{"id":146071,"date":"2025-05-28T11:01:09","date_gmt":"2025-05-28T11:01:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/146071\/"},"modified":"2025-05-28T11:01:09","modified_gmt":"2025-05-28T11:01:09","slug":"wie-ein-pionier-die-talsperren-baute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/146071\/","title":{"rendered":"Wie ein Pionier die Talsperren baute"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es im Bergischen Land keine einzige Talsperre. Lediglich M\u00fchlteiche speicherten in der Nacht Wasser, mit dem am Tage die Industrie arbeiten konnte. Eine Talsperre, wie wir sie heute kennen, galt unter Preu\u00dfens F\u00fchrung als unbaubar. Ein Ingenieur mit Vision \u00e4nderte diese Ansicht und gilt mit seinen Entw\u00fcrfen bis heute als Pionier: Otto Intze.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">An der Bergischen Universit\u00e4t forscht und lehrt Prof. Dr.-Ing. Andreas Schlenkhoff auf dem Gebiet Wasserwirtschaft und Wasserbau. \u201eOtto Intze war einer der bekanntesten Wasserbauer, ein Ingenieur, der nicht nur technische Fragen innovativ l\u00f6sen konnte, sondern w\u00e4hrend einer wichtigen industriellen Entwicklungsphase Gesamtl\u00f6sungen f\u00fcr die dringend ben\u00f6tigte Wasserversorgung im Sommer entwickelte und den Beginn des Talsperrenbaus in ganz Preu\u00dfen mit initiierte.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nach einem Ingenieurstudium in Hannover wurde Otto Intze mit gerade einmal 26 Jahren Gr\u00fcndungsprofessor f\u00fcr Baukonstruktion und Wasserbau an der neu eingerichteten K\u00f6niglich Rheinisch Westf\u00e4lischen Polytechnischen Schule in Aachen, dessen Rektor er auch sp\u00e4ter wurde. Er war nicht nur ein genialer Ingenieur und Probleml\u00f6ser, er besa\u00df zudem die Gabe, seine L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge auch klar zu kommunizieren, sodass er die Verantwortlichen in der Industrie begeistern und Kommunen und Regierung von der Tragf\u00e4higkeit seiner Ideen und Entw\u00fcrfe \u00fcberzeugen konnte.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Bauweisen der ersten Talsperren waren aus Belgien, Frankreich und England bekannt. Gesichert ist, dass Intze sich durch seine Reisen vor Ort umf\u00e4nglich informiert hatte und vorhandene Ideen verbesserte. Um diese Ideen im Preu\u00dfen der damaligen Zeit umsetzen zu k\u00f6nnen, hielt er viele Vortr\u00e4ge, die die Machbarkeit des Baus einer Talsperre unterstrichen. \u201eHeute nennt man das vielleicht Flussgebietsmanagement. Damals fehlten sowohl hydrologische und wasserwirtschaftliche Grundlagedaten, als auch die technischen Bauverfahren. Die Grundlagedaten zur Wasserwirtschaft mussten im Zuge von Bereisungen und Messkampagnen erst noch erhoben werden\u201c, sagt Schlenkhoff.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Talsperren-Mauern seien vor 1880 in Deutschland \u00fcberhaupt nicht gebaut worden und Intze brauchte nat\u00fcrlich auch Verb\u00fcndete. \u201eEiner dieser Verb\u00fcndeten war der Lenneper Bauunternehmer Albert Schmidt, der dann auch an anderen Bauunternehmungen beteiligt war, denn Intze hat zwar viel geplant, aber nur wenig gebaut.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zwischen 1889 bis 1891 entstand nach den Pl\u00e4nen Intzes die Eschbachtalsperre in Remscheid als erste deutsche Trinkwassertalsperre \u00fcberhaupt. Ihr folgten nach dem gleichen Prinzip in der Zeit von 1896 bis 1914 die Bever-, Lingese-, Ronsdorfer-, Barmer-, Solinger, Neye- sowie die Brucher-Talperre. Aus Dankbarkeit \u00fcber diese kontinuierliche Wasserversorgung verliehen die Remscheider Otto Intze bereits 1893 die Ehrenb\u00fcrgerschaft. Erw\u00e4hnenswert in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass der heutige Wupperverband und der Ruhrverband eigentlich auf seine Initiative entstanden sind. \u201eEs war ja nicht nur die Wasserversorgung f\u00fcr die metallverarbeitende Industrie, sondern auch f\u00fcr die Tuchmacher. Heute wei\u00df das keiner mehr, aber 1883 gab es verheerende Hochwasser, daneben aber immer wieder Phasen, wo es gar kein Wasser gab. Gefahren von Typhus und Cholera und anderen Krankheiten, die immer dann auftreten, wenn die Abwasserentsorgung und Trinkwassergewinnung nicht funktioniert\u201c stehen in diesem Zusammenhang, waren aber so noch nicht bekannt, erkl\u00e4rt der Fachmann. \u201eDie Mauern wurden als sogenannte Gewichtsmauern erbaut, das hei\u00dft, der Wasserdruck kann alleine durch das Gewicht der Mauer in der Regel gehalten werden. Die Form der Mauer war dabei in der Lage leicht gekr\u00fcmmt und \u00fcber die H\u00f6he gerade so geformt, dass der Wasserdruck das Bauwerk nicht zum Kippen bringen konnte. Die Drucklinien liegen dabei immer innerhalb des Bauwerks, so dass keine Zugspannung auftritt. Dies ist f\u00fcr die Vermeidung von Rissbildung von besonderer Bedeutung.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Aus heutiger Sicht muss man allerdings sagen, dass Otto Intze damals eventuell auch etwas vergessen hat, und das ist der Druck aus Auftrieb, man nennt das den Sohlenwasserdruck, der dann das Gewicht der Talsperre um den Auftrieb reduziert. Das war wahrscheinlich nicht bekannt, oder Intze glaubte, dass die Mauer zum Untergrund tats\u00e4chlich dicht sei.\u201c In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, berichtet Schlenkhoff, habe man die Talsperrennormen novelliert und festgestellt, dass die Sicherheitsanspr\u00fcche den heutigen Normen nicht entsprechen, denn der Sohlenwasserdruck wurde bei den Intzetalsperren nicht ber\u00fccksichtigt. \u201eBis Ende der 90er Jahre wurden daraufhin alle Intzetalsperren aufw\u00e4ndig saniert.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wasser ist ein hohes Gut, aber Talsperrenbauten werden auch kritisch betrachtet. Sie sind mit erheblichen \u00f6kologischen Ver\u00e4nderungen und Beeintr\u00e4chtigungen von Natur und Landschaft verbunden. Langzeitfolgen f\u00fcr Gro\u00dfstaud\u00e4mme sind nicht vorhersehbar. Dazu der Forscher: \u201eKeine Ma\u00dfnahme, die vom Menschen gemacht wird, ist ohne Auswirkung auf die Umwelt. In Deutschland, w\u00fcrde ich provokant formulieren, gibt es fast keine Naturlandschaft, es ist alles Kulturlandschaft, es ist alles gestaltet.\u201c Es sei ein gro\u00dfes Problem, erkl\u00e4rt der Wissenschaftler, die Gesellschaft davon zu \u00fcberzeugen, dass ein Eingriff mit besonderer Intensit\u00e4t, trotzdem in der Gesamtschau zu sehr hohem Nutzen f\u00fchre. Beim Hochwasser werde der Nutzen oft nicht gesehen, denn, wenn man Sch\u00e4den vermeide, k\u00f6nne man nicht sehen, dass die Sch\u00e4den gekommen w\u00e4ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es im Bergischen Land keine einzige Talsperre. 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