{"id":158378,"date":"2025-06-02T04:25:09","date_gmt":"2025-06-02T04:25:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/158378\/"},"modified":"2025-06-02T04:25:09","modified_gmt":"2025-06-02T04:25:09","slug":"kopf-an-kopf-rennen-entschieden-eu-skeptiker-nawrocki-gewinnt-polnische-praesidentschaftswahl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/158378\/","title":{"rendered":"Kopf-an-Kopf-Rennen entschieden: EU-Skeptiker Nawrocki gewinnt polnische Pr\u00e4sidentschaftswahl"},"content":{"rendered":"<p>                    Kopf-an-Kopf-Rennen entschieden<br \/>\n                EU-Skeptiker Nawrocki gewinnt polnische Pr\u00e4sidentschaftswahl<\/p>\n<p>\t\t\t\t              02.06.2025, 05:39 Uhr<\/p>\n<p><strong>Am Ende einer langen Nacht steht der Wahlsieger in Polen fest: Polnische Medien erkl\u00e4ren den Nationalisten Karol Nawrocki zum Sieger der Stichwahl um das Pr\u00e4sidentenamt. F\u00fcr Deutschland, die Ukraine und die EU k\u00f6nnte der Politiker zum Problem werden.<\/strong><\/p>\n<p>Der rechtskonservative Kandidat Karol Nawrocki hat die Pr\u00e4sidentenwahl in Polen knapp f\u00fcr sich entschieden. Gro\u00dfe polnische Medien wie die Zeitung &#8222;Rzeczpospolita&#8220; und das Internetportal &#8222;Onet.pl&#8220; riefen ihn am fr\u00fchen Morgen zum Sieger aus. Sie st\u00fctzen sich auf die Ausz\u00e4hlung von mehr als 99 Prozent der Stimmen durch die Wahlkommission. Der Sieg des 42-j\u00e4hrigen EU-Skeptikers l\u00e4sst Ver\u00e4nderungen am au\u00dfen- und innenpolitischen Kurs des Nachbarlandes erwarten, das in der Europ\u00e4ischen Union und der Nato eine wichtige Rolle spielt.<\/p>\n<p>Nawrocki ist ein politisch unerfahrener Historiker. Den Zahlen zufolge entfielen in der Stichwahl knapp 51 Prozent der Stimmen auf ihn. Sein Gegenkandidat, der proeurop\u00e4isch eingestellte Warschauer Oberb\u00fcrgermeister Rafal Trzaskowski, kam auf etwas mehr als 49 Prozent. Ein offizielles Endergebnis der Wahlkommission wird erst f\u00fcr heute Abend erwartet.<\/p>\n<p>Erfolgreiche Revanche der PiS<\/p>\n<p>Nawrocki ist offiziell parteilos, trat aber als Kandidat der rechtskonservativen PiS an, Polens gr\u00f6\u00dfter Oppositionspartei. Die PiS regierte das Land von 2015 bis 2023. Sie legte die Justiz an die Kandare der Politik und lag wegen dieses Eingriffs in die Gewaltenteilung im Dauerclinch mit Br\u00fcssel.<\/p>\n<p>2023 kam ein Mitte-Links-B\u00fcndnis an die Macht: Der fr\u00fchere EU-Ratspr\u00e4sident Donald Tusk kehrte als Ministerpr\u00e4sident zur\u00fcck. Doch es blieb bei einem Dauerstreit mit Pr\u00e4sident Andrzej Duda, der ebenfalls aus der PiS stammt und nach zehn Jahren im Amt kein weiteres Mal antreten durfte. Duda bremste Tusks Reformpl\u00e4ne mit seinem starken Vetorecht. Regierungschef Tusk hoffte, mit dem liberal eingestellten Trzaskowski an der Staatsspitze diese Blockade aufzul\u00f6sen.<\/p>\n<p>Verh\u00e4ltnis zu Berlin k\u00f6nnte schwieriger werden<\/p>\n<p>Polen ist ein wichtiger Unterst\u00fctzer der von Russland angegriffenen Ukraine. Das Land mit knapp 38 Millionen Einwohnern sieht sich auch selbst von Moskau bedroht und r\u00fcstet massiv auf. Anders als in der Slowakei, Ungarn oder Rum\u00e4nien gibt es in Polen keinen ernst zu nehmenden Politiker, der prorussische Positionen vertritt. In der wichtigsten au\u00dfenpolitischen Frage, der Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine, zogen Duda und Tusk an einem Strang. Dies k\u00f6nnte sich mit Nawrocki \u00e4ndern, der zum Beispiel gegen einen m\u00f6glichen Nato-Beitritt der Ukraine ist.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich mit Tusk als Regierungschef das Verh\u00e4ltnis zwischen Warschau und Berlin entspannte, vertritt Nawrocki eher die Deutschland-feindliche Linie der PiS. Im Wahlkampf suchte er die N\u00e4he von US-Pr\u00e4sident Donald Trump. Er erneuerte die Forderung, die Bundesrepublik m\u00fcsse Reparationen f\u00fcr die Sch\u00e4den zahlen, die Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg in Polen angerichtet habe. Von der EU will sich Nawrocki &#8211; wie er betonte &#8211; f\u00fcr Polen nichts vorschreiben lassen.<\/p>\n<p> Wahl zeigt tiefe Spaltung Polens<\/p>\n<p>Am Wahlabend sah eine erste Prognose zun\u00e4chst Trzaskowski vorn. Der 53-j\u00e4hrige Sozialwissenschaftler gab sich auch schon als Wahlsieger. Er gilt allerdings selbst in seinem politischen Lager als sehr weit links und war f\u00fcr viele W\u00e4hler in katholisch gepr\u00e4gten l\u00e4ndlichen Regionen des Landes ein rotes Tuch.<\/p>\n<p>Polen hat in den vergangenen Jahren gro\u00dfe wirtschaftliche Erfolge erzielt. Die \u00fcber Nacht eingehenden Wahlergebnisse belegen jedoch die tiefe politische Spaltung des Landes: Trzaskowski siegte demnach in gro\u00dfen St\u00e4dten wie Warschau, Krakau und Lodz, die vom Aufschwung besonders profitiert haben. In kleineren St\u00e4dten und den l\u00e4ndlichen Regionen Polens lag Nawrocki vorn.<\/p>\n<p>Ein Grund f\u00fcr die Niederlage Trzaskowskis k\u00f6nnte sein, dass das liberale und linke Lager sein W\u00e4hlerpotenzial nicht ausgesch\u00f6pft hat. Die Wahlbeteiligung lag mit 71,7 Prozent zwar gut drei Prozentpunkte h\u00f6her als bei der vorherigen Pr\u00e4sidentenwahl vor f\u00fcnf Jahren. Doch beim Sieg \u00fcber die PiS bei der Parlamentswahl 2023 hatte eine Rekordzahl von 74,4 Prozent der W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler ihre Stimme abgegeben.<\/p>\n<p>Amateurboxer und Historiker an der Staatsspitze<\/p>\n<p>&#8222;Wir werden siegen und Polen retten. Wir werden nicht zulassen, dass Donald Tusks Macht sich festigt&#8220;, sagte Nawrocki nach Bekanntgabe erster Prognosen. Er war bislang Direktor des Instituts f\u00fcr Nationales Gedenken (IPN), eine Art polnisches Pendant zur mittlerweile aufgel\u00f6sten Stasi-Unterlagen-Beh\u00f6rde in Deutschland.<\/p>\n<p>F\u00fcr Aufsehen &#8211; und Sympathien bei manchen W\u00e4hlern &#8211; sorgte immer wieder seine Vergangenheit als Amateurboxer in jungen Jahren und als T\u00fcrsteher w\u00e4hrend des Studiums in einem Luxushotel mit m\u00f6glichen Kontakten ins Rotlichtmilieu. Doch schon im ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatten Nawrocki und noch weiter rechts stehende Kandidaten zusammen eine deutliche Mehrheit erhalten.<\/p>\n<p>In Polen amtiert der Pr\u00e4sident f\u00fcnf Jahre. Das Staatsoberhaupt hat mehr Befugnisse als der Bundespr\u00e4sident in Deutschland und repr\u00e4sentiert das Land nicht nur nach au\u00dfen. Der Pr\u00e4sident hat Einfluss auf die Au\u00dfenpolitik, er ernennt den Regierungschef sowie das Kabinett und ist im Kriegsfall Oberkommandeur der polnischen Streitkr\u00e4fte. Vor allem aber kann er der Regierung mit seinem Vetorecht das Leben schwer machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kopf-an-Kopf-Rennen entschieden EU-Skeptiker Nawrocki gewinnt polnische Pr\u00e4sidentschaftswahl 02.06.2025, 05:39 Uhr Am Ende einer langen Nacht steht der Wahlsieger&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":158379,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,37829,548,663,158,3934,3935,13,14,15,50809,3917,16,12,4672],"class_list":{"0":"post-158378","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-donald-tusk","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europaeische-union","14":"tag-europe","15":"tag-european-union","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-pis-partei","20":"tag-polen","21":"tag-politik","22":"tag-schlagzeilen","23":"tag-wahlen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114611874922582942","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/158378","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=158378"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/158378\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/158379"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=158378"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=158378"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=158378"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}