{"id":163188,"date":"2025-06-04T00:19:25","date_gmt":"2025-06-04T00:19:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/163188\/"},"modified":"2025-06-04T00:19:25","modified_gmt":"2025-06-04T00:19:25","slug":"jubilaeumsgala-im-theater-aachen-schauspieler-shehab-fatoum-ruft-zum-frieden-in-gaza-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/163188\/","title":{"rendered":"Jubil\u00e4umsgala im Theater Aachen: Schauspieler Shehab Fatoum ruft zum Frieden in Gaza auf"},"content":{"rendered":"<p>Die Intendantin des Aachener Theaters, Elena Tzavara, hatte am 15. Mai zur Festgala zum 200-j\u00e4hrigen Bestehen des Hauses geladen. Die Veranstaltung war gut besucht, Theaterfreunde, F\u00f6rderer und Pers\u00f6nlichkeiten aus Kultur und Politik lie\u00dfen sich dieses B\u00fchnenereignis nicht entgehen. In der festlichen Schau griffen das gesamte Ensemble, die S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger, der Opernchor und das Sinfonieorchester mehrfach das Thema Romeo und Julia von Shakespeare auf und spielten es in zahlreichen Varianten spektakul\u00e4r in einem bunten Feuerwerk durch. Dann kam es jedoch zu einem Eklat.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/68cef084-3e05-48cd-921a-9c1a4fc611bd\" style=\"max-height:100%\"\/>Shehab Fatoum [Photo by <a class=\"black-40 hover-black-60 no-underline\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/shehab-fatoum.com\/de\/\">Shehab Fatoum<\/a>]<\/p>\n<p>Der aus Syrien stammende Schauspieler Shehab Fatoum wich pl\u00f6tzlich vom vorgesehenen Skript ab. Eigentlich sollte er eine Passage aus Shakespeares Sommernachtstraum, \u201eZettels Traum\u201c, sprechen. Unter einer Bank liegend sollte er eines der Romeo-und-Julia-Liebespaare mit den Worten Zettels aus dem Sommernachtstraum kommentieren. Stattdessen trat er auf die B\u00fchne vor und sprach von seinem eigenen Traum, einem Traum vom Frieden. Er hielt eine bewegende Rede gegen den V\u00f6lkermord in Gaza, angelehnt an den ber\u00fchmten Friedensappell von Martin Luther King.<\/p>\n<p>Nur der erste Satz entsprach noch \u201eZettels Traum\u201c, dann folgte der Traum Fatoums:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Ich hatte einen Traum, es geht \u00fcber den Verstand zu sagen, was es f\u00fcr ein Traum war.<br \/>Ich hatte einen Traum, der Krieg in Gaza ist beendet und Frieden im Nahen Osten war echt und fair f\u00fcr alle.<br \/>Ich hatte einen Traum, Deutschland hat eine sch\u00f6ne und positive Rolle f\u00fcr den Frieden gespielt.<br \/>Ich hatte einen Traum, Sie alle waren wunderbar in meinem sch\u00f6nen Traum. Sie haben alle was ver\u00e4ndert, Ihre Perspektive ver\u00e4ndert, statt zu ignorieren, statt Waffen zu schicken in den Nahen Osten. Sie haben nicht ignoriert, wie Menschen sterben, Menschen, die Herz und Leber und Darm und sch\u00f6ne Tr\u00e4ume wie Sie haben.<\/p>\n<p>Ich habe einen Traum gehabt, da war es unm\u00f6glich, unerlaubt im Mittelmeer, im Internationalen Wasser Hilfsschiffe anzugreifen und zu schie\u00dfen, nur weil sie Hilfsg\u00fcter und Nahrungsmittel schicken nach Gaza. Ich hatte einen Traum, wir waren alle gleich. Ich hatte einen Traum, es gab keinen Rassismus.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>In einer Stellungnahme gegen\u00fcber der Aachener Zeitung, betonte der Schauspieler, er habe selbst erlebt, was Krieg bedeute, und die Verantwortung gesp\u00fcrt, sich zu \u00e4u\u00dfern: \u201eIn einer Gala, wo viele Menschen mit Einfluss sitzen, wollte ich dem Frieden eine Stimme geben.\u201c Das sei seine Verantwortung als K\u00fcnstler und keine Zugabe. Unter den Zuschauern habe es daf\u00fcr keineswegs nur Ablehnung gegeben, meinte Fatoum, der am Ende dieser Spielzeit das Ensemble auf eigenen Wunsch verl\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mehring-verlag.de\/library\/north-logik-des-zionismus\/00.html\" class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw7-l bg-_black-05 mt3 center\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2a8c61b3-1110-43b9-9130-23e87328f0a7\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/7333c09d-872e-43c9-bdad-3d94170f0c3e\"\/><\/a><\/p>\n<p>Fatoums eher harmlose, aber bewegende Form des Protests f\u00fchrte jedoch zu heftigen Reaktionen. W\u00e4hrend es aus dem Publikum und bei Schauspielkollegen auch Zustimmung gab, kam es unter Kommunal- und Landespolitikern sowie der Theaterleitung zu einem Sturm der Entr\u00fcstung.<\/p>\n<p>Die Oberb\u00fcrgermeisterin Sibylle Keupen (Gr\u00fcne), die nach der Gala mit dem Publikum, darunter auch \u201eaufgebrachten j\u00fcdischen Mitb\u00fcrgern\u201c, \u00fcber den Vorfall diskutiert hatte, erkl\u00e4rte: \u201eIch bedaure sehr, dass die stimmungsvolle und von viel Engagement und Begeisterung getragene Festveranstaltung durch diese nicht angemessene \u00c4u\u00dferung beeintr\u00e4chtigt worden ist.\u201c<\/p>\n<p>Besonders heftig fiel die Stellungnahme der Kulturministerin von Nordrhein-Westfalen, Ina Brandes (CDU), aus. In einem Post in den sozialen Medien warf sie Fatoum \u201eeinseitige pro-pal\u00e4stinensische Propaganda\u201c vor. \u201eAntisemitismus und Israelhass haben keinen Platz in unserer Gesellschaft \u2013 nicht in der Kultur, nicht in der Wissenschaft, nirgendwo,\u201c schrieb sie.<\/p>\n<p>Sie stimmte damit in den Chor der \u201eAntisemitismus\u201c schreienden Politiker und Medien ein, die jede noch so friedliche und humanit\u00e4r gemeinte \u00c4u\u00dferung gegen den immer brutaler werdenden Genozid in Pal\u00e4stina verteufeln. Dies, obwohl die israelische Regierung die v\u00f6lkerrechtswidrige Vertreibung aller Pal\u00e4stinenser offiziell zu ihrer Politik erkl\u00e4rt hat. Sie missbrauchen die Erinnerung an den Holocaust, um die ethnischen S\u00e4uberungen des rechtsextremen, zionistischen Regimes Netanjahus zu unterst\u00fctzen und Waffenlieferungen zu rechtfertigen.<\/p>\n<p>Die Intendantin Elena Tzavara zeigte sich zun\u00e4chst \u201e\u00e4u\u00dferst \u00fcberrascht\u201c. Aber dann distanzierte sich die Theaterleitung ausdr\u00fccklich \u201evon dieser Form der Zweckentfremdung der B\u00fchne\u201c. Sie prangerte an, dass der Abend f\u00fcr eine \u201eeinseitige politische Botschaft instrumentalisiert wurde\u201c.<\/p>\n<p>Mehrfach wurde der Vorwurf erhoben, Fatoums Eingriff in das Programm \u201ef\u00fcr eine pers\u00f6nliche Meinungs\u00e4u\u00dferung\u201c sei in hohem Ma\u00dfe unangemessen gewesen, insbesondere da er in seinem Text das Massaker der Hamas unerw\u00e4hnt gelassen habe.<\/p>\n<p><a class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw7-l bg-black-05 mt3 center\" href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/special\/pages\/freebogdan.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/7e4eabbf-72c5-4c32-bbe7-fbf358c98be8\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/0fbce9ab-d2c4-417c-a910-46ad612cfce5\"\/><\/a><\/p>\n<p>Besonders heftig reagierte die Chefdramaturgin Kerstin Gr\u00fcbmeyer. Sie sei \u201ew\u00fctend\u201c und schockiert, \u201evor allem, weil es h\u00f6chst unkollegial ist, alle auf der B\u00fchne so vor den Kopf zu sto\u00dfen\u201c. Als ob dies das Ziel von Fatoums Friedensappell gewesen w\u00e4re. Zudem ist zu bezweifeln, dass alle Kollegen Fatoums das so empfanden, denn bei der anschlie\u00dfenden Feier im Spiegelfoyer des Theaters soll Fatoum von etlichen Kollegen umarmt worden sein, wohl nicht nur, weil er das Ensemble verl\u00e4sst.<\/p>\n<p>In Wirklichkeit war Fatoums Aufruf zu Frieden und Menschlichkeit alles andere als eine unkollegiale Provokation. Vielmehr entsprach er der besten Tradition des Theaters seit der Antike. Er hat die Verantwortung von Kunst und K\u00fcnstlern wahrgenommen, f\u00fcr Frieden und Humanit\u00e4t einzutreten. Ihm ging es darum, das Theater nicht nur zu einem Ort von Spiel und Spa\u00df, sondern auch zu einem Ort der offensiven Auseinandersetzung mit den Problemen und \u00dcbeln der Gesellschaft und der Anprangerung der Herrschenden zu machen. Er hat mit seinem Appell daher keineswegs unkollegial, sondern im Interesse der Theaterkunst und damit auch der Kollegen gehandelt.<\/p>\n<p>Man sollte die Dramaturgin und die Theaterleitung auch an eine deutliche Botschaft aus einem anderen St\u00fcck Shakespeares erinnern: Im 3. Akt, Szene 2 erkl\u00e4rt Hamlet zum Schauspiel: \u201e\u2026 dessen Zweck sowohl anfangs als jetzt war und ist, der Natur gleichsam den Spiegel vorzuhalten; der Tugend ihre eignen Z\u00fcge, der Schmach ihr eignes Bild, und dem Jahrhundert und K\u00f6rper der Zeit den Abdruck seiner Gestalt zu zeigen.\u201c<\/p>\n<p>Wie dringend es ist, die Rolle des Theaters als kritische Instanz der Gesellschaft offensiv zu verteidigen, wird deutlich, wenn man die kulturpolitischen Forderungen der AfD anschaut, die v.a. \u00fcber den ultrarechten Verantwortlichen f\u00fcr Kultur, <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2025\/06\/03\/jegliche Gesellschaftskritik im Theater verteufeln.\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wolfram Weimer<\/a>, direkt Eingang in die Bundesregierung finden. Die rechtsextreme Partei, die jegliche Gesellschaftskritik im Theater verteufelt, hat \u201edeutsche Leitkultur statt Multikulturalismus\u201c, Brauchtum, Volkst\u00fcmelei und Nationalstolz auf ihre Fahnen geschrieben.<\/p>\n<p>In ihrem j\u00fcngsten Antrag (20\/5226) im Bundesstag nennt die AfD dies \u201eVerteidigung der deutschen Identit\u00e4t\u201c. Sie fordert die Bundesregierung dazu auf, \u201edie aktuelle Reduktion kultureller Identit\u00e4t auf eine Schuld- und Schamkultur\u201c durch positive Bezugspunkte kultureller Identit\u00e4t zu korrigieren, \u201eum die aktive Aneignung kultureller Traditionen und identit\u00e4tsstiftender Werte wieder in den Vordergrund zu r\u00fccken\u201c. Sie fordert in Schulen Goethe und Schiller zu lesen, wobei sie die Klassiker zu harmlosen G\u00f6tzen degradiert, obwohl grade diese beiden f\u00fcr Aufkl\u00e4rung und Internationalismus stehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Intendantin des Aachener Theaters, Elena Tzavara, hatte am 15. Mai zur Festgala zum 200-j\u00e4hrigen Bestehen des Hauses&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":163189,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1853],"tags":[1424,56809,3364,29,548,663,3934,30,13,14,15,1209,12,56811,56810],"class_list":{"0":"post-163188","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-aachen","8":"tag-aachen","9":"tag-antisemitismusvorwurf","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europe","15":"tag-germany","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-nordrhein-westfalen","20":"tag-schlagzeilen","21":"tag-shehab-fatoum","22":"tag-theatergala"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114622232407333803","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/163188","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=163188"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/163188\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/163189"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=163188"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=163188"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=163188"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}