{"id":144832,"date":"2025-05-27T23:24:13","date_gmt":"2025-05-27T23:24:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/144832\/"},"modified":"2025-05-27T23:24:13","modified_gmt":"2025-05-27T23:24:13","slug":"die-lehren-aus-der-missglueckten-olympia-bewerbung-von-1993","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/144832\/","title":{"rendered":"Die Lehren aus der missgl\u00fcckten Olympia-Bewerbung von 1993"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspBWlm tspBWln\">Gut 32 Jahre ist es her, dass Berlin mit einer Olympiabewerbung scheiterte. Krachend und mit Ansage. Gerade einmal neun der damals 88 Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees hatten bei der Entscheidung am 23. September 1993 f\u00fcr die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2000 in Berlin gestimmt. Bereits in der zweiten Runde war f\u00fcr die Berliner Schluss. Den Zuschlag erhielt das australische Sydney. Sp\u00e4tere, eher zaghafte Olympia-Initiativen Berlins ab dem Jahr 2000 blieben in einem Anfangsstadium stecken und wurden nicht verfolgt.  &#13;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/abo.tagesspiegel.de\/tagesspiegel-app?icid=single-topic_13766911___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB7mj\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Tagesspiegel-App Aktuelle Nachrichten, Hintergr\u00fcnde und Analysen direkt auf Ihr Smartphone. Dazu die digitale Zeitung. Hier gratis herunterladen.  <\/a><\/p>\n<p class=\"tspBWlm\">Die Erinnerung an die Pleite von 1993 wirkte lange nach. Unerwartet war das Aus seinerzeit nicht gekommen. Die Bewerbung war von Pannen, Aff\u00e4ren und einer lautstarken Anti-Olympia-Bewegung bestimmt und ist ein Beispiel daf\u00fcr, wie man es nicht machen sollte.&#13;<\/p>\n<p class=\"tspBWlm\">Von Beginn an gab es Negativschlagzeilen: Das Finanzgebaren der Olympia-Werber und allzu \u00fcppige Geh\u00e4lter standen zun\u00e4chst in der Kritik. Zum Skandal wurde es, als m\u00f6gliche Pl\u00e4ne bekannt wurden, private Vorlieben der IOC-Mitglieder, darunter auch sexuelle Pr\u00e4ferenzen, in Dossiers zusammenzustellen. Die Olympia-Gegner machten mit k\u00e4mpferischen Aktionen von sich reden. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der die Bewerbung tragenden Gesellschaften mussten gehen. &#13;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/demo-gegen-die-bewerbung-berlins-fur-olympia-2000.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-10440289\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAWhm\"\/> Die \u201eNOlympia\u201c-Bewegung war in der Stadt 1993 stark pr\u00e4sent. <\/p>\n<p class=\"tspACfq\"> \u00a9 imago\/Seeliger <\/p>\n<p class=\"tspBWlm\">Dass hier eine Stadt, gar ein Land, etwas Gro\u00dfes erreichen wollte, war nicht zu sp\u00fcren. Nicht ansatzweise h\u00e4tte man sich solche glanzvollen Bilder vorstellen k\u00f6nnen, wie sie im vergangenen Jahr von Paris aus um die Welt gingen. Die Idee eines \u00fcberragenden, weltweiten Sportereignisses, das von einem ganzen Land getragen wird und Nationen zusammenbringt, spielte quasi keine Rolle.&#13;<\/p>\n<p class=\"tspQck\">Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/p>\n<p> An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgew\u00e4hlten, externen Inhalt, der den Artikel f\u00fcr Sie mit zus\u00e4tzlichen Informationen anreichert. Sie k\u00f6nnen sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. <\/p>\n<p> Externen Inhalt anzeigen <\/p>\n<p class=\"tspQcq\"> Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit k\u00f6nnen personenbezogene Daten an Drittplattformen \u00fcbermittelt werden.  Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p class=\"tspBWlm\">Eine olympische Philosophie war in der Bewerbung kaum zu entdecken. Berlin bem\u00fchte vor allem politische Symbolik, die beim IOC nicht verfing. Die Verantwortlichen setzten auf die Geschichte der Mauerstadt in der Zeit des kalten Krieges, der \u00dcberwindung der Teilung hin zur Hauptstadt eines zusammenwachsenden Deutschlands. Dabei taten sich die Bundesrepublik und die Stadt in diesen Jahren mit dem Zusammenwachsen so schwer. Die Euphorie des Mauerfalls war l\u00e4ngst verlogen; l\u00e4ngst k\u00e4mpfte die Stadt mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und der Anstrengung, die Lebensverh\u00e4ltnisse anzugleichen. &#13;<\/p>\n<p> Keine Einigkeit zwischen Berlin und dem Bund <\/p>\n<p class=\"tspBWlm\">Bei den Olympiapl\u00e4nen \u00fcberwogen auf allen Ebenen Missstimmung. Die gro\u00dfen Sportorganisationen \u2013 damals noch der Deutsche Sportbund und das Nationale Olympische Komitee, die erst 2006 zu einer Organisation verschmolzen \u2013 zogen nicht unbedingt an einem Strang. Die Funktion\u00e4re sparten immer wieder nicht mit Kritik aneinander. Auch nicht mit Kritik an der chaotischen Berliner Bewerbung. <\/p>\n<p class=\"tspBWlm\">Wesentlich aber war es, dass es zwischen Bund und Berlin keine Einigkeit gab und dies unverhohlen gezeigt wurde. Olympia war keine nationale Aufgabe. Im Bundesgebiet fremdelten noch viele mit der Stadt. Die Bundespolitik hatte nur wenig bis verhaltenes Interesse an den Ambitionen Berlins. Lange z\u00f6gerte etwa die Bundesregierung, Vertreter aus den damals noch in Bonn ans\u00e4ssigen Ministerien in den Aufsichtsrat der Olympia-Gesellschaft zu schicken. Das wiederum f\u00fchrte zu Unverst\u00e4ndnis in Berlin. &#13;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sydney-harbour-bridge-wird-90.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-12144692\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAWhm\"\/> Den Zuschlag f\u00fcr die Olympischen Spiele 2000 hatte damals Sydney (Australien) bekommen. (Symbolbild von 2021) <\/p>\n<p class=\"tspACfq\"> \u00a9 dpa\/Dean Lewins <\/p>\n<p class=\"tspBWlm\">Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) hielt nicht viel von der Bewerbung und engagierte sich nicht daf\u00fcr. Dass er sich beim IOC f\u00fcr Berlin einsetzen k\u00f6nnte, stand nicht zur Diskussion. Das war bei den Mitbewerbern anders. Beispielsweise geh\u00f6rte der damalige britische Premierminister John Major zum Komitee, das vor der IOC-Vollversammlung die Bewerbung Manchesters pr\u00e4sentierte. Gleiches galt f\u00fcr den australischen Regierungschef Paul Keating, der selbstverst\u00e4ndlich und erfolgreich f\u00fcr Sydney warb.  &#13;<\/p>\n<p class=\"tspBWlm\">Der langj\u00e4hrige IOC-Pr\u00e4sident Thomas Bach, der im Juni nach zw\u00f6lf Jahren aus diesem Amt ausscheidet, geh\u00f6rte 1993 der Berliner Delegation an. Erst zwei Jahre zuvor war Bach in das IOC gew\u00e4hlt worden. Damit begann seine steile Karriere als Funktion\u00e4r hin zum einflussreichsten Mann im internationalen Sport. Einige Jahre sp\u00e4ter, 1999, sagte Bach in der R\u00fcckschau auf Berlins Scheitern in einem Tagesspiegel-Interview: \u201eDas IOC hatte nicht den Eindruck, die Stadt wolle die Spiele wirklich, getragen von einer Welle der Begeisterung.\u201d&#13;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gut 32 Jahre ist es her, dass Berlin mit einer Olympiabewerbung scheiterte. Krachend und mit Ansage. 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