{"id":141768,"date":"2025-05-26T19:09:11","date_gmt":"2025-05-26T19:09:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/141768\/"},"modified":"2025-05-26T19:09:11","modified_gmt":"2025-05-26T19:09:11","slug":"fotografen-im-widerstand-gegen-digitale-verflachung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/141768\/","title":{"rendered":"Fotografen im Widerstand gegen digitale Verflachung"},"content":{"rendered":"<p>Muss sich die Fotografie von der k\u00fcnstlichen Intelligenz bedroht f\u00fchlen? Auf der Messe Photo London war zu sp\u00fcren, dass es sich eher um eine k\u00fcnstlerische Herausforderung handelt \u2013 und die hat ihr Gutes.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Widerstandsf\u00e4hig wie ein Karpfen, der in tr\u00fcbem Wasser schwimmt \u2013 so m\u00fcssen K\u00fcnstler angesichts des verst\u00e4rkten Aufkommens k\u00fcnstlicher Intelligenz (KI) sein. Diese Idee dr\u00fcckt der italienische K\u00fcnstler Aldo Salucci in seiner neuen Fotoserie \u201eCarpe Diem\u201c (2025) aus. Auf der zehnten Ausgabe der <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/photolondon.org\/\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/photolondon.org\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Photo London<\/a>, einer Messe f\u00fcr Fotografie, die Mitte Mai im Londoner Somerset House stattfand, wurde sie von der Mail\u00e4nder Galerie A.more erstmals vorgestellt.<\/p>\n<p>Der K\u00fcnstler selbst lehnt KI als Technologie nicht ab, sondern hat sie bereits in anderen Serien genutzt. In \u201eOn the Nature of Things\u201c stellte er eine Zukunft dar, in der die Natur vom Menschen besetzte R\u00e4ume zur\u00fcckerobert. F\u00fcr \u201eWartende K\u00f6rper\u201c vergr\u00f6\u00dferte er Mikroskop-Aufnahmen von Hautzellen, insbesondere von Narben, so stark, dass sie wie Landschaften aus makroskopischer Perspektive wirken. In seinen neuen Arbeiten, die auf der Messe f\u00fcr jeweils 7500 Pfund angeboten wurden, nutzt Salucci wieder KI. Er greift aber malerisch in die Bilder ein. Dabei ruft er Assoziationen an Claude Monets Seerosengem\u00e4lde hervor und beschw\u00f6rt die Kunst als Mittel des Widerstands gegen die digitale Verflachung unserer Bildwelten.<\/p>\n<p>Die Fragen heute lauten: Wird k\u00fcnstliche Intelligenz ein Werkzeug f\u00fcr K\u00fcnstler werden, so selbstverst\u00e4ndlich wie sie die Bildbearbeitungssoftware Photoshop verwenden? Oder wird KI die K\u00fcnstler letztlich verdr\u00e4ngen? Giuseppe Lo Schiavo, ein anderer K\u00fcnstler, der auf der Photo London pr\u00e4sentiert wurde, hat auch dank der generativen Technologie im vergangenen Jahr den Premio Cairo gewinnen k\u00f6nnen, eine bedeutende mit 25.000 Euro dotierten Auszeichnung f\u00fcr aufstrebende italienische Kunst.<\/p>\n<p>Lo Schiavo reflektiert mit von KI erzeugten Fotografien den Dualismus zwischen Innen- und Au\u00dfenwelt und wie das Ich auf kollektive \u00c4ngste reagiert. Der deutsche K\u00fcnstler <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/videos\/video247726778\/Deutscher-KI-Preis-Kann-KI-die-menschliche-Kreativitaet-ersetzen-Boris-Eldagsen-im-Kurzinterview.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/videos\/video247726778\/Deutscher-KI-Preis-Kann-KI-die-menschliche-Kreativitaet-ersetzen-Boris-Eldagsen-im-Kurzinterview.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Boris Eldagsen<\/a> hingegen ist KI-Kritiker. Vor einigen Jahren sorgte er f\u00fcr Aufsehen, als er die Sony World Photography Awards mit einem computergenerierten Bild gewann und den Preis dann ablehnte, weil die Jury das nicht bemerkt hatte.<\/p>\n<p>\u201eDer Begriff k\u00fcnstliche Intelligenz ist so weit gefasst, dass es schwer zu benennen ist, wie sie die Fotografie beeinflusst\u201c, erkl\u00e4rt Sophie Parker, seit diesem Jahr Messedirektorin der Photo London. \u201eEs gibt Fotografen im kommerziellen Bereich, denen KI gro\u00dfe Sorge bereitet.\u201c Im Kunstmarkt f\u00e4nden sich gro\u00dfartige Beispiele f\u00fcr die positive Nutzung, aber auch negative. \u201eViele K\u00fcnstler nutzen sie, um Erinnerungen aus ihrer Kindheit oder Bilder aus der Zeit ihrer Gro\u00dfeltern neu zu erschaffen.\u201c <\/p>\n<p>Die Equinom Gallery in San Francisco habe etwa das Projekt der K\u00fcnstlerin Brea Souders pr\u00e4sentiert, die eine lange Unterhaltung mit einem Chatbot f\u00fchrte und ein Werk schuf, das auf dieser Konversation basiert. \u201eSolange ein Prozess hinter der Nutzung von KI steckt, kann man sie als Werkzeug betrachten\u201c, sagt Parker. \u201eViele Fotografen, bei denen man es nie vermuten w\u00fcrde, nutzen sie zur Nachbearbeitung. Ein Problem entsteht, wenn man das nicht zugibt.\u201c<\/p>\n<p>Erinnerungen erschaffen mit KI<\/p>\n<p>K\u00f6nnen Sammler deshalb beruhigt sein? KI scheint zurzeit jedenfalls keinen direkten Einfluss auf den Handel und die Preise f\u00fcr Fotografie zu haben. Tats\u00e4chlich bleibt der Markt f\u00fcr Fotografie dynamisch, selbst in den aktuell schwierigen Zeiten, weil die Preise erschwinglich sind und die Bildsprache ein breites Publikum anspricht. Zwar hat auch Fotografie in j\u00fcngster Zeit unter der allgemeinen Verlangsamung im Markt gelitten, aber in geringerem Ma\u00dfe. <\/p>\n<p>\u201eLaut neuestem Kunsthandelsbericht von Art Basel und UBS w\u00e4chst das untere Marktsegment\u201c, sagt Sophie Parker, \u201esogar in Bezug auf die Anzahl der Verk\u00e4ufe. Das ist gut f\u00fcr den Fotomarkt, weil die Kosten niedrig sind. Es ist viel einfacher, ein Fotografie-Sammler zu werden als ein Sammler zeitgen\u00f6ssischer Kunst.\u201c<\/p>\n<p>Die Preise auf der Photo London bewegen sich meist unter 10.000 Pfund. Die Verkaufsausstellung geht auch weitaus transparenter damit um als eine klassische Messe f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Kunst, wo Preise oft nicht ausgewiesen werden. \u201eDie Galerien hier verstehen, dass Fotosammler nicht nur diejenigen sind, die besonders bedeutende St\u00fccke suchen\u201c, erkl\u00e4rt Messegr\u00fcnder Michael Benson. \u201eEs gibt verschiedene Phasen in der Reise eines Sammlers, also gibt es auf der Messe auch Werke f\u00fcr jedes Budget, sogar f\u00fcr 1000 oder 2000 Pfund.\u201c <\/p>\n<p>Die Wertsteigerung f\u00e4llt bei Fotografie insgesamt geringer aus, weil die Preise stabiler sind, aber es gibt auch weniger Risiko f\u00fcr Abst\u00fcrze. \u201eDie wichtigsten Namen werden als Investition mit Wertsteigerungspotenzial gesehen\u201c, so Sophie Parker, aber M\u00f6glichkeiten g\u00e4be es in allen Preisbereichen.<\/p>\n<p>R\u00fcckkehr zur Tradition<\/p>\n<p>In den vergangenen Jahren hat die Museumspr\u00e4senz des Mediums stark zugenommen, man denke an Fotoausstellungen von etwa <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article254639096\/Anti-Israel-Aktivistin-Eskalation-beim-Auftritt-von-Nan-Goldin-in-Berlin-wie-erwartet.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article254639096\/Anti-Israel-Aktivistin-Eskalation-beim-Auftritt-von-Nan-Goldin-in-Berlin-wie-erwartet.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nan Goldin in der Neuen Nationalgalerie Berlin<\/a>, Zanele Muholi in der Londoner Tate Modern oder Wolfgang Tillmans im MoMA in New York. Die bedeutendsten Fotografen werden mittlerweile von Megagalerien gehandelt. Cindy Sherman etwa ist im Programm von Hauser &amp; Wirth, Hiroshi Sugimoto wird von Lisson vertreten. Fotografie ist somit fester Teil der Welt der zeitgen\u00f6ssischen Kunst \u2013 das ist grundlegend f\u00fcr ihre Aufwertung.<\/p>\n<p>Auch das Wachstum der Photo London spiegelt die Erweiterung des Fotomarkts wider. Anfangs lag die Zahl der Teilnehmer bei etwa 70, jetzt ist sie fast doppelt so hoch. London galt im Vergleich zu historisch bedeutenderen Fotozentren wie Paris als Nische. \u201eDas Publikum schaute auf bekannte Namen oder die Klassiker\u201c, so Michael Benson, \u201eaber wir haben viel in die Ausbildung neuer Sammler investiert, um ein Wissen \u00fcber den Markt zu schaffen.\u201c<\/p>\n<p>Auch Covid hat die Dinge ver\u00e4ndert. \u201eW\u00e4hrend der Pandemie und unmittelbar danach funktionierten besonders klare und sehr farbenfrohe Fotografien, die sich gut auf dem Bildschirm abbilden lassen\u201c, bemerkt Sophie Parker. \u201eJetzt sind wir zu einer traditionelleren Haltung \u00fcbergegangen.\u201c Das gelte auch f\u00fcr aufstrebende K\u00fcnstler, die sich wieder herk\u00f6mmlicher Techniken bedienen. <\/p>\n<p>\u201eEs gibt eine R\u00fcckkehr zu einer Fotokunst, bei der man das Gef\u00fchl hat, ein Objekt zu kaufen, nicht nur ein Bild.\u201c Die Menschen wollten nicht nur ihr Haus dekorieren, so Parker. \u201eSie denken zunehmend dar\u00fcber nach, was es bedeutet, zu sammeln und zu bewahren\u201c. Eine Haltung, die auch gegen die Vereinnahmung der Fotografie durch k\u00fcnstliche Intelligenz impr\u00e4gniert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Muss sich die Fotografie von der k\u00fcnstlichen Intelligenz bedroht f\u00fchlen? 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