{"id":14600,"date":"2025-04-08T02:49:15","date_gmt":"2025-04-08T02:49:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/14600\/"},"modified":"2025-04-08T02:49:15","modified_gmt":"2025-04-08T02:49:15","slug":"bis-jetzt-antwort-des-russischen-botschafters-laesst-anne-will-in-ihrer-kriegs-doku-schlucken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/14600\/","title":{"rendered":"&#8222;Bis jetzt?&#8220; Antwort des russischen Botschafters l\u00e4sst Anne Will in ihrer Kriegs-Doku schlucken"},"content":{"rendered":"<p><b>In ihrer ersten Doku stellt sich Anne Will einer unbequemen Frage: Wie ver\u00e4ndert die neue Weltlage Deutschland &#8211; und uns? Zwischen Bunkerbau-Boom, Bundeswehr-Schnuppercamps und Gespr\u00e4chen mit Verteidigungsminister Pistorius trifft sie auf Menschen, die glauben: Sicherheit gibt es nur noch aus Angst und Stahl.<\/b><\/p>\n<p>&#8222;Ich bei\u00dfe nicht &#8211; heute&#8220;, mit diesen Worten begr\u00fc\u00dft der russische Botschafter Sergej J. Netschajew Anne Will in der Botschaft in Berlin. Er wirkt entspannt, tr\u00e4gt eine quadratische Brille und eine rotgepunktete Krawatte. W\u00e4hrend er sie durch das Geb\u00e4ude f\u00fchrt, erhascht man Blicke auf massive Kronleuchter, riesige Buntglasfenster &#8211; und auf die 16 Wappen der fr\u00fcheren Sowjetrepubliken. In Netschajews B\u00fcro steht kein Familienfoto, sondern ein Portr\u00e4t von Putin.<\/p>\n<p>&#8222;Ich glaube nicht, dass die Deutschen Angst haben sollen&#8220;, sagt der Botschafter sp\u00e4ter im Gespr\u00e4ch mit Will, beide sitzen an einem langen Tisch. &#8222;Sie glauben?&#8220;, fragt Will herausfordernd. Netschajew geht darauf kaum ein. Stattdessen behauptet er: Die Menschen in Deutschland seien &#8222;angesteckt von einer militaristischen Psychose&#8220;, einer &#8222;Hysterie&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Wof\u00fcr produzieren Sie Waffen?&#8220;, hakt Will weiter nach. &#8222;Wir m\u00fcssen auf Sicherheitsrisikos reagieren&#8220;, antwortet der Botschafter kurz angebunden, es folgt eine Pause. &#8222;Sind Sie unser Feind?&#8220;, fragt Will schlie\u00dflich. &#8222;Wir befinden uns bis jetzt nicht im Kriegszustand mit &#8230;&#8220;, Will unterbricht: &#8222;bis jetzt?&#8220;. Eine richtige Antwort darauf bleibt aus.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"caas-img caas-lazy has-preview\" alt=\"General Christoph Huber verantwortet den Aufbau der Brigade Litauen. Er sagt im Gespr\u00e4ch mit Anne Will: &quot;Wir stehen daf\u00fcr ein, dass jeder Zentimeter des NATO-B\u00fcndnisgebietes verteidigt wird.&quot; (Bild: NDR)\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/3daf81fb6ecfbfbd705d97313f54daa2.jpeg\"\/><\/p>\n<p>General Christoph Huber verantwortet den Aufbau der Brigade Litauen. Er sagt im Gespr\u00e4ch mit Anne Will: &#8222;Wir stehen daf\u00fcr ein, dass jeder Zentimeter des NATO-B\u00fcndnisgebietes verteidigt wird.&#8220; (Bild: NDR)<\/p>\n<p>56 Prozent der Deutschen haben gro\u00dfe Sorge vor einem Krieg in Europa<\/p>\n<p>Ein Grund zur Sorge? Das findet \u00fcber die H\u00e4lfte der Deutschen. F\u00fcr den Film hat die langj\u00e4hrige ARD-Talkerin Will eine repr\u00e4sentative Umfrage machen lassen: 56 Prozent der deutschen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger haben gro\u00dfe Sorge vor einem Krieg in Europa. Videoausschnitte werden eingeblendet, von JD Vance auf der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz, der von einer m\u00f6glichen Abkehr von Europa spricht, von dem katastrophalen Treffen zwischen Wolodymyr Selenskyj und Donald Trump im Wei\u00dfen Haus, von Friedrich Merz und Ursula von der Leyen, wie beide von Aufr\u00fcstung sprechen.<\/p>\n<p>Deutschland wappnet sich gegen den Ernstfall. Doch wo w\u00fcrden wir \u00fcberhaupt Schutz finden? Laut dem BKK gibt es aktuell 579 \u00f6ffentliche Bunker &#8211; Platz f\u00fcr 0,5 Prozent der Bev\u00f6lkerung. Einsatz- und funktionsf\u00e4hig sind davon null. Finnland und die Schweiz hingegen haben mehr Bunker als Einwohner &#8211; hat Deutschland geschlafen?<\/p>\n<p>Wohl gerade deshalb boomt das Gesch\u00e4ft mit personalisierten Schutzbunkern, dem &#8222;Gesch\u00e4ft mit der Angst&#8220;, wie Will es in ihrem ARD-Film bezeichnet. Einen Anbieter besucht sie in Hamburg, Barmbek: Mario Piejde und sein Gesch\u00e4ftspartner aus Dubai k\u00f6nnen sich vor Auftr\u00e4gen nicht retten. In deren B\u00fcro stehen Schr\u00e4nke mit Vorr\u00e4ten und Kerzen, an den W\u00e4nden h\u00e4ngen Deutschlandflaggen und Gasmasken.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"caas-img caas-lazy has-preview\" alt=\"Anne Will besucht die Milit\u00e4rsiedlung Rukla in Litauen. Einer, der Orte, an dem die Bundeswehr die Brigade Litauen aufbauen wird. (Bild: NDR)\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/87b6ce4228fa890292a5e0f940924e10.jpeg\"\/><\/p>\n<p>Anne Will besucht die Milit\u00e4rsiedlung Rukla in Litauen. Einer, der Orte, an dem die Bundeswehr die Brigade Litauen aufbauen wird. (Bild: NDR)<\/p>\n<p>&#8222;Wenn jemand auf mich oder andere Leute schie\u00dft, werde ich nicht zugucken&#8220;<\/p>\n<p>Das Einsteigermodell &#8211; das eher einer winzigen Stehbox gleich &#8211; f\u00e4ngt bei 15.000 Euro an. Richtige Bunkerr\u00e4ume kosten schnell mal 100.000 Euro, die kommen dann aber auch mit einer 900 Kilogramm schweren Wand, die sich wie ein Rollo herunterfahren l\u00e4sst und vor Druckwellen sch\u00fctzt. &#8222;Da braucht man keine Angst davor zu haben, drinnen zerfetzt zu werden&#8220;, sagt Piejdes Kollege. Die H\u00e4lfte der Bunker sind schon verkauft. &#8222;Wer kommt denn zu ihnen?&#8220;, fragt Will. &#8222;Der komplette Querschnitt&#8220;, erwidert Piejde. Viele wollten anonym bleiben, aus Angst, dass jemand davon erf\u00e4hrt &#8211; und im Ernstfall dort Schutz sucht. &#8222;So ist halt der Mensch&#8220;, sagt Piejde.<\/p>\n<p>Weiter geht es zu Theo und Tim nach Kiel. \u00dcber die Jugendoffensive der Bundeswehr und die YouTube-Serie &#8222;Die Rekruten&#8220; sind die beiden auf den Beruf aufmerksam geworden &#8211; gerade absolvieren sie ein sogenanntes &#8222;Schnuppercamp&#8220; auf dem Marinest\u00fctzpunkt. Warum sie das machen? &#8222;Wenn man in diesem Land lebt, sollte man ihm etwas zur\u00fcckgeben&#8220;, ist Tim der Meinung, &#8222;wenn jemand auf mich oder andere Leute schie\u00dft, werde ich nicht zugucken&#8220;, sagt Theo. Der Job bei der Bundeswehr sei &#8222;das Richtige&#8220; f\u00fcr ihn.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter trifft die Moderatorin noch Theos Mutter, Ute Schubert. &#8222;Sind sie in Ordnung mit der Berufswahl ihres Sohnes?&#8220;, fragt Will. &#8222;Das ist seine Entscheidung. Nat\u00fcrlich habe ich Angst, aber ich versuche mich nicht durch \u00c4ngste leiten zu lassen&#8220;, entgegnet Schubert.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"caas-img caas-lazy has-preview\" alt=\"&quot;Wir haben Angst vor Krieg&quot;, das h\u00f6rt Anne Will immer wieder auf der Demonstration gegen die M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz. (Bild: NDR)\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/86428ae2beb5022c849ac4404c8d7ab0.jpeg\"\/><\/p>\n<p>&#8222;Wir haben Angst vor Krieg&#8220;, das h\u00f6rt Anne Will immer wieder auf der Demonstration gegen die M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz. (Bild: NDR)<\/p>\n<p>Deutschlands Munition reicht f\u00fcr zwei Tage<\/p>\n<p>Cut zum Interview mit Boris Pistorius. &#8222;Wir m\u00fcssen uns wappnen und die F\u00e4higkeit besitzen, einen m\u00f6glichen milit\u00e4rischen Angriff gemeinsam mit NATO-Partnern abzuwenden&#8220;, sagt er ruhig. Ein Angriff Putins halte er f\u00fcr m\u00f6glich, daf\u00fcr m\u00fcsse man sich vorbereiten. &#8222;\u00dcber Jahrzehnte wurde bei der Bundeswehr gespart, keine Ersatzteile nachbestellt, es gibt zu wenig Munition &#8211; die w\u00fcrde aktuell genau f\u00fcr zwei Tage reichen&#8220;, sagt Will. &#8222;Das werde ich mit Sicherheit nicht kommentieren&#8220;, antwortet Pistorius, sichtlich angegriffen. Dabei verpflichtet die Nato alle B\u00fcndnispartner, Munition f\u00fcr 30 Jahre vorr\u00e4tig zu halten. &#8222;Wir arbeiten daran&#8220;, versichert der Verteidigungsminister.<\/p>\n<p>Noch eine Zahl wird eingeblendet: Nur 29 Prozent der Deutschen w\u00e4ren bereit, ihr Land mit Waffe zu verteidigen. Einer der niedrigsten Werte weltweit. An der Ostsee in Boltenhagen besucht Will das Ehepaar Lotte Salingr\u00e9 und Thomas Stanger &#8211; sie haben vergangenes Jahr f\u00fcnf Millionen Euro an das BSW \u00fcberwiesen. &#8222;Meine Kriegsangst ist, dass die Provokation von Europa gegen\u00fcber Russland so gro\u00df wird, dass sie es doch tun&#8220;, sagt Salingr\u00e9, vor ihr dampft eine Tasse Tee: &#8222;Dabei haben die Russen vielleicht genauso Angst.&#8220; Auf Wills Frage, wer die Schuld am Krieg tr\u00e4gt, sagt sie: &#8222;Das ist schwer zu beantworten, es gibt immer zwei Seiten.&#8220;<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich f\u00e4hrt Will nach Litauen &#8211; der &#8222;wunde Punkt der Nato&#8220;, eingekesselt von Belarus und dem russischen Kaliningrad, wie sie es beschreibt. Am Grenz\u00fcbergang, zwischen den Brustkorb-hohen Panzersperren, facetimt Will mit Dovil\u0117 \u0160akalien\u0117, der Verteidigungsministerin Litauens. Sie hat klare Worte: &#8222;Wir werden jede Verbindungsm\u00f6glichkeit in die Luft sprengen. Es ist nicht wichtig, an welcher Stelle das Boot getroffen wird &#8211; es wird untergehen.&#8220;<\/p>\n<p>Aktien von Rheinmetall mehr als verdoppelt<\/p>\n<p>Zwei Stunden von Litauen entfernt befindet sich eine Milit\u00e4rsiedlung. Hier sollen insgesamt 5.000 deutsche Soldaten hinterlegt werden &#8211; Will spricht von einem &#8222;Kernprojekt der Zeitenwende&#8220;. Die 200 Soldatinnen und Soldaten, die bereits dort stationiert sind, wohnen in Containern. Ein Leopard-2-Kampfpanzer rollt ins Bild. 105 St\u00fcck hat die Bundesrepublik bereits nachbestellt. Kosten: 2,9 Milliarden Euro.<\/p>\n<p>Die Aktien von Rheinmetall haben sich mehr als verdoppelt seit Anfang des Jahres, hei\u00dft es. Will, die eine dicke Daunenjacke tr\u00e4gt, m\u00f6chte das 64-Tonnen-Exemplar genauer betrachten. Soldat Rafael hilft ihr, auf den Panzer zu klettern. &#8222;Wie hat sich das erste Mal angef\u00fchlt, Munition damit abzufeuern?&#8220;, fragt sie oben angekommen. &#8222;Das ist wie an Silvester, laut, spa\u00dfig, es qualmt viel&#8220;, sagt Rafael und lacht.<\/p>\n<p>Doch alle 4.800 Soldatinnen und Soldaten werden erst in zwei Jahren vor Ort und voll einsatzf\u00e4hig sein. &#8222;Der Zeitplan wirkt wie aus einer anderen Zeit&#8220;, findet Will. Als die Kamera aus ist, stecken Soldatinnen und Soldaten dem Rechercheteam, dass das Material gerade so knapp sei, dass das, was dort geliefert wird, woanders L\u00f6cher rei\u00dft. Und: Die Berechnungen beruhen darauf, dass man die USA fest an der Seite hat.<\/p>\n<p>Schnitt zur Sicherheitskonferenz in M\u00fcnchen, JD Vance hat eben seine Rede gehalten. R\u00f6ttgen wird eingeblendet: &#8222;Wir sind so verw\u00f6hnt von den letzten Jahrzehnten, dass Krieg keine Option ist.&#8220; Wir d\u00fcrften nicht weiter schlafwandeln, sonst w\u00fcrden wir vor dem Abgrund stehen. Will beendet ihre Doku mit einer Frage, auf die sie keine so genaue Antwort gefunden hat: &#8222;Wie sichern wir Frieden?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Angst vor Krieg. Die Deutschen in der Zeitenwende&#8220; l\u00e4uft am Montag, 7. April, 20.15 Uhr, im Ersten und in der ARD-Mediathek.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In ihrer ersten Doku stellt sich Anne Will einer unbequemen Frage: Wie ver\u00e4ndert die neue Weltlage Deutschland &#8211;&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14601,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[10065,1179,10066,29,30,13,10067,14,15,12,10,8,9,11,10064],"class_list":{"0":"post-14600","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-anne-will","9":"tag-boris-pistorius","10":"tag-botschafter","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-headlines","14":"tag-kriegszustand","15":"tag-nachrichten","16":"tag-news","17":"tag-schlagzeilen","18":"tag-top-news","19":"tag-top-meldungen","20":"tag-topmeldungen","21":"tag-topnews","22":"tag-verteidigungsminister-pistorius"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114300070385238461","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14600","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14600"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14600\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14601"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14600"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14600"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14600"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}