{"id":14771,"date":"2025-04-08T04:32:12","date_gmt":"2025-04-08T04:32:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/14771\/"},"modified":"2025-04-08T04:32:12","modified_gmt":"2025-04-08T04:32:12","slug":"schueler-demonstrieren-fuer-ende-von-exen-und-abfragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/14771\/","title":{"rendered":"Sch\u00fcler demonstrieren f\u00fcr Ende von Exen und Abfragen"},"content":{"rendered":"<p class=\"font-bold text-18 leading-17\">Aus der Online-Petition einer einzelnen Gymnasiastin ist inzwischen eine Bewegung tausender junger Menschen geworden, die Exen und Abfragen im bayerischen Schulsystem abschaffen wollen. Nun sind Hunderte von ihnen in M\u00fcnchen f\u00fcr ihre Forderung auf die Stra\u00dfe gegangen.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Erst vor zwei Wochen habe es ihn wieder mal erwischt, erz\u00e4hlt Luis. Er sei ausgefragt worden, in Informatik \u2013 &#8222;und es war schrecklich&#8220;, sagt der 18-J\u00e4hrige, der die zehnte Klasse eines N\u00fcrnberger Gymnasiums besucht. Zwar habe er am Ende eine Zwei bekommen, doch diese Note sei einhergegangen mit &#8222;Angst und Stress&#8220; \u2013 mithin jene Gef\u00fchle, die Luis so oft empfindet, wenn es ums unangek\u00fcndigte Abfragen und um Stegreifaufgaben geht, die sogenannten Exen.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Aus diesem Grund ist der 18-J\u00e4hrige heute extra nach M\u00fcnchen gekommen, um am Wittelsbacherplatz zwischen dem bayerischen Innenministerium und der Siemens-Zentrale zu demonstrieren. Dort haben sich an diesem Tag mehrere Hundert Menschen versammelt, allen voran Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler. Viele tragen Plakate und Fahnen, auf denen der Slogan des Protests prangt: &#8222;Bayern legt los. Schluss mit Abfragen und Exen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Die Kundgebung ist der j\u00fcngste H\u00f6hepunkt einer Bewegung, die eine Sch\u00fclerin aus M\u00fcnchen angesto\u00dfen hat \u2013 die 17-j\u00e4hrige Amelie, die ihren Nachnamen aus der Berichterstattung heraushalten will. Sie hat vergangenes Jahr eine Petition zur Abschaffung unangek\u00fcndigter Leistungsnachweise in Bayern gestartet, die seither 53.000 Menschen unterzeichnet haben. Auch Lehrergewerkschaften, der Landessch\u00fclerrat und der bayerische Elternverband unterst\u00fctzen mittlerweile die Aktion.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">&#8222;Abfragen und Exen erzeugen Angst. Und unter Angst l\u00e4sst sich nicht lernen&#8220;, sagt Martin L\u00f6we. Der Landesvorsitzende des bayerischen Elternverbands ist heute ebenfalls zum Wittelsbacherplatz gekommen, &#8222;weil wir Amelie unterst\u00fctzen wollen&#8220;, wie er betont. Die 17-J\u00e4hrige steigt kurz darauf auf die B\u00fchne, um die Er\u00f6ffnungsansprache bei dieser Kundgebung zu halten \u2013 vor circa 300 Demonstrierenden, was dann doch deutlich unter der urspr\u00fcnglich erwarteten Teilnehmerzahl von 1.000 Personen liegt.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Sie k\u00f6nne sich noch gut erinnern, sagt Amelie, als sie in der f\u00fcnften Klasse erstmals ausgefragt wurde. &#8222;Mein Herz raste, mein Kopf war leer, und ich f\u00fchlte mich v\u00f6llig ausgeliefert \u2013 obwohl ich den Stoff eigentlich konnte.&#8220; Dieses Gef\u00fchl ist auch Marley nur allzu vertraut, der bis vor Kurzem eine Realschule in Dachau besucht hat. Dort habe der Zehntkl\u00e4ssler unter dem psychischen Stress durch Exen und Abfragen gelitten, wie er sagt. &#8222;Man hatte jeden Morgen Panik, dass es einen heute erwischen kann.&#8220; Mittlerweile besucht Marley eine Montessori-Schule, die auf unangek\u00fcndigte Leistungsnachweise verzichtet. &#8222;Jetzt sitze ich nicht mehr mit Angst in der Schule&#8220;, sagt er. &#8222;Und meine Noten sind viel besser geworden.&#8220;<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Auch Marley pl\u00e4diert f\u00fcr eine Abschaffung von Exen und Ausfragen \u2013 so wie die meisten jungen Menschen, die sich am Wittelsbacherplatz versammelt haben. Wobei es durchaus auch einzelne Gegenstimmen gibt, etwa von einem Mann, der auf seinem Plakat vor &#8222;Kuschelp\u00e4dagogik&#8220; warnt. Und dann ist da ja auch noch jener Politiker, gegen den sich viele der emporgereckten Schilder richten \u2013 n\u00e4mlich Ministerpr\u00e4sident Markus S\u00f6der (CSU). Schlie\u00dflich hat er zu Beginn dieses Schuljahrs klargestellt: &#8222;Exen und Abfragen werden nat\u00fcrlich bleiben.&#8220;<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Damit bremste S\u00f6der nicht nur Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (Freie W\u00e4hler) aus, die sich kurz zuvor offen f\u00fcr Reformen bei dem Thema gezeigt hatte. Sondern sein Machtwort fiel auch just in jene Zeit, in der Amelies Petition im Netz gerade immer weitere Kreise zog. Und sp\u00e4testens mit dem kategorischen Nein des Ministerpr\u00e4sidenten nahm der Protest aus der Sch\u00fclerschaft dann endg\u00fcltig Fahrt auf.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">&#8222;Wir sind w\u00fctend, und wir haben auch jedes Recht dazu&#8220;, betont die 17-j\u00e4hrige Amelie in ihrer Ansprache. Man habe genug von einem Schulsystem, &#8222;das uns mit Mitteln aus dem 19. Jahrhundert permanent unter Druck setzt&#8220;. An diesem Dienstag werde die Petition mitsamt der Unterschriften dem Bildungsausschuss des Landtags \u00fcbergeben, k\u00fcndigt Amelie an. Doch auch danach werde der Protest weitergehen. &#8222;Was wollen wir?&#8220;, ruft die 17-J\u00e4hrige zum Abschluss ihrer Rede den Demonstrierenden zu, die daraufhin im Chor antworten: &#8222;Schluss mit Abfragen und Exen!&#8220; Und auch auf die Nachfrage, wann dies geschehen solle, ist sich die Menge einig: &#8222;Jetzt!&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Aus der Online-Petition einer einzelnen Gymnasiastin ist inzwischen eine Bewegung tausender junger Menschen geworden, die Exen und Abfragen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14772,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[10148,772,29,30,7539,10147,1268,966,7560],"class_list":{"0":"post-14771","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-10148","9":"tag-bayern","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-innenministerium","13":"tag-martin-loewe","14":"tag-muenchen","15":"tag-schule","16":"tag-schulsystem"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114300475362356045","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14771","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14771"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14771\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14772"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14771"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14771"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14771"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}