{"id":16077,"date":"2025-04-08T16:32:09","date_gmt":"2025-04-08T16:32:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/16077\/"},"modified":"2025-04-08T16:32:09","modified_gmt":"2025-04-08T16:32:09","slug":"zeitreise-in-die-1920er-jahre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/16077\/","title":{"rendered":"Zeitreise in die 1920er Jahre"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"> Allerdings sind sein Name und sein Werk anders als bei den ber\u00fchmten Kollegen mittlerweile in Vergessenheit geraten. Das wollen Autor Walter Filz und Fotohistoriker Wolfgang Vollmer mit ihrer im Greven-Verlag erschienene Monografie jetzt \u00e4ndern.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Coubillier wird 1873 im lothringischen St\u00e4dtchen Vaucouleurs an der Maas geboren. Sechs Jahre sp\u00e4ter zieht seine zwangseingedeutschte Familie mit ihren sechs Kindern nach Trier um, wo beide Eltern 1888 sterben. Im selben Jahr kommt Coubillier nach K\u00f6ln, wo sein Bruder Bildhauerei studiert. 1890 beginnt er in Deutz seine Lehre beim Fotografen Carl Scholz, wo Coubillier um 1900 sein Diplom verliehen bekommt. Im damaligen Adressbuch der Stadt findet sich der junge K\u00f6lner unweit seines Arbeitgebers wohnend unter der Berufsbezeichnung \u201eMaler\u201c wieder. <\/p>\n<p>Fotografen orientieren <br \/>sich an den Impressionisten      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die N\u00e4he zur Kunst verdankt die Fotografie in dieser Zeit dem Fortschritt der Technik, die deutlich k\u00fcrzere Belichtungszeiten erm\u00f6glicht. Damit ist Fotografieren handwerklich eigentlich kein Problem mehr &#8211; unscharfe Bilder sind nahezu ausgeschlossen. Wer dennoch mit Unsch\u00e4rfe arbeitet, nutzt diese als k\u00fcnstlerisches Ausdrucksmittel &#8211; Vorbilder gibt es in der zeitgen\u00f6ssischen Malerei des Impressionismus. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Unterst\u00fctzt wird dies auch durch die innovative Technik des Gummidrucks, die Coubillier nutzt, um bemerkenswerte K\u00f6ln-Bilder zu schaffen, die sich deutlich am Impressionismus orientieren. Das wird beim Blick des Fotografen durch das enge G\u00e4sschen Auf dem Rothenberg in Richtung der Kirche Gro\u00df St. Martin oder bei einer Ansicht der Altstadt vom Rhein aus deutlich. Wobei der Fotograf sein Bild regelrecht komponiert und ihm so eine gewisse Dynamik verleiht. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zu sehen sind im neuen Bildband Aufnahmen, die zeigen, wie K\u00f6ln vor dem Krieg aussah und wie es sich in den 1920er Jahren rasant ver\u00e4nderte. Das gilt zum Beispiel f\u00fcr den Neubau der Messe unter OB Konrad Adenauer in Deutz, das Panoramarestaurant Bastei direkt am Rhein oder das Hansa-Hochhaus, das im Stil des Backsteinexpressionismus kurzzeitig der h\u00f6chste Wolkenkratzer in Europa war. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Coubillier l\u00e4sst sich davon nicht beeindrucken. Sein Stil ist sachlich, gelassen, geradeaus und auf Augenh\u00f6he. \u201eEr sieht das, was damals jedermann sehen konnte.\u201c So wirkt das Hansa-Hochhaus eher \u201ewie ein beh\u00e4biger, harmloser Riese, der sich inmitten von umgebenden Bauten und B\u00e4umen niedergelassen hat\u201c. Fast alle Bilder wurden in der N\u00e4he der Ringe und in der Innenstadt aufgenommen, die Veedel finden nur sehr selten eine Ber\u00fccksichtigung beim Fotografen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Eines der zentralen Motive sind f\u00fcr Coubillier aber die Menschen in seiner Stadt. Die Portr\u00e4ts haben f\u00fcr den bekannten K\u00f6lner Fotografen, der ab 1906 in einem repr\u00e4sentativen Wohnhaus am Hohenstaufenring lebt und arbeitet, eine zentrale Bedeutung. Sein Atelier ist meist ausgebucht, Zeit f\u00fcr seine Stadtrundg\u00e4nge mit der gro\u00dfen Plattenkamera hat er jetzt nur noch am Wochenende &#8211; oft an den Sonntagen. <\/p>\n<p>Portr\u00e4ts mit einer sensiblen Zur\u00fcckgenommenheit      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Portr\u00e4tiert werden die geistig und finanziell bessergestellten Bildungsb\u00fcrger, die sich so pr\u00e4sentieren, wie sie sind oder wie sie sein wollen. Coubilliers Portr\u00e4ts zeichnen sich durch eine \u201esensible Zur\u00fcckgenommenheit aus, wie sie sich nur bei wenigen seiner Kollegen findet. Auf eine \u00e4u\u00dferst subtile Weise sind sie pers\u00f6nlich und privat und wirken zugleich ihrer Zeit enthoben.\u201c Der gestalterische Fokus der Aufnahmen liegt auf dem Gesicht. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zu sehen sind auch zahlreiche prominente Pers\u00f6nlichkeiten der Stadtgesellschaft wie Oberb\u00fcrgermeister Konrad Adenauer, der in Coubillier seinen Lieblingslichtbildner entdeckte. Unter den Portr\u00e4tierten finden sich aber auch Operns\u00e4ngerinnen, Erzbisch\u00f6fe und andere bekannte B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger aus K\u00f6ln. Coubillier ist ein ebenfalls angesehener B\u00fcrger, er nimmt an Wettbewerben teil, gewinnt Preise und stellt aus.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In der Portr\u00e4tfotografie spezialisiert sich Coubillier im Laufe der Jahre auf Kinder &#8211; \u201equirlige P\u00e4nz in einer beh\u00e4big alten Stadt\u201c. W\u00e4hrend seine Stadtansichten statische Bilder einer abgeschlossenen Vergangenheit sind, wirken seine Kinderbilder verbl\u00fcffend gegenw\u00e4rtig und lebendig. \u201eDie j\u00fcngsten K\u00f6lnerinnen und K\u00f6lner ihrer Zeit\u201c. Gegenw\u00e4rtig wirken die Portr\u00e4ts vor allem wegen \u201eihrer v\u00f6llig uninszenierten wirkenden, nat\u00fcrlichen Lebhaftigkeit\u201c. <\/p>\n<p>\u201eCoubillier stirbt zu fr\u00fch, <br \/>um gew\u00fcrdigt zu werden\u201c      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In der NS-Zeit beenden die Nazis auch in K\u00f6ln die Moderne. Coubilliers Umsatz bricht ein. Nur noch ambitionslose, sachliche Portr\u00e4ts finden sich bei ihm aus dieser Zeit. 1942 wird sein Wohnhaus beim sogenannten \u201e1000-Bomber-Angriff\u201c komplett zerst\u00f6rt und damit auch sein gesamtes Archiv vernichtet. Coubillier stirbt 1947 mit 73-Jahren. \u201eZu fr\u00fch, um erinnert zu werden, zu fr\u00fch, um gew\u00fcrdigt zu werden. Zu fr\u00fch, um \u00fcberhaupt wahrgenommen zu werden &#8211; als einer der bedeutendsten K\u00f6lner Fotograf des 20. Jahrhunderts\u201c, schreibt Autor Walter Filz. <\/p>\n<p class=\"italic richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Walter Filz\/Wolfgang Vollmer: Eugen Coubillier &#8211; Fotograf von K\u00f6ln 1906 -1943, Greven-Verlag, 144 Seiten, 30 Euro<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Allerdings sind sein Name und sein Werk anders als bei den ber\u00fchmten Kollegen mittlerweile in Vergessenheit geraten. 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