{"id":161055,"date":"2025-06-03T04:56:21","date_gmt":"2025-06-03T04:56:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/161055\/"},"modified":"2025-06-03T04:56:21","modified_gmt":"2025-06-03T04:56:21","slug":"leipzig-ausstellung-zeigt-die-hgb-im-nationalsozialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/161055\/","title":{"rendered":"Leipzig: Ausstellung zeigt die HGB im Nationalsozialismus"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nDie HGB, die heutige &#8222;Hochschule f\u00fcr Grafik und Buchkunst&#8220;, ist eine Institution mit einer wechselvollen Geschichte. Ihre Gr\u00fcndung geht auf das Jahr 1764 zur\u00fcck. Vieles in dieser langen Zeit ist erforscht. Aber es gibt bis heute auch Leerstellen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nBesonders, was die Zeit des Nationalsozialismus betrifft. Dass gerade in den Zeiten von politischen Umbr\u00fcchen Akten und Unterlagen bewusst vernichtet wurden und es au\u00dferdem kein kontinuierlich gef\u00fchrtes Archiv der Hochschule gibt, macht die Rekonstruktion dieser Jahre nicht gerade leicht.\n<\/p>\n<p><a name=\"Ausstellung\"><strong>Ein<\/strong><\/a><strong> White-Cube \u00fcber die braunen Jahre <\/strong><\/p>\n<p class=\"text\">\nMit der Ausstellung &#8222;1933\u20131945 HGB&#8220; will man das \u00e4ndern und pr\u00e4sentiert in der Hochschulgalerie den derzeit aktuellen Forschungsstand zu diesen Jahren. Die wei\u00dfen W\u00e4nde des Ausstellungsraums sind mit \u00fcbergro\u00dfen schwarzen Zahlenfolgen beklebt. Schnell wird klar, dass es hier um eine Chronologie des Faktischen geht.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nPassend zu den jeweiligen Jahrg\u00e4ngen haben die Ausstellungsdesigner Merle Petsch und Emil Kowalczyk die Jahrgangszahlen mit Dokumenten, Briefen, Reproduktionen und <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/leipzig\/leipzig-leipzig-land\/weltkrieg-zeitzeuge-nationalsozialismus-befreiung-colditz-100.html\" title=\"Kriegsende in Leipzig: Durch die Augen eines Kindes \" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zeitzeugenberichten<\/a> \u00fcberklebt. Dieses grafisch raffinierte, inhaltlich aufregende Vorgehen fu\u00dft auf der akribischen Forschungsarbeit von Julia Blume, die sich seit den 1990er-Jahren den Aufbau und die Pflege des Hochschularchivs zur Lebensaufgabe gemacht hat.\n<\/p>\n<p><a name=\"Beginn\"><strong>Wie<\/strong><\/a><strong> das NS-Regime in die Kunsthochschule sickert<\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Es war eine extrem internationale Hochschule, weil sie auch ein einzigartiges Profil aufgewiesen hat.<\/p>\n<p>Julia Blume, Hochschularchivarin der HGB<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nGerade in den ausgehenden 1920er- und beginnenden 1930er-Jahren genoss die Ausbildungsst\u00e4tte, die damals als &#8222;Akademie f\u00fcr grafische K\u00fcnste und <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/leipzig\/leipzig-leipzig-land\/buchstadt-themenjahr-geschichte-buchhandel-verlag-kultur-news-100.html\" title=\"Leipzig: Geschichte und Gegenwart der Buchstadt\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Buchgewerbe<\/a>&#8220; firmierte, eine weltweite Reputation. &#8222;Die Studierenden kamen nicht nur aus Deutschland und Europa, sondern auch aus den USA und sogar aus Indien&#8220;, erkl\u00e4rt Julia Blume. &#8222;Es war eine extrem internationale Hochschule, weil sie auch ein einzigartiges Profil aufgewiesen hat.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Ausbildung war weniger auf die Aus\u00fcbung der freien Malerei, als auf die Fertigkeiten ausgerichtet, die das Buchgewerbe und die polygrafische Industrie erforderten. Fachlich eine Topadresse, getragen vom b\u00fcrgerlichen Freigeist der damaligen <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/leipzig\/leipzig-leipzig-land\/ausstellung-buchstadt-leipzig-themenjahr-kultur-news-104.html\" title=\"Leipzig: 200 Jahre B\u00f6rsenverein des Deutschen Buchhandels\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Buchstadt<\/a> Nummer Eins in Deutschland, wenn nicht gar der Welt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nWas sich 1933 dann nicht \u00fcber Nacht, aber mit einer ersten Personalentscheidung langsam \u00e4ndern sollte. Der angesehene Illustrator, der k\u00fcnstlerische Verlagsleiter des Propyl\u00e4en-Verlags und Pr\u00e4sident der Internationalen <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/buchmesse\/leipzig-buch-stadt-fakten-100.html\" title=\"Leipzig \u2013 Stadt der B\u00fccher: 10 spannende Fakten \" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Buchausstellung<\/a> Hugo Steiner-Prag hatte seit 1910 eine Professur an der Akademie, war ein in der Stadt hochangesehener Mann. Aufgrund seiner j\u00fcdischen Herkunft war er der Erste, der 1933 entlassen wurde \u2013 wovon er laut Julia Blume in der Zeitung erfuhr.\n<\/p>\n<p><a name=\"Bedeutung\"><strong>Kunst<\/strong><\/a><strong> unter nationalsozialistischer Doktrin<\/strong><\/p>\n<p class=\"text\">\nEr verlie\u00df die Stadt und exilierte letztlich in die USA, wo Julia Blume im New Yorker Leo-Baeck-Institut seine Tageb\u00fccher aufsp\u00fcrte. Neben vielen lokalen eine wichtige internationale Quelle ihrer Nachforschungen. In den Jahren nach 1933 wurde der damals rein m\u00e4nnlich besetzte Leipziger Lehrk\u00f6rper vom zust\u00e4ndigen Dresdner Ministerium mit NS-genehmen Kadern umgebaut. <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ns-zeit\/polen-ueberfall-beginn-zweiter-weltkrieg100.html\" title=\"1. September 1939: Wo und wann der Zweite Weltkrieg in Wahrheit begann\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mit Kriegsbeginn 1939<\/a> lichteten sich dann die m\u00e4nnlichen Reihen. Die Front rief und forderte ihre Opfer.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nZu Beginn des Wintersemester 1944\/45 waren gerade mal noch 22 Studentinnen eingeschrieben, hat Julia Blume herausgefunden. Der Unterricht habe zwar weiterhin stattgefunden, sich aber ver\u00e4ndert, so Blume. Die Ausbildung richtete sich an den Ma\u00dfgaben der <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/wissen\/bildung\/buecher-wissenschaft-zwanzigvierundzwanzig-fotografie-und-gewalt-im-nationalsozialismus-100.html\" title=\"Fotografie und Gewalt im Nationalsozialismus\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nationalsozialistischen Kunstdoktrin<\/a> aus. Der Holzschnitt wurde zur favorisierten grafischen Technik, die Natur und das b\u00e4uerliche Leben zur bevorzugten Thematik. Im Jahr 1940 wurde in Zusammenarbeit mit der Industrie das Institut f\u00fcr Farbenfotografie gegr\u00fcndet. Hier ging es inhaltlich um die Erfassung von Denkmalen im Rahmen des &#8222;F\u00fchrerauftrags Monumentalmalerei&#8220;.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Die Hochschule lag 1945 nicht nur baulich in Tr\u00fcmmern, sondern auch von der gesamten Idee, was diese Akademieausbildung bedeutet hatte.<\/p>\n<p>Julia Blume, Hochschularchivarin der HGB<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nDie Ausstellung pr\u00e4sentiert solche bislang unbekannten Fakten, zeigt aber ganz klar noch verbliebene Leerstellen beim aktuellen Kenntnisstand auf. F\u00fcr Julia Blume kein Manko. Sie glaubt, dass die Ausstellung erste Klarheiten \u00fcber diese Zeit vermittelt und stellt eine interessante These in den Raum, wenn sie sagt: &#8222;Ich w\u00fcrde behaupten, wenn diese Akademie in den 1920ern eine international bedeutsame Schule war, dann war sie <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ns-zeit\/zweiter-weltkrieg\/1945\/kapitulation-deutschland-wehrmacht-kriegsende-sachsen-100.html\" title=\"8. Mai 1945: Bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">1945<\/a> etwas, was nicht nur baulich in Tr\u00fcmmern lag, sondern tats\u00e4chlich auch von der gesamten Idee, was diese Akademieausbildung bedeutet hatte.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die HGB, die heutige &#8222;Hochschule f\u00fcr Grafik und Buchkunst&#8220;, ist eine Institution mit einer wechselvollen Geschichte. 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