{"id":143274,"date":"2025-05-27T09:10:09","date_gmt":"2025-05-27T09:10:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/143274\/"},"modified":"2025-05-27T09:10:09","modified_gmt":"2025-05-27T09:10:09","slug":"frankreich-und-die-sterbehilfe-strikter-rahmen-fuer-sterbehilfe-oder-tabubruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/143274\/","title":{"rendered":"Frankreich und die Sterbehilfe: Strikter Rahmen f\u00fcr Sterbehilfe &#8211; oder Tabubruch?"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 27.05.2025 11:07 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Die franz\u00f6sische Nationalversammlung stimmt heute \u00fcber eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe ab. Das Gesetz wird vor allem von Konservativen und der Rechten scharf kritisiert. Wird am Ende dazu das Volk befragt? <\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Jil Kalmes und Carolin Dylla, ARD Paris\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr die Kritiker ist es ein ethischer, medizinischer und sozialer Bruch. F\u00fcr die Bef\u00fcrworter ein Gesetz, dass Todkranken eine M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnen soll, ihr Leiden zu beenden &#8211; wenn sie das w\u00fcnschen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNach zwei Wochen intensiver und kontroverser Debatten stimmt die franz\u00f6sische Nationalversammlung am Nachmittag \u00fcber eine Legalisierung der Sterbehilfe ab. Demnach sollen sowohl der assistierte Suizid als auch die T\u00f6tung auf Verlangen unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt werden.<\/p>\n<p>    Was ist Regel und was Ausnahme?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMit der Reform soll es in Zukunft erlaubt sein, dass Patienten unter Aufsicht selbst eine t\u00f6dliche Substanz einnehmen oder dass \u00c4rzte beziehungsweise Pfleger diese Substanz verabreichen d\u00fcrfen. Urspr\u00fcnglich sollten die Patienten zwischen beiden Wegen entscheiden d\u00fcrfen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDavon sei man im Laufe der Debatte abger\u00fcckt, so Gesundheitsministerin Catherine Vautrin: &#8222;Diesen letzten Akt muss der Betroffene selbst ausf\u00fchren. Damit soll sichergestellt werden, dass es sich um die pers\u00f6nliche Entscheidung des Patienten handelt&#8220;, so Vautrin vor den Abgeordneten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nGrunds\u00e4tzlich sollen sich Patienten das t\u00f6dliche Medikament also selbst verabreichen. Die T\u00f6tung auf Verlangen soll die Ausnahme bleiben und nur dann erfolgen, wenn die Patienten physisch nicht mehr zur Einnahme des Medikaments in der Lage sind.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n\u00c4hnlich wie beim Schwangerschaftsabbruch soll das Gesetz eine Gewissensklausel f\u00fcr Medizinerinnen und Mediziner enthalten: Keine \u00c4rztin und kein Arzt muss Sterbehilfe leisten &#8211; wer das ablehnt, muss Patienten aber weitervermitteln.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>    Eine &#8222;neue Freiheit&#8220; &#8211; in einem strikten Rahmen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Bef\u00fcrworter der Reform betonen, das Gesetz biete eine M\u00f6glichkeit zur aktiven Sterbehilfe, setze dieser M\u00f6glichkeit aber zugleich einen &#8222;strikten Rahmen&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWer Sterbehilfe in Anspruch nehmen m\u00f6chte, muss an einer unheilbaren und t\u00f6dlichen Krankheit leiden, die sich in einem &#8222;fortgeschrittenen oder Endstadium&#8220; befindet und die zudem k\u00f6rperliche oder seelische Qualen verursacht, die durch Behandlung nicht zu lindern sind.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Die Gegner des geplanten Gesetzes fordern eine bessere Gesundheitsf\u00fcrsorge und protestierten in Paris mit einer Aktion gegen die Gesetzesvorlage.\n                    <\/p>\n<p>    Die Grenzen \u00e4rztlicher Erkenntnis<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie m\u00f6gliche, verbleibende Lebenszeit k\u00f6nne bei der Bewertung keine Rolle spielen, betont Olivier Falorni von der Partei MoDem, denn kein Arzt k\u00f6nne sagen, in welchem Zeitraum eine Krankheit tats\u00e4chlich zum Tod f\u00fchre.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nFalorni hat den Gesetzentwurf ma\u00dfgeblich erarbeitet: &#8222;Alle \u00c4rzte, egal, ob sie vehement gegen dieses Gesetz waren oder vehement daf\u00fcr, haben uns gesagt, dass sie keine Hellseher sind und im Einzelfall nicht sagen k\u00f6nnen, ob jemand noch sechs, zw\u00f6lf oder 24 Monate zu leben hat.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nStattdessen sollen bei der Bewertung die verbleibende Lebensqualit\u00e4t und der individuelle Leidensdruck im Vordergrund stehen. Zudem m\u00fcssen Patienten den Wunsch nach Sterbehilfe in einem klaren Zustand \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWer Sterbehilfe in Anspruch nehmen will, muss vollj\u00e4hrig sein sowie die franz\u00f6sische Staatsb\u00fcrgerschaft haben &#8211; oder dauerhaft in Frankreich leben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>    Vorwurf der Grenz\u00fcberschreitung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKritik an dem Gesetzentwurf kommt insbesondere von den Konservativen und der extremen Rechten. Abgeordnete der Konservativen R\u00e9publicains etwa sprachen von der &#8222;\u00dcberschreitung eines Tabus&#8220;. Aus ihrer Sicht sind die Kriterien f\u00fcr den Zugang zur Sterbehilfe nicht streng genug.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnd auch Abgeordnete aus dem Pr\u00e4sidentenlager und der parlamentarischen Linken haben Vorbehalte gegen\u00fcber einer Legalisierung der Sterbehilfe: &#8222;Beim Recht auf Sterbehilfe denken viele an etwas Sanftes, Einfaches, vielleicht sogar Anziehendes&#8220;, so Charles Sitzenstuhl von der Pr\u00e4sidentenpartei Renaissance.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Realit\u00e4t hinter diesen Worten sei aber eine andere, sagte Sitzenstuhl: &#8222;Es ist staatlich gef\u00f6rderter Suizid, der die Franzosen dabei unterst\u00fctzt, ihre Leben auszul\u00f6schen. Ich werde niemals ein solches Gesellschaftsbild verteidigen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNeben dem Gesetz zur Legalisierung der Sterbehilfe stimmen die Abgeordneten der Nationalversammlung auch \u00fcber ein Gesetz ab, dass die Palliativversorgung verbessern soll.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUrspr\u00fcnglich war geplant, beide Komponenten in einem einzigen Text zusammenzufassen. Auf Initiative von Regierungschef Fran\u00e7ois Bayrou werden Sterbehilfe und Palliativversorgung nun in zwei separaten Gesetzen abgestimmt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>    Ein erster Schritt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Abstimmung in der Nationalversammlung ist ein erster, wichtiger Schritt hin zu einer m\u00f6glichen Legalisierung der Sterbehilfe in Frankreich. Um angenommen zu werden, muss die Reform noch durch den Senat. Dort sind die Mehrheiten aber deutlich konservativer als in der Assembl\u00e9e Nationale.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nPr\u00e4sident Emmanuel Macron h\u00e4lt es f\u00fcr wichtig, das Gesetz zu verabschieden. Er hat auch ein Referendum \u00fcber das Sterbehilfegesetz ins Spiel gebracht, sollte sich der Gesetzgebungsprozess zwischen beiden Parlamentskammern festfahren: &#8222;Ich denke, eine Volksabstimmung k\u00f6nnte dann ein Weg sein, diese Blockade zu l\u00f6sen&#8220;, sagte Macron Mitte Mai im Sender TF1.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nLaut der Tageszeitung Le Monde wird der Gesetzesentwurf dem Senat fr\u00fchestens im September vorliegen. Mit der Abstimmung in der Nationalversammlung ist die Debatte \u00fcber die Sterbehilfe also noch nicht vorbei &#8211; die Debatten der vergangenen Wochen k\u00f6nnen aber ein wichtiger Impuls f\u00fcr die kommenden Diskussionen sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 27.05.2025 11:07 Uhr Die franz\u00f6sische Nationalversammlung stimmt heute \u00fcber eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe ab. Das Gesetz&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":143275,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,548,663,3934,3980,156,13,7301,14,15,12,51704],"class_list":{"0":"post-143274","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-france","14":"tag-frankreich","15":"tag-headlines","16":"tag-macron","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-schlagzeilen","20":"tag-sterbehilfe"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114579021759128444","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/143274","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=143274"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/143274\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/143275"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=143274"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=143274"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=143274"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}