{"id":152738,"date":"2025-05-30T23:39:18","date_gmt":"2025-05-30T23:39:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/152738\/"},"modified":"2025-05-30T23:39:18","modified_gmt":"2025-05-30T23:39:18","slug":"china-verliert-investoren-europas-firmen-kehren-heim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/152738\/","title":{"rendered":"China verliert Investoren: Europas Firmen kehren heim"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/China-Europas-Firmen-kehren-heim.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-350578 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/China-Europas-Firmen-kehren-heim.jpg\" alt=\"China Europas Firmen kehren heim\" width=\"828\"\/><\/a>Foto: Freepick.com<\/p>\n<p>Europ\u00e4ische Unternehmen kehren China den R\u00fccken. Die neue Studie der Handelskammer zeigt: Der R\u00fcckzug beschleunigt sich \u2013 und f\u00fchrt \u00fcberraschend zur\u00fcck nach Europa.<\/p>\n<p>China: Europas Firmen verlassen das Land<\/p>\n<p>Immer mehr europ\u00e4ische Unternehmen kehren China den R\u00fccken. Was einst als Markt mit unbegrenztem Potenzial galt, gilt heute als geopolitisches Risiko. Die Richtung der Kapitalstr\u00f6me hat sich ver\u00e4ndert. Nicht mehr S\u00fcdostasien oder Mexiko profitieren vom R\u00fcckzug, sondern Europa selbst. Diese R\u00fcckverlagerung ist kein Nebeneffekt, sondern das zentrale Signal der <a href=\"https:\/\/europeanchamber.oss-cn-beijing.aliyuncs.com\/upload\/documents\/documents\/European_Chamber_Business_Confidence_Survey_2025%5B1278%5D.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aktuellen<\/a> Business Confidence Studie der Europ\u00e4ischen Handelskammer in China.<\/p>\n<p>Peking versucht gegenzusteuern. Im Februar legte der Staatsrat ein neues Ma\u00dfnahmenpaket vor, um angesichts der ver\u00e4nderten globalen Lage und der neuen US-Regierung verlorenes Vertrauen zur\u00fcckzugewinnen. Doch die Wirkung bleibt aus. 2024 hatten internationale Investoren dem Land bereits in gro\u00dfem Umfang den R\u00fccken gekehrt. Der <a href=\"https:\/\/www.rieti.go.jp\/en\/china\/24101601.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Netto-Abfluss<\/a> ausl\u00e4ndischer Direktinvestitionen lag allein im ersten Halbjahr bei 4,3 Milliarden US-Dollar. F\u00fcr das laufende Jahr liegen noch keine endg\u00fcltigen Zahlen vor. Doch schon jetzt ist klar: Der Trend setzt sich fort \u2013 nicht trotz, sondern wegen der j\u00fcngsten politischen Signale aus Peking.<\/p>\n<p>China verliert an wirtschaftlicher Strahlkraft<\/p>\n<p>Die Stimmung der Unternehmen in China verschlechtert sich weiter. In der j\u00e4hrlichen Umfrage der Europ\u00e4ischen Handelskammer gaben 73 Prozent der befragten Firmen an, dass sich das Gesch\u00e4ftsumfeld im vergangenen Jahr verschlechtert habe. Es ist der vierte Rekordwert in Folge. Und die Unternehmen erwarten nicht, dass sich das Klima in absehbarer Zukunft aufhellt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/finanzmarktwelt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/BCS-2025-Fig-I-China.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-350574 size-large\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/BCS-2025-Fig-I-China-1024x473.png\" alt=\"China \" width=\"640\" height=\"296\"  \/><\/a><\/p>\n<p>Die schleppende wirtschaftliche Entwicklung schl\u00e4gt sich in schlechteren Ums\u00e4tzen der Unternehmen wieder. In sieben von zehn Branchen liegt die EBIT-Marge inzwischen unter dem globalen Durchschnitt. Besonders hart trifft es den Einzelhandel, die Medizintechnik und professionelle Dienstleistungen. Also in genau den Bereichen, in denen die chinesische Wirtschaft Schw\u00e4che zeigt. Im Konsum, der in die Gesundheitsbranche durchschl\u00e4gt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/BCS-2025-Fig-VI-China.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-350575 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/BCS-2025-Fig-VI-China.png\" alt=\"BCS 2025 Fig VI China\" width=\"1165\" height=\"489\"  \/><\/a><\/p>\n<p>Dagegen liefern die Branchen, die im weiteren Sinne mit dem Export besch\u00e4ftigt sind, weiter Gewinne. Also Logistik und alles, was mit Schifffahrt zu tun hat. Doch auch hier basiert der Erfolg weniger auf chinesischer Nachfrage als auf internationalen St\u00f6rungen der Lieferketten, etwa im Roten Meer.<\/p>\n<p>Standort China verliert strategisch an Boden<\/p>\n<p>Was bleibt, ist Unsicherheit. Nur zw\u00f6lf Prozent der befragten Unternehmen zeigen sich zuversichtlich, k\u00fcnftig in China steigende Gewinne zu erzielen. Noch vor vier Jahren lag dieser Wert bei fast f\u00fcnfzig Prozent. Die gro\u00dfe Ern\u00fcchterung hat eingesetzt, doch sie ist kein Ergebnis pl\u00f6tzlicher Ereignisse, sondern gewachsener Erfahrungen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/BCS-2025-Fig-VIII-Pessimismus-China.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-350576 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/BCS-2025-Fig-VIII-Pessimismus-China.png\" alt=\"BCS 2025 Fig VIII Pessimismus China\" width=\"946\" height=\"520\"  \/><\/a><\/p>\n<p>Ein zunehmend dominierender Faktor ist die Politisierung des Wirtschaftsumfelds. \u00dcber die H\u00e4lfte der Unternehmen gibt an, dass sich der politische Einfluss auf ihr Gesch\u00e4ft versch\u00e4rft hat. Gemeint ist nicht nur der Druck chinesischer Beh\u00f6rden. Auch neue Auflagen aus Europa und den USA, steigende Anforderungen im Bereich ESG, Exportkontrollen und die Eskalation von Handelskonflikten wirken sich aus. Hinzu kommen Erwartungen von Kunden, die in vielen F\u00e4llen selbst politisiert sind.<br \/>Diese Gemengelage f\u00fchrt dazu, dass Investitionen nicht mehr verschoben, sondern gestrichen werden. Bereits siebzehn Prozent der Unternehmen haben Projekte aus China abgezogen. Weitere sechzehn Prozent planen konkrete Schritte.<\/p>\n<p>Unternehmen kehren \u00fcberraschend nach Europa heim<\/p>\n<p>Erstmals ist Europa das bevorzugte Ziel der Reinvestitionen. Das markiert einen deutlichen Bruch mit dem bisherigen Verhalten. In den vergangenen Jahren hatten sich Unternehmen, die sich von China abwandten, meist in andere asiatische M\u00e4rkte orientiert. ASEAN-Staaten, Indien, manchmal auch Mexiko.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/BCS-2025-Fig-48-China-ASEAN.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-350577 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/BCS-2025-Fig-48-China-ASEAN.png\" alt=\"BCS 2025 Fig 48 China ASEAN\" width=\"922\" height=\"415\"  \/><\/a><\/p>\n<p>Nun kehren sie zur\u00fcck. Nicht mehr S\u00fcdostasien, sondern Europa. Das ist keine taktische Zwischenl\u00f6sung, sondern eine strategische Neubewertung. Der Grund daf\u00fcr liegt nicht in besseren Standortbedingungen. Sondern in einem fundamentalen Bed\u00fcrfnis: Berechenbarkeit.<\/p>\n<p>Was bislang als Schw\u00e4che Europas galt \u2013 seine Regulierungsdichte, seine Langsamkeit, seine B\u00fcrokratie \u2013 wird nun als Stabilit\u00e4tsfaktor gesch\u00e4tzt. Die Unternehmen entscheiden sich nicht f\u00fcr Wachstumsfantasien. Sie entscheiden sich f\u00fcr Rechtssicherheit, f\u00fcr Planbarkeit, f\u00fcr politische Verl\u00e4sslichkeit. Und sie tun das ganz bewusst gegen China.<\/p>\n<p>Ausl\u00e4ndische Unternehmen setzen immer mehr auf die sogenannte Silobildung, um sowohl ihre chinesischen als auch ihre internationalen Gesch\u00e4fte zu sch\u00fctzen. Es werden Brandmauern eingef\u00fchrt. Sie trennen ihre China-Aktivit\u00e4ten organisatorisch vom globalen Gesch\u00e4ft. In manchen F\u00e4llen wird sogar auf separate IT-Systeme und Produktlinien umgestellt. Diese Strategie bedeutet h\u00f6here Kosten, geringere Synergieeffekte und eine Schw\u00e4chung der globalen Innovationskraft. Doch viele Unternehmen sehen darin die einzige M\u00f6glichkeit, sich auf Schockwellen zwischen den Anforderungen des chinesischen Marktes und der internationalen Politik vorzubereiten.<\/p>\n<p>Gr\u00fcne Strategie endet am Schreibtisch<\/p>\n<p>Auch bei einem anderen Thema zeigt sich die neue Zur\u00fcckhaltung. Klimaziele, die f\u00fcr europ\u00e4ische Unternehmen inzwischen Standard sind, verlieren in China an Priorit\u00e4t. Der Anteil der Firmen, die in China keine CO\u2082-Neutralit\u00e4t anstreben, ist gestiegen. Der Grund liegt selten im fehlenden Willen, sondern fast immer in der Umsetzung. Unklare Vorgaben, mangelnde Anreize und widerspr\u00fcchliche Zust\u00e4ndigkeiten blockieren Investitionen in gr\u00fcne Technologien. Dies ist eine interessante Entwicklung. Denn insgesamt zeigt sich, dass sich der CO\u2082-Aussto\u00df Chinas vermindert. An diesen Aussagen zeigt sich, dass hier China noch viel Potential hat, seine Wirtschaft klimavertr\u00e4glicher zu machen.<\/p>\n<p>Die wirtschaftspolitischen Konsequenzen dieser Entwicklungen zeigen sich bereits heute. Nur 38 Prozent der Unternehmen planen eine Expansion in China. Gleichzeitig setzen 52 Prozent auf Kostensenkung, vor allem durch Personalabbau. Besonders kleine und mittlere Unternehmen sind betroffen. Sie waren lange Zeit die Br\u00fcckenbauer zwischen China und Europa. Heute sind sie die ersten, die sich zur\u00fcckziehen.<\/p>\n<p>Wie seit Jahrzehnten bleibt es bei den Versprechen Chinas, Reformen durchzuf\u00fchren und sich zu \u00f6ffnen. Doch in der Realit\u00e4t bleibt vieles Ank\u00fcndigung. Laut Umfrage w\u00fcrden 53 Prozent der Firmen mehr investieren, wenn es echten Marktzugang g\u00e4be. Aber ein Drittel glaubt nicht mehr daran, dass dies noch geschehen wird. Der Rest wartet auf Beweise statt Versprechen.<\/p>\n<p>Der Business Confidence Survey der Europ\u00e4ischen Handelskammer schreibt die Geschichte der letzten Jahre fort und zeigt, dass es wenig Erholung gibt. Nach der Amts\u00fcbernahme hat die Regierung in Peking weitere zaghafte Schritte zur \u00d6ffnung und zum Entfernen von Marktzugangsbarrieren angek\u00fcndigt. Die Befragung im n\u00e4chsten Jahr wird das gleiche Ergebnis zeigen, wie in den letzten Jahrzehnten auch. Die politischen H\u00fcrden bleiben hoch. Neu ist, dass sich die Unternehmen wieder heim nach Europa orientieren. Den Unkenrufen zum Trotz scheint das Unternehmensklima in den Heimatm\u00e4rkten doch nicht so schlecht zu sein, wie es berichtet wird.<\/p>\n<p><a class=\"eoc btn\" href=\"#comments\">Kommentare lesen und schreiben, hier klicken<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Foto: Freepick.com Europ\u00e4ische Unternehmen kehren China den R\u00fccken. 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