{"id":152227,"date":"2025-05-30T19:01:10","date_gmt":"2025-05-30T19:01:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/152227\/"},"modified":"2025-05-30T19:01:10","modified_gmt":"2025-05-30T19:01:10","slug":"swr-bestenliste-juni-im-kuenstlerhaus-edenkoben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/152227\/","title":{"rendered":"SWR Bestenliste Juni im K\u00fcnstlerhaus Edenkoben"},"content":{"rendered":"<p>Freude des Lobs: Jutta Person, Nicola Steiner und Christoph Schr\u00f6der diskutierten im gut besuchten K\u00fcnstlerhaus Edenkoben vier Werke, die auf die vorderen Pl\u00e4tze der SWR Bestenliste im Juni gew\u00e4hlt worden sind. Auf dem Programm standen: Urszula Honeks Prosadeb\u00fct \u201eDie wei\u00dfen N\u00e4chte\u201c, Ralf Rothmanns Erz\u00e4hlband \u201eMuseum der Einsamkeit\u201c, der Roman \u201eFr\u00fchlingsnacht\u201c von Tarjei Vesaas und Nell Zinks Roman \u201eSister Europe\u201c.<\/p>\n<p>Selten war die Stimmung der Jury-Runde so heiter, selbst wenn oder gerade weil die besprochenen Texte oft vom Sterben handeln. In Urszula Honeks \u201eDie wei\u00dfen N\u00e4chte\u201c (Suhrkamp) lauert der Tod an jeder Ecke. Die polnische Autorin, die vor allem als Lyrikerin bekannt ist, l\u00e4sst in ihrem Prosadeb\u00fct dreizehn Einzelgeschichten in einem Dorf am Rand der Beskiden spielen und verwebt sie zu einem Romanmosaik, in dem Zeiten, Epochen und Figurenperspektiven st\u00e4ndig wechseln. Schwebende Prosa, urteilte die Jury, ein Buch als literarisches Versprechen.<\/p>\n<p>Auch im Dissens wird an diesem Abend viel gelacht. Worin zeigen sich die literarischen St\u00e4rken der neuen Erz\u00e4hlungen von Ralf Rothmann? \u201eDas Museum der Einsamkeit\u201c (Suhrkamp) beschreibt existentielle Krisen in Lebensl\u00e4ufen und die Suche der Figuren nach verlorener W\u00fcrde. Ist die Prosa in den Passagen mit 50er-Jahre-Patina \u201e\u00fcberorchestriert\u201c, wie Jutta Person meint, oder sind gerade die Geschichten aus dem Arbeitermilieu der alten Bundesrepublik authentisch und lebensnah, wie Nicola Steiner argumentiert? Die scharfe Kritik, die der beim Publikum beliebte Schriftsteller zuweilen im Feuilleton einstecken muss, erkl\u00e4rt sich Christoph Schr\u00f6der mit der Verachtung der bildungsb\u00fcrgerlichen Elite gegen\u00fcber einer nichtakademischen Literaturposition.<\/p>\n<p>So d\u00fcster wie skurril ist auch die Handlung im Roman \u201eFr\u00fchlingsnacht\u201c des norwegischen Autors Tarjei Vesaas, den die Jury unisono als Meisterwerk feierte. Ein Geschwisterpaar ist zum ersten Mal allein daheim, die Eltern sind \u00fcber Nacht verreist. Pl\u00f6tzlich steht eine Gruppe fremder Leute vor der T\u00fcr und bittet um Einlass. Ein Kind wird geboren, ein Mensch stirbt und ein Junge wird erwachsen. Ein zeitlos sch\u00f6nes Buch, hie\u00df es in der Diskussion.<\/p>\n<p>Hochaktuell ist hingegen Nell Zinks dialogschnelle Satire auf Identit\u00e4tsdebatten und den hiesigen Kulturbetrieb. \u201eSister Europe\u201c schildert eine Zufallsgemeinschaft in Berlin, die eine Literaturpreisverleihung besucht, parlierend durch die Hauptstadt zieht und schlie\u00dflich in einem modernistischen, nahezu sprichw\u00f6rtlichen Glashaus landet. Aber tritt das brillante Diskurstheater in der Mitte des Romans auf der Stelle, wie Christoph Schr\u00f6der meint? Jutta Person und Nicola Steiner verweisen auf die gewitzte Verschr\u00e4nkung von Hochkultur und Trash, die sich zu einer Feier der Narration entwickeln w\u00fcrde, in der es immer neue Erz\u00e4hlschichten und Verweise zu entdecken gelte.<\/p>\n<p>Aus den vier B\u00fcchern lasen Antje Keil und Johannes W\u00f6rdemann. Durch den Abend f\u00fchrte Carsten Otte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Freude des Lobs: Jutta Person, Nicola Steiner und Christoph Schr\u00f6der diskutierten im gut besuchten K\u00fcnstlerhaus Edenkoben vier Werke,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":152228,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-152227","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114598332619105908","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/152227","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=152227"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/152227\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/152228"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=152227"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=152227"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=152227"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}