{"id":145714,"date":"2025-05-28T07:40:08","date_gmt":"2025-05-28T07:40:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/145714\/"},"modified":"2025-05-28T07:40:08","modified_gmt":"2025-05-28T07:40:08","slug":"selenskyj-kommt-berlin-wird-abgeriegelt-doch-viel-bieten-kann-merz-ihm-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/145714\/","title":{"rendered":"Selenskyj kommt, Berlin wird abgeriegelt \u2013 doch viel bieten kann Merz ihm nicht"},"content":{"rendered":"<p>Die vielversprechenden Bilder von der Kiew-Reise des Kanzlers sind schnell verblasst. Sein vorsichtiger Optimismus ist innerhalb von drei Wochen d\u00fcsteren Prognosen gewichen. Nun kommt der ukrainische Pr\u00e4sident nach Berlin. Die Berliner m\u00fcssen heute starke Nerven haben.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Als Bundeskanzler Friedrich Merz nur vier Tage nach seinem Amtsantritt den ukrainischen Pr\u00e4sidenten Wolodymyr Selenskyj Mitte Mai in Kiew traf, waren die Hoffnungen auf einen echten Verhandlungsprozess zur Beendigung des Krieges noch gro\u00df. Heute, knapp drei Wochen danach, sehen sich die beiden in Berlin wieder, und von der Hoffnung ist so gut wie nichts \u00fcbrig geblieben.<\/p>\n<p>Der d\u00fcnne Gespr\u00e4chsfaden zwischen Russland und der Ukraine ist abgerissen. Die russischen Luftangriffe sind heftiger als je zuvor. Und US-Pr\u00e4sident Donald Trump ist dabei, die Europ\u00e4er mit dem Problem allein zu lassen.<\/p>\n<p>\u00dcber den geplanten Besuch Selenskyjs in Berlin hatten in den vergangenen Tagen mehrere Medien berichtet, obwohl solche Reisen aus Sicherheitsgr\u00fcnden in der Regel m\u00f6glichst bis zuletzt geheim gehalten werden. Eine offizielle Best\u00e4tigung erfolgte erst am Mittwochmorgen durch Regierungssprecher Stefan Kornelius. Um 12 Uhr wird Selenskyj mit milit\u00e4rischen Ehren im Kanzleramt empfangen, anschlie\u00dfend geben beide eine gemeinsame Pressekonferenz.<\/p>\n<p>Die Polizei hatte schon vor der Best\u00e4tigung massive Verkehrseinschr\u00e4nkungen angek\u00fcndigt. Seit 6 Uhr sind Teile des Berliner Stadtteils Tiergarten gesperrt, der S- und U-Bahn-Verkehr ist eingeschr\u00e4nkt. An Zufahrtsstra\u00dfen stehen Absperrgitter und Polizisten. Autofahrer sollen die Bereiche meiden.<\/p>\n<p>Es ist bereits der vierte Besuch Selenskyjs in Berlin seit dem russischen Einmarsch in der Ukraine vor mehr als drei Jahren. Er findet in einer \u00e4u\u00dferst schwierigen Lage statt \u2013 und f\u00e4llt zeitlich zusammen mit dem Antrittsbesuch von Au\u00dfenminister Johann Wadephul in Washington.<\/p>\n<p>Merz&#8216; Chefdiplomat will sich bei seinem heutigen Treffen mit US-Kollege Marco Rubio f\u00fcr einen Schulterschluss mit den USA im Umgang mit Kremlchef Wladimir Putin einsetzen. \u201eDamit Putin endlich an den Verhandlungstisch kommt, damit Russland endlich in ernsthafte Verhandlungen einsteigt, m\u00fcssen wir den Druck aufrechterhalten\u201c, erkl\u00e4rte der CDU-Politiker vor dem Abflug nach Washington. \u201eWir Europ\u00e4er werden die Sanktionsschrauben weiter anziehen, auch der US-Kongress ist zu mehr Sanktionen bereit.\u201c<\/p>\n<p>Merz macht d\u00fcstere Prognosen<\/p>\n<p>Merz erweckte in den vergangenen Tagen den Eindruck, als habe er den Glauben an eine L\u00f6sung am Verhandlungstisch ganz aufgegeben. Kriege gingen in der Regel durch wirtschaftliche oder milit\u00e4rische Ersch\u00f6pfung einer der beiden Seiten oder beider Seiten zu Ende, sagte er am Dienstag bei seinem Finnland-Besuch. \u201eDavon sind wir in diesem Krieg offensichtlich noch weit entfernt. Deswegen rechne ich damit, dass wir uns m\u00f6glicherweise noch auf eine l\u00e4ngere Dauer einzustellen haben.\u201c<\/p>\n<p>Die Ern\u00fcchterung \u00fcber die diplomatischen Bem\u00fchungen ist auch der Grund daf\u00fcr, warum Merz die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article256177446\/ukraine-krieg-politiker-von-spd-und-linke-kritisieren-merz-fuer-waffen-freigabe-kanzler-wehrt-sich.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article256177446\/ukraine-krieg-politiker-von-spd-und-linke-kritisieren-merz-fuer-waffen-freigabe-kanzler-wehrt-sich.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aufhebung der Reichweitenbegrenzung<\/a> f\u00fcr den Einsatz deutscher Waffen im Ukraine-Krieg Anfang der Woche \u00f6ffentlich machte. Er unterst\u00fctzte damit ukrainische Milit\u00e4rschl\u00e4ge gegen Stellungen auf russischem Territorium, um dem russischen Pr\u00e4sidenten Putin zu signalisieren, dass die Solidarit\u00e4t der Europ\u00e4er mit der Ukraine ungebrochen ist.<\/p>\n<p>Von den Gr\u00fcnen und auch aus der Union kommen nun wieder Forderungen nach der Lieferung der Taurus-Marschflugk\u00f6rper mit einer Reichweite von 500 Kilometern. Da war Merz zuletzt aber sehr reserviert \u2013 er will in der \u00d6ffentlichkeit eigentlich gar nicht mehr \u00fcber das Thema reden.<\/p>\n<p>Milit\u00e4risch ist die Ukraine seit langem in der Defensive; doch es ist Russland auch nach mehr als drei Jahren Angriffskrieg nicht gelungen, den Widerstand der Ukrainer zu brechen. Um in die Vorhand zu kommen, br\u00e4uchte die ukrainische Armee schlagkr\u00e4ftige Waffensysteme, um russische Kommandostellen und Versorgungswege hinter der Front zu zerschlagen.<\/p>\n<p>In seiner Videobotschaft am Dienstagabend k\u00fcndigte Selenskyj an, die R\u00fcstungsindustrie weiter auszubauen. Russland m\u00fcsse f\u00fchlen, dass alle seine Untaten gegen die Ukraine beantwortet w\u00fcrden. \u201eSchl\u00fcsselelemente (daf\u00fcr) sind Angriffsdrohnen, Abfangj\u00e4ger, Marschflugk\u00f6rper und ukrainische ballistische Raketen. Wir m\u00fcssen alles produzieren\u201c, forderte er.<\/p>\n<p>Mehr als Planspiele sind das bisher nicht, auch wenn Selenskyj erkl\u00e4rte, dass die Regierung Investitionsvertr\u00e4ge mit europ\u00e4ischen Partnern vorbereite, um weitere Milit\u00e4rproduktion ins Land zu verlagern.<\/p>\n<p>Hinhaltender Widerstand der Ukraine<\/p>\n<p>Die Ukraine hat bereits ihre Drohnen weiterentwickelt. Damit kann sie punktuell Energieanlagen und Milit\u00e4robjekte in Russland besch\u00e4digen oder den zivilen Flugverkehr st\u00f6ren. Die Lufthoheit liegt aber weiter bei Russland, wie die schweren n\u00e4chtlichen Bombardements vom vergangenen Wochenende gezeigt haben.<\/p>\n<p>Zwar ist die ukrainische Luftverteidigung verst\u00e4rkt worden \u2013 gerade auch mit deutscher Hilfe. Doch die russischen Drohnenschw\u00e4rme werden gr\u00f6\u00dfer, gegen Gleitbomben und ballistische Raketen gibt es kaum eine Abwehr. Es fehlt an Waffensystemen und Flugabwehrmunition.<\/p>\n<p>Bei K\u00e4mpfen am Boden zeigt sich der ukrainische Mangel an Soldaten deutlich. Im Donbass im Osten leisten die Verteidiger hinhaltenden Widerstand. Die russischen Angreifer r\u00fccken Schritt f\u00fcr Schritt vor, auch wenn sie dabei gro\u00dfe Verluste an Soldaten und Technik erleiden. F\u00fcr den Sommer zieht Moskau Truppen f\u00fcr weitere Offensiven zusammen. Auch droht eine Verl\u00e4ngerung der Front, weil Russland entlang seiner Grenze eine Pufferzone erobern will. Beide Seiten stecken in einem Abnutzungskrieg mit ungewissem Ausgang.<\/p>\n<p>Der Plan von <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article256178160\/Ukraine-Krieg-Er-spielt-mit-dem-Feuer-Trump-schickt-neue-Warnung-an-Putin.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article256178160\/Ukraine-Krieg-Er-spielt-mit-dem-Feuer-Trump-schickt-neue-Warnung-an-Putin.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">US-Pr\u00e4sident Trump<\/a> bei Amtsantritt lief daraus hinaus, mit seinem \u2013 wie er es einsch\u00e4tzt \u2013 guten Draht zu Putin ein rasches Kriegsende zu erreichen. Nicht auf ihn machte er Druck, sondern auf die bislang verb\u00fcndete Ukraine. Doch trotz mehrerer Spitzentelefonate und Vorbereitungstreffen kam nicht mehr zustande als ein direktes ukrainisch-russisches Gespr\u00e4ch in Istanbul. Es brachte bis auf einen Gefangenenaustausch kein Ergebnis.<\/p>\n<p>Kiew hat Trumps Vorschlag einer 30-t\u00e4gigen Waffenruhe als Einstieg in Verhandlungen angenommen. Moskau lehnt dies weiter ab und bleibt trotz aller Beteuerungen von Friedenswillen letztlich bei Maximalforderungen: Die Ukraine soll entwaffnet und praktisch wieder unter russische Kontrolle gebracht werden.<\/p>\n<p>Angesichts der schwankenden Haltung Trumps w\u00e4chst den europ\u00e4ischen Staaten gr\u00f6\u00dfere Bedeutung zu, f\u00fcr Sicherheit auf dem eigenen Kontinent zu sorgen. Neben dem Versprechen der anhaltenden milit\u00e4rischen Unterst\u00fctzung d\u00fcrfte bald auch ein weiteres Sanktionspaket folgen. Von Strafma\u00dfnahmen hat sich Russland bisher aber unbeeindruckt gezeigt.<\/p>\n<p>Auch die zunehmende Unzufriedenheit Trumps hat die russische F\u00fchrung k\u00fchl weggewischt. Als der US-Pr\u00e4sident am Wochenende nach massiven russischen Bombardements ukrainischer St\u00e4dte sagte, Putin sei \u201everr\u00fcckt geworden\u201c, wertete der Kreml das als Zeichen \u201eemotionaler \u00dcberlastung\u201c wegen der laufenden Verhandlungen.<\/p>\n<p>dpa\/fhs<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die vielversprechenden Bilder von der Kiew-Reise des Kanzlers sind schnell verblasst. 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