{"id":139577,"date":"2025-05-25T22:17:27","date_gmt":"2025-05-25T22:17:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/139577\/"},"modified":"2025-05-25T22:17:27","modified_gmt":"2025-05-25T22:17:27","slug":"buhrufe-bei-premiere-am-nationaltheater-muenchen-an-jonas-kaufmann-lag-es-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/139577\/","title":{"rendered":"Buhrufe bei Premiere am Nationaltheater M\u00fcnchen \u2013 an Jonas Kaufmann lag es nicht"},"content":{"rendered":"<p>Rache ist bekanntlich ein Gericht, das am besten kalt serviert wird. In der Neuinszenierung des Doppelabends aus Pietro Mascagnis &#8222;Cavalleria rusticana&#8220; und Ruggero Leoncavallos &#8222;Pagliacci&#8220; dauert es zehn Jahre, bis Alfio endlich Genugtuung daf\u00fcr bekommt, dass ihm Turiddu einst H\u00f6rner aufgesetzt hat. Denn Francesco Michelis Inszenierung erz\u00e4hlt die beiden Opern als durchgehende Handlung: Aus Turiddu wird Canio, aus Alfio im zweiten Teil Tonio. Und der bringt seinen alten Rivalen 1970 fern von Sizilien in M\u00fcnchen um.<\/p>\n<p>Das kann man nicht nur so machen, es funktioniert auch jenseits einiger hektischer Zeitspr\u00fcnge am Ende von &#8222;Cavalleria rusticana&#8220; und etwas wackliger Psychologismen ganz gut. Aber die praktische Ausf\u00fchrung krankt daran, dass nur Wolfgang Koch durchgehend besetzt ist, w\u00e4hrend <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/person\/jonas-kaufmann\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Jonas Kaufmann<\/a> auf den Turiddu verzichtet und nur als Canio auftritt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/nl_kultur_silhouette2.svg.svg+xml\"\/><\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1565730_artikelbild_1Ec5bA_BUJFQt.jpg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"812\" height=\"459\"\/><\/p>\n<p>      \u00a9 Geoffroy Schied<\/p>\n<p>    von Geoffroy Schied<br \/>\n&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>Daher stellen im Prolog zu &#8222;Pagliacci&#8220; Doubles die Zusammenh\u00e4nge her. Das ist eine Kr\u00fccke, und es r\u00fcckt Tonio auch unangemessen in den Vordergrund. Zudem h\u00f6rt man jedem hohen oder lang gehaltenen Ton an, dass die gro\u00dfen Wagner-Partien an Kochs Bariton nicht spurlos vor\u00fcbergegangen sind. Ein H\u00f6rgenuss ist das nicht, und an darstellerischen Zwischent\u00f6nen fehlt es auch.<\/p>\n<p>Die Regie \u00fcbertreibt es mit der Deutlichkeit<\/p>\n<p>&#8222;Cavalleria rusticana&#8220; spielt eher stilisiert auf einer Scheibe, die in der zweiten Oper verwandelt zur\u00fcckkehrt. Damit es auch der Begriffsstutzigste versteht, wird gef\u00fchlt 100-mal darauf hingewiesen, dass Santuzza von Turiddu ein Kind erwartet. Yulia Matochkina singt und spielt diese schwangere Norn eher erratisch. Auch Ivan Gyngazov ist ein eher hartstimmiger Tenor slawischen Typs, der vom sizilianischen Wein noch nicht gekostet hat.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1565726_artikelbild_1Ec5bv_2DqXK6.jpg\" alt=\"Eine Szene aus \u201eCavalleria rusticana\u201c\" title=\"Eine Szene aus \u201eCavalleria rusticana\u201c\" width=\"812\" height=\"459\"\/><\/p>\n<p>      Eine Szene aus \u201eCavalleria rusticana\u201c<br \/>\n      \u00a9 Geoffroy Schied<\/p>\n<p>    Eine Szene aus \u201eCavalleria rusticana\u201c<\/p>\n<p>von Geoffroy Schied <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>Weil sich der Dirigent Daniele Rustioni an den Tempi der langsameren der beiden Aufnahmen unter Leitung des Komponisten orientiert, sind die beiden Duette vor dem Intermezzo sinfonico im ersten Teil eine ziemlich z\u00e4he Angelegenheit. An dieser Stelle wurde die Premiere durch r\u00fcde Buhs unterbrochen, deren Zielrichtung unklar blieb. Immerhin erwachte Ivan Gyngazov danach aus seinem Phlegma. Sein solides Material lie\u00df pl\u00f6tzlich Schmelz h\u00f6ren und der Abschied von seiner Mutter gelang ihm mit mehr Ausdruck.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1565727_artikelbild_1Ec5bw_1CQhDO.jpg\" alt=\"Die Geschichte beginnt in der Inszenierung 1960 auf Sizilien.\" title=\"Die Geschichte beginnt in der Inszenierung 1960 auf Sizilien.\" width=\"812\" height=\"459\"\/><\/p>\n<p>      Die Geschichte beginnt in der Inszenierung 1960 auf Sizilien.<br \/>\n      \u00a9 Geoffroy Schied<\/p>\n<p>    Die Geschichte beginnt in der Inszenierung 1960 auf Sizilien.<\/p>\n<p>von Geoffroy Schied <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>Die wurde von Rosalind Plowright dargestellt. In Covent Garden k\u00f6nnte das eine sinnvolle Besetzung f\u00fcr diese kleine, aber wichtige Rolle der Lucia sein. In M\u00fcnchen ist diese K\u00fcnstlerin nur selten aufgetreten und daher ohne jede Aura, auf die es in einem Haus ank\u00e4me, in dem Astrid Varnay in dieser Rolle zu erleben war.<\/p>\n<p>Mehr Feuer im zweiten Teil<\/p>\n<p>Italienisches Feuer loderte erst nach der Pause \u2013 dank Jonas Kaufmann. Sein baritonaler, dunkler Tenor passt gut zum Canio. Kaufmann sch\u00f6pfte aus dem Vollen seiner M\u00f6glichkeiten und seines Ausdrucks. Es ist allein sehenswert, wie er in &#8222;Vesti la guibba&#8220; den Moment der Erkenntnis spielt, dass sich Tonio, mit dem er sich vers\u00f6hnt glaubte, sich doch an ihm r\u00e4chen will. Und er macht ohne Heldenjammergeschrei aus dem St\u00fcck die Trag\u00f6die eines alternden, verlassenen Mannes, der auf den Zusammenbruch seiner Welt mit Gewalt reagiert.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1565729_artikelbild_1Ec5lN_7E7JWA.jpg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"812\" height=\"459\"\/><\/p>\n<p>      \u00a9 Geoffroy Schied<\/p>\n<p>    von Geoffroy Schied<br \/>\n&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>Daf\u00fcr br\u00e4uchte es das gro\u00dfe Drumherum mit Eisenbahnwaggons, einer K\u00fcche, dem Jahrhundertspiel der Fu\u00dfball-WM von 1970 in Mexico und der Commedia-dell\u2019arte-Show in einem italienischen Restaurant nicht wirklich. Aber es ist fraglos h\u00fcbsch und nostalgisch anzusehen.<\/p>\n<p>Die darstellerisch vergleichsweise unbewegliche Ailyn P\u00e9rez singt eine dramatische Nedda, der das Vogellied nicht wirklich liegt. Thomas Mole l\u00e4sst als Silvio mit einem sch\u00f6nen lyrischen Bariton aufhorchen. Andr\u00e9s Agudelo sprang tapfer als Tonio ein. Und der im ersten Teil recht uniform kost\u00fcmierte Chor (Ausstattung: Edoardo Sanchi, Daniela Cernigliaro) durfte bei der Darstellung von Einheimischen und Gastarbeitern viel Spielfreude zeigen.<\/p>\n<p>Schnell hingehen &#8211; der Dirigent ist bald weg!<\/p>\n<p>Die Begeisterung hielt sich am Ende in Grenzen. Der sich am Pult restlose verausgabende Dirigent warf K\u00fcsschen ins Bayerische Staatsorchester. Daniele Rustioni l\u00e4dt die Musik von Mascagni und Leoncavallo fern jeder Trivialit\u00e4t mit gro\u00dfen Emotion und gro\u00dfer Bedeutung auf. Dass beim Durchdenken jeder Phrase vor allem vor der Pause manches zu langsam wird, muss man in Kauf nehmen. Aber der Ernst der Auseinandersetzung mit diesen eher als zweitklassig verschrien geltenden Opern nimmt f\u00fcr sich ein. Es ist \u2013 neben Kaufmann \u2013 das Interessanteste an diesem nicht restlos \u00fcberzeugenden Abend.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1565725_artikelbild_1Ec5bu_JNV1N5.jpg\" alt=\"Schlussbeifall in der Premiere.\" title=\"Schlussbeifall in der Premiere.\" width=\"812\" height=\"459\"\/><\/p>\n<p>      Schlussbeifall in der Premiere.<br \/>\n      \u00a9 Geoffroy Schied<\/p>\n<p>    Schlussbeifall in der Premiere.<\/p>\n<p>von Geoffroy Schied <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>Au\u00dferdem scheint sich diese M\u00fche kaum zu lohnen. Rustioni, vom Intendanten Serge Dorny einmal als Erster Gastdirigent angek\u00fcndigt, wird noch in diesem Jahr durch zwei andere Dirigenten ersetzt, mit denen diese musikalisch sorgf\u00e4ltig einstudierte Auff\u00fchrung mit interessanten G\u00e4sten durch die gnadenlose M\u00fchle des Repertoires gejagt wird. Dabei br\u00e4uchte es in M\u00fcnchen dringend einen erstklassigen Mann wie Rustioni, der kontinuierlich an Werken arbeitet, die den Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski nicht interessieren.<\/p>\n<p>Wieder am 25. und 29. Mai sowie am 1., 4. und 12. Juni im Nationaltheater, Restkarten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Rache ist bekanntlich ein Gericht, das am besten kalt serviert wird. 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