{"id":16383,"date":"2025-04-08T19:16:42","date_gmt":"2025-04-08T19:16:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/16383\/"},"modified":"2025-04-08T19:16:42","modified_gmt":"2025-04-08T19:16:42","slug":"kanada-das-gefuehl-von-patriotismus-ist-fast-greifbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/16383\/","title":{"rendered":"Kanada: &#8222;Das Gef\u00fchl von Patriotismus ist fast greifbar&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Inmitten von Annexionsdrohungen und einem Handelskrieg vonseiten der USA ist Kanada Partnerland der Hannover Messe. Auf der Industriemesse pr\u00e4sentierten sich hunderte kanadische Firmen, Bildungseinrichtungen und Organisationen. Dazu geh\u00f6ren mit Nordspace ein Weltraumunternehmen, welches eine rein kanadische Tr\u00e4gerrakete entwickelt, und die University of Toronto, die sich st\u00e4rker auf Europa ausrichtet.<\/p>\n<p>Souver\u00e4nit\u00e4t im Weltraum<\/p>\n<p>Als einziger G7-Staat steht Kanada ohne eine Tr\u00e4gerrakete oder ein Programm f\u00fcr die Entwicklung da und ist so f\u00fcr den Start von Satelliten und anderen Nutzlasten ins All von anderen L\u00e4ndern und deren Wohlwollen abh\u00e4ngig. Diese Abh\u00e4ngigkeit hatte f\u00fcr Kanada bereits konkrete Auswirkungen. Der Erdbeobachtungssatellit RADARSAT-2 wurde 2007 erst mit vier Jahren Versp\u00e4tung durch eine russische Tr\u00e4gerrakete ins All gebracht, nachdem US-amerikanische Sicherheitsbeh\u00f6rden den Start auf einer US-Rakete aufgrund von &#8222;Bedenken der nationalen Sicherheit&#8220; wegen des Radars des Satelliten verhinderten.<\/p>\n<p>Mehrere kanadische Weltraumunternehmen sind bestrebt, diese Abh\u00e4ngigkeit zu brechen. Eines davon, und auf der Hannover Messe vertreten, ist Nordspace. Die Firma entwickelt die Tr\u00e4gerrakete Tundra, die zu der Klasse der &#8222;Small lift launch vehicles&#8220; geh\u00f6rt. Mit einer angestrebten Kapazit\u00e4t von 500 kg eignet sich die Rakete f\u00fcr kleine Satelliten und andere Nutzlasten, f\u00fcr RADARSAT-2 w\u00e4re sie aber zu schwach. Zu dieser Klasse von Raketen z\u00e4hlt auch die Spectrum von Isar Aerospace, welche <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Deutsche-Rakete-Spectrum-erfolgreich-gestartet-und-nach-30-Sekunden-abgestuerzt-10333590.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ende M\u00e4rz erstmals startete<\/a>.<\/p>\n<p>Nur die Rakete zu bauen, reicht aber nicht, denn ohne einen geeigneten Startplatz kann sie nicht ins All gebracht werden. Die gesch\u00e4ftigsten Startpl\u00e4tze befinden sich in den USA und Russland, beides Nationen mit inzwischen schlechten Beziehungen zu Kanada. Nordspace k\u00f6nnte nun davon profitieren, denn sie planen den Bau und Betrieb eines Startplatzes auf Neufundland an der Ostk\u00fcste Kanadas. Der erste Spatenstich soll noch 2025 erfolgen.<\/p>\n<p>      <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/imgs\/18\/4\/8\/3\/1\/8\/1\/1\/NordspaceScreenshot-df7981df74f0290f.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>  <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" height=\"1070\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg' width='696px' height='391px' viewBox='0 0 696 391'%3E%3Crect x='0' y='0' width='696' height='391' fill='%23f2f2f2'%3E%3C\/rect%3E%3C\/svg%3E\" style=\"aspect-ratio: 1914 \/ 1070; object-fit: cover;\" width=\"1914\"\/><\/p>\n<p>      <\/a><\/p>\n<p>Der geplante Startplatz in Kanada als 3D-Render<\/p>\n<p class=\"a-caption__source\">\n      (Bild:\u00a0Nordspace \/ Vimeo, Screenshot: heise online)\n    <\/p>\n<p>Weil Kanada so weit n\u00f6rdlich liegt, sind die \u00fcblichen Satellitenstarts in Umlaufbahnen \u00fcber dem \u00c4quator unpraktisch \u2013 der Treibstoffverbrauch der Rakete w\u00e4re zu hoch. Dementsprechend liegt der Fokus auf polaren Orbits, die in Nord-S\u00fcd-Ausrichtung verlaufen. S\u00e4mtliche Komponenten des Weltraumprogramms sollen innerhalb der Landesgrenzen und unter kanadischer Kontrolle bleiben. Neben sicherheitspolitischen Aspekten w\u00fcrde dies Industriejobs in Kanada generieren.<\/p>\n<p>Partners in Science<\/p>\n<p>Angesichts der sich rapide verschlechternden Beziehungen zu den USA r\u00fcckt f\u00fcr Kanada, neben der eigenen Rakete, die Vertiefung transatlantischer Verbindungen in den Fokus, besonders mit der EU. Gro\u00dfe Fortschritte wurden hier bereits in der Forschung gemacht. Das Land trat im Januar 2024 dem EU-Forschungsprogramm Horizon Europe bei und kann so Mittel aus einem Topf von 53 Milliarden Euro beantragen. Dies gilt auch f\u00fcr Kanadas gr\u00f6\u00dfte Universit\u00e4t, die University of Toronto. Sie war ebenfalls auf der Hannover Messe vertreten.<\/p>\n<p>&#8222;Europa ist Kanadas wichtigster Verb\u00fcndeter&#8220; <\/p>\n<p>Sindhu Menon, University of Toronto<\/p>\n<p>Sindhu Menon koordiniert an der Universit\u00e4t Kooperationen mit Unternehmen und anderen Forschungseinrichtungen. &#8222;Wir freuen uns sehr \u00fcber den Beitritt zu Horizon Europe&#8220;, sagt Menon. Europa habe sich zu Kanadas wichtigstem Verb\u00fcndeten entwickelt. Sie betont, wie wichtig der Einstieg in das Programm f\u00fcr die Entwicklung neuer Partnerschaften sei. Konkret bedeutet dies f\u00fcr die Universit\u00e4t, dass ein eigenes B\u00fcro f\u00fcr die Bewerbung auf F\u00f6rderungsgelder und die Koordination mit europ\u00e4ischen Partnern eingerichtet wurde. Verbindungen nach Deutschland bestehen unter anderem zur Fraunhofer-Gesellschaft und dem Karlsruher Institut f\u00fcr Technik.<\/p>\n<p>Kanada ist bereits ein sehr beliebtes Ziel f\u00fcr internationale Studenten. Die Festnahmen ausl\u00e4ndischer Studenten und der Widerruf hunderter Visa in den USA w\u00fcrden dieses Ph\u00e4nomen nur noch verst\u00e4rken, best\u00e4tigt Ali Dolatabadi, Professor an der Universit\u00e4t. Bereits jetzt f\u00fclle sich sein E-Mail-Postfach mit Anfragen internationaler Studenten, auch aus Europa. &#8222;Es gibt viele Gemeinsamkeiten in der Kultur und demokratischen Werten mit Europa&#8220; unterstreicht Dolatabadi. Er sieht aber auch Unterschiede in der Forschung zwischen Kanada und der EU. So w\u00fcrden Unternehmen in Kanada viele Forschungsprojekte finanzieren, w\u00e4hrend in Europa mehr \u00fcber nationale F\u00f6rderung liefe.<\/p>\n<p>&#8222;Das Gef\u00fchl von Patriotismus ist fast greifbar&#8220;, sagt Menon. Sie sieht ein Umdenken in der Mentalit\u00e4t vieler Kanadier, hin zu mehr Stolz auf eigene Errungenschaften. Im Gespr\u00e4ch wurde aber auch deutlich, wie sehr Kanada die EU als Partner wertsch\u00e4tzt und auf weitere Partnerschaften hofft. Vielleicht wurden einige schon im Rahmen der Messe abgeschlossen.<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/mailto:acha@technology-review.de\" title=\"Alex Cameron Hall\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">acha<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inmitten von Annexionsdrohungen und einem Handelskrieg vonseiten der USA ist Kanada Partnerland der Hannover Messe. 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