{"id":142020,"date":"2025-05-26T21:28:23","date_gmt":"2025-05-26T21:28:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/142020\/"},"modified":"2025-05-26T21:28:23","modified_gmt":"2025-05-26T21:28:23","slug":"musikalisches-denkmal-leipziger-liedermacherin-begleitet-trauernde-angehoerige","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/142020\/","title":{"rendered":"Musikalisches Denkmal: Leipziger Liedermacherin begleitet trauernde Angeh\u00f6rige"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\n<a name=\"Denkmal\">Ein<\/a> musikalisches Denkmal als Andenken und Trauerbew\u00e4ltigung: &#8222;Du bist nicht mehr da, wo du warst, doch \u00fcberall wo ich bin&#8220;, singt Liedermacherin Nadine Maria Schmidt mit warmer Stimme, begleitet von den einf\u00fchlsamen Kl\u00e4ngen ihrer Akustikgitarre. Es ist der Beginn des Refrains f\u00fcr ein Lied, dass die Leipziger K\u00fcnstlerin gemeinsam mit Maxi Mittag f\u00fcr deren verstorbenen Vater entwickelt hat.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Das Lied hat total dazu beigetragen, die Trauer zu bew\u00e4ltigen und St\u00fcck damit zu leben.<\/p>\n<p>Maxi Mittag<br \/>\nAngh\u00f6rige, die ihrem verstorbenem Vater ein musikalisches Denkmal setzt wollte<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Trauer durch Musik bew\u00e4ltigen<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Das Lied hat total dazu beigetragen, die Trauer zu bew\u00e4ltigen und St\u00fcck damit zu leben. Worte zu finden, um das zu erkl\u00e4ren, was in den Gef\u00fchlen passiert. Das, f\u00fcr das man sonst keine Worte findet. Das, was man sonst verschweigt, weil man nicht wei\u00df, wie man dar\u00fcber sprechen soll&#8220;, beschreibt die Dresdnerin Maxi Mittag. Vor wenigen Monaten hat sie ihren Vater verloren.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Das Lied bedeutet uns einen ganz pers\u00f6nlichen Moment des Gedenkens. Wenn man f\u00fcr sich alleine ist und niemand anderes da ist, kann man einfach das Lied f\u00fcr sich hoch und runter h\u00f6ren, jede Zeile ganz intensiv sp\u00fcren.&#8220;\n<\/p>\n<p>Tochter: &#8222;Bis zuletzt gehofft, dass er es schafft&#8220;<\/p>\n<p class=\"text\">\nIm Dezember vergangen Jahres ist der Vater von Maxi Mittag verstorben. &#8222;Das kam f\u00fcr mich schon \u00fcberraschend, weil ich bis zuletzt nicht daran geglaubt habe, dass das passieren kann&#8220;, erz\u00e4hlt Maxi Mittag MDR SACHSEN. Die gesundheitlichen Probleme waren zwar da, aber sie hatte gehofft, dass er es schafft. Ihr Vater fehlt ihr. Er wurde 69 Jahre alt.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Ohne zu fragen, ohne viele Worte zu verlieren, wusstest du wie keiner, was in mir war. Ich bin durch die Wolken gesprungen, w\u00e4hrend du unten noch ihre H\u00f6he sch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>aus dem musikalischen Denkmal f\u00fc den verstorbenen Vater von Maxi Mittag<br \/>\nLiedermacherin Nadine Maria Schmidt<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nGern h\u00e4tte Maxi Mittag ihren Vater einmal auf einen Fallschirmsprung mitgenommen. Aber dazu kam es nicht. Nadine Maria Schmidt hat diesen unerf\u00fcllten Wunsch in das Lied f\u00fcr den Verstorbenen eingearbeitet: &#8222;Ohne zu fragen, ohne viele Worte zu verlieren, wusstest du wie keiner, was in mir war. Ich bin durch die Wolken gesprungen, w\u00e4hrend du unten noch ihre H\u00f6he sch\u00e4tzt.&#8220;\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Es darf auch mal gelacht werden und lustig sein.<\/p>\n<p>Nadine Maria Schmidt<br \/>\nLiedermacherin und Trauerbegleiterin<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nK\u00fcnstlerin Nadine Maria Schmidt nimmt der Trauer durch ihre Arbeit die Schwere. &#8222;Es darf auch mal gelacht werden und lustig sein&#8220;, sagt die 44-J\u00e4hrige MDR SACHSEN. Sie ist eine gute Zuh\u00f6rerin und hat die Gabe, sich in andere Menschen einzuf\u00fchlen. F\u00fcr sie bedeutet Trauer nicht nur Leid: &#8222;Ich erlebe tats\u00e4chlich, dass im Bereich Tod, Trauer und Sterben tats\u00e4chlich sehr viele Menschen sind, die sehr viel Humor haben und sehr viel Lebensfreude.&#8220;\n<\/p>\n<p><a name=\"Trauer\">Leichtigkeit<\/a> und Trost in schweren Stunden<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Das Lied von Nadine gibt mir die M\u00f6glichkeit, mit einer gewissen Leichtigkeit und auch Dankbarkeit auf das zu blicken, was mein Papa war und was er mir gegeben hat. Und welche Gef\u00fchle er f\u00fcr mich bedeutet, ohne immer diese schwere Last der Trauer und des Todes gleichzeitig zu empfinden&#8220;, erz\u00e4hlt Maxi Mittag.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Das Lied von Nadine gibt mir die Worte, die mir sonst fehlen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Maxi Mittag<br \/>\nAngh\u00f6rige, die ihrem verstorbenem Vater ein musikalisches Denkmal gesetzt hat<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Das liegt jetzt in meinem Herzen. Wir hatten leider nicht so viel Zeit zum Abschied nehmen und auch da ist das Lied total hilfreich.&#8220;\n<\/p>\n<p>Seit Beerdigung eines Kindes musikalische Trauerbegleitung<\/p>\n<p class=\"text\">\nDas erste musikalische Denkmal hat Nadine Maria Schmidt einem verstorbenen Kind gesetzt &#8211; dem kleinen Ewen. Seine Eltern h\u00e4tten die Musikerin kurz nach dessen Tod gebeten, auf seiner Beerdigung zu spielen. Sie habe nicht lange nachgedacht und zugesagt. Ewens Lied tr\u00e4gt den Titel &#8222;Kleiner Astronaut&#8220;.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Das war so eine liebevolle, w\u00fcrdevolle Beerdigung und auch ganz bunt&#8220;, erinnert sich Nadine Maria Schmidt. Direkt danach sei ihr klar geworden, dass sie genau das weiter machen m\u00f6chte: Menschen bei ihrer Trauer ein St\u00fcck begleiten und ber\u00fchrende Andenken an Menschen zu schaffen, die gehen mussten. &#8222;Es kam wie ein Blitz in meinen Kopf und ich habe mich noch nie so richtig gef\u00fchlt.&#8220;\n<\/p>\n<p>Musikalisches Denkmal &#8211; so funktioniert&#8217;s<\/p>\n<p class=\"text\">\nDoch wie funktioniert das eigentlich, so ein musikalisches Denkmal zu schaffen? &#8222;Nach einer ersten Kontakaufnahme rufe ich zur\u00fcck und dann f\u00fchren wir ein Erstgespr\u00e4ch&#8220;, erkl\u00e4rt Schmidt. Die weitere Zusammenarbeit sei sehr individuell. &#8222;Wenn jemand selbst den Text schreiben m\u00f6chte oder ein Instrument spielt, k\u00f6nnen sich die Angeh\u00f6rigen nat\u00fcrlich auch einbringen.&#8220; Bei anderen seien viele Gespr\u00e4che notwendig, um zu ergr\u00fcnden, wie das Lied sp\u00e4ter werden soll.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nGemeinsam mit den Angeh\u00f6rigen bespreche sie, aus welcher Perspektive das Lied gesungen werden und an wen es sich richten soll &#8211; soll es ein Dankeslied sein oder Erinnerungen zusammenfassen? &#8222;Dann werden Fragen gestellt wie: &#8218;Was willst du deiner Mama oder deinem Papa noch sagen? &#8218;Was war die lustigste oder die traurigste Geschichte, die ihr gemeinsam erlebt habt?&#8216;, &#8218;Was w\u00fcnschst du dir jetzt?&#8216;, &#8218;Was h\u00e4ttest du anders gemacht, wenn er oder sie jetzt noch am Leben w\u00e4re?'&#8220;\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Ich w\u00fcnschte, dass du dein L\u00e4cheln wiederfindest, hast du zu mir gesagt.<\/p>\n<p>aus dem musikalischen Denkmal f\u00fc den verstorbenen Vater von Maxi Mittag<br \/>\nLiedermacherin Nadine Maria Schmidt<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nVieles sei m\u00f6glich. &#8222;Ich gehe sehr in die Beziehung rein und schaue, was noch gesagt werden muss.&#8220; Manchmal frage sie auch nach Zitaten, die die Angeh\u00f6rigen sehr ber\u00fchren. &#8222;Das war ja zum Beispiel bei Maxi so.&#8220; Also sie sagte ihr Papa hat mal zu ihr gesagt: &#8218;Ich w\u00fcnsch dir, dass du dein L\u00e4cheln wieder findest.&#8216; und ich dachte, das muss unbedingt das Lied.&#8220; Nach R\u00fccksprache mit Maxi Mittag fand der Satz dann den Weg in das Lied.\n<\/p>\n<p>Miteinander ins Gespr\u00e4ch  kommen<\/p>\n<p class=\"text\">\nNicht selten wirken Trauerf\u00e4lle trennend, hat Maxi Mittag beobachtet. Doch nun k\u00f6nne sie sich mit den anderen Trauernden aus ihrer Familie austauschen: &#8222;Ich kann mich mit meiner Schwester und meinen Verwandten, mit meiner Tante, mit ein Cousin dar\u00fcber austauschen, wie es ist, dieses Lied zu h\u00f6ren.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAuch andere aus der Familie von Maxi Mittag haben an dem Lied mitgeschrieben. &#8222;Da hat jeder dann eine Strophe bekommen und ich habe auch einzeln mit allen gearbeitet&#8220;, erz\u00e4hlt Liedermacherin Nadine Maria Schmidt.\n<\/p>\n<p><a name=\"EU\">EU<\/a>-gef\u00f6rdertes Projekt zur Sterbebegleitung<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Idee, das Handwerk der Liedermacherei mit Trauerbegleitung zu kombinieren, kommt an. Aktuell leitet Nadina Maria Schmidt ein EU-gef\u00f6rdertes Projekt am Leipziger Diakonie Hospiz. Dort schreibt sie gemeinsam mit Hospizg\u00e4sten und deren Angeh\u00f6rigen. Hier k\u00f6nnen sich auch die Sterbenden selbst einbringen und das Andenken an sie mitgestalten. Zudem soll ein Konzept entwickelt werden, dass sich auf andere Hospize \u00fcbertragen l\u00e4sst, damit auch andere diese Arbeit machen k\u00f6nnen. Daf\u00fcr wurde sie mit dem dritten Platz beim SINN Innovationspreis 2024 ausgezeichnet.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAu\u00dferdem wurde ihr Projekt &#8222;Dein musikalisches Denkmal&#8220; mit dem Innostartbonus ausgezeichnet &#8211; einer Gr\u00fcndungsf\u00f6rderung von Futuresax und Sachsen f\u00fcr besonders innovative Gr\u00fcndungen.\n<\/p>\n<p>Kreativ w\u00e4hrend der Trauerzeit?<\/p>\n<p class=\"text\">\nBleibt die Frage, inwiefern trauernde Menschen die n\u00f6tige Kreativit\u00e4t aufbringen k\u00f6nnen? Maxi Mittag kann nur Gutes berichten: &#8222;Das k\u00f6nnen auch definitiv Menschen, die von sich denken, dass sie nicht so kreativ sind, oder die eher introvertiert sind&#8220;, sagt Maxi Mittag. Denn Nadine Maria Schmidt nehme einem das ab. &#8222;Ich musste mir gar keine Gedanken dar\u00fcber machen, ob das Lied am Ende sch\u00f6n ist oder ob sich das reimt oder welche Worte oder welche Zitate darin verwendet werden oder welche Bilder gezeichnet werden oder welche Emotionen da drin vorkommen, sondern das hat alles Nadine \u00fcbernommen. Am Ende hat sie uns einen Entwurf pr\u00e4sentiert. Der war so wunderbar, so treffend und so sch\u00f6n.&#8220;\n<\/p>\n<p>Musikalische Trauerbegleitung<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Zusammenarbeit mit Nadine Maria Schmidt habe sie als professionelle Begleitung erlebt. &#8222;Es ist im Prinzip wie  eine abgeschw\u00e4chte Form von Therapie, die einem dabei hilft, in dem Prozess voranzukommen,  Dinge zu verarbeiten, um damit besser umgehen zu k\u00f6nnen und Moment zu finden, wo man trauern kann.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nGenau darauf setzt die Liedermacherin: &#8222;Die Menschen haben den Blick auf das Lied gerichtet und hinterher verstehen sie dann, wie wichtig der Prozess war.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein musikalisches Denkmal als Andenken und Trauerbew\u00e4ltigung: &#8222;Du bist nicht mehr da, wo du warst, doch \u00fcberall wo&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":142021,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[48519,3364,29,30,71,51426,81,810,14,859,51425,21142,4448],"class_list":{"0":"post-142020","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-angehoerige","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-leipzig","13":"tag-liedermacherin","14":"tag-mdr","15":"tag-musik","16":"tag-nachrichten","17":"tag-sachsen","18":"tag-sterbebegleitung","19":"tag-sterben","20":"tag-trauer"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114576261383686874","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/142020","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=142020"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/142020\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/142021"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=142020"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=142020"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=142020"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}