{"id":154683,"date":"2025-05-31T17:41:29","date_gmt":"2025-05-31T17:41:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/154683\/"},"modified":"2025-05-31T17:41:29","modified_gmt":"2025-05-31T17:41:29","slug":"der-wachstumsmotor-des-hafens-ist-die-bahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/154683\/","title":{"rendered":"Der Wachstumsmotor des Hafens ist die Bahn"},"content":{"rendered":"<p>In Hamburg setzen Politik und Wirtschaft darauf, dass der Bund die deutschen Schienenwege und die Hafenanbindungen deutlich ausbaut \u2013 auch deshalb, weil die G\u00fcterbahn f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften deutschen Seehafen l\u00e4ngst ein entscheidender Faktor im Wettbewerb ist.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Mit der Welt-Finanzmarktkrise der Jahre 2008 und 2009 endete im Hamburger Hafen ein Boom bei den Containerverkehren, der mehr als 30 Jahre lang angedauert hatte. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr waren und sind vielf\u00e4ltig: Die Linienf\u00fchrungen der Reedereien beg\u00fcnstigen heutzutage eher Nordseeh\u00e4fen wie Antwerpen und Rotterdam, neue Wettbewerber wie Wilhelmshaven oder Danzig nehmen Hamburg Marktanteile ab, Hamburgs einst starker Au\u00dfenhandel mit Russland brach mit dem Beginn des Ukrainekrieges komplett weg. Von den fast zehn Millionen Containereinheiten (TEU), die Deutschlands gr\u00f6\u00dfter Seehafen im Jahr 2007 umgeschlagen hat, ist Hamburg heute weit entfernt \u2013 im vergangenen Jahr verzeichnete der Hafen an den Kaikanten einen Umschlag von rund 7,8 Millionen TEU. <\/p>\n<p>Ein v\u00f6llig anderes Bild bietet dagegen die Statistik der G\u00fcterbahnverkehre im Hamburger Hafen. Speziell der Containerumschlag w\u00e4chst im langfristigen Trend. Im vergangenen Jahr wurden rund 2,6 Millionen Containereinheiten (TEU) per Bahn in den Hafen hinein- oder dort hinausbewegt. W\u00e4hrend der Pandemie im Jahr 2021 erreichte der Containertransport im Hafen einen Spitzenwert von rund 2,8 Millionen TEU. F\u00fcr das Jahr 2015 hatte Hamburgs Hafen auf der G\u00fcterbahn rund 2,3 Millionen TEU Umschlag verzeichnet. Bei den Containerverkehren mit dem Inland betrug der Bahnanteil des Hamburger Hafens 2024 rund 50,2 Prozent. Gemessen in Tonnen und \u00fcber alle Ladungsarten hinweg \u2013 also auch inklusive Masseng\u00fctern wie Kohle, Erz, Mineral\u00f6lprodukten und Getreide \u2013 hatte der Hafen im vergangenen Jahr einen Bahnanteil von 55,6 Prozent.\u00a0 <\/p>\n<p>Die Wirtschaft und die Politik in Hamburg sehen die Bahnanbindung des Hafens als strategisch entscheidend an, um k\u00fcnftiges Wachstum zu generieren. Hamburgs Lage mehr als 100 Kilometer weit im Inland, kombiniert mit dem Bahntransport, bietet die Chance, Ladung schnell und mit relativ geringem Energieverbrauch nach und von Europa zu bringen. \u201eHamburg ist der wichtigste Eisenbahnhafen Europas\u201c, sagt Malte Heyne, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Handelskammer Hamburg. \u201e\u00dcber die H\u00e4lfte aller Container wird hier per Schiene in den und aus dem Hafen transportiert \u2013 das sind mehr als in Rotterdam, Antwerpen und Bremen zusammen.\u201c <\/p>\n<p>Wie in vielen europ\u00e4ischen Staaten ist die Verkehrsinfrastruktur auch in Deutschland marode und unterfinanziert. Das vom Bundestag beschlossene, 500 Milliarden Euro umfassende Sonderverm\u00f6gen f\u00fcr die Infrastruktur weckt auch in den Hafenst\u00e4dten Hoffnungen, dass die j\u00e4hrliche Unterst\u00fctzung der H\u00e4fen durch den Bund von derzeit rund 38 Millionen Euro auf 500 Millionen Euro aufgestockt wird. \u201eWie in den gro\u00dfen internationalen Konkurrenzh\u00e4fen muss sich auch in Deutschland der Bund seiner Verantwortung stellen und ausreichende Mittel bereitstellen \u2013 insbesondere, um Hamburgs Bedeutung als strategischer Bahnhafen f\u00fcr milit\u00e4rische und sicherheitsrelevante Transporte zu st\u00e4rken\u201c, sagt Heyne.<\/p>\n<p>Der neue rot-gr\u00fcne Hamburger Senat will den G\u00fcterumschlag weiter automatisieren, die Hafenanlagen f\u00fcr die Energiewende ert\u00fcchtigen \u2013 und den Hafentransport f\u00fcr einen noch h\u00f6heren Bahnanteil weiter ausbauen, auch mithilfe des Bundes: \u201eWir sehen Hamburgs Rolle als f\u00fchrender Eisenbahnhafen ganz klar als strategischen Trumpf\u201c, schreibt die f\u00fcr den Hafen zust\u00e4ndige Wirtschaftsbeh\u00f6rde. \u201eDie Schiene ist f\u00fcr Hamburg ein Standortvorteil und der Schl\u00fcssel, um den Hafen wirtschaftlich, nachhaltig und strategisch weiterzuentwickeln.\u201c Mit dem heutigen Niveau der Bundesf\u00f6rderung sei das aber nicht m\u00f6glich. \u201eDie aktuellen Bundesmittel f\u00fcr den Hafenunterhalt stammen aus einer anderen Zeit: Die rund 38 Millionen Euro j\u00e4hrlich f\u00fcr alle K\u00fcstenl\u00e4nder \u2013 davon knapp 21 Millionen Euro f\u00fcr Hamburg \u2013 sind seit 20 Jahren nicht mehr angepasst worden\u201c, schreibt die Beh\u00f6rde. \u201eAngesichts massiver Kostensteigerungen im Bau, h\u00f6herer Anforderungen durch Digitalisierung, Klimaschutz und der wachsenden sicherheits- und energiepolitischen Rolle der Seeh\u00e4fen ist das schlicht nicht mehr ausreichend.\u201c<\/p>\n<p>Hamburg sieht den Bund auch in der Pflicht bei der Sanierung und dem Ausbau des deutschen Schienennetzes: \u201eEine z\u00fcgige und kontinuierliche Modernisierung sowie Instandhaltung der Hinterlandanbindungen im Netz der Deutschen Bahn ist eine zentrale Voraussetzung, um die Rolle des Hamburger Hafens im Schieneng\u00fcterverkehr nicht nur zu sichern, sondern weiter auszubauen.\u201c Ebenso entscheidend sei eine \u201eleistungsf\u00e4hige Gesamtinfrastruktur im Hafen selbst, um einen reibungslosen und effizienten Warenumschlag zu gew\u00e4hrleisten und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit dauerhaft zu sichern\u201c.\u00a0<\/p>\n<p>Die Handelskammer teilt diese Sicht: \u201eNotwendig sind umfassende Investitionen in Weichen, Br\u00fccken, Schnittstellen zum Fernbahnnetz sowie eine konsequente Elektrifizierung des Schienennetzes im und um den Hafen\u201c, sagt Heyne. \u201eDringend erforderlich ist auch eine weitere Ausfahrt aus dem Hamburger Hafen in das Netz der Deutschen Bahn.\u201c <\/p>\n<p>Die Hansestadt selbst investiert seit vielen Jahren in den Ausbau und in die technologische Modernisierung der Hafenbahn, um den Durchsatz auf der Schiene zu steigern \u2013 zum Beispiel in das digitale Verkehrsleitsystem der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) f\u00fcr den Schieneng\u00fcterverkehr: \u201eEs zeigt an, wo welcher Zug unterwegs ist, welche Gleise frei sind, was wohin geliefert werden soll \u2013 und das alles in Echtzeit\u201c, schreibt die Beh\u00f6rde. \u201eDer Anteil schienengebundener Transporte soll weiter gesteigert werden, unter anderem durch neue Umschlagskapazit\u00e4ten f\u00fcr den kombinierten Verkehr.\u201c<\/p>\n<p>Die Staaten in Zentral- und S\u00fcdosteuropa, ein traditionelles Zielgebiet des Hamburger Hafens bei den Inlandsverkehren, hat die Wirtschaft der Hansestadt dabei weiterhin besonders im Blick. \u201eDie Bedeutung einer direkten Anbindung an zentrale Wirtschaftsr\u00e4ume in Mittel- und Osteuropa sowie die enge Verzahnung multimodaler Verkehrstr\u00e4ger werden in Zukunft noch wichtiger werden\u201c, sagt Axel Mattern, Vorstand von Hafen Hamburg Marketing. \u201eIn Zeiten zunehmender geopolitischer Unsicherheiten ist diese Infrastruktur ein entscheidender Standortfaktor f\u00fcr krisenfeste Logistik.\u201c<\/p>\n<p><b>Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten \u00fcber die maritime Wirtschaft \u2013 \u00fcber H\u00e4fen, Schifffahrt und Werften \u2013 und \u00fcber die Anbindung des Seeverkehrs an das Inland.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Hamburg setzen Politik und Wirtschaft darauf, dass der Bund die deutschen Schienenwege und die Hafenanbindungen deutlich ausbaut&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":154684,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1826],"tags":[2227,54560,29,30,54407,693,692,54561],"class_list":{"0":"post-154683","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hamburg","8":"tag-bahnverkehr","9":"tag-container-hafen-terminals-ks","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-gueterbahnhoefe-ks","13":"tag-hafen","14":"tag-hamburg","15":"tag-seehaefen-ks"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114603680328736934","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/154683","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=154683"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/154683\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/154684"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=154683"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=154683"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=154683"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}