{"id":154832,"date":"2025-05-31T19:08:10","date_gmt":"2025-05-31T19:08:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/154832\/"},"modified":"2025-05-31T19:08:10","modified_gmt":"2025-05-31T19:08:10","slug":"yoko-ono-und-der-himmel-ueber-berlin-eine-wanderung-durch-die-stadt-zwischen-neuer-nationalgalerie-und-gropius-bau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/154832\/","title":{"rendered":"Yoko Ono und der Himmel \u00fcber Berlin &#8211; eine Wanderung durch die Stadt zwischen Neuer Nationalgalerie und Gropius-Bau"},"content":{"rendered":"<p><strong>Yoko Ono ist nicht nur die Witwe von John Lennon, sie kann auch Kunst. Und die braucht viel Platz. Gleich an drei Orten in Berlin bezaubert die noch immer neugierige 92-J\u00e4hrige und \u00fcberzeugt jene, die sie lediglich als l\u00e4stiges Lennon-Anh\u00e4ngsel abgespeichert haben.<\/strong><\/p>\n<p>Hartn\u00e4ckig h\u00e4lt sich das Ger\u00fccht, dass Yoko Ono die Frau ist, die die Beatles auseinandergebracht hat. Au\u00dferdem schlage sie als Witwe Kapital aus dem Namen ihres 1980 ermordeten Mannes John Lennon. Dabei ist &#8211; und war Yoko Ono damals bereits &#8211; in erster Linie eine eigenst\u00e4ndige K\u00fcnstlerin, Performance-Pionierin, Komponistin, Feministin und Friedensaktivistin. Seit Mitte der 1950er Jahre, lange bevor sie Lennon traf, realisierte sie ihre k\u00fcnstlerischen Visionen.<\/p>\n<p>Onos poetische Anleitungen, radikale Performances, raumf\u00fcllende Installationen, Zeichnungen, Foto- und Filmarbeiten sind hochaktuell. Davon kann man sich derzeit in Berlin in zwei Museen und auf einer riesigen Plakatwand \u00fcberzeugen. &#8222;TOUCH&#8220; &#8211; also &#8222;Ber\u00fchre&#8220; &#8211; fordert Yoko Ono auf diesem Billboard. Das Wort ist gut sichtbar an einer viel befahrenen Stra\u00dfenkreuzung in einigen Metern H\u00f6he plakatiert. Und wir fragen uns automatisch: Wann haben wir zuletzt bewusst etwas ber\u00fchrt? Wann waren wir zuletzt von etwas bewegt? <\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1748718489_826_2.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Macht Lust zu denken: &quot;Ber\u00fchren&quot; fordert Ono in Berlins Mitte an der Kreuzung Friedrichstra\u00dfe \/ Torstra\u00dfe.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1748718489_826_2.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Macht Lust zu denken: &#8222;Ber\u00fchren&#8220; fordert Ono in Berlins Mitte an der Kreuzung Friedrichstra\u00dfe \/ Torstra\u00dfe.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: n.b.k. Jens Ziehe)<\/p>\n<p>Mit dem Namen Yoko Ono und dem Titel &#8222;DREAM TOGETHER&#8220; an der Glasfassade des Museums buhlt die Neue Nationalgalerie um Aufmerksamkeit. Auch hier laden einfache Worte ein, die Vorstellungskraft anzukurbeln. Welcher Traum k\u00f6nnte gemeinsam getr\u00e4umt werden? Der vom Frieden gar? Dass er m\u00f6glich ist, daran glaubt Yoko Ono. Daf\u00fcr engagierte sie sich zusammen mit John Lennon. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend ihrer Flitterwochen 1969 protestierten sie in Amsterdam mit ihrem ber\u00fchmten &#8222;Bed-In&#8220; f\u00fcr den Weltfrieden. Das Konzept von Yoko Ono war simpel: &#8222;Wir bleiben im Bett, sieben Tage, von zehn bis zehn Uhr, und wir sprechen \u00fcber den Frieden.&#8220; Sp\u00e4ter schalteten sie ganzseitige Anzeigen in Zeitungen wie der New York Times &#8222;WAR IS OVER! IF YOU WANT IT.&#8220; Was f\u00fcr ein vielversprechender Slogan &#8211; der die Betrachtenden in dieser disruptiven Zeit jedoch eher ohnm\u00e4chtig zur\u00fccklie\u00df. Wer k\u00f6nnte heute eine solche, dringend ben\u00f6tigte Botschaft senden?<\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1748718489_176_3.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Alle warteten auf den Skandal, aber \u00fcber H\u00e4ndchenhalten ging das &quot;Bed-In&quot; nicht hinaus.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1748718489_176_3.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Alle warteten auf den Skandal, aber \u00fcber H\u00e4ndchenhalten ging das &#8222;Bed-In&#8220; nicht hinaus.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: Ruud Hoff)<\/p>\n<p>    Der Himmel<\/p>\n<p>Der Gang in die eigenen Gedanken ist das eine. Zentral ist bei Yoko Onos Kunst, dass alle mitmachen k\u00f6nnen. &#8222;Ich wollte ein unvollendetes Werk pr\u00e4sentieren, das andere erg\u00e4nzen k\u00f6nnen&#8220;, sagt sie und l\u00e4dt Dinge mit einem neuen Wert auf. In der Neuen Nationalgalerie wird das Publikum in fast allen gezeigten Arbeiten zur Partizipation animiert: Zerbrochenes Porzellan kann zusammengesetzt oder Puzzleteile zu einem Himmelsst\u00fcck zusammengef\u00fcgt werden. Der Himmel ist f\u00fcr Ono immer wieder ein Hauptakteur, er ist f\u00fcr sie der Inbegriff von Freiheit und Grenzenlosigkeit. Als Kind erlebt Yoko Ono, 1933 in Tokio geboren, verheerende Bombenangriffe in einem Bunker. &#8222;Selbst als alles um mich herum zusammenbrach, war der Himmel immer f\u00fcr mich da&#8220;, erinnert sie sich.<\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1748718490_785_7.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Der verloren wirkende &quot;Wish Tree&quot; vor der Neuen Nationalgalerie ist der Ankn\u00fcpfungspunkt zu den vielen Wunschb\u00e4umen im Gropius Bau.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1748718490_785_7.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Der verloren wirkende &#8222;Wish Tree&#8220; vor der Neuen Nationalgalerie ist der Ankn\u00fcpfungspunkt zu den vielen Wunschb\u00e4umen im Gropius Bau.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: David von Becker)<\/p>\n<p>    Das Telefon<\/p>\n<p>Der vielf\u00e4ltige Kosmos Yoko Onos breitet sich am dritten Ausstellungsort, dem Gropius Bau, in s\u00e4mtlichen kraftvollen Sph\u00e4ren aus. Die 200 Werke umfassende Schau &#8222;Yoko Ono: Music of the Mind&#8220; war bereits in London und D\u00fcsseldorf zu Gast. Jetzt macht sie Station in Berlin. Welch ein Gl\u00fcck! Anders als in D\u00fcsseldorf, wo das \u0152uvre in wenigen R\u00e4umen sehr beengt gezeigt wurde, hat die Ausstellung jetzt im gesamten ersten Stock des Museums gen\u00fcgend Platz, sich zu entfalten. <\/p>\n<p>In einem Saal l\u00e4utet ein Telefon, Yoko Ono meldet sich. An den W\u00e4nden finden sich zarte Handschriften. Die behaupten unter anderem, dass der wei\u00dfe Raum leuchtend blau sei. Sich mit allen Sinnen auf Onos subtilen Humor einzulassen, stimuliert das Kopfkino und schafft eine wundersame andere Wirklichkeit.<\/p>\n<p> Die Schuld<\/p>\n<p>Zu Yoko Onos Geschichte geh\u00f6rt auch, dass sie in London 1966 in einer ihrer Ausstellungen John Lennon kennenlernte. Zwei Jahre sp\u00e4ter wurde sie mit dem Gitarristen und S\u00e4nger der Beatles zum Liebespaar. Ono wurde zum Hassobjekt, galt als Hexe, als Frau, die L\u00fcgen verbreitet. Es gibt sogar den &#8222;Yoko-Ono-Effekt&#8220;. Darin wird Ono als Stereotyp f\u00fcr die ewig Schuld tragende Frau in die direkte Linie mit Eva und dem S\u00fcndenfall eingereiht. <\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/4-.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Riesige Pobacken beim Gehen gefilmt, unterschiedlichste Reaktionen inklusive.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/4-.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Riesige Pobacken beim Gehen gefilmt, unterschiedlichste Reaktionen inklusive.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: Filmstill Yoko Ono)<\/p>\n<p>Die Schlussfolgerung: Als Eindringling habe sie die bestehende Harmonie der Beatles gest\u00f6rt und deren Trennung verursacht. Dass das alles Kokolores ist, hat Ex-Beatles Paul McCartney inzwischen mehrfach h\u00f6chstpers\u00f6nlich in Interviews klargestellt. <\/p>\n<p>Es hilft nichts, die Konfusion bleibt. Das tut auch dem Gropius Bau bis zu einem gewissen Grad gut, selbst wochentags ist die Ausstellung angenehm besucht. F\u00fcr Irritation sorgt die Kunst von Yoko Ono bei den Besuchenden immer wieder. Beispielsweise in Form von nackten Hinterteilen, die sie 1966 filmisch festgehalten hat. Die stumme Parade von gro\u00df projizierten Hinterteilen wurde damals zensiert. Ein tolles St\u00fcck &#8211; auch heute noch herrlich voyeuristisch, sinnlich intim und gleichzeitig rebellisch. <\/p>\n<p> Die Frau  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/5.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Wer setzt wo die Schere an? Yoko Ono und ihre legend\u00e4re Performance &quot;Cut Piece&quot;.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/5.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Wer setzt wo die Schere an? Yoko Ono und ihre legend\u00e4re Performance &#8222;Cut Piece&#8220;.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: Minoru Niizuma)<\/p>\n<p>Als erste Frau wird Yoko Ono in Tokio an der Gakushuin-Universit\u00e4t zum Philosophiestudium zugelassen, kommt mit Existenzialismus, Marxismus und pazifistischen Ideen in Ber\u00fchrung. Das philosophische Denken und die pazifistische Grundhaltung sind f\u00fcr ihr Leben und Werk pr\u00e4gend. Im Hinblick auf Performance gilt sie als Wegbereiterin. Legend\u00e4r ist ihr feministisches &#8222;Cut Piece&#8220;, ein St\u00fcck, in dem sie sich 1964 die Kleidung vom K\u00f6rper schneiden l\u00e4sst, w\u00e4hrend sie regungslos auf der B\u00fchne sitzt. Fragen zu Verletzlichkeit, Entmenschlichung, aber auch Durchhalteverm\u00f6gen und Widerstandskraft kommen auf. Im Gropius Bau ist das filmisch in gleich zwei Versionen erlebbar.<\/p>\n<p>&#8222;Berlin ist der Ort, an dem die Menschen meine Kunst verstehen&#8220;, sagt Ono und f\u00fchrt die Besucher in Versuchung, kollektiv zu handeln. An neun &#8222;Wish Trees&#8220; kann das Publikum eigene Hoffnungen, Tr\u00e4ume und W\u00fcnsche heften. Alle Worte, die dort auf K\u00e4rtchen befestigt sind, kommen nach Ausstellungsende in Onos &#8222;Imagine Peace Tower&#8220;. Der befindet sich auf der isl\u00e4ndischen Insel Vi\u00f0ey, erinnert an ihren Ehemann und ihre gemeinsame Arbeit f\u00fcr den Weltfrieden. Die Idee: &#8222;Gedanken sind ansteckend. Sende sie aus. Die Botschaft wird sich schneller verbreiten, als du denkst.&#8220; Inzwischen sind \u00fcber zwei Millionen W\u00fcnsche zusammengekommen; gelesen habe sie keinen, denn, so Ono, W\u00fcnsche mache man mit sich und dem Himmel aus.<\/p>\n<p>Die Welt in Balance zu bringen, die Fragen des menschlichen Seins &#8211; das sind die Lebensthemen, denen sie unbeirrt folgt. Die Magie der Yoko Ono liegt darin, Menschen mit ihren klugen und eleganten Werken und Ideen zum L\u00e4cheln zu bringen. Gut gelaunt, mit einer Prise Nachdenklichkeit, verlassen die Besuchenden die verschiedenen Kunstorte in Berlin. Probieren Sie es mal aus.<\/p>\n<p>&#8222;Yoko Ono, Music of the Mind&#8220; bis zum 31. August, Gropius Bau, Berlin <br \/>&#8222;Yoko Ono, Dream Together&#8220; bis zum 14. September, Neue Nationalgalerie, Berlin<br \/>Billboard, n.b.k. (Neuer Berliner Kunstverein e.V.) bis zum 31. August, Stra\u00dfenkreuzung Friedrichstra\u00dfe\/ Torstra\u00dfe<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Yoko Ono ist nicht nur die Witwe von John Lennon, sie kann auch Kunst. 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