{"id":152108,"date":"2025-05-30T17:55:09","date_gmt":"2025-05-30T17:55:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/152108\/"},"modified":"2025-05-30T17:55:09","modified_gmt":"2025-05-30T17:55:09","slug":"nsu-dokumentationszentrum-in-chemnitz-eroeffnet-erinnern-aufklaeren-verantwortung-uebernehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/152108\/","title":{"rendered":"NSU-Dokumentationszentrum in Chemnitz er\u00f6ffnet: Erinnern, aufkl\u00e4ren, Verantwortung \u00fcbernehmen"},"content":{"rendered":"<p>Lange Zeit ist die Terrorgefahr von deutschen Beh\u00f6rden nicht erkannt worden: Der rechtsradikale, terroristische &#8222;Nationalsozialistische Untergrund (NSU)&#8220; t\u00f6tete zehn Menschen. Das letzte Opfer starb 2007, vor fast 20 Jahren. Der Polizei wurde Versagen vorgeworfen.<\/p>\n<p>Nun ist in Chemnitz das bundesweit erste NSU-Dokumentationszentrum er\u00f6ffnet worden. Ein weiteres NSU-Dokumentationszentrum sieht der Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung in N\u00fcrnberg vor. Dort hatte es drei NSU-Opfer gegeben.<\/p>\n<p>Das Zentrum in Chemnitz nimmt vor allem die Opfer und ihre Angeh\u00f6rigen in den Blick. In den Vitrinen liegen einige pers\u00f6nliche Gegenst\u00e4nde der Ermordeten, die die Familien dem Zentrum geliehen haben. Darunter ist auch die Armbanduhr des NSU-Opfers Mehmet Kubasik, die zum Todeszeitpunkt stehenblieb.<\/p>\n<p>Angeh\u00f6rige: Doku-Zentrum zu NSU-Terror \u00fcberf\u00e4llig<\/p>\n<p>F\u00fcr seine Tochter Gamze Kubasik ist ein Dokumentationszentrum l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig. Chemnitz sei nicht irgendein Ort, sagt sie. Der NSU habe sich \u00fcber Jahre hinweg in dieser Stadt versteckt, er sei dort gedeckt worden. Die Aufarbeitung dieser Tatsachen und dieser Zeit sei deshalb vor allem auch eine Frage der gesellschaftlichen Verantwortung.<\/p>\n<p>Die Er\u00f6ffnung des NSU-Dokumentationszentrums mitten in der Kulturhauptstadt Europas 2025 sei ein kraftvolles, aber auch widerspr\u00fcchliches Zeichen, sagt Gamze Kubasik, deren Vater 2006 in Dortmund vom NSU ermordet wurde. Es solle ein Ort sein, an dem nicht nur erinnert wird, sondern auch einer, an dem Angeh\u00f6rige geh\u00f6rt und ihre Geschichten erz\u00e4hlt werden. Kubasik betont: &#8222;Wir m\u00fcssen selbst sprechen, selbst gestalten, selbst entscheiden k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p>Der \u00dcberlebende des Nagelbombenanschlags des NSU 2004 in K\u00f6ln, Abdulla \u00d6zkan, sagt: &#8222;Wir werden geh\u00f6rt, zumindest hier.&#8220; Das Zentrum sei wichtig f\u00fcr alle betroffenen Familien. &#8222;Wir k\u00e4mpfen noch immer f\u00fcr Anerkennung, oft bleiben wir allein&#8220;, sagt \u00d6zkan. Dieser Ort in Chemnitz sei nicht nur ein Mahnmal, sondern auch ein &#8222;Auftrag f\u00fcr die Zukunft&#8220;. Die Angeh\u00f6rigen verbinden \u00d6zkan zufolge mit dem neuen Zentrum die Hoffnung, dass es &#8222;ein Ort des Lernens, der Heilung und der Gerechtigkeit&#8220; wird.<\/p>\n<p>Angeh\u00f6rige der Opfer wurden nicht erst genommen<\/p>\n<p>Bis zur sogenannten Selbstenttarnung des NSU wurden die Angeh\u00f6rigen der Opfer durch Strafverfolgungsbeh\u00f6rden, Verwaltung und Politik, aber auch von Teilen der Medien nicht ernst genommen, sondern meist allein gelassen oder sogar verd\u00e4chtigt, selbst in die Mordtaten und Anschl\u00e4ge verwickelt zu sein.<\/p>\n<p>Die Ombudsfrau der Bundesregierung f\u00fcr die Opfer und Betroffenen des NSU, Barbara John, fordert f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen der Opfer ein Schadens- und Leidensgeld. &#8222;Das muss nachgeholt werden&#8220;, sagt John. Erinnerungspolitik sei nicht genug. Es m\u00fcsse vor allem auch gefragt werden, was die \u00dcberlebenden und Angeh\u00f6rigen brauchen. &#8222;Die Betroffenen leben in einer anderen Wirklichkeit. Sie haben eine Zeit durchlebt, von der wir alle gar keine Vorstellung haben&#8220;, sagt John.<\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung, Thomas Kr\u00fcger, sieht mit Blick auf den NSU eine &#8222;kapitale Bildungsaufgabe&#8220;. Die nachwachsende Generation k\u00f6nne mit den drei Buchstaben NSU nichts anfangen, sagt er. Sachsens Ministerin f\u00fcr Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Petra K\u00f6pping (SPD), sagt, dass dieses Zentrum in Chemnitz eine Zukunft haben m\u00fcsse. Mittel daf\u00fcr seien im Landeshaushalt eingestellt.<\/p>\n<p>Die Chemnitzer Sozial- und Kulturb\u00fcrgermeisterin, Dagmar Ruscheinsky (parteilos), sagt: &#8222;Ein Besuch des Zentrums sollte f\u00fcr die Bildungseinrichtungen und die Region fest im Programm und im Lehrplan eingebaut werden.&#8220; Die Auseinandersetzung mit Geschichte sei wichtig, gerade dann, wenn es schmerzhaft sei. &#8222;Wir er\u00f6ffnen heute ein Labor&#8220;, sagt sie. Es sei der Anfang f\u00fcr ein bundesweites Verbundsystem.<\/p>\n<p>NSU-Komplex bis heute nicht aufgekl\u00e4rt<\/p>\n<p>Zwischen 2000 und 2007 ermordeten die Neonazis des &#8222;Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU)&#8220; zehn Menschen. Bei Sprengstoffanschl\u00e4gen und Raub\u00fcberf\u00e4llen wurden viele weitere Menschen schwer verletzt und traumatisiert. 2011 flog der NSU durch die sogenannte Selbstenttarnung auf. Bis heute ist der NSU-Komplex nicht vollst\u00e4ndig aufgekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Das Dokumentationszentrum ist ein gemeinsames Projekt der Vereine ASA-FF, RAA Sachsen und der Initiative Offene Gesellschaft. Bund und Land investierten jeweils zwei Millionen Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Lange Zeit ist die Terrorgefahr von deutschen Beh\u00f6rden nicht erkannt worden: Der rechtsradikale, terroristische &#8222;Nationalsozialistische Untergrund (NSU)&#8220; t\u00f6tete&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":58384,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1851],"tags":[3274,2770,3364,29,548,663,3934,9485,30,13,5508,14,15,575,859,12,9486],"class_list":{"0":"post-152108","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-chemnitz","8":"tag-kirche","9":"tag-chemnitz","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europe","15":"tag-evangelisch","16":"tag-germany","17":"tag-headlines","18":"tag-journalismus","19":"tag-nachrichten","20":"tag-news","21":"tag-religion","22":"tag-sachsen","23":"tag-schlagzeilen","24":"tag-sonntagsblatt"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114598073069687552","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/152108","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=152108"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/152108\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/58384"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=152108"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=152108"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=152108"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}