{"id":144209,"date":"2025-05-27T17:36:10","date_gmt":"2025-05-27T17:36:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/144209\/"},"modified":"2025-05-27T17:36:10","modified_gmt":"2025-05-27T17:36:10","slug":"gew-sieht-nur-scheinbeteiligung-und-strategisches-geschacher-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/144209\/","title":{"rendered":"GEW sieht nur Scheinbeteiligung und strategisches Geschacher \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Es wird nicht klappen. Da ist sich die Lehrergewerkschaft GEW ziemlich sicher. Am Dienstag, dem 27. Mai, verk\u00fcndete der s\u00e4chsische Kultusminister Conrad Clemens das abschlie\u00dfende Ma\u00dfnahmenpaket f\u00fcr Schulen in Sachsen. Die Bildungsgewerkschaft GEW Sachsen wirft dem Kultusminister Ignoranz in der Diskussion um Bildungsqualit\u00e4t und Unterrichtsabsicherung vor.<\/p>\n<p>Und Clemens hofft, dass er mit seinen Ma\u00dfnahmen den Stundenausfall wenigstens halbieren kann. Nach der Ver\u00f6ffentlichung eines Entwurfs am 11. M\u00e4rz hat er nun auf der Kabinettssitzung am 27. Mai das finale Ma\u00dfnahmenpaket vorgestellt.\u00a0Dem vorausgegangen waren mehrere Anh\u00f6rungen sowie zahlreiche Beratungen mit Schulleitungen, Lehrkr\u00e4ften, Gewerkschaften, Verb\u00e4nden und Fachpolitikern.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/04a7727f92d34a52839e3b0b666b5c3a.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/leipzig-bildet\/2025\/05\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/leipzig-bildet\/2025\/05\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Gegen\u00fcber dem Entwurf gibt es zwei wichtige \u00c4nderungen, teilte das Kultusministerium mit:<\/p>\n<p>1. Die Alterserm\u00e4\u00dfigung, die aktuell ab dem 58. Lebensjahr greift, wird k\u00fcnftig ab dem 60. Lebensjahr gew\u00e4hrt und nicht wie urspr\u00fcnglich vorgesehen ab dem 63. Lebensjahr. Damit wird das Anliegen zahlreicher Lehrkr\u00e4fte aufgegriffen.<\/p>\n<p>2. Die \u00c4nderung der S\u00e4chsischen Lehrkr\u00e4fte-Arbeitszeitverordnung, die u.a. die Alterserm\u00e4\u00dfigung betrifft, wird bis zum 31. Januar 2030 evaluiert und tritt zum 31. Juli 2030 au\u00dfer Kraft. Damit wird verdeutlicht, dass die Ma\u00dfnahmen in der aktuellen Situation mit hohem Unterrichtsausfall notwendig, aber zeitlich begrenzt sind.<br \/>Zugleich sollen bereits zum neuen Schuljahr mehrere Entlastungen f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte auf den Weg gebracht werden, darunter die Reduzierung der Klassenarbeiten und Klausuren, der Ausbau des f\u00e4cherverbindenden Lernens und die Einf\u00fchrung des digital gest\u00fctzten Selbstlernens an Oberschulen und Gymnasien im Umfang von 15 Unterrichtsstunden.<\/p>\n<p>\u201eDiese Entscheidung war nicht leicht, aber sie war notwendig. Dass derzeit an manchen Schulen jede f\u00fcnfte Unterrichtsstunde ausf\u00e4llt, ist eine gro\u00dfe Ungerechtigkeit gegen\u00fcber den betroffenen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern. Dieses Ma\u00dfnahmenpaket erm\u00f6glicht eine Trendumkehr und sorgt daf\u00fcr, dass wieder mehr Unterricht stattfinden kann\u201c, sagte Conrad Clemens.<\/p>\n<p>\u201eIch danke allen, die sich in den letzten Wochen und Monaten konstruktiv in die Diskussion um eine bestm\u00f6gliche L\u00f6sung eingebracht haben. Wir haben viele Runden gedreht, oft miteinander gesprochen. Jetzt war die Zeit zur Entscheidung, damit wir bereits im neuen Schuljahr einen sp\u00fcrbaren Effekt erzielen.\u201c<\/p>\n<p>Mindestens 1.400 Lehrerinnen und Lehrer fehlen<\/p>\n<p>Ob es mit den Ma\u00dfnahmen zu einer Trendumkehr kommt, steht aber in den Sternen. Denn der massive Unterrichtsausfall in Sachsens Schulen h\u00e4ngt schlicht mit dem Fehlen hunderter Lehrkr\u00e4fte zusammen. Die Zahle best\u00e4tigte das Kultusministerium am Dienstag selbst: \u201eIm ersten Schulhalbjahr 2024\/2025 lag der Anteil der ausgefallenen Unterrichtsstunden am Gesamtstundensoll bei 9,4 Prozent. Das ist ein Anstieg von 0,6 Prozentpunkten gegen\u00fcber dem Vorjahr. Je nach Schulform und Region gibt es zum Teil deutlich mehr Unterrichtsausfall. Aktuell fehlen sachsenweit mindestens 1.400 Vollzeitlehrkr\u00e4fte.\u201c<\/p>\n<p>Ma\u00dfnahme ohne Zustimmung der Betroffenen<\/p>\n<p>Das Problem nun auf dem R\u00fccken der vorhandenen Lehrkr\u00e4fte zu l\u00f6sen, k\u00f6nne so nicht funktionieren, stellt die GEW fest.<\/p>\n<p>\u201eDer Kultusminister hat mit seinen Ma\u00dfnahmen weder eine \u00f6ffentliche Mehrheit noch Unterst\u00fctzung in der Bildungspolitik. Lehrkr\u00e4fte, Eltern, Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler haben die Vorschl\u00e4ge massiv kritisiert. Tausende haben sich auf f\u00fcnf Demonstrationen lautstark gegen die Ma\u00dfnahmen ausgesprochen. Sowohl im Landtag als auch in der \u00f6ffentlichen Berichterstattung hagelte es Kritik\u201c, meldete sich am Dienstag Burkhard Naumann, Vorsitzender der GEW Sachsen, zu Wort.<\/p>\n<p>\u201eDoch Conrad Clemens reagiert mit der vollen Wucht der Ignoranz. Statt auf die Verhandlungsangebote einzugehen und die Ma\u00dfnahmen grundlegend zu \u00fcberarbeiten, gab es nur Scheinbeteiligung und strategisches Geschacher. Immerhin war er durch unseren Druck zu Anpassungen gezwungen. Die Ignoranz des Kultusministers gegen\u00fcber dem \u00f6ffentlichen Diskurs ist nicht nur ein B\u00e4rendienst an der Demokratie. Das Gesamtpaket wird die Schulbildung in Sachsen nachhaltig besch\u00e4digen. Wir sind w\u00fctend!\u201c<\/p>\n<p>Die GEW Sachsen hatte im Zusammenhang mit dem Ma\u00dfnahmenpaket zu f\u00fcnf Demonstrationen aufgerufen: Am 8. April in Leipzig mit 1.500 Demonstrierenden, am 9. April in Chemnitz beteiligten sich 800 Lehrkr\u00e4fte, am 10. April in Dresden demonstrierten 2.000 Lehrkr\u00e4fte, Sch\u00fcler\/-innen und Eltern unter Anwesenheit von Kultusminister Clemens, am 14. Mai mit 300 Teilnehmenden in Zwickau sowie am 15. Mai mit 4.000 Demonstrierenden in Dresden.<\/p>\n<p>\u201eDie Umsetzung der Ma\u00dfnahmen ohne die Zustimmung der an Schule Beteiligten beweist, dass das Kultusministerium fernab der Schulrealit\u00e4t agiert\u201c, kritisierte am Dienstag Claudia Maa\u00df, stellvertretende Vorsitzende der GEW Sachsen. \u201eKeine der Ma\u00dfnahmen l\u00f6st die Probleme des eklatanten Personalmangels und des hohen Unterrichtsausfalls. Stattdessen f\u00fchren sie zu noch mehr Belastung und verschlechtern die schulischen Arbeitsbedingungen und die Bildungsqualit\u00e4t in Sachsen. Die enthaltenen Entlastungen sind dagegen nur leere Versprechen ohne Umsetzungspl\u00e4ne und ohne Finanzierung.<\/p>\n<p>Es bleibt noch weniger Zeit f\u00fcr guten Unterricht und f\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler. In diesem Zustand sinkt die Attraktivit\u00e4t weiter und es werden sich noch weniger Menschen f\u00fcr den Beruf begeistern k\u00f6nnen, w\u00e4hrend \u00e4ltere Lehrkr\u00e4fte schneller in den Ruhestand wechseln als bisher. Dieses Vorgehen zeigt den plumpen Versuch der CDU in Sachsen, von den eigenen bildungspolitischen Fehlern der Vergangenheit abzulenken und die Verantwortung daf\u00fcr heute auf dem R\u00fccken aller Besch\u00e4ftigten an den Schulen abzuw\u00e4lzen.\u201c<\/p>\n<p>L\u00f6sungen \u00fcber die K\u00f6pfe hinweg helfen nicht<\/p>\n<p>Unzufrieden zeigte sich am Dienstag auch der Koalitionspartner der CDU in der s\u00e4chsischen Minderheitsregierung.<\/p>\n<p>\u201eDie Korrektur bei den Alterserm\u00e4\u00dfigungen ist richtig, aber reicht nicht aus. Es bleibt ein fader Beigeschmack, da in den letzten Wochen mehr \u00c4nderungsbedarfe aufgezeigt wurden. Viele Probleme wurden zuletzt deutlich, doch der Kultusminister h\u00e4lt an seinem Kurs fest. Ob das reicht, um den Unterricht abzusichern, bleibt abzuwarten. Mehr Mut bei Entlastungen und weiteren Ma\u00dfnahmen w\u00e4re das Gebot der Stunde gewesen\u201c, kritisierte Gerald Eisenbl\u00e4tter, stellvertretender Vorsitzender und Sprecher f\u00fcr Bildung der SPD-Fraktion im S\u00e4chsischen Landtag, das von Clemens vorgelegte Paket.<\/p>\n<p>\u201eEs braucht im Sommer nicht nur einen Handy-Gipfel, sondern im Herbst einen Schulgipfel. Dort m\u00fcssen gemeinsam mit Gewerkschaften und Lehrerverb\u00e4nden die Ergebnisse der Arbeitszeitstudie ausgewertet werden. Ein Alleingang, wie der zum Ma\u00dfnahmenpaket, darf sich nicht wiederholen. Die Belastung der Lehrkr\u00e4fte muss ernsthaft diskutiert werden, Arbeits- und Aufgabenverteilung m\u00fcssen auf den Pr\u00fcfstand. Die Einf\u00fchrung einer Arbeitszeiterfassung oder freiwillige Arbeitszeitkonten sind sensible Themen \u2013 dar\u00fcber muss im Dialog entschieden werden. L\u00f6sungen \u00fcber die K\u00f6pfe hinweg helfen nicht.\u201d<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es wird nicht klappen. Da ist sich die Lehrergewerkschaft GEW ziemlich sicher. Am Dienstag, dem 27. 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