{"id":149037,"date":"2025-05-29T14:01:11","date_gmt":"2025-05-29T14:01:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/149037\/"},"modified":"2025-05-29T14:01:11","modified_gmt":"2025-05-29T14:01:11","slug":"nachgehakt-koennte-ein-experiment-den-stromausfall-in-spanien-und-portugal-verursacht-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/149037\/","title":{"rendered":"Nachgehakt: K\u00f6nnte ein &#8222;Experiment&#8220; den Stromausfall in Spanien und Portugal verursacht haben?"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/logo-euronews-grey-6-180x22.svg.svg+xml\" width=\"180\" height=\"22\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/>WERBUNG<\/p>\n<p>In einem Artikel der britischen Zeitung The Telegraph wird behauptet, dass der massive Stromausfall auf der Iberischen Halbinsel am 28. April durch ein &#8222;Experiment&#8220; der spanischen Regierung mit erneuerbaren Energien verursacht wurde.<\/p>\n<p>Ambrose Evans-Pritchard,Wirtschafts- und Politik-Redakteur bei The Telegraph, schreibt, dass die spanischen Beh\u00f6rden laut &#8222;Quellen in Br\u00fcssel&#8220; in Vorbereitung auf das Ende der Atomreaktoren in Spanien &#8222;erproben, wie weit sie erneuerbare Energien vorantreiben k\u00f6nnen&#8220;.<\/p>\n<p>Er hat seine Quellen nicht n\u00e4her erl\u00e4utert und auch keine Beweise f\u00fcr seine Behauptungen vorgelegt.<\/p>\n<p>Die Anschuldigungen wurden von gro\u00dfen spanischen und internationalen Medien wie <a href=\"https:\/\/www.elperiodico.com\/es\/economia\/20250523\/diario-the-telegraph-apunta-apagon-117758249\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>El Peri\u00f3dico<\/strong><\/a>, <a href=\"https:\/\/www.elmundo.es\/economia\/2025\/05\/23\/6830a888e9cf4ad5048b45a9.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>El Mundo<\/strong><\/a> und <a href=\"https:\/\/www.antena3.com\/noticias\/economia\/apagon-espana-produjo-experimento-gobierno-energias-renovables-segun-the-telegraph_20250523683097ab54e3973a602076f7.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>Antena 3<\/strong><\/a> sowie von <a href=\"https:\/\/www.dailymail.co.uk\/news\/article-14742407\/Spains-socialist-authorities-experimentingrenewable-energy-huge-power-blackout.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>The Daily Mail<\/strong><\/a> und <a href=\"https:\/\/a2news.com\/english\/rajoni-bota\/bota\/eksperimenti-qe-zhyti-ne-terr-spanjen-zbulohet-shkaku-i-shkeput-i1148782#:~:text=The%20article%20highlights%20that%20the,low%20among%20the%20Spanish%20people.\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>CNN<\/strong><\/a> aufgegriffen und in den sozialen Medien weiterverbreitet.<\/p>\n<p>Ein genauerer Blick auf den Artikel zeigt jedoch, dass er eigentlich als Meinungsartikel und nicht als Nachrichtenartikel ver\u00f6ffentlicht wurde. Ambrose Evans-Pritchard ist ein regelm\u00e4\u00dfiger Kolumnist f\u00fcr den Telegraph.<\/p>\n<p>Er nutzt den <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2025\/05\/02\/spanien-stromausfall-entfacht-debatte-uber-kernenergie-neu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Stromausfall<\/strong><\/a>vom 28. April, um die Energiepolitik der sozialistischen Regierung von Spaniens Ministerpr\u00e4sident Pedro S\u00e1nchez zu kritisieren. Im Rahmen eines 2019 unter S\u00e1nchez beschlossenen Plans wird Spanien in den n\u00e4chsten zehn Jahren seine Kernkraftwerke abschalten und sich stattdessen auf gr\u00fcne Energiequellen konzentrieren &#8211; ein Schritt, den Evans-Pritchard als r\u00fccksichtslos bezeichnet.<\/p>\n<p>In seiner Analyse zitiert Evans-Pritchard &#8222;Quellen in Br\u00fcssel&#8220;, die best\u00e4tigt haben sollen, dass Spanien im Vorfeld der Abschaltung ein Experiment durchgef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Aber dann schreibt er: &#8222;Wenn sich herausstellt, dass der Stromausfall ein kontrolliertes Experiment war, das schief gelaufen ist, und wenn diese Information der \u00d6ffentlichkeit vorenthalten wurde, (&#8230;) droht die spanische Linke f\u00fcr eine ganze politische Generation in Vergessenheit zu geraten&#8220;.<\/p>\n<p>Euronews hat in Br\u00fcssel nachgefragt<\/p>\n<p>Euroverify hat sich mit dem Telegraph in Verbindung gesetzt, um die Anzahl der konsultierten Quellen sowie deren Rolle im Zusammenhang mit den laufenden Ermittlungen zum Black Out zu kl\u00e4ren, hat aber noch keine Antwort erhalten.<\/p>\n<p>Wir haben auch die Europ\u00e4ische Kommission gefragt, ob sie die Behauptungen widerlegen oder best\u00e4tigen kann. Ein Sprecher sagte, die Exekutive werde sich erst \u00e4u\u00dfern, wenn sie die Untersuchung der Ursachen des Stromausfalls gesehen habe.<\/p>\n<p>Die EU-Kommission hat Spanien eine Frist von drei Monaten ab dem Zeitpunkt des Stromausfalls gesetzt, um einen technischen Bericht \u00fcber den Blackout vorzulegen, wie es das EU-Recht verlangt. Eine Gruppe europ\u00e4ischer Experten f\u00fchrt derzeit eine eigene Untersuchung durch, die der Kommission vorgelegt werden soll.<\/p>\n<p>Die spanische Regierung ihrerseits hat die Behauptungen des Telegraph &#8222;kategorisch zur\u00fcckgewiesen&#8220;.<\/p>\n<p>Die Vizepr\u00e4sidentin der Regierung in Madrid, Mar\u00eda Jes\u00fas Montero, behauptete, hinter dem Artikel st\u00fcnden &#8222;Unternehmensinteressen&#8220;. Die britische Zeitung sei &#8222;daf\u00fcr bekannt, Falschmeldungen und L\u00fcgen zu verbreiten und zu versuchen, die \u00f6ffentliche Meinung zu verzerren&#8220;.<\/p>\n<p>Ein Sprecher von Red El\u00e9ctrica, dem halbstaatlichen Unternehmen, das f\u00fcr den Betrieb des spanischen Stromnetzes verantwortlich ist, wies gegen\u00fcber Euroverify die Behauptungen aus dem britischen Artikel &#8222;kategorisch zur\u00fcck&#8220; und bezeichnete sie als &#8222;Schwindel&#8220;.<\/p>\n<p>Experten halten diese Theorie f\u00fcr &#8222;unlogisch&#8220;.<\/p>\n<p>Um herauszufinden, ob ein solches von der Regierung durchgef\u00fchrtes &#8222;Experiment&#8220; mit dem Stromnetz prinzipiell m\u00f6glich w\u00e4re, hat Euroverify drei Experten f\u00fcr Elektrotechnik befragt.<\/p>\n<p>Sie erkl\u00e4ren, dass zwar keine <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2025\/05\/01\/blackout-auf-der-iberischen-halbinsel-fuhrt-zur-fake-news-im-internet\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Hypothese<\/strong><\/a>v\u00f6llig ausgeschlossen werden kann, die Aussicht auf ein solches Experiment aber h\u00f6chst unwahrscheinlich ist.<\/p>\n<p>&#8222;Alles kann m\u00f6glich sein, aber diese (Theorie) scheint nicht vern\u00fcnftig zu sein&#8220;, sagte <a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0001-5384-3931\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Manuel Alc\u00e1zar-Ortega<\/a>, stellvertretender Direktor der Abteilung f\u00fcr Elektrotechnik an der Polytechnischen Universit\u00e4t Valencia, gegen\u00fcber Euroverify.<\/p>\n<p>&#8222;Aus technischer Sicht verf\u00fcgt Red El\u00e9ctrica \u00fcber einen Simulator, der das gesamte \u00dcbertragungsnetz nachbildet. Diese Simulationen m\u00fcssen also nicht im wirklichen Leben durchgef\u00fchrt werden. Sie k\u00f6nnen auf diesem Simulator durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Der Simulator dient dazu, die Kapazit\u00e4t des Netzes zu testen und seine Entwicklung zu prognostizieren, um die Infrastruktur zu entwickeln und sich an den k\u00fcnftigen Bedarf anzupassen, erkl\u00e4rte Alc\u00e1zar-Ortega.<\/p>\n<p>Professor <a href=\"https:\/\/www.esat.kuleuven.be\/electa\/professors\/00043846\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dirk Van Hertem<\/a>, Forscher am EnergyVille-Forschungszentrum in Belgien, best\u00e4tigt, dass solche Computersimulationen zur Analyse des Netzes verwendet werden.<\/p>\n<p>Er f\u00fcgt hinzu, dass reale Tests zwar in der Praxis durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, dass es aber keine Beweise daf\u00fcr gibt, dass sie je in Spanien durchgef\u00fchrt wurden.<\/p>\n<p>Van Hertem sagt auch, dass der fragliche Zeitpunkt nicht geeignet gewesen w\u00e4re, um die Kapazit\u00e4t des Netzes zur Aufnahme erneuerbarer Energien zu testen, da &#8222;es nicht die Zeit war, in der die erneuerbaren Energien in Spanien am st\u00e4rksten verbreitet waren&#8220;.<\/p>\n<p>Erneuerbare Energien &#8222;sind nicht das Problem&#8220;<\/p>\n<p>Einen Monat nach dem Stromausfall haben die Untersuchungen noch keine eindeutigen Schlussfolgerungen ergeben, obwohl erste Analysen auf eine starke &#8222;Oszillation&#8220; im Stromnetz eine halbe Stunde vor dem Stromausfall sowie auf aufeinanderfolgende Ausf\u00e4lle in Umspannwerken im S\u00fcdwesten Spaniens hinwiesen.<\/p>\n<p>Das Fehlen von Antworten hat <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2025\/04\/30\/spanien-wie-kann-ein-stromausfall-verhindert-werden-durch-erneuerbare-energien-oder-akws\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Spekulationen<\/strong><\/a> \u00fcber die Auswirkungen des wachsenden Anteils erneuerbarer Energien am Stromnetz angeheizt.<\/p>\n<p>Auf die Frage, ob die erneuerbaren Energien bei dem Stromausfall eine Rolle gespielt haben k\u00f6nnten, antwortet Alc\u00e1zar-Ortega: &#8222;Alles deutet auf ein Ja hin, mit dem Vorbehalt, dass der Schuldige nicht die erneuerbaren Energien an sich sind, sondern wahrscheinlich die Art und Weise, wie diese Ressource verwaltet wurde&#8220;.<\/p>\n<p>Spanien hat in den vergangenen Jahren einen exponentiellen Anstieg des Anteils der erneuerbaren Energien an seinem Energiemix erlebt. 2024 haben Wind-, Solar- und Wasserkraftwerke einen Rekordanteil von 56,8 % des spanischen Stroms erzeugt.<\/p>\n<p>&#8222;Dies wurde nicht von Systemen begleitet, die die Tr\u00e4gheit des Systems ausgleichen, da es keinen Ersatz f\u00fcr die reale Tr\u00e4gheit der traditionellen Stromerzeuger gab&#8220;, erkl\u00e4rt Alc\u00e1zar-Ortega.<\/p>\n<p>Die Systemtr\u00e4gheit im Netz tr\u00e4gt dazu bei, die Frequenz in einem akzeptablen Bereich zu halten. Erneuerbare Energiequellen wie Wind und Sonne gelten als &#8222;tr\u00e4gheitslos&#8220;, was das Netz instabiler und anf\u00e4lliger f\u00fcr Ausf\u00e4lle macht.<\/p>\n<p>&#8222;Es liegt nicht an den erneuerbaren Energien, sondern daran, dass es keine Speichersysteme oder andere Arten von &#8222;netzbildenden&#8220; Wechselrichtern gibt (&#8230;), die in der Lage sind, diese Frequenzregelung zu \u00fcbernehmen&#8220;, erl\u00e4utert Alc\u00e1zar-Ortega weiter.<\/p>\n<p>Der spanische Ministerpr\u00e4sident erkl\u00e4rte, es gebe &#8222;keine empirischen Beweise daf\u00fcr, dass der Vorfall durch zu viel erneuerbare Energien verursacht wurde&#8220;, und beschuldigte die Bef\u00fcrworter der Kernenergie, aus dem Vorfall Kapital schlagen zu wollen &#8211; f\u00fcr ihre Kampagne gegen die schrittweise Abschaffung der Kernkraftwerke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"WERBUNG In einem Artikel der britischen Zeitung The Telegraph wird behauptet, dass der massive Stromausfall auf der Iberischen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":149038,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,9700,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12516,12,4026,2185,5667],"class_list":{"0":"post-149037","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-erneuerbare-energien","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europaeische-union","14":"tag-europe","15":"tag-european-union","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-pedro-sanchez","20":"tag-schlagzeilen","21":"tag-spanien","22":"tag-strom","23":"tag-stromausfall"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114591491031626115","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/149037","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=149037"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/149037\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/149038"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=149037"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=149037"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=149037"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}