{"id":149233,"date":"2025-05-29T15:43:11","date_gmt":"2025-05-29T15:43:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/149233\/"},"modified":"2025-05-29T15:43:11","modified_gmt":"2025-05-29T15:43:11","slug":"anne-petzold-ueber-den-stellenwert-der-leipziger-nachtkultur-und-ihre-kuenftigen-herausforderungen-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/149233\/","title":{"rendered":"Anne Petzold \u00fcber den Stellenwert der (Leipziger) Nachtkultur und ihre k\u00fcnftigen Herausforderungen \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Im April hat Anne Petzold die Koordination des Leipziger NachtRates \u00fcbernommen. Damit ist sie Anlaufstelle und Vermittlerin f\u00fcr die Akteur\/-innen des Nachtlebens und aktiv daran beteiligt, eine Br\u00fccke zwischen der \u201eSzene\u201c und der Verwaltung zu schlagen. Wie sind die ersten Wochen angelaufen? An einem sonnigen Maitag haben wir Arbeit und Vergn\u00fcgen miteinander verbunden und \u00fcber einem Mittagessen im Hotel Seeblick mit Anne \u00fcber den gesellschaftlichen Stellenwert der Nachtkultur, aktuelle Herausforderungen im Nachtleben und \u00fcber ihre Zukunftspl\u00e4ne als Koordinatorin des NachtRates gesprochen.<\/p>\n<p><strong>Seit April <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/Topposts\/2025\/03\/anne-petzold-ist-die-neue-koordinatorin-der-leipziger-nachtkultur-620719\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bist du Leipzigs neue Koordinatorin<\/a> f\u00fcr den NachtRat. Was war f\u00fcr dich die Motivation, dich zu bewerben?\u00a0<\/strong><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/4a5d42962b914334a535c1e9561bcbb8.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/kultur\/2025\/05\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/kultur\/2025\/05\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Ich war vorher beim Landesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft Sachsen e.V. im Projekt \u201ePOP Impuls\u201c angestellt, welches im Dezember 2024 endete. Dabei ging es auch schon um Kulturf\u00f6rderung, vorrangig von Popkultur in dem Falle, speziell ausgerichtet auf Musik. Es war also klar, dass ich mich ab dem neuen Jahr nach neuen Perspektiven umschauen m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Als ich erfahren habe, dass Kristin Marosi diese Stelle leider nicht weiterf\u00fchren w\u00fcrde, war f\u00fcr mich klar, dass ich mich bewerben w\u00fcrde. Das klingt jetzt sicher kitschig, aber meine Ur-Motivation ist, Strukturen zu schaffen, um so vielen Menschen wie m\u00f6glich diesen bestimmten \u201eDancefloor-Moment\u201c zu verschaffen. Damit meine ich mich nicht explizit Tanzveranstaltungen. Aber ich glaube, dass Kultur in Menschen ganz viel ausl\u00f6sen kann. Und ich m\u00f6chte, dass alle die M\u00f6glichkeit haben, in den Genuss dieser Erfahrung zu kommen.<\/p>\n<p>Ein Beispiel daf\u00fcr ist die Distillery. Als ich damals gesehen habe, was dieser Club f\u00fcr manche Menschen bedeutet hat \u2013 ein Wohnzimmer, ein Zufluchtsort. Auch, als der Abschied in der Kurt-Eisner-Stra\u00dfe anstand \u2013 wie viele Herzen da gef\u00fchlt gebrochen sind. Weil an diesem Club auch so viele Erinnerungen hingen.<\/p>\n<p>Ich habe mich unheimlich dar\u00fcber gefreut, dass ich die Zusage f\u00fcr die Stelle bekommen habe. Weil ich das Gef\u00fchl habe, meine Energie hier richtig einsetzen zu k\u00f6nnen. Ich kann hier mitgestalten \u2013 um die Rahmenbedingungen f\u00fcr Kultur hier zu verbessern oder mindestens zu erhalten. Auch das muss man anerkennen: Leipzig ist eine Stadt, in der viel gemacht wird f\u00fcr Personen, die Kultur schaffen. Es gibt sehr viele St\u00e4dte in Deutschland, in denen das ganz anders aussieht.<\/p>\n<p><strong>Wie sind die ersten Wochen f\u00fcr dich angelaufen?<\/strong><\/p>\n<p>Es war viel los, ich habe mich mit den Initiativen im NachtRat getroffen, viele Menschen und ihre Projekte und nat\u00fcrlich auch ihre Problemstellungen kennengelernt. Da wusste ich im ersten Moment manchmal nicht, worauf ich mich als Erstes konzentrieren soll.<\/p>\n<p>Vor allem Nils Fischer, Fachbeauftragter f\u00fcr Nachtkultur im Kulturamt, war in dieser Zeit eine wichtige Unterst\u00fctzung, um besser in das \u201eLeipziger System\u201c und vor allem die Themen der Verwaltung einzusteigen. In den letzten Jahren war ich auf der Landes-Ebene aktiv. Da kommt man eher selten dazu, mit einzelnen Akteur\/-innen ins Gespr\u00e4ch zu kommen, sondern ist eher im Austausch mit Netzwerken, die eine Art Sprachrohr sind.<\/p>\n<p><strong>Du bist seit Jahren gut vernetzt in der Leipziger Nachtkultur-Szene. Ist dieser Erfahrungsschatz ein Vorteil f\u00fcr deine neue Aufgabe?<\/strong><\/p>\n<p>Auf jeden Fall. Nat\u00fcrlich merke ich, dass ich trotzdem L\u00fccken f\u00fcllen muss in meinem Netzwerk. Durch meine Arbeit im Livekommbinat Leipzig e.V. stecke ich vor allem in der Clubkultur, da gibt es Aufholbedarf in anderen Bereichen. Aber dadurch, dass ich nicht bei null angefangen habe, konnte ich sehr schnell ins Handeln kommen. Viele Herausforderungen, vor denen Akteur\/-innen der Nacht stehen, \u00e4hneln sich auch \u2013 denken wir beispielsweise an L\u00e4rmschutz.<\/p>\n<p><strong>Wird deiner Meinung nach aus politischer Ebene zu wenig getan f\u00fcr die Kultur?<\/strong><\/p>\n<p>Das denke ich schon, ja. Es werden viele andere Themen mit mehr Priorit\u00e4t eingestuft. Das kennen wir bestens aus der Corona-Zeit: Da ging es um die Frage, ob Kultur als systemrelevant angesehen wird oder nicht. F\u00fcr mich ist ganz klar: Nat\u00fcrlich ist Kultur systemrelevant. Und als Gesellschaft bzw. in der Politik m\u00fcssen wir etwas daf\u00fcr tun, dass die bestehenden Strukturen erhalten bleiben.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen hier in Leipzig wirklich froh und dankbar sein \u00fcber die Netzwerke und R\u00e4ume, die \u00fcber die Jahrzehnte gewachsen sind. Aber auch Personen, die nachkommen, m\u00fcssen M\u00f6glichkeiten finden, Kulturangebote zu schaffen. Vor allem Angebote, die keiner Verwertungslogik unterliegen. Diese Wirtschaftlichkeit kann Kultur oftmals nicht aus sich selbst heraus leisten \u2013 soll sie auch nicht. In Leipzig wird das zum gro\u00dfen Teil auch so gesehen, es kann nat\u00fcrlich aber immer mehr sein.<\/p>\n<p>Und es geht auch darum, bei den Kulturschaffenden selbst ein Bewusstsein dar\u00fcber zu schaffen, Unterst\u00fctzungsangebote wahrzunehmen, sich breit zusammenzutun, um gemeinsam f\u00fcr Strukturen zu k\u00e4mpfen. Allein, dass es meine Stelle gibt und die von Nils Fischer, dem Fachbeauftragten f\u00fcr Nachtkultur, ist ein Riesen-Mehrwert, der durch die Stadt geschaffen wurde. Jetzt kommt es auch darauf an, was die \u201eSzene\u201c daraus macht.<\/p>\n<p>Deshalb ist es f\u00fcr mich sehr wichtig, unsere Arbeit stetig mehr \u00f6ffentlich zu machen \u2013 sei es \u00fcber Gespr\u00e4che, Insta etc. Ab Mai werden Nils und ich beispielsweise eine monatliche Sprechstunde anbieten. Wir wollen so bedarfsgerecht wie m\u00f6glich arbeiten. Ich kann nat\u00fcrlich eine Vielzahl an Angeboten schaffen \u2013 Podiumsdiskussionen, Workshops und \u00e4hnliches \u2013 am wichtigsten ist es aber, zu wissen, was die Akteur\/-innen der Nachtkultur denn eigentlich brauchen.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen aber nur auf diejenigen reagieren, die sich auch bei uns melden. Dabei ist momentan vielleicht die Techno-Szene noch \u00fcberrepr\u00e4sentiert. Der NachtRat aber ist ja Anlaufstelle f\u00fcr alle Schaffenden der Nachtkultur. Oftmals schafft man damit ja auch Pr\u00e4zedenzf\u00e4lle f\u00fcr andere. Was f\u00fcr den einen Verein eine L\u00f6sung ist, k\u00f6nnte sicher auch f\u00fcr andere funktionieren.<\/p>\n<p><strong>Hast du ein Beispiel?<\/strong><\/p>\n<p>Ein Thema, das uns klar aus der Szene gespiegelt wurde, ist zum Beispiel das \u201eSpiking\u201c, also das ungewollte Einmischen von Substanzen in fremde Getr\u00e4nke. Das ist ein pr\u00e4sentes Thema im Nachtleben, mit dem sich zahlreiche Veranstaltungsst\u00e4tten besch\u00e4ftigen m\u00fcssen. Dar\u00fcber haben wir mit betroffenen Clubs, aber auch mit Initiativen, wie den Drug Scouts, gesprochen.<\/p>\n<p>Die L\u00f6sungsans\u00e4tze dienen dann vielen. Explizit ist es unsere Vorstellung, dazu im Herbst eine Info-Veranstaltung zu organisieren und gemeinsam mit vielen Akteur\/-innen den Austausch zu suchen und M\u00f6glichkeiten zur Bek\u00e4mpfung dieses Ph\u00e4nomens zu erarbeiten.<\/p>\n<p>Vielleicht wiederhole ich mich, aber genau dieser regelm\u00e4\u00dfige Austausch ist das Wichtige und Besondere an der Struktur des NachtRates. Es ist schlicht auch eine Frage der Kapazit\u00e4ten, wie oft ich den Kontakt zu anderen Kulturschaffenden suche. Diese Szene lebt vom Ehrenamt, da passieren viele Dinge allein schon aus mangelnder Zeit im Alleingang. Meine und Nils\u2018 Aufgabe sehe ich darin, Formate zu entwickeln, um den Akteur\/-innen diesen Austausch zu erleichtern und Netzwerke zu st\u00e4rken. Das schafft Synergien und kann im besten Fall Arbeit erleichtern. Daf\u00fcr muss unsere Arbeit auch noch pr\u00e4senter werden.<\/p>\n<p><strong>Was habt ihr euch noch vorgenommen f\u00fcr dieses Jahr?<\/strong><\/p>\n<p>Eine Idee ist, eine gro\u00dfe Kultur-Demo auf die Beine zu stellen. Daf\u00fcr sind wir im Austausch mit den Initiatoren der Global Space Odyssey (GSO), die etwas \u00c4hnliches ja seit fast 20 Jahren in Leipzig auf die Beine stellten. Wir wollen das Ganze noch etwas breiter umfassen. Es geht nicht \u201enur\u201c um die Clubs und Techno-Kollektive, sondern auch um Theatergruppen, Performancek\u00fcnstler\/-innen, Bar-Betreiber\/-innen \u2013 eben alle, die im Nachtleben involviert sind.<\/p>\n<p>Es geht um Sichtbarkeit nach au\u00dfen und vielleicht auch darum, Gr\u00e4ben, die es zwischen den verschiedenen \u201eBubbles\u201c in der Kulturlandschaft gibt, zu schlie\u00dfen. Es braucht ein gr\u00f6\u00dferes \u201eZusammen-Gef\u00fchl\u201c. Daf\u00fcr hilft es nat\u00fcrlich nicht, dass F\u00f6rderungen eingek\u00fcrzt werden. So entsteht zwischen einzelnen Kulturbetrieben eine gr\u00f6\u00dfere Konkurrenz um die Gelder. Das hilft nicht weiter.<\/p>\n<p>Genau in solchen Momenten ist es umso wichtiger, sich zusammenzutun und gegen die Umst\u00e4nde anzuk\u00e4mpfen \u2013 oder nach anderen L\u00f6sungen zu suchen. Und solche komplexen L\u00f6sungen brauchen ein m\u00f6glichst diverses Team, welches diese erarbeitet. Je homogener eine Gruppe ist, desto weniger sinnvoll ist oftmals die Entscheidung, die sie f\u00fcr viele trifft. Nat\u00fcrlich bedeutet das einen riesigen Kommunikationsaufwand. Ich denke aber, unter guter Moderation und mit dem Willen, von der eigenen Position auch mal abzur\u00fccken, ist es m\u00f6glich, eine gemeinsame L\u00f6sung zu finden.<\/p>\n<p>F\u00fcr solche Prozesse helfen mir auch meine Erfahrungen bei \u201ePOP Impuls\u201c. Auch in dem Projekt habe ich Panels moderiert und Vernetzungstreffen begleitet. Ich stehe gern auf B\u00fchnen und gehe in den Austausch. Seit ich 18 Jahre alt war, habe ich Jugendprojekte mitgestaltet. Wir haben in verschiedenen Workshops Jugendliche ausgebildet in der Moderation.<\/p>\n<p>Schon damals habe ich gemerkt, dass es mir viel Spa\u00df macht, einen Rahmen zu schaffen, um f\u00fcr verschiedene Problemstellungen Ergebnisse zu erarbeiten und entsprechende Methoden daf\u00fcr an die Hand zu bekommen. Das kommt mir nat\u00fcrlich zugute bei der Koordinierung des NachtRates. Da wollen wir auch m\u00f6glichst viele verschiedenen Perspektiven abbilden.<\/p>\n<p>Abseits davon: Ich m\u00f6chte demn\u00e4chst gern ein Workshop-Format auf die Beine stellen zur Barrierefreiheit in der Plakatgestaltung \u2013 um noch inklusiver zu sein. Manche Plakate k\u00f6nnen beispielsweise nicht von Menschen mit Farbschw\u00e4che gelesen werden. F\u00fcr solche Ideen kann ich auf Kontakte aus der Szene zur\u00fcckgreifen. Meine Arbeit ist es, das zu organisieren und daf\u00fcr zu sorgen, dass viele davon mitbekommen.<\/p>\n<p><strong>Nun k\u00f6nnte man als Kritik anbringen, dass sich \u201edie Kultur\u201c vorrangig um sich selbst zu drehen scheint\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Klar, am Anfang geht es viel darum, sich mit sich selbst zu besch\u00e4ftigen \u2013 in diesem Fall der NachtRat mit seinen Mitgliedern und Strukturen. Dann kann man aus den verschiedenen Perspektiven heraus gemeinsame Ziele entwickeln und aus dieser Selbstbesch\u00e4ftigung herauszukommen. Man muss nat\u00fcrlich aufpassen, nicht die gleichen Themen immer wiederzuk\u00e4uen. Es geht darum, L\u00f6sungen zu finden \u2013 die dann nat\u00fcrlich ins \u201eAu\u00dfen\u201c reichen: Nehmen wir als Beispiel das Thema Clubsterben. Wir wollen ja nicht alleinig m\u00f6glichst viele Clubs erhalten, weil sie Clubs sind, sondern weil sie eine gesellschaftliche Funktion erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Es geht ja nicht um das \u201eblo\u00dfe\u201c Feiern. Viele haben heutzutage einen sehr stressigen Alltag. Gerade die Nachtkultur bietet Abstand davon und Zerstreuung, Loslassen. Die Nachtkultur ist der Raum, wo Menschen abseits von der Arbeit und anderen Verpflichtungen daf\u00fcr Zeit haben.<\/p>\n<p>Vor allem treffen hier aber auch Personen verschiedenster Hintergr\u00fcnde aufeinander, die sich abseits der Veranstaltungen aufgrund fehlender Schnittmengen niemals begegnen w\u00fcrden. Man lernt andere Perspektiven kennen und verl\u00e4sst die eigene Echokammer. Bricht das immer weiter weg, ist das gesamtgesellschaftlich betrachtet ein Problem.<\/p>\n<p>Leipzig ist zum Teil ja zu der \u201egehypten\u201c Stadt geworden, die sie ist, weil es genau f\u00fcr diesen Austausch und das Ausprobieren Angebote gab und noch gibt. Egal, aus welcher Richtung ich komme \u2013 welchen sexuellen, geschlechtliche-, biografischen Hintergrund ich habe \u2013 gerade in der Nachtkultur funktioniert es mit am besten, alle zusammenzubringen. Dort, wo solche Faktoren in anderen Bereichen einem vielleicht eher mal die T\u00fcr vor der Nase verschlie\u00dfen, \u00f6ffnet die Nachtkultur genau diese T\u00fcren. Auch, weil sich die Menschen die Zeit daf\u00fcr nehmen.<\/p>\n<p>Musik ist ein verbindendes Element \u2013 genau wie ein Theaterst\u00fcck, eine Performance etc. Vielleicht kennt man die Person nicht, die einen Meter weiter tanzt, aber man hat diese gemeinsame Erfahrung, das Erlebnis. Auch Sport ist so ein Element. Eine \u201egespaltene Gesellschaft\u201c, die in den letzten Jahren immer mehr zum Thema wurde, kann man zum Teil aufbrechen durch solche gemeinsamen Erfahrungen.<\/p>\n<p>Indem man sich auf Gemeinsamkeiten statt Unterschiede fokussiert. Gerade seit Corona ist das noch einmal verst\u00e4rkt worden \u2013 dieses Schwarz-Wei\u00df-Denken bez\u00fcglich fast jeden Themas. Demokratie funktioniert ja aber nun mal dar\u00fcber, Kompromisse zu finden und aufeinander zuzugehen. Einander zuzuh\u00f6ren. Wenn der \u201eEisbrecher\u201c ein gemeinsames Musikinteresse ist, finden sich vielleicht auch bei anderen Themen verbindende Elemente im Alltag.<\/p>\n<p><strong>Mit welchen Problemstellungen siehst du die (Nacht-)Kulturbranche konfrontiert?<\/strong><\/p>\n<p>Es sind immer wieder \u00e4hnliche Themen: Zum einen werden die Gelder f\u00fcr die Kulturfinanzierung weniger. Zwar konnten hier in Leipzig K\u00fcrzungen f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Jahre abgewendet werden, perspektivisch wird das wahrscheinlich aber so nicht bleiben. Man muss neue M\u00f6glichkeiten finden \u2013 auch der privaten Finanzierung, wie zum Beispiel Fundraising, Sponsoring etc. Wir wollen das Know-how daf\u00fcr vermitteln. Man muss nat\u00fcrlich wissen, wie man so etwas angehen kann. Auf der anderen Seite werden die R\u00e4ume f\u00fcr Kultur durch Gentrifizierung nicht mehr bezahlbar oder fallen ganz weg.<\/p>\n<p><strong>Das ist eine Stelle, an welcher du als Koordinatorin ins Spiel kommst?<\/strong><\/p>\n<p>AP: Zum Beispiel, ja. Die Botschaft der Nacht als Ganze und im Speziellen Nils Fischer und ich, k\u00f6nnen nat\u00fcrlich Informationsveranstaltungen organisieren und Unterst\u00fctzung anbieten bei der Beantragung von F\u00f6rdermitteln. Es ist wichtig, dass diese ganzen M\u00f6glichkeiten und Hilfsangebote f\u00fcr alle Akteur\/-innen bekannt sind.<\/p>\n<p>Wenn am Ende aber ein privater Investor kommt, der aus Profitinteresse heraus agiert und \u2013 wie wir es derzeit beispielsweise im Leipziger Osten beobachten \u2013 Ladenprojekte von ihren Standorten verdr\u00e4ngt, dann kann nat\u00fcrlich auch eine Stadtverwaltung wenig tun.<\/p>\n<p><strong>Welche Herausforderungen siehst du noch f\u00fcr die Zukunft der Nachtkultur?<\/strong><\/p>\n<p>Nachwuchsf\u00f6rderung geh\u00f6rt f\u00fcr mich auf jeden Fall dazu. Um das Nachtleben auch sozial nachhaltig zu gestalten, muss ich als Veranstaltungsst\u00e4tte\/Club\/Ensemble etc. meine Zielgruppe kennen. Die hat sich durch Corona stark ver\u00e4ndert. Wir sehen die \u00e4ltere Zielgruppe, die inzwischen vielleicht manchmal lieber am Sonntagnachmittag feiert, anstatt sich die N\u00e4chte um die Ohren zu schlagen. Auf der anderen Seite j\u00fcngeres Publikum, f\u00fcr das die steigenden Eintrittspreise bereits die erste gro\u00dfe H\u00fcrde f\u00fcr den Zugang zum Nachtleben darstellt. Wie bekommt man verschiedene Bed\u00fcrfnisse unter einen Hut?<\/p>\n<p>Gerade f\u00fcr j\u00fcngere Feiernde braucht es neue Formate. W\u00e4hrend der Corona-Zeit haben diejenigen, die damals erstmals legal in die Clubs gehen k\u00f6nnen, eigene Ideen entwickelt, wie sie Party machen konnten. Das spielte sich zum Teil dezentral vor dem Computer ab. Das hei\u00dft, es ist ein ganz anderes Gef\u00fchl entstanden abseits von diesem gemeinsamen Erlebnis \u2013 an einem Ort gemeinsam in Musik abzutauchen. Diese Erfahrung, diesen \u201eDancefloor-Moment\u201c kennen viele aus dieser Zeit gar nicht und sehen darin vielleicht auch den Mehrwert nicht. Warum sollte ich dann knapp 20 Euro an der Clubt\u00fcr bezahlen?<\/p>\n<p>Um an der Stelle wieder ein anderes Gef\u00fchl aufzubauen, k\u00f6nnte man beispielsweise Disco-Abende anbieten f\u00fcr Personen unter 18 Jahren, die nachmittags bzw. am fr\u00fchen Abend stattfinden und wenig bis gar keinen Eintritt kosten.<\/p>\n<p>Wichtig ist dabei sicher auch noch mehr Transparenz \u2013 viele Feiernde wissen vielleicht gar nicht, wie sich ein Club finanziert. Woher kommen die hohen Ticketpreise? Wie es auch durch die CLIV, die Studie zu Clubs und Livemusikspielst\u00e4tten in Leipzig, best\u00e4tigt wurde, finanzieren sich die meisten Veranstaltungsorte vor allem \u00fcber den Verkauf von Getr\u00e4nken. Der Eintritt flie\u00dft zu gro\u00dfen Teilen in die Gagen der DJs, der Barumsatz bezahlt Miete, Betriebskosten und Geh\u00e4lter. Wenn man sich dar\u00fcber im Klaren ist und seinen Lieblingsclub unterst\u00fctzen m\u00f6chte, ist man vielleicht eher gewillt, ein Getr\u00e4nk mehr an der Bar zu kaufen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im April hat Anne Petzold die Koordination des Leipziger NachtRates \u00fcbernommen. 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