern.<\/p>\n<p>Bildungsinvestition ohne Dividenden<\/p>\n<p>Das verwundert bei dem durchschnittlichen Gehalt in Italien nicht: Laut Erhebungen von Eures und Eurostat liegen die Geh\u00e4lter in der italienischen Privatwirtschaft f\u00fcr Arbeitnehmende unter 35 Jahren bei durchschnittlich 15.616 Euro im Jahr. 40 Prozent der unter 35-J\u00e4hrigen haben au\u00dferdem nur einen befristeten Arbeitsvertrag, w\u00e4hrend die Jugendarbeitslosigkeit durchschnittlich bei 21,3 Prozent liegt. In Europa sind es 14,1 Prozent.<\/p>\n<p>Auswandern ist prim\u00e4r f\u00fcr die gut Ausgebildeten &#8211; meist mit Hochschulabschluss &#8211; attraktiv. Das stellt f\u00fcr Italien nicht nur eine Hypothek auf die Zukunft des Landes dar, sondern auch einen Investitionsverlust. F\u00fcr jeden dieser Auswanderer hat der Staat 108.000 Euro in die Ausbildung gesteckt. Insgesamt investiert Italien vier Prozent des BiP in Bildung, bekommt aber wenig zur\u00fcck, wenn man bedenkt, dass 48 Prozent jener mit Hochschulabschluss das Land verlassen (2019 waren es 36 Prozent).<\/p>\n<p>Was die Wahl der Einwanderungsl\u00e4nder der jungen Italiener betrifft, steht Deutschland mit 12,8 Prozent an erster Stelle. Es folgt Spanien mit 12,1 Prozent und dann Gro\u00dfbritannien mit 11,9 Prozent.<\/p>\n<p>Italienische Akademiker auf Platz 2<\/p>\n<p>Laut dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) waren im Wintersemester 2023\/24 insgesamt 10.154 italienische Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben. 2022 arbeiteten 4439 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit italienischer Staatsangeh\u00f6rigkeit an deutschen Hochschulen &#8211; darunter 340 Professorinnen und Professoren.<\/p>\n<p>Den Zahlen nach belegt Italien sowohl beim internationalen wissenschaftlichen Hochschulpersonal als auch bei den ausl\u00e4ndischen Professuren in Deutschland den zweiten Platz unter den Herkunftsl\u00e4ndern. Genaue Daten zu den ausl\u00e4ndischen Studierenden, Akademikern und Akademikerinnen liefert die <a href=\"https:\/\/www.wissenschaft-weltoffen.de\/content\/uploads\/2023\/03\/wiwe_kompakt_DT_2023_Webversion_bf.pdf\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_self\" title=\"Studie DAAD\">Studie &#8222;Wissenschaft weltoffen&#8220; des DAAD<\/a>. Die Studienbereiche sind nicht nach Herkunftsland sortiert, den gr\u00f6\u00dften Zulauf haben Mathematik und Naturwissenschaften &#8211; man kann davon ausgehen, dass es sich auch bei den italienischen Studierenden so verh\u00e4lt.<\/p>\n<p>F\u00fcr Deutschland ist die Beliebtheit als Studien-, Forschungs- und Arbeitsland nat\u00fcrlich ein Gewinn. Das Land profitiere in mehrfacher Hinsicht von der Pr\u00e4senz internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, hei\u00dft es vom DAAD. Sie tr\u00e4gt zur Innovationsf\u00e4higkeit und zur internationalen Sichtbarkeit des deutschen Wissenschaftsstandorts bei.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem federt es ein wenig den Fachkr\u00e4ftemangel ab &#8211; und das auch dank anderer Bewerber aus Italien. Da es aber weder f\u00fcr Unternehmen noch Privatpersonen leicht ist, sich auf einem ausl\u00e4ndischen Arbeitsmarkt zu bewegen, gleich ob man sucht oder anbietet, wurde vor zehn Jahren die Berufsbildungsgesellschaft &#8222;Dual Concept&#8220; gegr\u00fcndet. Das ist ein eigenst\u00e4ndiges Unternehmen, an dem aber die Deutsch-Italienische Handelskammer mit Sitz in Mailand zu 100 Prozent beteiligt ist. &#8222;Wie der Name sagt, nimmt auch die duale Berufsausbildung einen wichtigen Platz ein&#8220;, erkl\u00e4rt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Katrin Helber ntv.de. Bis 2023 lief zudem das Pro Recognition Projekt, das von Deutschland finanziert wurde. &#8222;Dabei ging es um die Anerkennung von italienischen Berufs- und Studienabschl\u00fcssen in Deutschland&#8220;, f\u00e4hrt Helber fort. Gelegentlich gibt es auch Unterst\u00fctzungsanfragen f\u00fcr Anwerbung von bestimmtem Fachpersonal, etwa Apotheker und Erzieher.<\/p>\n<p>Flei\u00df und gute Ausbildung  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/imago755483541.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Schon immer versuchten Menschen, in anderen L\u00e4ndern gl\u00fccklich zu werden.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/imago755483541.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Schon immer versuchten Menschen, in anderen L\u00e4ndern gl\u00fccklich zu werden.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: IMAGO\/glasshouseimages)<\/p>\n<p>Angesichts der Auswanderungszahlen stellt sich unweigerlich die Frage: Ist Italien, wie schon Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, wieder zu einem Auswanderungsland geworden? Nimmt man nicht nur die Zahlen, sondern auch die Motivation der Auswandernden unter die Lupe, lautet die Antwort: &#8222;Si&#8220;! <\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es Unterschiede: Die Auswanderer beziehungsweise Migranten reisen heute nicht mit zugeschn\u00fcrtem Pappkoffer, sondern mit Laptop und Handy. Damals hatten sie Flei\u00df und ihre blo\u00dfen H\u00e4nde anzubieten, heute Flei\u00df und gute Ausbildung. Migrantinnen und Migranten auf der Suche nach einer Zukunft waren sie gestern und sind sie heute.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"700.000 junge Menschen, haupts\u00e4chlich gut ausgebildete, haben in den zur\u00fcckliegenden 13 Jahren Italien verlassen. 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