{"id":148762,"date":"2025-05-29T11:32:10","date_gmt":"2025-05-29T11:32:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/148762\/"},"modified":"2025-05-29T11:32:10","modified_gmt":"2025-05-29T11:32:10","slug":"kultusministerin-hamburg-gegen-zentrale-sommerferien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/148762\/","title":{"rendered":"Kultusministerin Hamburg gegen zentrale Sommerferien"},"content":{"rendered":"<p>\n                    Zentrale Sommerferien f\u00fcr ganz Deutschland sind illusorisch. Das sagt Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Gr\u00fcne).\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Das Schuljahr 2024\/2025 geht in die Zielgerade ein. Welche Hausaufgaben muss die Kultusministerin noch erledigen?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Wir haben immer viele Hausaufgaben zu erledigen. Das Dr\u00e4ngendste ist weiterhin der Fachkr\u00e4ftemangel. Wir versuchen erneut, viele Lehrkr\u00e4fte f\u00fcrs kommende Schuljahr zu gewinnen. Ab Sommer 2026 greift dann der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung f\u00fcr Kinder im Grundschulalter in Niedersachsen.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Wie sind die Abiturpr\u00fcfungen gelaufen? Kennen Sie schon Ergebnisse?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Die Abitur-Pr\u00fcfungen sind weitgehend reibungslos verlaufen. Es gibt da stets viel Aufregung, weil jedes noch so kleine Thema vor Ort sofort hochploppt. Zudem haben die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler das Petitionswesen entdeckt. Das halte ich f\u00fcr legitim. \u00dcberraschend ist aber, wenn man schon einen Monat vor der eigentlichen Klausur wei\u00df, dass die Aufgaben zu schwer sind.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Es gab Kritik, dass die Pr\u00fcfungen in den Hauptf\u00e4chern in einem engen Zeitraum erfolgten. Werden Sie kommendes Jahr st\u00e4rker auf die Taktung achten?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    In diesem Jahr war die Flexibilit\u00e4t aufgrund der fr\u00fchen Sommerferien begrenzt \u2013 das gilt leider auch f\u00fcr 2026. Das ist ein sehr komplexes System. Trotzdem setzen wir uns nach wie vor bei den Absprachen mit den anderen L\u00e4ndern f\u00fcr eine bestm\u00f6gliche Verteilung ein.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Und wir haben f\u00fcr die beiden kommenden Jahre bereits die Termine angepasst. Vor allem f\u00fcr das Abitur 2027 bringt der sp\u00e4tere Sommerferienbeginn etwas mehr Entspannung. Die Termine f\u00fcr die Naturwissenschaften werden dann deutlich entzerrt.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Mehrere Bildungsverb\u00e4nde haben zentrale Sommerferien gefordert. Was halten Sie denn davon?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Das halte ich f\u00fcr illusorisch. Was w\u00e4re auf den Autobahnen und in den Z\u00fcgen los, wenn alle Menschen am gleichen Tag in den Urlaub fahren? Das Verkehrschaos w\u00e4re noch gr\u00f6\u00dfer als es ohnehin schon ist. Es ergibt Sinn, dass die L\u00e4nder sich verabredet haben, wechselseitig zu rollieren und die Ferien nacheinander zu machen. Noch solidarischer w\u00e4re es, wenn sich alle\u00a0L\u00e4nder\u00a0daran halten w\u00fcrden.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Im Fr\u00fchsommer werden die neuen Ergebnisse der PISA-Studie vorgestellt. Muss sich Niedersachsen auf das Schlimmste gefasst machen?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Wir kennen noch keine Ergebnisse. Aber klar ist: Um gegenzusteuern braucht man ein paar Jahre. Wir haben in den letzten Jahren diverse Ma\u00dfnahmen ergriffen. Und ich gehe davon aus, dass die sich perspektivisch bemerkbar machen.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Kanzler Merz m\u00f6chte, dass die Deutschen mehr arbeiten. Die Sch\u00fcler auch?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Wir haben mit der Ganztagsschule wirklich schon sehr, sehr lange Tage f\u00fcr unsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler. Insofern glaube ich, dass wir gut daran tun, hier nicht noch mehr draufzupacken.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Es gibt einen neuen Erlass zur beruflichen Orientierung an Schulen. Viele fragen sich, ob ausreichend Praktikumspl\u00e4tze angeboten werden.<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Wir erh\u00f6hen die Praxistage zur Berufsorientierung von 25 auf 35. Das Budget verteilt jede Schule je nach Bedarf. Es werden Praktika angeboten, aber auch Berufsorientierungsmessen in der Schule, Besuche bei der Arbeitsagentur und vieles mehr. Unsere Erfahrung ist, dass die Unternehmen gern Praktikumspl\u00e4tze bereitstellen. Angesichts des Fachkr\u00e4ftemangels tut es Not, hier noch mehr Zeit zu investieren.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Wird den Lehrern ein gr\u00f6\u00dferes Zeitkontingent f\u00fcr die berufliche Orientierung angerechnet?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Um das Modell zu implementieren, haben wir sechs Jahre lang den Lehrkr\u00e4ften eine zus\u00e4tzliche Stunde gegeben. Nun m\u00fcssen die Schulen ihre Konzepte anpassen. Es gibt 500 Anrechnungsstunden f\u00fcr die Beratung und Begleitung. Dar\u00fcber hinaus bieten wir Fortbildungen f\u00fcr die Lehrkr\u00e4fte an und Materialien \u00fcber die Homepage.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Es hei\u00dft, der Prozess solle individuell kontinuierlich dokumentiert werden. Rollt da eine neue B\u00fcrokratiewelle auf die Schulen zu?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Nein, wir haben eine App entwickelt. Dort k\u00f6nnen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ihre Berufserfahrungen dokumentieren. Auch f\u00fcr die Lehrkr\u00e4fte gibt es eine entsprechende App. Insofern ist der Aufwand eher gering.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Bremen f\u00fchrt zum Sommer 2026 die Arbeitszeiterfassung f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte ein. Wann zieht Niedersachsen nach?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Bremen bereitet ein Modellprojekt vor, damit sie ab August 2026 erproben k\u00f6nnen, wie Arbeitszeiten von Lehrkr\u00e4ften dauerhaft erfasst werden k\u00f6nnen. Wir sind im Kanon mit den anderen L\u00e4ndern und warten auf eine Vorgabe der Bundesregierung.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Sie muss auf Basis des Urteils des Europ\u00e4ischen Gerichtshofes entscheiden, wie Lehrkr\u00e4fte zu behandeln sind. Richter oder Hochschullehrer beispielsweise haben eine sogenannte Vertrauensarbeitszeit. Da dr\u00e4ngt sich die Frage auf, ob Lehrkr\u00e4fte auch in diese Kategorie einzuordnen sind.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Niedersachsen schafft 2.460 zus\u00e4tzliche Lehrerstellen. Wie viele davon stellen Sie im Sommer denn tats\u00e4chlich ein?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Wir haben in den letzten Einstellungsdurchg\u00e4ngen schon rund 800 Stellen besetzt. Ich gehe davon aus, dass die anderen Stellen in diesem Jahr besetzt werden. Grunds\u00e4tzlich registrieren wir in Niedersachsen bereits seit geraumer Zeit eine relativ gute Bewerberlage auf Einstellungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Das ist erfreulich und zeigt, dass die bisherigen Anstrengungen der Landesregierung Wirkung entfalten: So konnten wir in den zur\u00fcckliegenden Jahren trotz aller Schwierigkeiten regelm\u00e4\u00dfig mehr Lehrkr\u00e4fte einstellen als zeitgleich ausgeschieden sind.\u00a0Nie zuvor waren so viele Lehrkr\u00e4fte an Niedersachsens Schulen besch\u00e4ftigt wie heute.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Werden die Lehrer dann aufs Land verteilt?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Wir haben in der Tat Schwierigkeiten, Stellen in den l\u00e4ndlichen R\u00e4umen zu besetzen und mussten darum etliche Ma\u00dfnahmen ergreifen. So schreiben wir immer zuerst die Stellen im l\u00e4ndlichen Raum f\u00fcr Schulen mit besonderem Bedarf aus. Sollten noch Stellen unbesetzt bleiben, schichten wir in der letzten Ausschreibungsrunde noch einmal um.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Wer zum Beispiel an einer besonders beliebten Schule in Hannover arbeiten will, muss sich vorher f\u00fcr eine gewisse Zeit an eine Schule im l\u00e4ndlichen Raum abordnen lassen. Die Betroffenen wissen, dass sie sp\u00e4ter an ihre Wunschschule zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Dieses Modell ist durchaus erfolgreich. Und im besten Fall verlieben sich die Betroffenen in die Schule und bleiben auf dem Land.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Die Gewerkschaften w\u00fcnschen sich, dass auch die Kommunen mehr tun, um Lehrkr\u00e4fte aufs Land zu holen. Sehen Sie das auch so?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Das ist ein berechtigter Punkt. Wenn die Kommune sich engagiert \u2013 etwa mit Kita-Pl\u00e4tzen oder einer guten Infrastruktur \u2013 wollen die Menschen eher dort wohnen. Insofern ist Regionalentwicklung ganz entscheidend \u2013 nicht nur f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte, sondern auch f\u00fcr \u00c4rzte und andere Mangelberufe.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Sind alle Schulen im Land inzwischen digital gut aufgestellt?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Wir haben einen Gro\u00dfteil der Schulen ans Breitbandnetz angeschlossen. Es gibt aber noch viele Schulen, die der digitalen Entwicklung hinterherlaufen. Allein aus dem Digitalpakt I sind etwa 3000 Antr\u00e4ge offengeblieben. Daher muss der Bund den Digitalpakt II mit einem Volumen von j\u00e4hrlich eine Milliarde Euro f\u00fcr Niedersachsen schnell auf den Weg bringen.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Die Gewerkschaft GEW fordert, dass sich die Verteilung von Ressourcen auf die Schulen an sozialen Kriterien orientiert.\u00a0Bislang wird das nur bei den Schulen im sogenannten \u201eStart-Chancen-Programm\u201c gemacht.\u00a0Wann kommt es f\u00fcr alle?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Derzeit werten wir die Erfahrungen mit dem Sozialindex aus. Ich finde es richtig, wenn f\u00fcr zus\u00e4tzliches Personal oder zus\u00e4tzliche Ressourcen soziale Kriterien zugrunde gelegt werden. Schon heute erhalten Schulen mit besonderem Bedarf mehr Ressourcen \u2013 zum Beispiel bei Sprachf\u00f6rderstunden oder Stunden f\u00fcr Kinder mit einem besonderen F\u00f6rderbedarf. Wir sind mit allen Beteiligten in guten Gespr\u00e4chen und rechnen flei\u00dfig. Wir wollen noch in dieser Legislaturperiode eine L\u00f6sung finden.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Um j\u00fcdisches Leben besser zu sch\u00fctzen, soll die Landesverfassung ge\u00e4ndert werden. Wird sich das Thema im Schulalltag widerspiegeln?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Gesellschaftliche Konflikte spiegeln sich auch im Schulalltag. Darum bieten wir regelm\u00e4\u00dfig Fortbildungen f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte und f\u00fcr Multiplikatoren zum Thema Antisemitismus an. Zudem haben wir im Bildungsportal eine umfangreiche Materialsammlung zu Themen wie Nahostkonflikt und Antisemitismus.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Gibt es auch symbolische Akte, etwa die Umbenennung einer Schule nach Holocaust-Opfern?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Die Evangelische Kirche verleiht ein Schulsiegel gegen Antisemitismus. Wir reden gerade mit der Kirche dar\u00fcber, ob wir die Auszeichnung gemeinsam vergeben k\u00f6nnten. Die Benennung von Schulen oder Stra\u00dfen wird vor Ort entschieden. Da mische ich mich nicht ein. Aber in der Tat w\u00e4re da eine \u201eMargot-Friedl\u00e4nder-Schule\u201c ein sch\u00f6nes Symbol.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Niedersachsen hat einen neuen Ministerpr\u00e4sidenten. Interessiert sich Olaf Lies eigentlich f\u00fcr Bildungspolitik?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Absolut. Die Bildungspolitik hat in seiner Regierungserkl\u00e4rung einen breiten Raum eingenommen. Wir haben dort gemeinsam ambitionierte Ziele.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Im Sommer 2026 tritt der Rechtsanspruch auf die Ganztagsgrundschule in Kraft. Werden dann im Kultusministerium die Telefone hei\u00df klingeln?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Warum sollten sie? Wir sind gut aufgestellt. 72 Prozent der Grundschulen sind bereits Ganztagsschulen. Die anderen m\u00fcssen n\u00e4chstes Jahr erst einmal nur mit Klasse eins starten. \u00dcbrigens: Schon heute hat die Mehrzahl der Schulen vorbildliche Konzepte entwickelt.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Die m\u00fcssen sie nicht \u00e4ndern, sondern auf f\u00fcnf Tage ausweiten. Die Finanzierung durch das Land ist mit 280 Mio. Euro in der Endausbaustufe j\u00e4hrlich betr\u00e4chtlich. Und im L\u00e4ndervergleich steht Niedersachsen beim Ausbau zur Ganztagsgrundschule im oberen Drittel.\n            <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zentrale Sommerferien f\u00fcr ganz Deutschland sind illusorisch. Das sagt Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Gr\u00fcne). 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