{"id":155732,"date":"2025-06-01T03:47:53","date_gmt":"2025-06-01T03:47:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/155732\/"},"modified":"2025-06-01T03:47:53","modified_gmt":"2025-06-01T03:47:53","slug":"das-wuppertaler-schauspielhaus-ein-architektonisches-gesamtkunstwerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/155732\/","title":{"rendered":"Das Wuppertaler Schauspielhaus: Ein architektonisches Gesamtkunstwerk\u00a0"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der F\u00f6rderverein des Pina Bausch Zentrums hatte ins Schauspielhaus eingeladen. Helge Lindh begr\u00fc\u00dfte als Vorstandsvorsitzender des Vereins die zahlreich erschienenen Besucher und forderte: \u201eWir m\u00fcssen Verschworene f\u00fcr das Pina Bausch Zentrum sein!\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">An diesem Abend lag der Schwerpunkt jedoch auf dem 1966 er\u00f6ffneten Schauspielhaus. Entstehung, architektonische und politische Bedeutung des Geb\u00e4udes standen im Mittelpunkt. Auf kurze einleitende Worte von Vorstandsmitglied Thilo Prokosch folgte ein hochinteressanter Vortrag von Marie-Charlott Schube, in dem die Theaterwissenschaftlerin deutlich machte, dass Wuppertal mit dem Schauspielhaus ein echtes architektonisches Kleinod besitze. Marie Schube ist Mitarbeiterin am Institut f\u00fcr Theaterwissenschaften der FU Berlin und arbeitete an dem dortigen Projekt Theaterbauwissen. Sie ist mit dem Werk des Architekten Gerhard Graubner bestens vertraut, denn sie schrieb ihre Doktorarbeit \u00fcber Theaterbauten nach 1945 am Beispiel Graubner. \u201eIch werde Ihnen ein Haus vorstellen, dass Sie alle wahrscheinlich gut kennen\u201c, begann Schube und zeigte als erstes ein Fotomotiv aus der Theaterbausammlung der TU Berlin, in deren Archiv sich auch der umfangreiche Nachlass des Architekten Graubner (1899-1970) befindet.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sie beschrieb die rege Theaterbaut\u00e4tigkeit der Nachkriegszeit und die Aufbruchstimmung, in der unmittelbar nach dem Krieg Theater neu gebaut oder wiederaufgebaut wurden. Der Architekt Graubner schuf neun Theaterbauten, die er durchaus unterschiedlich gestaltete. Schube zeigte das an Beispielen wie dem Schauspielhaus Bochum mit den angeschlossenen Kammerspielen oder dem Schauspielhaus in Trier. Der Bau des Schauspielhauses in Wuppertal erfolgte vergleichsweise sp\u00e4t. Er war au\u00dferdem der letzte, dessen Vollendung Graubner miterlebte. Das Schauspiel in Wuppertal war nach dem zweiten Weltkrieg \u2013 mit Unterbrechungen \u2013 lange Zeit in einer Interimsl\u00f6sung an der Elberfelder Bergstra\u00dfe untergebracht. Erst 1964 erfolgte der Ratsbeschluss f\u00fcr den Bau eines neuen Schauspielhauses in Elberfeld, kurz darauf begann man mit dem Bau.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zuerst habe man das Haus am Robert-Daum-Platz geplant, sich dann aber f\u00fcr das ehemalige Industriegel\u00e4nde an der Kluse entschieden \u2013 eine Lage zwischen Schwebebahn, Eisenbahn und der gerade erst ausgebauten Bundesallee. Gerhard Graubner habe diese Lage an der Wupper damals schon als Inspiration gesehen, den Bau zu einem Kulturzentrum zu erweitern, erkl\u00e4rte die Referentin. Die Bauzeit wurde eingehalten, der Bau blieb im Rahmen der veranschlagten Kosten von knapp elf Millionen D-Mark.<\/p>\n<p>Viel Platz f\u00fcr Begegnungen<br \/>bot das offene Foyer des Hauses      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Klar strukturiert behandelte Marie-Charlott Schube das Schauspielhaus aus unterschiedlichen Perspektiven. Anschaulich erg\u00e4nzt mit Fotos, stellte sie die \u00e4u\u00dferen Gestaltungselemente vor, die aus drei symmetrisch zueinander geordneten und in der H\u00f6he gestaffelten Bauk\u00f6rpern bestehen. Der gegliederte Aufbau der Geb\u00e4udek\u00f6rper l\u00e4sst von au\u00dfen deren innere Funktionen erahnen. Die Eingangshalle mit gro\u00dfem Atrium bildet das Erdgeschoss des Theaters. Das offene Foyer bot viel Platz f\u00fcr Begegnung und Kommunikation. Theaterbauten dieser Zeit sollten demokratisch sein und das in ihrer architektonischen Gestaltung und ihrer stadtr\u00e4umlichen Bedeutung repr\u00e4sentieren. Sie sollten Offenheit, Transparenz und Demokratie symbolisieren.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In Wuppertal liegt der gro\u00dfe Zuschauersaal \u2013 der schon lange nicht mehr betreten werden darf &#8211; zur\u00fcckgesetzt frei schwebend \u00fcber dem Erdgeschoss. \u201eEin Zuschauerraum wie aus dem Lehrbuch des demokratischen Theaterbaus\u201c, erkl\u00e4rte Schube. Wie beim Theater der griechischen Antike gibt es ein gro\u00dfes Halbrund mit guter Sicht von jedem Platz. Die Transparenz des urspr\u00fcnglich lichtdurchfluteten Theaterbaus zeige den demokratischen Anspruch der Zeit, sagte die Referentin. \u201eDas Theater zeigt eine moderne Festlichkeit in reduzierter \u00c4sthetik\u201c, so Schube. Graubner waren auch Gr\u00fcnfl\u00e4chen sehr wichtig. Da es diese au\u00dfen nicht gab, schuf er im Inneren zwei gro\u00dfe Gartenh\u00f6fe, die von dem Gartenarchitekten Akira Sat\u014d in japanischem Stil gestaltet wurden. Von Foyer und Wandelg\u00e4ngen umschlossen, bieten sie einen Blick ins Gr\u00fcne und sind auch f\u00fcr das Publikum begehbar. Alte Fotos zeigten Wasserbecken und -font\u00e4nen. Dass Graubner auch in der Farbgebung lokale Bez\u00fcge hergestellt habe, sei heute kaum noch erkennbar, erl\u00e4uterte Marie Schube. Wei\u00df, schwarz und \u2013 bei genauerem Hinschauen zu entdecken \u2013 gr\u00fcn habe der Architekt bewusst verwendet. So zeigen die 750 Sitze im Saal ein Petrolgr\u00fcn, das sich in den kleinen Fliesen der Toilettenr\u00e4ume wiederfindet.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Schubes Vortrag machte den Zuh\u00f6rern bewusst, dass das Wuppertaler Schauspielhaus ein einzigartiges architektonisches und zeitgeschichtliches Gesamtkunstwerk ist. Seit dem Jahr 2000 ist es als Baudenkmal anerkannt. Um es als Spielst\u00e4tte erhalten zu k\u00f6nnen, h\u00e4tte es saniert werden m\u00fcssen, 2009 wurde es jedoch geschlossen. Peter Jung k\u00fcndigte damals \u2013 kurz vor der Kommunalwahl \u2013 die baldige Sanierung an. Nur auf einer provisorischen B\u00fchne im Foyer konnte vor etwa 130 Zuschauern noch gespielt werden. Im Jahr 2013 kam das endg\u00fcltige Aus,  weil die Stadt die Sanierung nicht finanzieren konnte. Seitdem rottet das ikonische Theatergeb\u00e4ude mehr oder weniger vor sich hin. Die Natur hat bereits Teile erobert, die Toiletten befinden sich in einem desolaten Zustand.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Aus der Perspektive der Denkmalpflege stellte Florian Schrader, Abteilungsleiter des Fachbereichs Denkmalschutz und Denkmalpflege bei der Stadt Wuppertal, Schwierigkeiten und Besonderheiten vor, die es beim Erhalt und der Sanierung des Geb\u00e4udes gibt. Er wies auf den gro\u00dfartigen fr\u00fcheren Originalzustand des Hauses hin und machte auf die puristisch wirkenden, aber hochwertigen Materialien aufmerksam, die beim Bau verwendet wurden. Diese gelte es zu erhalten, auch wenn die Zeit viele Spuren hinterlassen habe. \u201eDie Risse in den Bodenplatten sind wie die Falten eines Menschen\u201c, erkl\u00e4rte Schrader und r\u00e4umte ein, dass der Erhaltungszustand des Geb\u00e4udes mehr Pflegema\u00dfnahmen brauche. Auch seien von den Nutzern \u00fcber die Jahre viele Ver\u00e4nderungen vorgenommen worden, vieles aus dem Originalbestand sei aber noch erhalten.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Im anschlie\u00dfenden Podiumsgespr\u00e4ch, moderiert durch den Bundestagsabgeordneten Helge Lindh (SPD), wurden die Fragen zu Vergangenheit und Erhalt des Geb\u00e4udes &#8211; das die Choreographin Pina Bausch als Spielst\u00e4tte besonders liebte &#8211;  wiederholt er\u00f6rtert. Auch die Zukunft als Pina Bausch Zentrum und der geplante Anbau durch ein renommiertes New Yorker Architekturb\u00fcro wurden thematisiert. \u201eDie Planungsauftr\u00e4ge sind vergeben, der Zeitplan steht\u201c, erkl\u00e4rte Bettina Milz, Koordinatorin f\u00fcr das Pina Bausch Zentrum, nahezu euphorisch. \u201eWann geht\u2019s denn endlich los?\u201c, \u201eWarum soll das Pina Bausch Zentrum erst 2032 er\u00f6ffnen?\u201c, lauteten Fragen der Besucher, f\u00fcr die nach mehr als pausenlosen zwei Stunden des Vortrags kaum noch Zeit blieb. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der F\u00f6rderverein des Pina Bausch Zentrums hatte ins Schauspielhaus eingeladen. 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