{"id":15084,"date":"2025-04-08T07:43:09","date_gmt":"2025-04-08T07:43:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/15084\/"},"modified":"2025-04-08T07:43:09","modified_gmt":"2025-04-08T07:43:09","slug":"madrid-kunst-der-stunde-zeit-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/15084\/","title":{"rendered":"Madrid: Kunst der Stunde | ZEIT ONLINE"},"content":{"rendered":"<p>    Inhalt<br \/>\n    <a class=\"article-toc__fullview z-text-button\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/14\/museum-madrid-kunst-sehenswuerdigkeiten-galerien\/komplettansicht\" data-ct-label=\"all\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n        Auf einer Seite lesen    <\/a><\/p>\n<p>                        Inhalt<\/p>\n<ol class=\"article-toc__list\">\n<li class=\"article-toc__list-item\">\n<p>Seite 1Kunst der Stunde<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"article-toc__list-item\"><a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/14\/museum-madrid-kunst-sehenswuerdigkeiten-galerien\/seite-2\" data-ct-label=\"2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                    Seite 2\u00dcppige Beute f\u00fcr den Kopf<br \/>\n                <\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"paragraph article__item\">Am sechsten Tag, am Ende meines langen Spazierganges durch <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/madrid\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Madrid<\/a>, schaue ich auf ein kleines Kind. Es ist in Handt\u00fccher eingemummelt; eine Frau h\u00e4lt es auf dem Scho\u00df, eine zweite beugt sich dar\u00fcber, und offenbar k\u00f6nnen die drei sich wirklich gut leiden. Sie sitzen in einem Boot, das auf den Strand gezogen wurde. Nun kann man sich ja nicht aussuchen, welche Kunst einen im Museum kalt l\u00e4sst und welche einen ber\u00fchrt. Dieses Bild hier erwischt mich jedenfalls voll. Ich kann den Wind \u00fcber die Segel streichen h\u00f6ren und das Wasser \u00fcber den Kies schwappen. Da sind so viel Ferienstimmung und Liebe in dem Bild, dass sie zu mir her\u00fcberwehen. Auf dem Erkl\u00e4rschild dazu ist blo\u00df vermerkt: &#8222;Nach dem Bad, Valencia, Sommer 1902, \u00d6l auf Leinwand&#8220;. Neben mir steht ein Paar, Amerikaner offenbar; die Frau wirkt so hingerissen wie ich: &#8222;Einfach wundersch\u00f6n!&#8220;, murmelt sie. &#8222;Impressionismus&#8220;, zischt er: &#8222;Malerei f\u00fcr Menschen, die zu bequem sind, sich intellektuell mit richtiger Kunst auseinandersetzen.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Keine Ahnung, ob er recht hat. Ich verstehe null von Kunst. In der Schule hatte ich nie Kunst-Unterricht, erst fiel er aus wegen Lehrermangels, dann gab es stattdessen Technisches Werken, und wir \u00fcbten Seemannsknoten. Und in meiner engsten Familie sah man keinen Sinn in hoher Geistesbildung. Gerieten wir doch in ein Museum, musste das Eintrittsgeld wieder hereingeholt werden. Dazu starrten wir jedes einzelne Werk gr\u00fcndlich an, bis die Farben noch aus dem buntesten Gem\u00e4lde zu schwinden schienen, eine einzige ermattende Qual. Erst sp\u00e4ter fand ich meine eigene Besichtigungsmethode: Viel sch\u00f6ner geht es, wenn ich ohne Ehrfurcht und Erwartungen durch ein Museum spaziere, bis ich auf ein Werk sto\u00dfe, an dem mein Blick h\u00e4ngen bleibt. Mit Gl\u00fcck habe ich es sogar f\u00fcr mich, weil es nicht das ber\u00fchmteste der Sammlung ist. Das schaue ich mir dann ausgiebig an, lese dar\u00fcber und warte, ob es etwas macht mit mir. Mit einzelnen Museen funktioniert das gut. Aber was, wenn ich mir so ein paar Tage lang eine ganze Stadt vornehme? Das fragte ich mich, schaute auf die Europakarte und w\u00e4hlte Madrid, denn da war ich noch nicht gewesen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Als Erstes laufe ich zum Museo Nacional Centro de Arte Reina Sof\u00eda; es liegt nur ein unterwegs gegessenes Schinkenbocadillo entfernt von meiner Unterkunft im Viertel Lavapi\u00e9s. Durch kleine Stra\u00dfen gehe ich, h\u00fcgelab, h\u00fcgelauf, h\u00fcgelab; die H\u00e4user sind in warmen Farben verputzt, gusseiserne Gel\u00e4nder an den Balkonen, es sieht durch und durch nach S\u00fcden aus. Eine Viertelstunde vor \u00d6ffnung stehe ich vor dem f\u00fcnfgeschossigen Kasten mit kleinen, vergitterten Fenstern, ein ehemaliges Krankenhaus. Innen zeigt sich, das kann ein langer Spaziergang werden: Das Geb\u00e4ude besteht aus vier Fl\u00fcgeln um einen Hof. Ich beginne im vierten Stock und bin dort der erste Besucher. Die Installationen, die hier am Boden liegen oder als orange-blaue Vorhangbahnen von der Decke h\u00e4ngen, sind aus dem Kunststoff gemacht, aus dem auch Bojen und Pontons f\u00fcr Pools bestehen. Der Kunststoffgeruch, so eine Melange aus Zeltplane und Chlorwasser, h\u00e4ngt im Saal. Vielleicht kapiere ich das Werk nicht ganz. Doch es erinnert mich an das herrliche Gef\u00fchl, fr\u00fchmorgens in einem Schwimmbecken allein meine Bahnen zu ziehen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Damit k\u00f6nnte ich, getreu meiner Besichtigungsstrategie, das Haus schon wieder verlassen. Doch die Schwimmbecken-Ruhe ist so meditativ, dass ich in einen Flow gerate und weitere Bahnen ziehe, die Stockwerke hinab. Vorbei an einem Dal\u00ed. Verstehe nichts von dem Durcheinander auf dem Bild. Gerhard Richter war offenbar auf Lanzarote, und es sieht aus, als s\u00e4he er arg verschwommen.\n<\/p>\n<p>    <a class=\"volume-teaser__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/14\/index?utm_campaign=wall_abo&amp;utm_content=premium_packshot_cover_zei&amp;utm_medium=fix&amp;utm_source=zeitde_zonpme_int&amp;wt_zmc=fix.int.zonpme.zeitde.wall_abo.premium.packshot.cover.zei\" title=\"Zur Ausgabe 14\/2025\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>                <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"volume-teaser__media-item volume-teaser__media-item--landscape\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/original__120x85.jpeg\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"86\"\/><\/p>\n<p>        Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 14\/2025. Hier k\u00f6nnen Sie die gesamte Ausgabe lesen.<\/p>\n<p>            Ausgabe entdecken<\/p>\n<p>    <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">In einem Saal dann: Riesengedr\u00e4nge vor Picassos Guernica! Genau die Sorte Museumsaction, die ich anstrengend finde. Ich biege rechtzeitig ab und merke: Dal\u00ed und ich k\u00f6nnen doch miteinander. Muchacha de espaldas hei\u00dft das Bild, &#8222;M\u00e4dchen von hinten&#8220;; und das M\u00e4dchen, die Frau, sitzt auf einer Dachterrasse. Ich schaue ihr auf den R\u00fccken, das Kleid ist ihr von der rechten Schulter gerutscht, und an ihr vorbei f\u00e4llt der Blick auf H\u00e4user eines Dorfes, im Hintergrund ein Feld. Ich google das Bild und lese, darin steckten Symbole von Verletzlichkeit und turbulenten Emotionen. F\u00fchle ich null. Stattdessen m\u00f6chte ich der Frau ein Glas Ros\u00e9 mit Eisw\u00fcrfeln darin reichen und sagen, dass das Abendessen gleich fertig ist.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Nach unverhofften vier Stunden im Reina Sof\u00eda h\u00e4nge ich das Museo Thyssen-Bornemisza hintendran, gelegen in einem ehemaligen Palast der Herz\u00f6ge von Villahermosa. Da h\u00e4ngen Lieblingsst\u00fccke dieser Thyssens, quer durch die Epochen. Das ist nett f\u00fcr einen wie mich. Am l\u00e4ngsten stehe ich vor Stra\u00dfenszenebildern des US-Amerikaners Richard Estes: ein Burger-Imbiss an einer H\u00e4userecke, parkende Autos in San Franciscos Chinatown, alles so bunt wie in echt, aber vielleicht noch leuchtender. Finde ich zwar wirklich beeindruckend, verstehe aber nicht: Wenn schon so fotorealistisch malen, warum nicht gleich knipsen? Geht es darum, Pinsel und Auge und Realit\u00e4t so dicht wie m\u00f6glich zusammenzubringen? Oder ist da doch eine Spannung zwischen der Welt drau\u00dfen und der auf den Bildern, die ich nur nicht sehe?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Mein Favorit hier ist Die Kornernte von L\u00e9on-Augustin Lhermitte, auch wenn da nicht viel passiert: Drei M\u00e4nner m\u00e4hen Getreide, der vordere sch\u00e4rft seine Klinge nach. Es sieht warm aus, nach Ruhe, und als kribbele der Staub vom Korn trocken in der Nase. K\u00e4me ich in dieses Bild hinein, vielleicht w\u00fcrde ich erst eine Weile zuschauen. Und dann n\u00e4hme ich eine Sense und arbeitete mit, um ein Teil dieses steten Rhythmus zu werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inhalt Auf einer Seite lesen Inhalt Seite 1Kunst der Stunde Seite 2\u00dcppige Beute f\u00fcr den Kopf Am sechsten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15085,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,29,3001,214,553,30,10278,1794,10277,10279,215,631],"class_list":{"0":"post-15084","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-deutschland","10":"tag-entdecken","11":"tag-entertainment","12":"tag-familie","13":"tag-germany","14":"tag-kulturbetrieb","15":"tag-kunst-und-design","16":"tag-madrid","17":"tag-sehenswuerdigkeit","18":"tag-unterhaltung","19":"tag-urlaub"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114301226381008393","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15084","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15084"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15084\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15085"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15084"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15084"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15084"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}