{"id":156237,"date":"2025-06-01T08:38:11","date_gmt":"2025-06-01T08:38:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/156237\/"},"modified":"2025-06-01T08:38:11","modified_gmt":"2025-06-01T08:38:11","slug":"berlin-aendert-militaerhilfe-deutschland-finanziert-ukrainische-langstreckendrohnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/156237\/","title":{"rendered":"Berlin \u00e4ndert Milit\u00e4rhilfe: Deutschland finanziert ukrainische Langstreckendrohnen"},"content":{"rendered":"<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/shutterstock_2490422903-4bfd1ec1f6c1b959.jpeg\"  width=\"4807\" height=\"2701\"  alt=\"Ukrainischer Soldat mit Smartphone in der N\u00e4he der Drohne. Krieg in der Ukraine\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"source akwa-caption__source\">(Bild:\u00a0Bumble Dee \/ <a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/ukrainian-military-man-smartphone-near-drone-2490422903\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">Shutterstock.com<\/a>)<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Deutschland \u00e4ndert seinen Kurs bei der Ukraine-Hilfe radikal. Statt Taurus-Raketen zu liefern, finanziert Berlin nun ukrainische Drohnen.<\/p>\n<p>Wenn in der Nacht \u00fcber russischem Territorium pl\u00f6tzlich \u00d6lraffinerien in Flammen stehen, stammen die eingesetzten Waffen wom\u00f6glich nicht aus westlichen Arsenalen \u2013 sondern aus ukrainischen Werkshallen.<\/p>\n<p>Mit der Entscheidung, gezielt ukrainische Langstreckenwaffen zu finanzieren, \u00e4ndert Deutschland seinen Kurs in der Milit\u00e4rhilfe f\u00fcr Kiew grundlegend. Statt weiter die risikoreiche Lieferung von Taurus-Marschflugk\u00f6rpern zu diskutieren, will Berlin nun die Produktion neuartiger Drohnensysteme in der Ukraine mitfinanzieren.<\/p>\n<p>Das am 28. Mai 2025 zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und dem ukrainischen Pr\u00e4sidenten Wolodymyr Selenskyj vereinbarte Abkommen umfasst f\u00fcnf Milliarden Euro, wovon 400 Millionen Euro gezielt in ukrainische Waffen flie\u00dfen sollen.<\/p>\n<p>BARS-Drohne: Hybrid zwischen Drohne und Marschflugk\u00f6rper<\/p>\n<p> Nach Angaben der Zeitung Die Welt konzentriert sich die deutsche Finanzierung auf zwei Hauptsysteme: die Langstreckendrohne BARS und die AN-196 Liutyi. Beide Systeme wurden von privaten ukrainischen Unternehmen entwickelt und stellen eine neue Generation kosteng\u00fcnstiger Langstreckenwaffen dar.<\/p>\n<p>Die BARS-Drohne ist als Hybrid zwischen konventioneller Drohne und Marschflugk\u00f6rper konzipiert. Technisch handelt es sich um eine Kamikaze-Drohne, die \u00e4hnlich wie ein Marschflugk\u00f6rper programmiert werden kann, aber langsamer, kosteng\u00fcnstiger und flexibler einsetzbar ist \u2013 etwa f\u00fcr pr\u00e4zise Angriffe auf hochwertige Ziele hinter den Frontlinien.<\/p>\n<p>Nach Angaben von Hartpunkt erreicht sie eine Reichweite von 700 bis 800 Kilometern und kann einen Sprengkopf von 50 bis 100 Kilogramm tragen, wie Kyiv Post berichtete. Das System kann demnach sowohl boden- als auch luftgest\u00fctzt eingesetzt werden, was seine taktische Flexibilit\u00e4t erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Wie die iranische Shahed-136 soll die BARS pr\u00e4zise milit\u00e4rische Ziele bek\u00e4mpfen k\u00f6nnen. Der ukrainische Minister f\u00fcr strategische Industrien, Herman Smetanin, erw\u00e4hnte das System erstmals \u00f6ffentlich im April 2025, Details zur Konstruktion bleiben jedoch geheim.<\/p>\n<p>AN-196 Liutyi: Die &#8222;ukrainische Shahed&#8220; mit erweiterter Reichweite<\/p>\n<p> Die AN-196 Liutyi, auch als &#8222;ukrainische Shahed&#8220; bezeichnet, wurde gezielt als Antwort auf die russischen Shahed-136-Angriffe entwickelt. Das System verf\u00fcgt nach Angaben von United24Media \u00fcber eine Reichweite von 600 Kilometern und einen k\u00fcrzlich von 50 auf 75 Kilogramm verst\u00e4rkten Sprengkopf.<\/p>\n<p>Die technischen Spezifikationen: 6,7 Meter Spannweite, 4,4 Meter L\u00e4nge und ein Startgewicht von 250 bis 300 Kilogramm. Die Drohne ist aus Glasfaser gefertigt, die mit Metallnetz verst\u00e4rkt wird, und verf\u00fcgt \u00fcber ein Doppelleitwerkstr\u00e4ger-Design mit einem Propellerantrieb am Heck. Das System verwendet konventionelle Flugzeug-Startverfahren mit festem Fahrwerk und kann von improvisierten Landebahnen wie Autobahnen starten.<\/p>\n<p>      Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/p>\n<p class=\"opt-in__description\">\n    Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externer Inhalt geladen.\n  <\/p>\n<p>        Externen Inhalt jetzt laden\n      <\/p>\n<p>Die Reichweite soll auf 2.000 Kilometer erweitert werden k\u00f6nnen \u2013 was durch erh\u00f6hte Treibstoffkapazit\u00e4t oder leichtere Sprengk\u00f6pfe erreicht werden soll. Details dazu bleiben unklar.<\/p>\n<p>Beide Systeme wurden bereits im Kampfeinsatz getestet: Die AN-196 Liutyi soll erfolgreich die Saratov-\u00d6lraffinerie \u00fcber eine Entfernung von 600 Kilometern angegriffen haben.<\/p>\n<p>Ukrainische R\u00fcstungsproduktion steigt rasant<\/p>\n<p>Die deutsche Finanzierung der beiden Waffensysteme folgt dem sogenannten &#8222;D\u00e4nischen Modell&#8220;, das bereits von anderen westlichen L\u00e4ndern praktiziert wird. D\u00e4nemark finanzierte dar\u00fcber etwa die Produktion der ukrainischen Bohdana-Haubitze.<\/p>\n<p>Die Ukraine behauptet eine drastische Steigerung ihrer Waffenproduktion seit Kriegsbeginn. Nach Angaben des ukrainischen Ministers f\u00fcr strategische Industrien, Herman Smetanin, habe das Land die Produktion von Marschflugk\u00f6rpern 2024 um das Achtfache gegen\u00fcber dem Vorjahr gesteigert, wie Kyiv Independent berichtete. Zudem sei die Produktion von Langstreckendrohnen 2024 mehr als verdoppelt worden \u2013 ein 22-facher Anstieg verglichen mit 2022.<\/p>\n<p>Laut Smetanin wurden bis Ende 2024 insgesamt 324 neue Waffentypen in der Ukraine entwickelt. Der Produktionswert habe sich demnach von neun Milliarden Dollar im Jahr 2024 auf prognostizierte 35 Milliarden Dollar f\u00fcr 2025 gesteigert. Das Wall Street Journal bezifferte den Anstieg von einer Milliarde Dollar 2022 auf 35 Milliarden Dollar \u00fcber drei Kriegsjahre.<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Selenskyj gab nach eigenen Angaben das Ziel aus, in diesem Jahr 30.000 Langstreckendrohnen und 3.000 Raketen zu produzieren. Bis November 2024 seien die ersten 100 ukrainischen Raketen hergestellt worden, berichtete Kyiv Independent. Nach Angaben Selenskyjs stammten mittlerweile \u00fcber 40 Prozent der an der Front verwendeten Waffen aus ukrainischer Produktion.<\/p>\n<p>Diese Zahlen lassen sich jedoch nicht unabh\u00e4ngig verifizieren und stammen ausschlie\u00dflich von ukrainischen Regierungsquellen.<\/p>\n<p>Dabei steht die ukrainische R\u00fcstungsproduktion vor erheblichen operativen Problemen. Das Beispiel der Bohdana-Haubitze illustriert die Schwierigkeiten: Zu Beginn des Ukrainekriegs im Februar 2022 erhielt der Hersteller nach Angaben des Wall Street Journals zun\u00e4chst den Auftrag, den einzigen Prototyp zu demontieren, um eine Erbeutung zu verhindern. Die Produktionsst\u00e4tte in der Ostukraine geriet unter russischen Beschuss, mehr als die H\u00e4lfte der Ausr\u00fcstung wurde zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Russlands R\u00fcstungsproduktion: Reserven statt voller Einsatz in der Ukraine?<\/p>\n<p> Um russischen Angriffen zu entgehen, verlagerte das Unternehmen die Produktion auf mehrere westukrainische Standorte. Diese Dezentralisierung soll nach Angaben des Herstellers sicherstellen, dass bei einem erfolgreichen Raketenangriff auf eine Anlage die anderen weiter produzieren k\u00f6nnen. Ersatzmaschinen musste die Firma selbst herstellen, da die Lieferzeiten zu lang waren. Die Produktion konnte durch diesen radikal-dezentralen Ansatz nicht nur abgesichert, sondern sogar erheblich auf jetzt 20 Einheiten pro Monat gesteigert werden.<\/p>\n<p>Auch Russlands R\u00fcstungsproduktion hat nach Einsch\u00e4tzung von Experten erheblich zugenommen. Der Raketenexperte Fabian Hoffmann vom Oslo Nuclear Project bezifferte in einem Artikel von Bulgarian Military etwa die j\u00e4hrliche russische Raketen-Produktion auf etwa 1.200 Marschflugk\u00f6rper, 400 ballistische Raketen und 6.000 Shahed-Langstreckendrohnen. Hinzu kommen Pl\u00e4ne f\u00fcr 10.000 T\u00e4uschungsdrohnen pro Jahr. Die tats\u00e4chliche Shahed-Produktion liegt mittlerweile m\u00f6glicherweise bei \u00fcber 24.000 Einheiten j\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Nach Hoffmanns Einsch\u00e4tzung setzt Russland nicht seine volle Arsenalkapazit\u00e4t in der Ukraine ein, sondern baut Reserven auf.<\/p>\n<p>Und die Aufr\u00fcstungsspirale dreht sich weiter: Deutschland verfolgt parallel zur Ukraine-Finanzierung eine eigene Langstreckenstrategie. Wie der Fachblog Augen geradeaus berichtete, vereinbarten Deutschland und Gro\u00dfbritannien die Entwicklung von &#8222;Deep Precision Strike&#8220;- Systemen mit einer Reichweite von \u00fcber 2.000 Kilometern. Diese Initiative ist Teil des &#8222;European Long Range Strike Approach&#8220; (ELSA), an dem Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Gro\u00dfbritannien und Schweden beteiligt sind.<\/p>\n<p>Das Projekt zielt darauf ab, die europ\u00e4ische Abh\u00e4ngigkeit von US-Waffensystemen zu verringern. Die geplanten Systeme sollen sowohl land- als auch seegest\u00fctzt entwickelt werden und deutlich weiterreichen als der deutsche Taurus-Marschflugk\u00f6rper mit seinen 500 bis 600 Kilometern Reichweite.<\/p>\n<p>Fazit: Vermeidung direkter Kriegsbeteiligung \u2013 aber weitere Verstrickung<\/p>\n<p>Die deutsche Finanzierung ukrainischer Langstreckenwaffen-Produktion bietet Berlin einen vermeintlichen Vorteil gegen\u00fcber der direkten Lieferung eigener Systeme wie dem Taurus: Deutschland vermeidet die Bereitstellung von Zielkoordinaten und anderen operativen Unterst\u00fctzungsleistungen, die bei der Nutzung deutscher Waffen erforderlich w\u00e4ren. Damit bleibt formal eine gewisse Distanz zur direkten Kriegsbeteiligung gewahrt.<\/p>\n<p>Gleichzeitig erm\u00f6glicht das &#8222;D\u00e4nische Modell&#8220; eine kosteneffiziente Unterst\u00fctzung: F\u00fcr 400 Millionen Euro erh\u00e4lt die Ukraine deutlich mehr Langstreckenwaffen, als Deutschland aus eigenen Best\u00e4nden liefern k\u00f6nnte. Die ukrainischen Systeme BARS und AN-196 Liutyi erreichen teilweise sogar gr\u00f6\u00dfere Reichweiten als der deutsche Taurus.<\/p>\n<p>Dennoch verstrickt sich Deutschland mit diesem Abkommen weiter in den Konflikt. Die direkte Finanzierung von Waffenproduktion f\u00fcr den Einsatz gegen russische Ziele stellt eine Eskalation der deutschen Beteiligung dar. W\u00e4hrend Berlin bereits Kampfpanzer und andere Waffensysteme lieferte, investiert es nun gezielt in offensive Langstreckenkapazit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Die deutsche R\u00fcstungshilfe tr\u00e4gt zu einer sich beschleunigenden R\u00fcstungsspirale bei: Geopolitische Spannungen zwischen einer osterweiterten NATO und Russland f\u00fchren zu wechselseitiger Aufr\u00fcstung, die jeweils weitere Reaktionen der Gegenseite provoziert \u2013 ein Teufelskreis, der eine diplomatische L\u00f6sung des Konflikts in immer weitere Ferne r\u00fccken l\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"(Bild:\u00a0Bumble Dee \/ Shutterstock.com) Deutschland \u00e4ndert seinen Kurs bei der Ukraine-Hilfe radikal. 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