{"id":150289,"date":"2025-05-30T01:26:19","date_gmt":"2025-05-30T01:26:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/150289\/"},"modified":"2025-05-30T01:26:19","modified_gmt":"2025-05-30T01:26:19","slug":"serious-games-politische-bildung-auf-augenhoehe-mit-den-gamern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/150289\/","title":{"rendered":"Serious Games: Politische Bildung auf Augenh\u00f6he mit den Gamern"},"content":{"rendered":"<p>\tWissensvermittlung durch PC-Spiele<br \/>\n\t &#8211; <\/p>\n<p>\t\tSerious Games: Politische Bildung auf Augenh\u00f6he mit den Gamern<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1748568379_226_size=708x398.jpg\" alt=\"Symbolbild: Zwei Jungs spielen ein Videospiel im Kinderzimmer. (Quelle: imago images\/Ilona)\" title=\"Symbolbild: Zwei Jungs spielen ein Videospiel im Kinderzimmer. (Quelle: imago images\/Ilona)\" id=\"1453757669\"\/>Bild: imago images\/Ilona<\/p>\n<p>Videospiele greifen immer h\u00e4ufiger ernste Themen auf und vermitteln auch Wissen. Sie werden deshalb vermehrt in der politischen Bildung eingesetzt \u2013 auch von Berliner Initiativen. Von Nathalie Daiber und Lukas Haas<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_0\"\/><\/p>\n<p>&#8222;Willkommen an der Front&#8220;, sagt Fritz Bauer zur jungen Staatsanw\u00e4ltin Esther Katz. Der legend\u00e4re hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der in der fr\u00fchen Bundesrepublik die Ausschwitzprozesse ins Rollen gebracht hatte. Es ist der Beginn eines ungew\u00f6hnlichen Videospiels: &#8222;The Darkest File\u201d ist in der Welt von Fritz Bauer angesiedelt, in der Frankfurter Staatsanwaltschaft im Jahr 1956, elf Jahre nach dem Ende des NS-Regimes.<\/p>\n<p>Die Spieler schl\u00fcpfen in die Rolle von Esther Katz und ermitteln gegen T\u00e4ter aus der NS-Zeit. Vom Anfangsverdacht bis zum Prozess. Die Staatsanw\u00e4ltin ist fiktiv, die F\u00e4lle aber real. Der erste Fall dreht sich beispielsweise um einen Mann, der 1945 in M\u00fcnchen von der Polizei ohne Begr\u00fcndung verschleppt und sp\u00e4ter ermordet aufgefunden wird. Im Visier: die Beamten, die ihn in Gewahrsam nahmen.<\/p>\n<p>Das Spiel rund um Fritz Bauer reiht sich ein in eine Reihe von Computerspielen, die immer mehr Raum in der Welt der Videospiele einnehmen: Serious Games. Spiele, die mehr sein wollen als Unterhaltung; die einen Bildungsanspruch haben. Auch Initiativen, Erinnerungs- und Bildungsst\u00e4tten investieren immer h\u00e4ufiger Geld in solche Games, um junge Menschen zu erreichen und demokratief\u00f6rdernde Werte zu vermitteln. Eine Chance f\u00fcr die Bildungsarbeit &#8211; gerade jetzt, wo sich viele Jugendliche nach rechts orientieren.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_1519469432\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\tGames als &#8222;erz\u00e4hlendes Leitmedium dieses Jahrhunderts&#8220;<\/p>\n<p>Mit seiner Firma Paintbucket hat J\u00f6rg Friedrich &#8222;The Darkest Files&#8220; entwickelt und verfolgt damit ein klares Ziel. Man wolle zeigen, \u201cwie diese kleinen, furchtbaren Verbrechen in so einem Unrechtsstaat passieren k\u00f6nnen, ohne dass sie bestraft werden. Und wie das eigentlich denselben Geist atmet, der dann Ausschwitz m\u00f6glich macht\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>Fast alle Spiele der Firma wollen mehr sein als reine Unterhaltung und auch Wissen vermitteln. Im Vorg\u00e4ngerspiel &#8222;Through the Darkest of Times&#8220; zum Beispiel geht es um zivilen Widerstand w\u00e4hrend der Nazi-Herrschaft. Das Studio gewann daf\u00fcr 2020 den deutschen Entwicklerpreis<\/p>\n<p>Immer noch seien laut Friedrich die meisten Blockbusterspiele reine Unterhaltung. Sie erz\u00e4hlen zwar zum Beispiel vom zweiten Weltkrieg, aber ordnen den historischen Kontext kaum ein. &#8222;Sehr wenige dieser Games erz\u00e4hlen zum Beispiel \u00fcber Ausschwitz. Oder \u00fcber Antisemitismus. Oder \u00fcber die Zerst\u00f6rung der Demokratie&#8220;, sagt J\u00f6rg Friedrich. Das sei ein Problem, weil viele Menschen mehr Zeit mit Spielen verbringen als mit B\u00fcchern oder Filmen. &#8222;Ich halte Games f\u00fcr das erz\u00e4hlende Leitmedium dieses Jahrhunderts und wenn da bestimmte Geschichten gar nicht stattfinden, dann ist das ein Problem.&#8220;<\/p>\n<p>Der Historiker Matej Samide von der Stiftung Digitale Spielekultur hat auf der diesj\u00e4hrigen Digitalkonferenz Re:publica einen Vortrag \u00fcber die &#8222;demokratische Kraft&#8220; von Videospielen gehalten. Er erkennt aktuell einen Gegentrend in der Spielindustrie \u2013 hin zu ernsthafteren Inhalten. &#8222;Computerspiele sind als Medium erwachsen geworden. Sie versuchen, gro\u00dfe Geschichten zu erz\u00e4hlen und auch etwas zu transportieren&#8220;, sagt er.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/teaserbox\"\/><\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\tSch\u00fcler in ihrer Lebenswelt erreichen<\/p>\n<p>In Deutschland spielen laut dem Spieleverband GAME 6 von 10 Menschen Videospiele. Das sei eine gro\u00dfe Chance f\u00fcr die Bildungsarbeit, sagt Samide. Spiele seien immersiver als andere Medien, so Samide. &#8222;Dadurch dass ich eben direkt in die Spiele eingreife und interagiere, habe ich eine ganz andere Beziehung zum Erlebten, als wenn ich es gelesen oder gesehen habe.&#8220;<\/p>\n<p>Das machen sich inzwischen auch immer mehr Initiativen und Bildungsst\u00e4tten zu nutzen. Sie investieren Geld in die Entwicklung von Serious Games. Die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus hat ein Spiel f\u00fcr Sch\u00fcler entwickelt, das den Umgang mit Toleranz lehren soll: \u201eDas Ilios-Experiment\u201c. Fadl Speck von der Initiative hat das Spiel mitentwickelt.<\/p>\n<p>&#8222;Wir m\u00fcssen die Zielgruppe da abholen, wo sie ist&#8220;, sagt er. \u201eUnd Jugendliche, egal ob Jungen oder M\u00e4dchen, spielen\u201c. Mittels Videogames findet man in einem Raum statt, der wichtig f\u00fcr die Lebenswelt der Sch\u00fcler sei. &#8222;Und allein das honorieren die Jugendlichen schon. Dass wir auf diese Ebene kommen.&#8220;<\/p>\n<p>Solche politischen Bildungsangebote auf Augenh\u00f6he seien aktuell besonders wichtig. &#8222;Wir erleben Schulklassen in unseren Workshops, in denen die Einstellungen zunehmend rechts wegdriften&#8220;, sagt Fadl Speck.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_701869602\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\tKein Allheilmittel, aber eine Chance<\/p>\n<p>Im \u201eIlios-Experiment\u201c m\u00fcssen sich die Sch\u00fcler in der fiktiven Zukunfts-Stadt Ilios zurechtfinden, in der es einen Toleranz-Score gibt, der tolerantes Verhalten belohnt und intolerantes bestraft. \u201eDa passiert unglaublich viel Reflektion\u201c, sagt Fadl Speck. \u201eOft haben wir geh\u00f6rt, ich kenne diese Situation, das habe ich schon erlebt.\u201c<\/p>\n<p>Und genau diese Identifikation sei hilfreich f\u00fcr die politische Bildung. Dennoch sei das Spiel kein Allheilmittel. \u201eDieses Spiel wird niemanden aus einem rechten Mindset rausholen und das kann es auch gar nicht\u201c, sagt Fadl Speck. \u201eTrotzdem bietet so ein Spiel die M\u00f6glichkeit, eine T\u00fcr aufzusto\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p>Die Potentiale von Videospielen f\u00fcr die politische Bildung sind gro\u00df. Sie geh\u00f6ren mittlerweile f\u00fcr viele Menschen zum Alltag. Warum also nicht auch spielend lernen? Matej Samedi zum Beispiel hat als Jugendlicher am liebsten \u201cAge of Empire\u201d gespielt. Darin sind viele historische Elemente enthalten. Das hat ihn dazu gebracht, Geschichte auch zu studieren. Heute ist er Historiker.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_1\"\/><\/p>\n<p><a class=\"ico ico_arrow_wide_up\" title=\"An den Anfang\" href=\"#top\">  <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wissensvermittlung durch PC-Spiele &#8211; Serious Games: Politische Bildung auf Augenh\u00f6he mit den Gamern Bild: imago images\/Ilona Videospiele greifen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":150290,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[1941,1939,296,1937,29,30,1940,1938],"class_list":{"0":"post-150289","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-berlin","9":"tag-aktuelle-news-aus-berlin","10":"tag-berlin","11":"tag-berlin-news","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-nachrichten-aus-berlin","15":"tag-news-aus-berlin"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114594184241896023","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/150289","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=150289"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/150289\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/150290"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=150289"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=150289"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=150289"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}