{"id":142779,"date":"2025-05-27T04:32:09","date_gmt":"2025-05-27T04:32:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/142779\/"},"modified":"2025-05-27T04:32:09","modified_gmt":"2025-05-27T04:32:09","slug":"ein-tag-im-april-wie-corona-familiaere-abgruende-offenbart-ndr-de-kultur-buch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/142779\/","title":{"rendered":"&#8222;Ein Tag im April&#8220;: Wie Corona famili\u00e4re Abgr\u00fcnde offenbart | NDR.de &#8211; Kultur &#8211; Buch"},"content":{"rendered":"<p>\nStand: 27.05.2025 06:00 Uhr\n<\/p>\n<p class=\"preface\">&#8222;Ein Tag im April&#8220;, der neue Roman des amerikanischen Autors Michael Cunningham, spielt zur Zeit der Corona-Krise. Es scheint so, als ob diese Krise damals famili\u00e4re Probleme versch\u00e4rft hat.<\/p>\n<p>Manchmal f\u00fchrt man Gespr\u00e4che mit sehr einsam lebenden Menschen, die ein reiches und faszinierendes Innenleben offenbaren. Michael Cunningham braucht ebenfalls nicht viel, um aufregende Innenansichten seiner Romanfiguren aufzubl\u00e4ttern.<\/p>\n<p>Einblicke\u00a0in narzisstische Seelen<\/p>\n<p>Der Roman spielt im Jahr 2019. Das Ehepaar Dan und Isabel lebt mit zwei Kindern in Brooklyn. Violet ist f\u00fcnf und ihr Bruder Nathan zehn Jahre alt. Im Haushalt lebt noch in einer Mansarde Isabels Bruder Robbie, der aber ausziehen soll, um ein Zimmer f\u00fcr den von ersten Pubert\u00e4tsanfl\u00fcgen gezeichneten Nathan zu gewinnen. Das ist die Familienkonstellation. Robbie hat sich gerade mit seiner Nichte Violet \u00fcber die richtige Kleiderwahl am Tag oder am Abend unterhalten:<\/p>\n<p class=\"quote\">\nViolet nickt, aber als Robbie ihr noch einmal \u00fcber den Kopf streichen will, weicht sie zur\u00fcck. Seine Belehrung zum Thema Tag versus Abend hat sie als leichten Vorwurf empfunden, und nun ist sie beleidigt. Auf ihrem derzeitigen Stand als f\u00fcnfj\u00e4hriges M\u00e4dchen findet sie sich regelm\u00e4\u00dfig in einem Dilemma wieder: Ihr Bed\u00fcrfnis, recht zu behalten, kollidiert mit ihrem Wunsch, sich die Geheimnisse des Lebens erkl\u00e4ren zu lassen.<br \/>\nLeseprobe\n<\/p>\n<p>So klingt das irgendwie putzig: die Marotten eines kleinen M\u00e4dchens. Das Problem in dieser Familie ist jedoch, dass auch die Erwachsenen \u00fcber den Stand von F\u00fcnfj\u00e4hrigen nicht immer hinausgewachsen sind. Sie sind kr\u00e4nkbar, mit hochempfindlichen Wahrnehmungsf\u00fchlern ausgestattet, die weit mehr Daten liefern, als die narzisstisch hochgepushten Seelen verarbeiten k\u00f6nnen. \u00dcber die Mutter Isabel hei\u00dft es:<\/p>\n<p class=\"quote\">\nUnd trotzdem wird sie geliebt und versorgt. Ihr Mann steht jeden Morgen auf, um den Kindern das Fr\u00fchst\u00fcck zu machen. Sie wollte es so. Sie wollte heiraten. Sie wollte Kinder. Sie wollte eine Eigentumswohnung in Brooklyn, und sie hat sich geweigert, sich wegen der Hypothekenrate den Kopf zu zerbrechen. Und auch ihren Job wollte sie. Sie war gut darin. Sie hat sich reingeh\u00e4ngt und die Konkurrenz ausgestochen. Vielleicht besteht die L\u00f6sung darin, das alles weiterhin zu wollen &#8211; den Job, die Ehe, die Mutterrolle, die astronomisch teure Handtasche. Und zu lernen, sich f\u00fcr die eigene Klaustrophobie und Entt\u00e4uschung nicht selbst zu hassen. Wie oberfl\u00e4chlich. Solche Probleme kann wirklich nur eine Wei\u00dfe aus der Mittelschicht haben.<br \/>\nLeseprobe\n<\/p>\n<p>Das Talent zum Ungl\u00fccklichsein besser verstehen<\/p>\n<p>Irgendwie kann man nicht aufh\u00f6ren, dem Familiendrama weiterhin zu folgen. Es gibt in dem Roman noch ein zweites Paar, dessen Problem es ist, dass eine Frau namens Chess ein Kind ohne anwesenden Vater wollte. Sie hat Garth \u00fcberredet, die Rolle eines Samenspenders zu \u00fcbernehmen. Aber als der Sohn Odin auf der Welt ist, m\u00f6chte Garth ein richtiger Vater f\u00fcr seinen Sohn sein und eine Familie bilden. Chess nennt das eine &#8222;romantische Halluzination&#8220;.<\/p>\n<p>Spannung entsteht in diesem handlungsarmen Roman dadurch, dass man sich fragt, wie Menschen, die unter praktisch idealen Lebensbedingungen bemerkenswerte Talente zum Ungl\u00fccklichsein entfalten, mit einer echten Krise\u00a0 &#8211; wie durch Corona \u00a0ausgel\u00f6st &#8211; umgehen werden. Und diese Krise grollt schon vom Horizont heran wie ein sich n\u00e4herndes Unwetter. Lesend w\u00fcnscht man sich einen so ausgefeilten, luziden Wahrnehmungsapparat wie Michael Cunningham, vielleicht auch, um manch einen Mitmenschen zu verstehen, der es einem ansonsten ziemlich schwer damit macht.<\/p>\n<p>Ein Tag im April<\/p>\n<p>von Michael\u00a0Cunningham<\/p>\n<dl>\n<dt class=\"dtHidden\">Seitenzahl:<\/dt>\n<dd>352 Seiten<\/dd>\n<dt class=\"dtHidden\">Genre:<\/dt>\n<dd>Roman<\/dd>\n<dt class=\"dtHidden\">Zusatzinfo:<\/dt>\n<dd>Aus dem Amerikanischen von Eva Bonn\u00e9<\/dd>\n<dt>Verlag:<\/dt>\n<dd>Luchterhand<\/dd>\n<dt>Bestellnummer:<\/dt>\n<dd>978-3-630-87762-4<\/dd>\n<dt>Preis:<\/dt>\n<dd>24 \u20ac<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Dieses Thema im Programm:<\/p>\n<p>NDR Kultur |<br \/>\nNeue B\u00fccher |<br \/>\n27.05.2025 | 12:40 Uhr<\/p>\n<p>Schlagw\u00f6rter zu diesem Artikel<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/buch\/Romane-Buch-Rezensionen-Lesungen-und-Podcasts,romane107.html\" title=\"Inhalte zum Thema &#039;Romane&#039;\" aria-label=\"Inhalte zum Thema &#039;Romane&#039;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Romane<\/a><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/ndr_printlogo.gif\" alt=\"NDR Logo\" title=\"NDR Logo\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 27.05.2025 06:00 Uhr &#8222;Ein Tag im April&#8220;, der neue Roman des amerikanischen Autors Michael Cunningham, spielt zur&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":142780,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1797,1785,1796,29,51618,214,30,51619,438,439,440,83,1795,1800,215],"class_list":{"0":"post-142779","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buch","10":"tag-buecher","11":"tag-buchtipps","12":"tag-deutschland","13":"tag-ein-tag-im-april","14":"tag-entertainment","15":"tag-germany","16":"tag-michael-cunningham","17":"tag-ndr","18":"tag-norddeutscher-rundfunk","19":"tag-norddeutschland","20":"tag-radio","21":"tag-roman","22":"tag-romane","23":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114577928561017793","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/142779","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=142779"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/142779\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/142780"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=142779"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=142779"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=142779"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}