{"id":139274,"date":"2025-05-25T19:24:11","date_gmt":"2025-05-25T19:24:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/139274\/"},"modified":"2025-05-25T19:24:11","modified_gmt":"2025-05-25T19:24:11","slug":"wie-gehts-weiter-mit-den-gruenen-in-leipziggespraech-mit-kristina-weyh-und-tobias-peter-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/139274\/","title":{"rendered":"Wie geht\u2019s weiter mit den Gr\u00fcnen in Leipzig?Gespr\u00e4ch mit Kristina Weyh und Tobias Peter \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Das Wahljahr, rechnet man es von Februar 2024 bis Februar 2025, ist vor\u00fcber und es lief f\u00fcr die Partei B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen nicht wirklich gut:\u00a0Nach dem Hoch bei den Stadtratswahlen 2019, mit 15 Sitzen, zu denen noch Bert Sander (WVL) hinzukam, wurden es noch 13 Sitze bei der Wahl 2024. Erreichten die Gr\u00fcnen 2019 bei der Landtagswahl in Sachsen noch 8,9 Prozent und regierten mit CDU und SPD in einer Koalition, so reichte es 2024 mit 5,1 Prozent nur knapp zum Verbleib im Landtag.<\/p>\n<p>Die Bundestagswahl brachte ebenfalls ein, f\u00fcr die Gr\u00fcnen, unbefriedigendes Ergebnis. Von 14,7 Prozent der Zweitstimmen 2021 verloren die Gr\u00fcnen etwa 3 Prozent und sind, wie im Land, nicht mehr in der Regierung vertreten.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/b76244196e1844b8adecac1cf8490239.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2025\/05\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2025\/05\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Ich habe mit Kristina Weyh und Tobias Peter, den Fraktionsvorsitzenden im Leipziger Stadtrat, in einer Videokonferenz gesprochen, um zu erfahren, wie es mit der Partei in Leipzig weitergeht. Die Gespr\u00e4chspartner sind, seit der gemeinsamen Zeit im Stadtrat, per Du. Wir haben das im Gespr\u00e4ch beibehalten.<\/p>\n<p><b>Die Wahlen sind vorbei und es lief nicht optimal f\u00fcr <\/b><b>E<\/b><b>uch, denke ich. Wie stellt ihr Euch neu auf, wie bringt ihr Eure Themen vielleicht auch ver\u00e4ndert wieder in den Vordergrund?<\/b><\/p>\n<p><b>K. Weyh<\/b>: Gro\u00dfe Frage, wie stellen wir uns neu auf? Ich spreche nur f\u00fcr Leipzig. Wir haben uns als Fraktion tats\u00e4chlich schon sehr erfolgreich neu aufgestellt, das ging erfreulicherweise schnell. Wir sind in gutes Arbeiten gekommen mit unseren vielen Neuen im Stadtrat. Die Arbeit anders zu verteilen klappt sehr gut, da sind wir sehr zufrieden. Auch in der Partei sehen wir f\u00fcr Gesamt-Leipzig, dass wir mit dem gro\u00dfen Mitgliederzuwachs dort ein enormes Potenzial gewonnen haben, um ins inhaltliche Arbeiten zu gehen.<\/p>\n<p>Es gibt einen Riesenzulauf in den thematischen Arbeitsgemeinschaften, wo wir als Stadtr\u00e4tinnen auch immer mit reingehen. Da sind wir sehr eng mit der Partei verbunden und merken, da kommt ganz viel programmatische Arbeit, die uns als Stadtratsfraktion sehr viel Nutzen bringt. Wir bekommen Input, um Themen gemeinsam zu erarbeiten, das gef\u00e4llt uns sehr gut. Wir stellen uns gerade inhaltlich wieder fest auf, nachdem erstmal kurz durchgeatmet werden musste.<\/p>\n<p>Jetzt haben wir die Herausforderung, das ist f\u00fcr uns auch ein bisschen neu, wie organisieren wir uns als Partei mit den vielen Menschen mehr als vorher? Das ist eine organisatorische Geschichte, wir sind da aber auf einem guten Weg uns auch dezentral mit den Leuten zu treffen. Das ist eine spannende Entwicklung und das st\u00e4rkt uns in der Stadtratsarbeit f\u00fcr das allt\u00e4glich Inhaltliche tats\u00e4chlich.<\/p>\n<p>Wir erleben ein ganz gro\u00dfes Interesse der Mitglieder daf\u00fcr, was hier in Leipzig wirklich passiert. Die Menschen interessieren sich schon sehr f\u00fcr das, was vor ihrer T\u00fcr passiert und daf\u00fcr, was wir machen.<\/p>\n<p><b>Du sprachst von Mitgliederzuwachs, wie dr\u00fcckt der sich ungef\u00e4hr in Zahlen aus?<\/b><\/p>\n<p><b>K. Weyh<\/b>: Es sind jetzt \u00fcber 2000 Mitglieder und wir kennen noch ziemlich gut die Zeiten, wo es 400 waren. Also, es ist wirklich krass.<\/p>\n<p><b>Die origin\u00e4ren gr\u00fcnen Themen wie Umweltschutz, Klimaschutz und so weiter, sind ja im Wahlkampf, durchaus auch mit Fake News, vorsichtig gesagt ziemlich schlecht behandelt worden. Wie wollt ihr die wieder ins Gespr\u00e4ch bringen?<\/b><\/p>\n<p><b>T. Peter<\/b>: Nat\u00fcrlich werden wir trotzdem unsere Themen hochhalten. Ich sage mal so, gerade auf der Bundesebene ist da ja durch eine schlechte Kommunikation, auch durch teilweise handwerklich vielleicht nicht ganz optimalen Umgang mit Themen ein St\u00fcck weit Kredit verloren gegangen. Aber Themen wie Klimapassung, sind ja am Ende ganz konkret mit Lebensrealit\u00e4t und Lebensqualit\u00e4t verbunden. Stichwort Hitzesommer, das muss immer mit genau mit diesen Lebensrealit\u00e4ten verkn\u00fcpft gesehen werden.<\/p>\n<p>Wir haben das Thema W\u00e4rmewende vor der Brust, da geht\u2019s um das Thema Bezahlung, am Ende geht es um bezahlbares Wohnen, gerade beim Thema Nebenkosten. So kann man das weiter deklinieren. Der Ausbau erneuerbarer Energien wird unerl\u00e4sslich sein, damit wir beim Thema Wirtschaft attraktiv bleiben und Investoren anziehen. In dem Sinne versuchen wir die Themen immer ein St\u00fcck weit aufzuziehen und dranzubleiben.<\/p>\n<p>Wir merken im Stadtrat schon, dass wo es fr\u00fcher noch teilweise von den Linken eine Konkurrenz bei den \u00d6ko-Themen gab, wir da ein eher alleinstehen. Das hat auch etwas Gutes, umso mehr k\u00f6nnen wir dieses Alleinstellungsmerkmal hervorheben. Jetzt haben wir ein bisschen Luft.<\/p>\n<p><b>K. Weyh<\/b>: Ich w\u00fcrde da gerne noch was erg\u00e4nzen, weil ich das ganz spannend finde. Das Thema Klima, Umwelt, die Gr\u00fcnen, die gr\u00fcnen Themen, das Naturthema, all das wurde so diskreditiert und kleingeredet. Wir merken jetzt aber in der kommunalen Arbeit, dass wir die Themen st\u00e4ndig wieder auf dem Tisch haben. Da gibt es wieder eine \u00dcberschwemmung bei Starkregen, es gibt Probleme mit der Hitze, die werden wir wieder bekommen, es ist viel zu trocken, die B\u00e4ume sind zu trocken und so weiter.<\/p>\n<p>Am Ende bearbeiten wir die Themen und haben mit diesem konkreten Thema vor Ort die Widerlegung dieser rechten Narrative, dass es das alles nicht gibt. Wir k\u00f6nnen jetzt gut herausarbeiten, wie wir das am konkreten Beispiel den Leuten vermittel. Einige schreien rum, sie stehen durch die Baustellen im Stau und das ist ganz furchtbar, aber genauso viele E-Mails bekomme ich von Leuten, die sagen: Meine Stra\u00dfe ist so schlecht und muss sofort gemacht werden.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen dann den Leuten sagen: Ihr m\u00fcsst Euch \u00fcberlegen, ob ihr die Mobilit\u00e4tswende so sehr verdammen wollt oder ob wir nicht doch mal gucken, wie wir noch ein paar Autos von der Stra\u00dfe wegbekommen. Am Ende spielt uns die Realit\u00e4t in die Karten. Vielen Menschen wird klar werden, was nicht funktioniert.<\/p>\n<p><b>T. Peter<\/b>: Vielleicht noch als Beispiel das Feuerwerk am Bagger. Das bewegt viele. Ich teile nicht die These, dass die Leute grunds\u00e4tzlich weniger \u00f6kologisch denken oder weniger \u00fcbrig haben f\u00fcr Umwelt- und Naturschutz. Am Ende muss man es konkret machen, mit bestimmten Beispielen.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen die Themen und die Probleme, aber auch die Vorteile aufzeigen und beim Thema Feuerwerk am Bagger, da gibt es eine ganz klare Mehrheit, die das wirklich problematisch findet. Also da gibt es eine Sensibilit\u00e4t und es liegt jetzt an uns da den Finger auf die Wunde zu legen, damit man bei den Themen vorankommt.<\/p>\n<p><b>Einleitend hatte ich gesagt, die Wahlen w\u00e4ren vorbei. Allerdings steht ja f\u00fcr Leipzig die Wahl des Oberb\u00fcrgermeisters schon in zwei Jahren an. Werden die Gr\u00fcnen, nach heutigem Stand, einen eigenen Kandidaten aufstellen?<\/b><\/p>\n<p><b>T. Peter<\/b>: Es sieht danach aus, dass glaube ich alle Parteien, also auch wir, jeweils eine Person aufstellen. Ich glaube so ehrlich und so klar kann man sein. Die Frage ist ja: Was soll das Anforderungsprofil sein? Wir haben gestern doch eine lebhafte Debatte gehabt, in der wir auch nochmal klare Kritik am derzeitigen Oberb\u00fcrgermeister ge\u00fcbt haben.<\/p>\n<p>Der hat seine rhetorischen St\u00e4rken und seine Glanzpunkte in der Repr\u00e4sentation, aber klare Schwachpunkte beispielsweise bei der Frage: Wie organisiere ich eine zukunftsf\u00e4hige Stadtverwaltung? Wie gehe ich mit Mitarbeitern um? Wie entwickle ich die Stadt insgesamt und nehme dabei die Leute mit? Das ist ein St\u00fcck weit das Anforderungsprofil f\u00fcr eine Person, die f\u00fcr uns Gr\u00fcne in den Wahlkampf zieht. Also es muss einen klaren Neuanfang geben in der Art und Weise, wie die Stadt gef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p><b>Das waren meine Fragen, habt Ihr noch etwas, was Ihr loswerden wollt?<\/b><\/p>\n<p><strong>T. Peter<\/strong>: Vielleicht ein Punkt, der uns umtreibt: Der h\u00e4ngt am Ende mit dem Oberb\u00fcrgermeister zusammen. Es steht die Frage: Wie gehen wir mit den Themen Haushaltskonsolidierung und Aufgabenkritik um? Aus unserer Sicht l\u00e4uft da einiges schief. Wir stehen dazu, dass es den Prozess braucht, aber der muss auch vern\u00fcnftig aufgesetzt werden. Da haben wir den Eindruck, es wird ein bisschen Geld aus allen Ecken zusammengekratzt, aber es ist nicht wirklich ein Prozess, in dem man hinterfragt, ob die Prozesse sinnvoll aufgesetzt sind.<\/p>\n<p>Da werden wir dranbleiben, dass dieser Prozess so l\u00e4uft, dass wir am Ende digitaler rauskommen, dass wir so rauskommen, dass es barrierefrei wird und die Besch\u00e4ftigten am Ende eine Entlastung erfahren und nicht eine Belastung. Genau danach sieht es gerade nicht aus. Das ist eine der Schw\u00e4chen, die der OBM hat. Er kann so einen Prozess nicht gut f\u00fchren und deswegen l\u00e4uft es gerade auch nicht gut. Da ist es unser Anliegen, kritisch dranzubleiben, klare Forderungen zu stellen und Ideen einzubringen.<\/p>\n<p><b>K. Weyh<\/b>: Uns ist es auch ein Anliegen, die Verwaltung wieder in vern\u00fcnftige und gesunde Arbeitsstrukturen zu bringen und nicht dieses Narrativ, welches sich auch so verselbstst\u00e4ndigt hat zu bedienen: Die k\u00f6nnen ja alle nichts, die wissen ja alle nicht, was sie tun und die liefern nicht. Das stimmt wirklich gar nicht. Ich glaube, wir k\u00f6nnen in dem Prozess auch diesem Bild entgegenwirken, in dem wir Stellschrauben drehen und kommunizieren, welche Sachen wirklich noch verbesserungsw\u00fcrdig sind. Ich glaube, da k\u00f6nnen wir einen gro\u00dfen Schritt weitergehen.<\/p>\n<p>Das hat sich auch im Stadtrat breit gemacht in den letzten Jahren, dieses Einschlagen auf vermeintlich unf\u00e4hige Mitarbeiter:innen und das ist einfach falsch. Da h\u00e4tte ich auch gerne, aus diesem Prozess heraus, dass wir da wieder zu einer anderen Wahrnehmung kommen, damit die Verwaltungsmitarbeiter\/-innen auch eine Chance haben und anerkannt wird, dass die dort alle miteinander eine vern\u00fcnftige Facharbeit machen.<\/p>\n<p>Das ist uns ein Anliegen, welches am Ende dieses Prozesses stehen muss. Das ist nicht so sehr greifbar, aber ich glaube da kann man viel bewegen.<\/p>\n<p><b>Kristina und Tobias, ich danke Euch f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Wahljahr, rechnet man es von Februar 2024 bis Februar 2025, ist vor\u00fcber und es lief f\u00fcr die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":139275,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[424,21,3364,29,35628,30,2134,19399,71,859,1108,35632],"class_list":{"0":"post-139274","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-bundestagswahl","9":"tag-buendnis-90-die-gruenen","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-fraktionsvorsitz","13":"tag-germany","14":"tag-interview","15":"tag-landtagswahl","16":"tag-leipzig","17":"tag-sachsen","18":"tag-stadtrat","19":"tag-stadtratswahl"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114570111396491715","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/139274","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=139274"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/139274\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/139275"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=139274"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=139274"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=139274"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}