{"id":149275,"date":"2025-05-29T16:05:10","date_gmt":"2025-05-29T16:05:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/149275\/"},"modified":"2025-05-29T16:05:10","modified_gmt":"2025-05-29T16:05:10","slug":"nature-writer-robert-macfarlane-wasser-lebt-und-hat-auch-die-kraft-uns-zurueckzufuehren-zum-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/149275\/","title":{"rendered":"Nature Writer Robert Macfarlane: \u201eWasser lebt und hat auch die Kraft, uns zur\u00fcckzuf\u00fchren zum Leben\u201c\u00a0"},"content":{"rendered":"<ol class=\"id-DonaldBreadcrumb lp_west_breadcrumb id-DonaldBreadcrumb--default\" data-k5a-pos=\"west_breadcrumb\">\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"1_startseite\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Startseite<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"2_kultur\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kultur<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/gesellschaft\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"3_gesellschaft\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gesellschaft<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"id-Story-timestamp id-Story-timestamp--default\">Stand: 29.05.2025, 15:39 Uhr<\/p>\n<p class=\"id-Story-authors id-Story-authors--default\">Von: <a class=\"id-Story-authors-link lp_west_author\" href=\"https:\/\/www.fr.de\/autor\/sylvia-staude-cy94200co.html\" title=\"Zur Autorenseite von Sylvia Staude\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" author-link=\"\" staude=\"\" data-k5a-pos=\"west_author\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sylvia Staude<\/a><\/p>\n<p class=\"id-Story-interactionBar id-Story-interactionBar--default\">DruckenTeilen<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/38382593-der-blick-geht-in-ein-tal-das-von-bergen-umsaeumt-ist-in-der-mitte-schlaengelt-sich-ein-flu.jpeg\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\"   height=\"619\" width=\"1100\" alt=\"Der Blick geht in ein Tal, das von Bergen ums&#xE4;umt ist, in der Mitte schl&#xE4;ngelt sich ein Fluss.\"\/>Die Brookskette in Alaska, zu deren F\u00fc\u00dfen das Wasser noch laufen kann, wie es will.  \u00a9\u00a0imago stock&amp;people<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-leadText\">Der britische Nature Writer Robert Macfarlane \u00fcber die Rechte von Fl\u00fcssen, <br \/>die Bedrohung durch den Klimawandel und sein neues Buch, das eine k\u00fchne Frage stellt.<br \/>Ein Interview von Sylvia Staude<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Robert Macfarlane, der wohl ber\u00fchmteste, stilistisch feinste Nature Writer Gro\u00dfbritanniens, beginnt nach der Begr\u00fc\u00dfung mit einer aktuellen Sorge und Frage.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Hier in England haben wir bereits eine D\u00fcrre, es ist viel zu trocken, es k\u00f6nnte schlimmer werden als 2022. Wie ist es bei Ihnen in Deutschland?\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Ebenfalls viel zu trocken.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">F\u00fcr die Schmetterlinge ist es gut, das ist das Beste, was man dar\u00fcber sagen kann. Aber was wollten Sie mich fragen?\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Sie haben Ihren Buchtitel als Frage formuliert, was ungew\u00f6hnlich ist. Warum haben Sie sich f\u00fcr \u201eSind Fl\u00fcsse Lebewesen?\u201c entschieden?\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Weil man als Leser nicht mit dem Schluss des Buches beginnt, man beginnt vorne. Und es war mir wichtig, dass die Leser in Zweifel und Unsicherheit beginnen, was die Antwort auf diese Frage betrifft, denn so habe ich selbst auch angefangen. Und mir ist klar geworden, dass alle meine B\u00fccher aus einer Frage entstanden. Warum klettern Menschen auf Berge?, war die erste. Und die Frage im Herzen von \u201eUnderland\u201c war: Sind wir gute Vorfahren? So waren meine B\u00fccher immer um eine einzelne Frage organisiert, aber zum Titel wurde sie noch nie. Diese Frage nun f\u00fchlt sich sehr dringend und sehr alt an, aber ich wollte nicht, dass das Buch eine Feststellung wird: Ein Fluss ist lebendig. Sondern ich wollte, dass es eine Inspiration wird mittels einer Frage, die schwer zu beantworten ist, die aber von gro\u00dfer Bedeutung ist.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Gab es, da Ihr Buch in den USA und Gro\u00dfbritannien bereits erschienen ist, Reaktionen darauf? F\u00fchlten sich Menschen gleich zu einer Antwort animiert?\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ich hatte gerade heute morgen eine Reaktion von jemandem, der das Buch seiner Tochter zeigte. Und die sagte: das ist eine dumme Frage, die Antwort ist: Ja. Das war \u00fcbrigens auch die Reaktion meines Sohnes Will. Es gibt Menschen, die sagen: Nat\u00fcrlich ist ein Fluss lebendig, warum wird die Frage \u00fcberhaupt gestellt? Und andere sagen: Nat\u00fcrlich ist ein Fluss nicht lebendig, was f\u00fcr eine dumme Frage. Er ist nur Beschaffenheit plus Schwerkraft. Aber dazwischen gibt es Menschen, die fasziniert sind von der Provokation des Titels, die bereit sind, die Dimensionen dieser Frage zu erforschen. Das Buch ist eine Reise f\u00fcr den Leser.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Sie versuchen zun\u00e4chst, sich quasi von der anderen Seite zu n\u00e4hern, n\u00e4mlich zu sagen, dass es tote Fl\u00fcsse gibt, dass wir einen toten Fluss sofort erkennen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ja, man kann es heuristisch nennen. Es ist f\u00fcr skeptische Leser, die nicht willens sind, einem Fluss Leben zuzugestehen. Die zwar zugestehen, dass ein Fluss Leben enthalten kann, Leben mitf\u00fchren kann, doch nicht, dass der Fluss selbst als lebendig beschrieben werden kann. Und ja, ich glaube, Menschen f\u00fchlen instinktiv, was es bedeutet, wenn ein Fluss stirbt oder tot ist. Und so wird das zu einem Mittel, sie zu bitten, es in ihrem Herzen zu bedenken, was das bedeutet: lebend, lebendig.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Leider kennen vermutlich heute mehr Menschen aus eigener Anschauung einen toten Fluss als einen durch und durch lebendigen. Sie wollen das Denken auch mit Hilfe der Sprache ver\u00e4ndern. Dass man im Englischen \u201ethe river, who\u201c sagt, wie bei einer Person, statt \u201ethe river, which\u201c.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Wie ist das im Deutschen?\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Das Deutsche bleibt beim jeweiligen Artikel als Demonstrativpronomen, der in diesem Fall das m\u00e4nnliche \u201eder\u201c ist.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Aber ich stimme Ihnen zu, in England \u2013 nicht Gro\u00dfbritannien \u2013 haben wir keinen einzigen Fluss mehr, der in guter Gesundheit ist. Und das wird jetzt von der D\u00fcrre noch verschlimmert. Die Quellen, die nahe meinem Haus und durch das Buch flie\u00dfen, sind schon jetzt sehr schwach. Und das System, das sie n\u00e4hrt, arbeitet bereits so wie normalerweise erst im Sommer. Es f\u00fchlt sich wie eine sehr schlechte Zeit f\u00fcr Fl\u00fcsse an, umso mehr Grund, solche Unterhaltungen zu f\u00fchren \u00fcber das lange Leben der Fl\u00fcsse, \u00fcber ihre Leben, ihre Tode und ihre Rechte. Diesen Morgen meldete sich die BBC, sie wollten etwas \u00fcber die D\u00fcrre machen. Das ist nicht der Hintergrund, den ich mir f\u00fcr mein Buch gew\u00fcnscht habe.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Die D\u00fcrre f\u00fchrt auch den Unterschied zwischen, zum Beispiel, Bergen und Fl\u00fcssen, Wasser generell vor Augen. Wir k\u00f6nnen ohne Berge leben, aber nicht ohne Wasser, nicht einmal f\u00fcr Tage.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ja, jeder Mensch lebt in einer Wasserscheide, ist Teil der einen oder anderen Wasserscheide. Und wir sind alle Wasserk\u00f6rper. Manchmal besteht mein Herz aus Bergen, aber das ist nicht wortw\u00f6rtlich so. Aber mein K\u00f6rper besteht im buchst\u00e4blichen Sinn aus Wasser. Wir sind alle Teil des Wasserkreislaufs.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Sie schreiben, dass Kinder noch Animisten sind, also Fl\u00fcssen durchaus automatisch eine Seele zugestehen. Aber ist es nicht heute ein Problem, dass Kinder \u00fcberwiegend nur noch im Wasser von Schwimmb\u00e4dern schwimmen k\u00f6nnen?\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ja, das ist ein Kreis, der sich selbst verst\u00e4rkt, auch ein Wasserkreislauf, wenn man so will. Und in Zeiten von D\u00fcrre normalisiert sich das f\u00fcr Kinder, sie k\u00f6nnen gar nicht erfassen, wie gro\u00df der Schaden ist. Ich bin seit 2006 Schirmherr der \u201eOutdoor Swimming Society\u201c im UK, ich bin also sehr leidenschaftlich, was die Notwendigkeit betrifft, dass Menschen zu Freunden der Fl\u00fcsse werden von einem fr\u00fchen Alter an. Ich glaube, die Krise, mit der wir jetzt konfrontiert sind, ist eine der Imagination. Und so machen wir Menschen mit Fl\u00fcssen bekannt, mit ihren Namen, ihrer Geschichte, Erfahrung und ihrem Ged\u00e4chtnis. Das ist unbedingt Teil einer L\u00f6sung. Ich wei\u00df nicht, wie es in Deutschland ist, aber in meinem Land ist es noch m\u00f6glich, in vielen Fl\u00fcssen gl\u00fccklich und sicher zu schwimmen. Auch wenn Sie vorsichtiger sein m\u00fcssen als in der Vergangenheit.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Auch in Deutschland gibt es Bem\u00fchungen, Fl\u00fcsse wieder sauberer zu machen, so dass man auch gefahrlos in ihnen schwimmen kann. Es gibt Renaturierungen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Wir nennen es \u201ere-wriggling\u201c. Gerade heute morgen habe ich \u00fcber das gr\u00f6\u00dfte Damm-Beseitigungs-Projekt in der Geschichte der USA geschrieben, am Klamath. Ich wei\u00df, bei Ihnen gab es die Wiederherstellung der Emscher, auch andere Projekte. Das ist aufregend, wir brauchen einen Beweis, dass es Hoffnung gibt, dass es die M\u00f6glichkeit von Hoffnung gibt.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Auf der anderen Seite ist in den USA Trump an der Macht, der sich mit ungeheurer Verachtung \u00fcber das Wassersparen \u00e4u\u00dfert.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ja, der Angriff auf die EPA, die Environmental Protection Agency, ist der bisher gr\u00f6\u00dfte in der Geschichte. Und ich habe \u00fcber eine Reihe der Executive Orders Trumps geschrieben, die die Merkmale und die Gesundheit von Fl\u00fcssen betreffen. Es ist ein gro\u00dfer Kampf. Darum ist die Wiederherstellung des Elwha in Washington State, ist dieser Sieg eine so wichtige Sache (1992 wurde ein \u201eRestoration Act\u201c verabschiedet, d. Red.).<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Sie haben f\u00fcr Ihr Buch drei Fl\u00fcsse, drei Weltregionen ausgesucht. Wie kam es zu dieser Wahl?\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Wenn man die Quellen in der N\u00e4he meines Hauses dazuz\u00e4hlt, sind es vier. Aber in allen drei Regionen war das Leben der Fl\u00fcsse bedroht, durch Sch\u00fcrfrechte in Ecuador, Verschmutzung in Chennai, Dammbau in Nitassinan. Gleichzeitig sind es Orte, an denen Fl\u00fcsse radikal imaginiert werden, zur Verteidigung ihres Lebens. In Ecuador gibt es einen Verfassungssatz, der die Rechte des Flusses und Waldes sch\u00fctzt, zu existieren, zu gedeihen und fortzubestehen. In Kanada sind dort zum ersten Mal die Rechte eines Flusses und er als lebendiges Wesen anerkannt worden. Und in Chennai ist es ein verzweifelt mutiges Unterfangen von jungen Leuten, sich um einen K\u00f6rper zu k\u00fcmmern, der gr\u00e4sslich geschw\u00e4cht ist. Hoffnung und Vergeblichkeit, das sind die Hauptstr\u00f6me in meinem Buch.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Haben Sie diese Orte auch ausgesucht, weil Sie dort sehr besondere Menschen getroffen haben?\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Das ist schwer vorauszusagen. Ich wusste nicht, dass ich in Chennai Yuvan treffen w\u00fcrde. Der st\u00e4rkste Beweis f\u00fcr die Antwort auf die Frage des Buches kam durch die drei Menschen, Giuliana, Yuvan und Wayne\u00a0\u2013 eigentlich Wayne und die Dichterin Rita \u2013, denn alle drei waren dem Tod nahegekommen. Giulianas Vater war k\u00fcrzlich gestorben, Yuvan erlebte in seiner Kindheit schreckliche Gewalt, Wayne hatte gerade seinen Freund verloren. Und ich konnte zusehen, wie alle drei zur\u00fcckgebracht wurden in Richtung Leben, auch durch das Wasser. Diese Wahrheit, die ich gefunden habe, ist eine schlichte und bewegende. Wasser lebt und hat die Kraft, uns zur\u00fcckzuf\u00fchren zum Leben.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Wasser ist in unserem Leben jedoch so essenziell, dass uns wom\u00f6glich bei seiner Nutzung der Egoismus immer in die Quere kommt.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Je mehr ich in meinem Land und dar\u00fcber hinaus die Initiativen wahrnahm, die die Fl\u00fcsse sch\u00fctzen wollen, desto mehr habe ich bei diesen Bewegungen die gleichen \u00dcberzeugungen erlebt. Ich habe gewisserma\u00dfen gelernt, meine Landschaft neu zu sehen. Ich bin jetzt sehr hoffnungsvoll. Vielleicht bin ich naiv, aber ich sehe so wenig Egoismus in der Wasserprotest-Bewegung, in meinem Land, in Europa. Ich sehe so viel entstehen aus der Krise, dem Bewusstsein, dass wir den Fl\u00fcssen etwas zur\u00fcckgeben m\u00fcssen. Wir d\u00fcrfen\u00a0nicht denken, dass Egoismus in Bezug auf Fl\u00fcsse unsere Standardeinstellung ist, es kann auch Altruismus geben.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Jetzt ist eine andere Form von Wasser das gro\u00dfe Thema: Regen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ja, das bringt uns zur\u00fcck zur Ursprungsfrage, dem Klima. Das Leben der Fl\u00fcsse ist darin in vielerlei Hinsicht enthalten. Ich wei\u00df nicht, ob Sie k\u00fcrzlich von dieser erstaunlichen M\u00f6glichkeit geh\u00f6rt haben, mit der die Flie\u00dfgeschwindigkeit jedes Flusses auf der Welt gemessen werden kann. Sie hat, das ist keine \u00dcberraschung, abgenommen, wodurch die Fl\u00fcsse auch weniger gesund sind. Und die steileren Fl\u00fcsse sind viel heftiger und h\u00e4ufiger \u00fcber die Ufer getreten. Die Regenf\u00e4lle sind extremer und isolierter geworden. So sehen wir bereits, wie das Leben und das Verhalten von Fl\u00fcssen durch den Klimawandel ver\u00e4ndert werden.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">\u00dcberschwemmungen sind auch ein Grund, warum wir Fl\u00fcsse dann doch gern wieder renaturieren wollen. Ist das nicht nur eine Form von Egoismus?\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ich glaube, es kann beides sein, Anthropozentrismus und Altruismus. Die Bewegung f\u00fcr die Rechte der Natur ist so wichtig, weil sie eine andere Vision hat. Es ist nicht so, dass wir den Fl\u00fcssen Rechte geben. Wir erkennen Rechte an, die es bereits gab.\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/38380881-der-britische-nature-writer-robert-macfarlane-im-gruenen-QfBG.jpg\" loading=\"lazy\"   height=\"1467\" width=\"1100\" alt=\"Der britische Nature Writer Robert Macfarlane im Gr&#xFC;nen. \"\/>Robert Macfarlane.  \u00a9\u00a0Archiv Robert Macfarlane<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Aber wir entscheiden immer noch f\u00fcr den Fluss.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Das ist die komplexe Frage: Wer spricht f\u00fcr den Fluss? Das ist eine der Fragen, mit denen das Buch ringt und auf die es gute und schlechte Antworten findet. Die allgemeine L\u00f6sung in der Rechtssprechung, in der Flussrechte eingef\u00fchrt wurden, ist es, Flussw\u00e4chter zu benennen, die f\u00fcr den Fluss sprechen und die versuchen, menschliches Interesse nicht ihre Hauptantriebskraft sein zu lassen. Das scheint mir ein wirklich wichtiges Experiment in Staatsf\u00fchrung und Gesetzgebung. Wir k\u00f6nnen kritisieren, dass es im Grunde ein Kompromiss ist, weil Menschen versuchen, die Absichten eines Flusses zu erahnen. Oder wir k\u00f6nnen es als sehr notwendigen und sehr sp\u00e4t kommenden Versuch sehen, die lebendige Welt angemessen und so gut wir nur k\u00f6nnen zu repr\u00e4sentieren an den Orten, an denen die Macht die Entscheidungen trifft. Ich denke, es ist sehr gut, dass dies offen ist f\u00fcr viele Arten von Kompromissen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Gen\u00fcgt es zu sagen: wenn ein Fluss voller Leben, voller Fische und einigerma\u00dfen sauber ist, dann ist das in Ordnung?\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Das h\u00e4ngt vom Fluss ab. In Gro\u00dfbritannien gibt es nur noch eine Handvoll frei flie\u00dfender Fl\u00fcsse, und diese Fl\u00fcsse werden gierig be\u00e4ugt von Regierungen und Energieunternehmen. In Europa gibt es kaum noch ein Gew\u00e4ssersystem, das nicht einged\u00e4mmt ist. Es bleibt also noch viel zu tun. Man k\u00f6nnte sagen: Es ist die Absicht eines Flusses, sein eigenes Flie\u00dfen zu bestimmen. Das wird nicht bei allen Fl\u00fcssen funktionieren, aber es gibt keinen Grund, warum es nicht f\u00fcr irgendeinen Fluss funktionieren sollte.\u00a0<\/p>\n<p>Zur Person<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-factBox-paragraph\"><strong>Robert Macfarlane<\/strong>, geboren 1976 in Halam, Nottinghamshire, hat in Oxford und Cambridge studiert und lehrte auch einige Zeit in Peking.  <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-factBox-paragraph\"><strong>Mehrere preisgekr\u00f6nte B\u00fccher<\/strong> hat er seit dem Jahr 2003 geschrieben, die zum Nature Writing gez\u00e4hlt werden. \u201eBerge im Kopf\u201c hat er erwandert. Ebenso die bei Matthes &amp; Seitz erschienenen \u201eKarte der Wildnis\u201c und \u201eAlte Wege\u201c sowie \u201eHohlweg\u201c (Friedenauer Presse).  Doch auch Sprache ist sein Thema, etwa in \u201eDie verlorenen W\u00f6rter\u201c (Matthes &amp; Seitz). <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-factBox-paragraph\"><strong>Zuletzt erschien 2019 <\/strong>\u201eIm Unterland\u201c. Eine Entdeckungsreise in die Welt unter der Erde\u201c (Penguin). <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Als ich \u00fcber Ihre letzte Flussreise las, per Boot durch die Stromschnellen des Mutehekau Shipu in Kanada, dachte ich: Mein Gott, er hat sein Leben daf\u00fcr aufs Spiel gesetzt. Hat es sich so angef\u00fchlt?\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ich bin als Bergsteiger aufgewachsen, bin immer noch Bergsteiger, so glaube ich, ich habe eine ziemlich ausgekl\u00fcgelte Vorstellung von Risiko. Ich unterscheide manchmal zwischen Angst und Risiko. Man kann viel Angst sp\u00fcren und doch nicht in Gefahr sein. Ebenso kann man in Gefahr sein und keine Angst haben. Letzteres ist gef\u00e4hrlich, aber ersteres ist in Ordnung. Ich glaube nicht, dass ich jemals in Gefahr war, obwohl ich manchmal Angst hatte auf diesem Fluss. Aber die Vorstellung, vom Mutehekau Shipu hinuntergezogen, herumgewirbelt, \u201erivered\u201c zu werden, war als k\u00f6rperliche Erfahrung extremer, als ich es je f\u00fcr eines meiner B\u00fccher erlebt habe. Ja, der Fluss war eine h\u00e4rtere Reise als jede Bergreise, die ich jemals machte.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Sind Sie in zwischen nicht nur Autor, sondern auch Aktivist?\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Das Wort Aktivist wird mehr und mehr verwendet, doch es sollte f\u00fcr die reserviert sein, die ihren K\u00f6rper f\u00fcr eine Sache einsetzen. Ich nenne mich lieber Campaigner, Mitstreiter. Das Campaigning l\u00e4sst sich au\u00dferdem nicht vom Schreiben trennen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Werden Sie sich weiter mit dem Thema Fl\u00fcsse besch\u00e4ftigen?\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ja, sie werden weiter durch mich hindurchflie\u00dfen. Seit ich \u201eUnderland\u201c beendet habe, war ich fast nicht mehr irgendwo im Untergrund, das war\u2019s. Aber dieses Buch flie\u00dft\u00a0mit solcher Kraft und in so viele Richtungen. In England wurde es gleich der Nummer-1-Bestseller, das hat etwas mit der Leidenschaft zu tun und dem Thema. Ich glaube, es wartet da noch viel Arbeit und ich kann ein wenig dazu beitragen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Sie tun es in einer au\u00dfergew\u00f6hnlich reichen, plastischen, literarischen Sprache.\u00a0Da steckt M\u00fche drin. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Sprache hat die Kraft, Leben zu erschaffen, wo keines ist. Und Leben zur\u00fcckzubringen, wo es verschwunden ist. Mir war schnell bewusst, wenn ich als Autor meine Leser \u00fcberzeugen m\u00f6chte, Fl\u00fcsse als lebendig zu erfahren, dann brauchte ich die Kraft des Rhythmus, der Bilder, der Form genauso wie der Argumente, der Aussagen, der Erz\u00e4hlung. So wird die Sprache in diesem Buch gegen Ende immer fl\u00fcssiger, immer mehr \u201erivered\u201c.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Startseite Kultur Gesellschaft Stand: 29.05.2025, 15:39 Uhr Von: Sylvia Staude DruckenTeilen Die Brookskette in Alaska, zu deren F\u00fc\u00dfen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":149276,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-149275","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114591978244036654","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/149275","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=149275"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/149275\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/149276"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=149275"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=149275"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=149275"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}