{"id":144826,"date":"2025-05-27T23:20:20","date_gmt":"2025-05-27T23:20:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/144826\/"},"modified":"2025-05-27T23:20:20","modified_gmt":"2025-05-27T23:20:20","slug":"wer-wird-eigentlich-aus-der-psychiatrie-entlassen-und-wer-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/144826\/","title":{"rendered":"Wer wird eigentlich aus der Psychiatrie entlassen \u2013 und wer nicht?"},"content":{"rendered":"<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Welcher Mensch ist f\u00fcr andere gef\u00e4hrlich? Die M\u00f6glichkeiten der Psychiatrie, dies vorherzusagen, sind begrenzt. Der Zustand eines Menschen k\u00f6nne sich leider von einem auf den anderen Tag \u00e4ndern, sagt die Pr\u00e4sidentin der Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde, Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank. <\/p>\n<p>In Hamburg verletzte am Freitagabend eine 39-j\u00e4hrige Frau einen Tag nach der Entlassung aus der Psychiatrie mehrere Menschen mit Messerstichen. Nach Auskunft ihrer Klinik gab es zum Zeitpunkt der Entlassung keinen medizinischen Befund, der eine weitere Unterbringung gerechtfertigt h\u00e4tte. Seitdem wird nicht nur in Hamburg kontrovers \u00fcber diesen Fall debattiert.<\/p>\n<p>\u201eEs besteht immer die M\u00f6glichkeit, dass es im Rahmen einer Erkrankung von einem Tag auf den anderen eine Verschlechterung gibt\u201c, erkl\u00e4rt Gouzoulis-Mayfrank. Nat\u00fcrlich k\u00f6nne es aber auch passieren, dass ein Arzt eine Situation als weniger akut einsch\u00e4tzt, als sie sich dann herausstellt.<\/p>\n<p>Gratwanderung zwischen Sicherheit und Freiheit<\/p>\n<p>\u201eEine akute Fremdgef\u00e4hrdung liegt dann vor, wenn ein Patient beispielsweise sagt: \u201aIch kenne jemanden, der mir B\u00f6ses will und ich werde mich verteidigen\u2018 oder \u201aIch werde mich r\u00e4chen\u2018\u201c, erkl\u00e4rt Gouzoulis-Mayfrank. Eine Eigengef\u00e4hrdung sei akut, wenn klar sei, dass sich ein Patient etwas antun wolle. \u201eIn diesen F\u00e4llen kann man einen Menschen auch unfreiwillig in der Psychiatrie behalten \u2013 sofern ein Gericht die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Unterbringung best\u00e4tigt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich kann man sagen, ein erfahrener Psychiater muss die akute Gef\u00e4hrdung erkennen\u201c, sagt Gouzoulis-Mayfrank. \u201eAber die Vorhersagem\u00f6glichkeiten sind leider begrenzt. Es gibt immer auch mal F\u00e4lle, in denen eine akute Gef\u00e4hrdung nicht erkannt werden kann.\u201c <\/p>\n<p>Eine andere Bewertungssituation gebe es bei forensischen Kliniken, wo Menschen untergebracht sind, die eine schwere Straftat aufgrund einer psychischen Erkrankung begangen haben. Dort dauerten die Aufenthalte in der Regel mehrere Jahre und \u00c4rzte m\u00fcssten vor der Entlassung einsch\u00e4tzen, ob der Patient in der Zukunft, nach Monaten oder Jahren eine Straftat begehen werde. <\/p>\n<p>\u201eWenn jemand aufgrund seiner psychischen Erkrankung eine schwere Gewalttat begangen hat und die Erkrankung nicht behandelt wird, ist die Gefahr der Wiederholung hoch\u201c, sagt die Psychiaterin. Wenn jemand jedoch lediglich als gereizt oder aggressiv auffalle, sei die Vorhersage, ob er in der Zukunft eine schwere Gewalttat ver\u00fcben werde, \u00e4u\u00dferst schwierig. Zwar gab es bei der Angreiferin von Hamburg auch fr\u00fchere Vorf\u00e4lle, aber eine schwere Straftat war nicht dabei.<\/p>\n<p>Die meisten Patienten seien freiwillig in einer Klinik. Wenn sie entlassen werden m\u00f6chten und es keine Hinweise auf eine akute Gef\u00e4hrdung gebe, dann k\u00f6nne eine Entlassung erfolgen, sagt die Psychiaterin. <\/p>\n<p>\u201eWenn ein Patient richterlich eingewiesen worden ist, m\u00fcssen die behandelnden \u00c4rzte dagegen jeden Tag praktisch \u00fcberpr\u00fcfen, ob die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Unterbringung weiterhin bestehen\u201c, sagt die Psychiaterin. \u201eIn dem Moment, wo die akute Gef\u00e4hrdung nicht mehr besteht, muss der Patient entlassen werden. \u201c<\/p>\n<p>Unterbringung in zugespitzter Situation<\/p>\n<p>\u201eDas ist ein Problem. Die psychiatrische Unterbringung l\u00e4uft, solange die Situation akut und zugespitzt ist. Danach muss der Patient, wenn er sich nicht freiwillig l\u00e4nger behandeln l\u00e4sst, entlassen werden\u201c, sagt Gouzoulis-Mayfrank, die \u00c4rztliche Direktorin der LVR-Klinik K\u00f6ln ist. Das Beste sei, wenn der Patient freiwillig l\u00e4nger bleibe. \u201eDas passiert ja auch h\u00e4ufig.\u201c Ein Problem sei es aber, wenn die Situation nicht mehr so ganz akut sei und der Patient entlassen werden wolle. \u201eDann haben die \u00c4rzte rechtlich keine Handhabe.\u201c<\/p>\n<p>Die entsprechenden Gesetze der einzelnen Bundesl\u00e4nder seien \u201eim Gro\u00dfen und Ganzen gut\u201c, meint Gouzoulis-Mayfrank. Es gebe im Detail jedoch Unterschiede &#8211; vor allem auch in der Vor- und Nachsorge. \u201eBesonders wichtig ist die Nachsorge.\u201c Der behandelnde Arzt m\u00fcsse einbezogen werden, \u201ewenn denn bekannt ist, wer der behandelnde Arzt ist und wenn es ihn \u00fcberhaupt gibt\u201c. Ein Problem sei dies oft bei Patienten, die nicht sesshaft seien. <\/p>\n<p>Wichtige Vor- und Nachsorge <\/p>\n<p>Die nachsorgenden Hilfen sollten intensiver sein. Die sozialpsychiatrischen Dienste sollten in bestimmten F\u00e4llen schon vor der Entlassung Kontakt mit den Patienten aufnehmen, sagt Gouzoulis-Mayfrank. Es sei daher sinnvoll, sozialpsychiatrische Dienste zu unterst\u00fctzen oder auch die Polizei. Wenn diese in Kontakt trete mit Menschen, die auff\u00e4llig erscheinen, sollte das Team psychiatrisch erfahrene Fachkr\u00e4fte haben, die die Polizisten beraten.<\/p>\n<p>\u201eEs gibt Formen der zus\u00e4tzlichen ambulanten intensiven Betreuung f\u00fcr Menschen mit psychischen Erkrankungen, bei denen ein Gewaltpotenzial vermutet wird, aber keine akute Gef\u00e4hrdung vorliegt\u201c, sagt Gouzoulis-Mayfrank und verweist auf Projekte in Bayern, Hamburg und Hessen. Dabei gebe es Beratung, Hilfe bei der Wohnungssuche oder im Aufnehmen von Kontakten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Welcher Mensch ist f\u00fcr andere gef\u00e4hrlich? Die M\u00f6glichkeiten der Psychiatrie, dies vorherzusagen, sind begrenzt. 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