{"id":146776,"date":"2025-05-28T17:18:09","date_gmt":"2025-05-28T17:18:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/146776\/"},"modified":"2025-05-28T17:18:09","modified_gmt":"2025-05-28T17:18:09","slug":"friedrich-merz-entspricht-nicht-dem-klischee-vom-macho","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/146776\/","title":{"rendered":"\u201eFriedrich Merz entspricht nicht dem Klischee vom Macho\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Was will <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/friedrich-merz\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Friedrich Merz<\/a> (CDU) wirklich? W\u00e4hrend er sich im Wahlkampf als Macher pr\u00e4sentierte, ist schon vor seinem Amtsantritt fraglich geworden, was auf seiner Agenda steht, was ihn antreibt.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Aufnahme des riesigen Schuldenpakets im M\u00e4rz mit Mehrheiten des alten Bundestages stellte diese Frage zum ersten Mal in aller Deutlichkeit, aber allein in der vergangenen Woche deutete er erst eine neue Aufhebung der Reichweitenbeschr\u00e4nkung f\u00fcr an die Ukraine gelieferte Waffen an, nahm sie dann zur\u00fcck, positionierte sich im selben Zuge kritisch gegen\u00fcber der israelischen Milit\u00e4roffensive im Gazastreifen, die er vorher noch ziemlich bedingungslos verteidigt hatte. All das sorgt f\u00fcr Bewunderung bei manchen, f\u00fcr Irritation bei anderen.<\/p>\n<p>Historiker R\u00f6dder: Merz verk\u00f6rpert Herzland der rheinisch-westf\u00e4lischen Christdemokratie<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Zeit-Journalistin <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/wochenende\/warum-ich-trans-debatten-die-anderen-das-menschsein-aberkennen-leid-bin-li.209753\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mariam Lau<\/a>, die Merz seit Jahren publizistisch begleitet, hat sich dieser Fragen in ihrem am vergangenen Freitag erschienen Buch \u201eMerz. Auf der Suche nach der verlorenen Mitte\u201c angenommen. Das bei <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/ullstein\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ullstein<\/a> ver\u00f6ffentlichte Portrait geht in zw\u00f6lf Kapiteln dem Ph\u00e4nomen Merz nach, versucht ihn \u2013 sozusagen als Operation am offenen Herzen der Kanzlerschaft \u2013 aufzuschl\u00fcsseln.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Bei der Buchpremiere in den R\u00e4umlichkeiten des Ullstein-Verlags setzt Lau am Mittwoch, flankiert von der stellvertretenden Chefredakteurin des Spiegels, Melanie Amman, dem schleswig-holsteinischen Ministerpr\u00e4sidenten <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/daniel-guenther\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Daniel G\u00fcnther<\/a> (CDU) und dem Geschichtsprofessor und CDU-Mitglied Andreas R\u00f6dder, ihre Beobachtungen in den Kontext der ersten Wochen von Merz\u2019 Kanzlerschaft.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der Klappentext von Laus Buch fragt: \u201eEin Konservativer im Aufbruch \u2013 oder auf Abwegen?\u201c R\u00f6dder ordnet Merz als Verk\u00f6rperung des \u201eHerzlandes der rheinisch-westf\u00e4lischen klassischen Christdemokratie\u201c ein, \u201eer steht f\u00fcr die alte Volkspartei\u201c. Wohl auch deswegen f\u00fchlt sich CDU-Landeschef G\u00fcnther, der dem liberalen Fl\u00fcgel zugerechnet wird, durch Merz repr\u00e4sentiert, wie er erz\u00e4hlt. Lau erkl\u00e4rt sp\u00e4ter, dass Merz seit seinem Amtsantritt haupts\u00e4chlich von den Liberalen in der CDU unterst\u00fctzt werde.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Apropos Repr\u00e4sentation: Seit sein Kabinett die Arbeit aufgenommen hat, steht Friedrich Merz\u2019 Verh\u00e4ltnis zu Frauen wieder einmal zur Debatte. Zu wenige Frauen seien in Machtpositionen, der Koalitionsausschuss zu m\u00e4nnlich dominiert. Lau widmet in ihrem Buch dem Thema ein eigenes Kapitel. Sie hat sich mit Merz\u2019 Ehefrau unterhalten und kommt zu dem Schluss: \u201eMerz entspricht nicht dem Klischee vom Macho.\u201c Ihr Eindruck sei, so erkl\u00e4rt die Journalistin, Merz und seine Frau h\u00e4tten sich in der Vergangenheit gegenseitig den R\u00fccken freigehalten, etwa bei der Kinderpflege.\u00a0Gleichzeitig habe der Bundeskanzler vermutlich kein Problem damit, sich in reinen M\u00e4nnerrunden zu bewegen.<\/p>\n<p>Mariam Lau: Die felsenfeste \u00dcberzeugung von Merz ist sein \u201eWestlertum\u201c<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die gemischte Runde bei Laus Buchpr\u00e4sentation ist sich derweil einig darin, dass Merz Kanzlerschaft \u201enicht ganz trittsicher\u201c begonnen habe, wie Andreas R\u00f6dder es ausdr\u00fcckt. Im gleichen Zuge erinnert der Leiter der liberal-konservativen Denkfabrik <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/protestbrief-der-taz-an-lindner-auch-kubicki-sprach-mit-nius-li.2230647\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eRepublik21<\/a>\u201c\u00a0daran, dass auch andere Regierungen etwas Zeit ben\u00f6tigten, um ihren Weg zu finden, und dann \u201ebemerkenswerte Ergebnisse\u201c erzielten. Er verweist auf die erste rot-gr\u00fcne Bundesregierung unter Gerhard Schr\u00f6der, die 1998 ihre Arbeit aufnahm. Daniel G\u00fcnther spricht in diesem Kontext von einer \u201eunmenschlichen Messlatte\u201c, die an Merz angelegt werde. Man m\u00fcsse in Betracht ziehen, dass seit seinem Amtsantritt erst wenige Wochen vergangen seien.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Doch schon w\u00e4hrend dieser kurzen Zeit hat Merz immer wieder bewiesen, dass er Schwierigkeiten hat, seinen Koalitionspartner und andere Beteiligte einzubinden. Das zeigte sich etwa an den Reaktionen der SPD auf die von Merz angesto\u00dfene Diskussion um die <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/hebt-friedrich-merz-reichweitenbeschraenkung-fuer-deutsche-waffen-in-der-ukraine-auf-eine-reine-katastrophe-li.2328487\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Reichweitenbeschr\u00e4nkung<\/a>\u00a0deutscher Waffen in der Ukraine. Mariam Lau vermutet, dass der Kanzler gar nicht daran denke, sich mit dem Koalitionspartner abzusprechen. Im schlimmsten Fall sei Merz\u2019 Verhalten\u00a0\u201eMaulheldentum\u201c. G\u00fcnther stimmt zumindest in den ersten Teil der Analyse ein und sagt, Merz m\u00fcsse sich darauf verlassen, dass die koalitionsinternen Kommunikationsmechanismen funktionierten.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Aber was sind denn eigentlich die St\u00e4rken von Merz? Fragt Spiegel-Journalistin Amman gegen Ende der Veranstaltung. Mariam Laus Antwort ist eindeutig: Die einzige felsenfeste \u00dcberzeugung von Merz sei sein \u201eWestlertum\u201c. Er sei politisch in den 1990er-Jahren sozialisiert und glaube inbr\u00fcnstig an die Idee der europ\u00e4ischen Integration. Das erkl\u00e4rt wohl Merz\u2019 Profilierung als Kanzler, der sich in den ersten Wochen seiner Amtszeit vorrangig mit Au\u00dfenpolitik befasste. Parteifreund G\u00fcnther hebt etwas anderes hervor: Merz \u00fcberzeuge mit physischer St\u00e4rke. Nur wenige Menschen in Deutschland seien \u00fcberhaupt k\u00f6rperlich in der Lage dazu, als Bundeskanzler \u00fcber 18 Stunden am Tag aufmerksam und pr\u00e4sent zu sein. \u201eIch habe null Zweifel daran, dass er diese Power hat\u201c, so G\u00fcnther.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\"><strong>Mariam Lau: Merz. Auf der Suche nach der verlorenen Mitte.<\/strong>\u00a0Ullstein, Berlin 2025. 336 Seiten, 24,99 Euro<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Was will Friedrich Merz (CDU) wirklich? W\u00e4hrend er sich im Wahlkampf als Macher pr\u00e4sentierte, ist schon vor seinem&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":146777,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-146776","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114586603018166375","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/146776","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=146776"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/146776\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/146777"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=146776"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=146776"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=146776"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}