{"id":159000,"date":"2025-06-02T10:18:10","date_gmt":"2025-06-02T10:18:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/159000\/"},"modified":"2025-06-02T10:18:10","modified_gmt":"2025-06-02T10:18:10","slug":"rentnerin-kaempft-mit-nebenjob-um-finanzielle-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/159000\/","title":{"rendered":"Rentnerin k\u00e4mpft mit Nebenjob um finanzielle Freiheit"},"content":{"rendered":"<p class=\"font-bold text-18 leading-17\">Mehr als 10.000 Menschen im Gro\u00dfraum M\u00fcnchen leben in Altersarmut. Der Gro\u00dfteil von ihnen sind Frauen. Eine M\u00fcnchnerin erz\u00e4hlt vom monatlichen Kampf ums \u00dcberleben.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Annette Huber (Name von der Redaktion ge\u00e4ndert) sitzt in ihrer Wohnung in Neuperlach und wei\u00df nicht, wovon sie die neue Winterjacke, die sie dringend braucht, bezahlen soll. Die heute 68-J\u00e4hrige hadert mit sich. Sie will nicht betteln, wie sie es nennt. Aber sie ben\u00f6tigt Unterst\u00fctzung. Also nimmt sie Zettel und Stift zur Hand und verfasst einen Brief. Empf\u00e4nger ist der Verein Lichtblick Seniorenhilfe. Hier hofft sie, finanzielle Unterst\u00fctzung zu bekommen.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Den Entschluss, nach Hilfe zu fragen, fasste Huber im Oktober 2020. Kurz nachdem sie sich per Brief an den Verein gewandt hatte, bekam sie einen Anruf. Nachdem sie einen Antrag auf Unterst\u00fctzung ausgef\u00fcllt hatte, erhielt sie kurz darauf das Geld f\u00fcr eine neue Winterjacke. Zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt ging dann Hubers K\u00fchlschrank kaputt. Einen neuen h\u00e4tte sie sich von ihrer sp\u00e4rlichen Rente unm\u00f6glich leisten k\u00f6nnen. Sie bat den Verein erneut um Hilfe. Der unterst\u00fctzte sie auch in diesem Fall und so konnte sich die M\u00fcnchnerin ein neues Ger\u00e4t zulegen.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">&#8222;Altersarmut ist weiblich&#8220;, sagt Christina Meyer, die f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Vereins zust\u00e4ndig ist. Der Frauenanteil der Senioren, die der Verein mit Standorten in M\u00fcnchen, Deggendorf und M\u00fcnster unterst\u00fctzt, liege bei 70 Prozent. Dadurch, dass viele von ihnen Teilzeitjobs hatten, damit sie sich um die Kinder k\u00fcmmern konnten, fehle ihnen heute ein erheblicher Teil bei der Rente.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Seit f\u00fcnf Jahren ist Annette Huber nun in Rente. Seitdem ist sie bei Lichtblick. &#8222;Die Engel ohne Fl\u00fcgel&#8220; nennt sie die Helfer des Vereins. Oft muss die 68-J\u00e4hrige im Supermarkt entscheiden, was sie gerade dringender braucht: Ist es das Deo oder ein Netz Mandarinen? Und das, obwohl Huber bereits viele Produkte im Angebot kauft. &#8222;Ich kaufe selten Fisch oder Fleisch \u2013 das ist zum Luxus geworden.&#8220; Und wenn sie doch mal Fisch haben m\u00f6chte, dann nehme sie den aus der Dose.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Die Rente der M\u00fcnchnerin wird mit der Grundsicherung aufgestockt. &#8222;Meine Rente w\u00fcrde ansonsten nicht mal f\u00fcr die Miete reichen&#8220; \u2013 und das, obwohl Huber bereits seit 41 Jahren in ihrer Wohnung in Neuperlach wohnt und einen alten Mietvertrag hat. Vom Verein bekommt die 68-J\u00e4hrige regelm\u00e4\u00dfig Unterst\u00fctzung in Form von diversen Gutscheinen, beispielsweise f\u00fcr Lebensmittel. F\u00fcr sie ist es eine &#8222;schnelle und unb\u00fcrokratische Hilfe&#8220;. Als sich Huber vor f\u00fcnf Jahren an den Verein gewandt hat, war es &#8222;eine gro\u00dfe \u00dcberwindung&#8220; f\u00fcr sie. &#8222;Man kommt sich vor wie ein Bettler und das, obwohl man sein ganzes Leben lang gearbeitet hat.&#8220;<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Lydia Staltner, Gr\u00fcnderin des Vereins, sieht die Schuld f\u00fcr das Problem bei der Politik: &#8222;Das Thema Altersarmut muss mehr in den Fokus r\u00fccken. Es fehlen kleine, bezahlbare Wohnungen.&#8220; Sie fordert eine Mindestrente in H\u00f6he von 1.500 Euro netto und dass das Wohngeld bei steigenden Mieten aufgestockt wird \u2013 &#8222;ohne dass die Leute zum Bittsteller werden m\u00fcssen&#8220;.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Im Gr\u00fcndungsjahr 2003 unterst\u00fctzte der Verein insgesamt 70 Rentnerinnen und Rentner. 2024 waren es bundesweit 31.000. Eine besorgniserregende Steigerung, gerade in den vergangenen Jahren. 2020 waren es noch rund 16.000 Hilfebed\u00fcrftige \u2013 das beutetet einen Anstieg um 94 Prozent in vier Jahren. Rund 50 neue Antr\u00e4ge gehen w\u00f6chentlich bei dem Verein ein. &#8222;Wir werden regelrecht \u00fcberrannt&#8220;, sagt Staltner.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Der &#8222;finanzielle Engpass&#8220; jeden Monat sei f\u00fcr Huber sehr belastend. &#8222;Ich bin froh, wenn der Monat geschafft ist.&#8220; Deshalb hat sie sich nun dazu entschlossen, noch einmal berufst\u00e4tig zu werden. Ein Minijob soll helfen. Damit will sich die M\u00fcnchnerin ein wenig dazuverdienen, um k\u00fcnftig am Monatsende nicht bangen zu m\u00fcssen, dass sie kein Geld mehr f\u00fcrs Essen hat. Ihr langfristiges Ziel: nicht mehr auf die Unterst\u00fctzung des Vereins angewiesen sein zu m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mehr als 10.000 Menschen im Gro\u00dfraum M\u00fcnchen leben in Altersarmut. Der Gro\u00dfteil von ihnen sind Frauen. 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