{"id":149122,"date":"2025-05-29T14:44:09","date_gmt":"2025-05-29T14:44:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/149122\/"},"modified":"2025-05-29T14:44:09","modified_gmt":"2025-05-29T14:44:09","slug":"kulturelle-freiheit-in-syrien-buecher-lesen-die-jahrelang-verboten-waren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/149122\/","title":{"rendered":"Kulturelle Freiheit in Syrien: B\u00fccher lesen, die jahrelang verboten waren"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>Reportage<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 29.05.2025 16:12 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Unter Diktator Assad herrschte in Syrien eine strikte Zensur. Mittlerweile d\u00fcrfen B\u00fccher ver\u00f6ffentlicht werden, die jahrelang verboten waren. Verlage und Leser freuen sich &#8211; doch in der Kunstszene gibt es auch Sorgen.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/nina-amin-106.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Nina Amin\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/nina-amin-101.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAn den Freiluft-B\u00fccherst\u00e4nden auf Damaskus Stra\u00dfen ist f\u00fcr jeden Geschmack etwas dabei: Ratgeber, Liebesromane oder politische B\u00fccher. Das war nicht immer so.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nRadwan Jabbali wischt den Stra\u00dfenstaub von den Covern. Seit 25 Jahren verkauft er B\u00fccher auf der Stra\u00dfe &#8211; nur in den Kriegsjahren nach 2011 baute er seinen Stand f\u00fcr ein paar Jahre ab. Jetzt bietet er erstmals offen Werke zum Verkauf an, die w\u00e4hrend des Assad-Regimes verboten waren.<\/p>\n<p>    &#8222;Das war schlimmer, als Waffen zu verkaufen&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDamals sei jedes intellektuelle Buch, in dem ein kritisches Wort \u00fcber die Partei oder die Regierung stand, verboten gewesen, erz\u00e4hlt Jabbali. Wer es verkaufte, habe Probleme bekommen. &#8222;Das war schlimmer, als Drogen oder Waffen zu verkaufen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnter Assad sei es lebensgef\u00e4hrlich gewesen, B\u00fccher ins Land zu schmuggeln, best\u00e4tigt auch Wahid Taja, Pressesprecher des Verlags Dar el-Fikr, was auf Deutsch so viel hei\u00dft wie &#8222;Haus des Denkens&#8220;.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        In Damaskus k\u00f6nnen die Menschen wieder lesen, was jahrelang zensiert wurde.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEr schmuggelte damals \u00fcber Beirut das Buch &#8222;Die Muschel&#8220; des syrischen Autors Mustafa Khalifa ein. Es beschreibt die Lage in einem syrischen Gef\u00e4ngnis. &#8222;Wenn sie es bei mir gefunden h\u00e4tten, h\u00e4tten sie mich direkt ins Saidnaya-Gef\u00e4ngnis gebracht.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNach Ende der mehr als 50-j\u00e4hrigen Herrschaft der Assad-Familie hat sich f\u00fcr Verleger viel ge\u00e4ndert. Damals verbotene B\u00fccher verkauft der Verlag nun bei einer B\u00fcchermesse in der syrischen Hauptstadt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZum ersten Mal sp\u00fcre er Freiheit, die Freiheit des Wissens. &#8222;Es gibt keine verbotenen B\u00fccher mehr&#8220;, meint Taja.<\/p>\n<p>    &#8222;Sie haben uns unser kulturelles Erbe gestohlen&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBalqeis Hussein studiert arabische Literatur. Die junge Studentin st\u00f6bert im Angebot der B\u00fcchertische, die in ihrer Universit\u00e4t aufgebaut sind. Sie liebt Lesen. Fr\u00fcher habe sie die verbotenen B\u00fccher heimlich als PDF gelesen. &#8222;Das f\u00fchlte sich falsch an&#8220;, meint Hussein. &#8222;Sie haben uns die Lekt\u00fcre dieser B\u00fccher gestohlen und unser kulturelles Erbe.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZehntausende verbotene B\u00fccher gab es unter Assad, erz\u00e4hlt der Verlagsmann Taja. Vor dem Buchdruck wurde jede Druckfahne &#8211; ob literarisches Werk, religi\u00f6se Schrift oder politisches Buch &#8211; vom jeweiligen Ministerium kontrolliert und zensiert. Jetzt f\u00fchle man sich zum ersten Mal frei, jedes Buch zu importieren, zu drucken, zu verkaufen und auszustellen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr Taja, der in Frankreich studiert hat und dessen Frau und T\u00f6chter &#8211; wie er betont &#8211; keine Kopft\u00fccher tragen, gibt es aber eine Grenze. &#8222;Wir zum Beispiel als Verlag drucken keine erotischen B\u00fccher oder solche, die gegen bestimmte gesellschaftliche Werte versto\u00dfen.&#8220; Das sei aber Verlagslinie, keine staatliche Vorgabe.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Die Zawaya Art Gallery in Damaskus zeigt moderne Kunst, Aktmalerei und Skulpturen. Wie viel Freiheit lassen die neuen Machthaber zu?\n                    <\/p>\n<p>    Galeristin traut \u00dcbergangsregierung nicht<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWas manche f\u00fcr unangemessene Erotik, f\u00fcr einen Versto\u00df gegen Werte halten, ist f\u00fcr Roula Sulaiman von der Zawaya Art Gallery schlicht k\u00fcnstlerische Freiheit. Seit sechs Jahren bringt sie Menschen in ihrer Galerie zusammen. Regelm\u00e4\u00dfig organisiert sie Kulturabende und er\u00f6ffnet neue Ausstellungen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKultur und Kunst als gemeinsame Sprache der Menschen &#8211; daran glaubt die junge Galeristin. In einer Altbauwohnung in einem christlich gepr\u00e4gten Viertel in Damaskus gibt es Skulpturen, Aktmalerei und moderne Kunst. Der neuen islamistisch gepr\u00e4gten \u00dcbergangsregierung traut die Mitbegr\u00fcnderin der Zawaya Art Gallery nicht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSkulpturen seien im Sinne der religi\u00f6sen Vorschriften verboten, also haram, habe ein Mann der HTS-Miliz ihr bei seinem Galeriebesuch gesagt. Seit seinem &#8222;Besuch&#8220; habe sie Angst &#8211; schlie\u00dflich seien das Dschihadisten. &#8222;Wer wird mich besch\u00fctzen, wenn so jemand in die Galerie kommt und anf\u00e4ngt, alles zu zerschlagen und die Kunstwerke niederzubrennen? Niemand! Sie werden sagen, dass es die Tat eines Einzelnen war.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDabei denkt die Alawitin auch an die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/asien\/syrien-massaker-alawiten-hilferufe-100.html\" title=\"Massaker an Zivilisten in Syrien: Die Angst der Alawiten\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Massaker Anfang M\u00e4rz 2025<\/a>. Milizen, die der neuen syrischen Regierung nahestehen, t\u00f6teten in der K\u00fcstenregion gezielt Angeh\u00f6rige der alawitischen Minderheit. Und das, obwohl \u00dcbergangspr\u00e4sident Ahmed al-Scharaa versprochen hat, alle Minderheiten zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>    Syrien verlassen?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nRoula Sulaiman denkt dar\u00fcber nach, Syrien zu verlassen. Auch, wenn ihre Galerie eine feste Institution ist. In der Hauptstadt sei es noch sicher, meint die Galeristin. Weil die Welt auf Syrien schaut und die neue Regierung f\u00fcr den Wiederaufbau auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen ist.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAber: Damaskus sei eine Blase, meint Sulaiman. Und niemand wisse, wann diese Blase platzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Reportage Stand: 29.05.2025 16:12 Uhr Unter Diktator Assad herrschte in Syrien eine strikte Zensur. 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