{"id":138732,"date":"2025-05-25T14:29:08","date_gmt":"2025-05-25T14:29:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/138732\/"},"modified":"2025-05-25T14:29:08","modified_gmt":"2025-05-25T14:29:08","slug":"pilotprojekt-in-uganda-gen-muecken-sollen-malaria-besiegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/138732\/","title":{"rendered":"Pilotprojekt in Uganda: Gen-M\u00fccken sollen Malaria besiegen"},"content":{"rendered":"<p>                    Pilotprojekt in Uganda<br \/>\n                Gen-M\u00fccken sollen Malaria besiegen<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t              \tVon Simone Schlindwein, Kampala<br \/>\n\t\t\t\t              25.05.2025, 16:00 Uhr<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t       Artikel anh\u00f6ren<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\tDiese Audioversion wurde k\u00fcnstlich generiert. <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/23249898\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mehr Infos<\/a><\/p>\n<p><strong>In Uganda arbeiten Forscher an einem weltweit einzigartigen Projekt: Mit genetisch ver\u00e4nderten Moskitos soll die Verbreitung von Malaria gestoppt werden. Fast jede Minute stirbt weltweit ein Kind unter f\u00fcnf Jahren an dem Fieber. Nun sollen die Gen-M\u00fccken erstmals im Freien getestet werden.<\/strong><\/p>\n<p>In einer quadratischen Box, die rundherum mit einem Moskitonetz umwickelt ist, summt es: Hunderte Stechm\u00fccken schwirren darin umher. Einige liegen bereits tot auf dem Boden, andere suchen aufgeregt nach Blut. Vorsichtig greift die Laborassistentin mit blauen, dicken Plastikhandschuhen hinein, um den F\u00fctterungsapparat zu kontrollieren.<\/p>\n<p>&#8222;Sobald die Moskitos ausgewachsen sind, h\u00f6ren wir auf, sie zu f\u00fcttern&#8220;, erkl\u00e4rt Insektenforscher Peter Nkurunziza. Der gro\u00dfe rundliche Mann im wei\u00dfen Laborkittel steht hinter seiner Assistentin und zeigt auf einen kleinen runden Beh\u00e4lter, den er in der Hand h\u00e4lt. &#8222;Dann geben wir ihnen menschliches Blut, das wir auf genau 37 Grad K\u00f6rpertemperatur aufw\u00e4rmen.&#8220;<\/p>\n<p>Der ugandische Wissenschaftler steht in einem Hochsicherheitslabor im Virusinstitut in Ugandas Kleinstadt Entebbe. Alle Fenster, T\u00fcren und L\u00fcftungsschlitze &#8211; ja selbst die Abflussrohre des Waschbeckens &#8211; sind versiegelt, damit keine einzige M\u00fccke entkommen kann. Die renommierte Forschungseinrichtung, eine der f\u00fchrenden auf dem afrikanischen Kontinent, ist einst von den britischen Kolonialherren gegr\u00fcndet worden, um gef\u00e4hrliche Tropenkrankheiten zu erforschen, auch Ebola. Heute entwickeln Ugandas Insektenforscher hier ganz neue Ans\u00e4tze, um mit genetisch ver\u00e4nderten Moskitos die gef\u00e4hrliche Krankheit Malaria auszurotten.<\/p>\n<p>Weltweit h\u00e4ufigste Infektionskrankheit<\/p>\n<p>Malaria, auch Sumpffieber genannt, z\u00e4hlt in den Tropen zu einer der t\u00f6dlichsten Krankheiten. Fast jede Minute stirbt weltweit ein Kind unter f\u00fcnf Jahren an dem Fieber, das mit Sch\u00fcttelfrost und Gliederschmerzen daherkommt. Sie wird durch Parasiten \u00fcbertragen. Typische Wirte sind die Anopheles-Stechm\u00fccken, die vor allem in den warmen und feuchten Tropen und Subtropen heimisch sind.<\/p>\n<p>Laut Angaben des deutschen Robert-Koch-Instituts lebt etwa 40 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung in Malaria-Gebieten, \u00fcberwiegend in L\u00e4ndern Afrikas, Asiens und S\u00fcdamerikas. J\u00e4hrlich werden rund 250 Millionen Menschen positiv getestet. Sie gilt damit als die weltweit h\u00e4ufigste Infektionskrankheit.<\/p>\n<p>Als Folge des Klimawandels und der dadurch einhergehenden Temperaturerh\u00f6hung breitet sich die Fieberkrankheit weltweit immer mehr aus. Zunehmend werden Malaria-Moskitos auch in den USA und Europa entdeckt: in Griechenland, Spanien und Portugal. <\/p>\n<p>Bereits 2023 gab das amerikanische Zentrum f\u00fcr Seuchenkontrolle- und Pr\u00e4vention (CDC) eine Warnung heraus, nachdem sechs Menschen in Florida und Texas daran erkrankt waren. Um die Verbreitung zu stoppen, gehen Wissenschaftler in Uganda nun ganz neue Wege. Ziel ist es, mittels ausgefeilter Genmanipulation an der Stechm\u00fccke direkt anzusetzen &#8211; um diese in der Zukunft auszurotten.<\/p>\n<p>Tests auf Inseln im Victoria-See<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Laborchef Nkurunziza wieder die T\u00fcren des Hochsicherheitslabors verriegelt, steht Doktor Jonathan Kayondo im Vorzimmer von seinem Schreibtisch auf. Neben seinem Laptop t\u00fcrmen sich ausgedruckte Berichte, Tabellen, Grafiken und Mikroskop-Aufnahmen von Moskitolarven. Kayondo ist Chef der Abteilung f\u00fcr Insektenforschung an Ugandas Virusinstitut und leitet ein 40-k\u00f6pfiges Forschungsteam, das Teil eines gr\u00f6\u00dferen Konsortiums ist. In dem sogenannten &#8222;Target Malaria&#8220;-Projekt sind weltweit insgesamt \u00fcber 200 Forscher t\u00e4tig, darunter in den USA, Gro\u00dfbritannien, Italien und Burkina Faso. Denn die Weltgemeinschaft hat sich als Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 Malaria fast auszurotten.<\/p>\n<p>&#8222;Wir haben die Gensequenz der Moskitos soweit ver\u00e4ndert, dass nun deutlich mehr m\u00e4nnliche als weibliche Larven schl\u00fcpfen&#8220;, erkl\u00e4rt der Forscher den Ansatz. Da nur die weiblichen Anopheles Blut saugen, um fruchtbar zu werden und Eier zu legen, &#8222;sind es nur die weiblichen M\u00fccken, welchen die Parasiten als Wirt von Mensch zu Mensch \u00fcbertragen&#8220;, so Kayondo. &#8222;Wenn es also \u00fcber Generationen hinweg deutlich mehr m\u00e4nnliche Moskitos gibt, dann reduziert sich die Wahrscheinlichkeit einer Malaria-Infektion bei Menschen enorm.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;M\u00fcssen alle Risiken ausschlie\u00dfen&#8220;<\/p>\n<p>Doch so weit sind die Insektenforscher noch nicht. Das weltweit einzigartige Projekt steckt quasi noch in den Kinderschuhen. Bislang wurden in den Laboren des CDC in den USA die Genstr\u00e4nge ver\u00e4ndert und die Folgen untersucht. &#8222;Wir m\u00fcssen zun\u00e4chst alle Risiken ausschlie\u00dfen &#8211; nicht, dass unsere genver\u00e4nderte Anopheles nun andere Krankheiten besser \u00fcbertragen kann oder l\u00e4nger leben oder andere ungewollte F\u00e4higkeiten entwickelt&#8220;, sagt Kayondo.<\/p>\n<p>Die ersten genmanipulierten Stechm\u00fccken wurden nun als Larven in Hochsicherheitsboxen nach Uganda geflogen, um sie dort in naher Zukunft auch in freier Wildbahn testen zu k\u00f6nnen. Dazu bieten sich die zahlreichen kleinen Inseln im Victoria-See, an dessen Ufern Ugandas Virusinstitut liegt, gerade zu an. Auf den Inseln des Ssese-Archipels, benannt nach der Tsetse-Fliege, hat bereits 1906 der damals noch junge deutsche Tropenmediziner und frisch gek\u00fcrte Nobelpreistr\u00e4ger Robert Koch im Auftrag der deutschen Kolonialherren die Schlafkrankheit erforscht. Sie wird von der Tsetse-Fliege \u00fcbertragen und hatte zu jener Zeit eine Viertelmillion Menschen in Deutsch-Ostafrika dahingerafft. Um Medikamente zu testen, hatte Koch auf den Ssese-Inseln Konzentrationslager eingerichtet, wo er totkranken Afrikanern Chemikalien einfl\u00f6\u00dften, die zum Teil giftig wirkten.<\/p>\n<p>Erste Tests nicht vor 2028<\/p>\n<p>Auf diesen Inseln will Kayondo in den kommenden Jahren nun auch die genmanipulierten Moskitos aussetzen, um sie in freier Wildbahn zu testen. Dazu m\u00fcssen bald die Inselbewohner wieder zu Versuchszwecken herhalten. &#8222;Damit sich die Moskitos vermehren, brauchen sie menschliches Blut &#8211; ohne das geht es einfach nicht&#8220;, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p>Doch damit die Menschen diesen Forschungsansatz akzeptieren, &#8222;muss er hundert Prozent sicher sein&#8220;, erkl\u00e4rt Kayondo. Er sch\u00e4tzt, dass die ersten Feldversuche nicht vor dem Jahr 2028 stattfinden k\u00f6nnen. &#8222;Und dann dauert es optimistisch betrachtet weitere zwei bis drei Jahre, bis wir die ersten Ergebnisse haben.&#8220; Sollten diese positiv sein, dauere es aber weitere Jahre, bis Ugandas Regierung die n\u00f6tigen Gesetze und Verordnungen verabschiedet, um die Freilassung von genetisch manipulierten Stechm\u00fccken &#8211; nicht nur zu Versuchszwecken &#8211; zu legalisieren. Bis dahin ist es also noch ein weiter Weg. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Pilotprojekt in Uganda Gen-M\u00fccken sollen Malaria besiegen Von Simone Schlindwein, Kampala 25.05.2025, 16:00 Uhr Artikel anh\u00f6ren Diese Audioversion&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":138733,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[752,29,30,141,232,756,50522],"class_list":{"0":"post-138732","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-bildung","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-gesundheit","12":"tag-health","13":"tag-infektionskrankheiten","14":"tag-malaria"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114568951471013955","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/138732","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=138732"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/138732\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/138733"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=138732"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=138732"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=138732"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}