{"id":164331,"date":"2025-06-04T10:48:27","date_gmt":"2025-06-04T10:48:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/164331\/"},"modified":"2025-06-04T10:48:27","modified_gmt":"2025-06-04T10:48:27","slug":"der-weisse-turm-von-mulegns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/164331\/","title":{"rendered":"Der Wei\u00dfe Turm von Mulegns"},"content":{"rendered":"<p>Der Wei\u00dfe Turm bei Mulegns ist das h\u00f6chste 3D-gedruckte Geb\u00e4ude der Welt \u2013 ein Projekt zwischen digitaler Baukunst und alpiner Identit\u00e4t.<\/p>\n<p>                        <img width=\"1200\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/dpa-Picture-Alliance-2.526324580-HighRes-e1748857879931-1200x600.jpg\" class=\"single__post-image wp-post-image\" alt=\"Wei\u00dfe Turm von Mulegns\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>H\u00f6chstes 3D-Druck-Bauwerk der Welt: Der Wei\u00dfe Turm von Mulegns ist Forschungsprojekt und Kunstwerk. <\/p>\n<p class=\"wp-caption-source\">Foto: picture alliance\/KEYSTONE\/Gian Ehrenzeller<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/3f481632186f4186a4f5859659bfaf01.gif\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"\" class=\"vg-wort-pixel\" style=\"position: absolute;\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\"\/><\/p>\n<p>Mulegns liegt am Julierpass in der Schweiz. Heute leben dort nur noch elf Menschen. Doch seit Mai 2025 richtet sich der Blick von Architektur- und Technikinteressierten weltweit auf diesen abgelegenen Ort. Der Grund: der sogenannte \u201eTor Alva\u201c, ein rund 30 Meter hoher wei\u00dfer Turm \u2013 gedruckt aus Beton. Es ist das h\u00f6chste 3D-gedruckte Bauwerk weltweit.<\/p>\n<p>Das Projekt ist ein Gemeinschaftswerk der ETH Z\u00fcrich und der Kulturstiftung Origen. Letztere will mit dem Bau kulturelle Impulse setzen und das Dorf aus seiner Isolation holen. Der Turm steht zun\u00e4chst f\u00fcr f\u00fcnf Jahre und soll dann demontiert und an einem anderen Ort wieder aufgebaut werden.<\/p>\n<p>Mehr als ein Symbol \u2013 ein Forschungsturm<\/p>\n<p>Technisch betrachtet ist der Wei\u00dfe Turm ein Pilotprojekt. Ziel war es, das Potenzial digitaler Fertigung f\u00fcr den Bau zu erforschen. Der architektonische Entwurf stammt von Michael Hansmeyer. Verantwortlich f\u00fcr die Umsetzung war das Team um ETH-Professor Benjamin Dillenburger vom Lehrstuhl f\u00fcr Digitale Bautechnologien.<\/p>\n<p>Er sieht im robotergest\u00fctzten Bauen eine Chance f\u00fcr die Bauindustrie. Die Roboter druckten insgesamt 2500 Schichten Beton und verarbeiteten dabei rund 250 km an Betonstrukturen. Die ornamentale Gestaltung wurde nicht manuell entworfen, sondern mithilfe von Algorithmen generiert. Ornament und Tragstruktur sind identisch \u2013 ein zentraler Aspekt digitaler Baukunst.<\/p>\n<p>Betonrezeptur f\u00fcr h\u00f6chste Anforderungen<\/p>\n<p>Eine besondere Herausforderung lag in der Materialentwicklung. Der Beton musste weich genug sein, um komplexe Strukturen zu modellieren, aber zugleich schnell erh\u00e4rten, damit die Form bestehen bleibt. ETH-Professor Robert J. Flatt entwickelte daf\u00fcr eine spezielle Mischung. Kurz vor dem Druck mischen sich zwei Additive hinzu, die dem Turm sein tropfenartiges Relief verleihen.<\/p>\n<p>Auch die Bewehrung \u2013 also die Verst\u00e4rkung des Betons \u2013 wurde neu gedacht. Bislang war es kaum m\u00f6glich, tragende 3D-Betonelemente zu fertigen. In Mulegns kamen zwei Roboter parallel zum Einsatz: Einer druckte den Beton, der andere setzte ringf\u00f6rmige Armierungselemente ein. Erg\u00e4nzend wurden vertikale Bewehrungsst\u00e4be integriert.<\/p>\n<p>Produktion im Hochgebirge<\/p>\n<p>Die rund 32 gedruckten S\u00e4ulen entstanden in einer tempor\u00e4ren Feldfabrik in Savognin. Anschlie\u00dfend wurden sie per Schwertransport nach Mulegns gebracht. Dort ersetzte der Turm eine alte Garage und steht heute auf einem statisch verst\u00e4rkten Fundament.<\/p>\n<p>Die ETH legte gro\u00dfen Wert darauf, das Projekt sichtbar zu machen. Deshalb entstand der Turm nicht an einem abgeschotteten Ort, sondern dort, wo er gebaut wird: am Julierpass.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-781777\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/dpa-Picture-Alliance-2.526546220-HighRes-520x780.jpg\" alt=\"3D-Druck Turm\" width=\"520\" height=\"780\"  \/><\/p>\n<p class=\"wp-caption-text\">3D-Druck erm\u00f6glicht kunstvolle und filigrane Bauwerke aus Beton. <\/p>\n<p class=\"wp-caption-source\">Foto: picture alliance \/ Cover Images\/Benjamin Hofer and Birdviewpicture\/Nova Fundaziun Origen<\/p>\n<p>Digital entwerfen, robotisch fertigen<\/p>\n<p>Das eingesetzte Fertigungsverfahren ist ein Extrusionsdruck. Das bedeutet, dass der Beton lagenweise ohne Schalung aufgetragen wird. Gedruckt wurde mit einem Roboterarm, der auf einer Schiene montiert ist und Bauteile bis zu 10 m L\u00e4nge herstellen kann.<\/p>\n<p>Anders als bei anderen Projekten \u2013 etwa dem gedruckten Wohnhaus in Beckum \u2013 ist hier kein starrer Druckrahmen notwendig. Das bringt mehr Flexibilit\u00e4t beim Design. Zudem erm\u00f6glicht eine kleinere D\u00fcse feinere Strukturen. Die ETH erreichte so eine Aufl\u00f6sung von bis zu 5 mm je Schicht.<\/p>\n<p>Architektur mit Geschichte<\/p>\n<p>Der Turm erinnert gestalterisch an eine kunstvolle Torte \u2013 eine Anspielung auf die Emigrationsgeschichte der B\u00fcndner Zuckerb\u00e4cker, die aus dieser Region stammen. Seine Form \u00f6ffnet sich nach oben, wird filigraner und endet in einer Kuppel. Diese setzt sich aus mehreren sph\u00e4rischen Segmenten zusammen, die ebenfalls gedruckt und ohne Schalung montiert wurden.<\/p>\n<p>Der Innenraum des sechsgeschossigen Baus ist als Veranstaltungsort konzipiert. Eine Aussichtsterrasse gibt es nicht \u2013 den besten Blick bietet der obere Saal selbst. Ein Aufzug ist aufgrund der beengten Platzverh\u00e4ltnisse nicht vorgesehen, alternative L\u00f6sungen zur Barrierefreiheit werden gepr\u00fcft.<\/p>\n<p>Thermisch und logistisch durchdacht<\/p>\n<p>Trotz seiner offenen S\u00e4ulenstruktur muss der Turm den klimatischen Bedingungen in 1500 m H\u00f6he standhalten. In den oberen Etagen sorgt eine durchgehende Verglasung f\u00fcr W\u00e4rmeschutz. Unten wurde eine doppelschalige Wandstruktur gedruckt und mit D\u00e4mmmaterial verf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Langfristig forscht die ETH an Beton mit verbesserten D\u00e4mmeigenschaften \u2013 f\u00fcr Mulegns kamen diese L\u00f6sungen aber\u00a0 zu sp\u00e4t. Auch die Frage, ob k\u00fcnftig Treppen und andere Bauteile mitgedruckt werden, h\u00e4ngt vom weiteren Projektverlauf ab.<\/p>\n<p>Nicht alle k\u00f6nnen sich mit dem Turm anfreunden<\/p>\n<p>Das Projekt war nicht unumstritten. Einige Anwohnende empfanden den Turm als fremd. Die Mehrheit in der Gemeinde Surses unterst\u00fctzte jedoch das Vorhaben. Die notwendige Zonen\u00e4nderung wurde genehmigt, und die Stiftung Origen wurde von Beh\u00f6rden und Spenderinnen sowie Spendern getragen.<\/p>\n<p>4,4 Mio. Franken betrugen die Baukosten. Die Stiftung sucht weiterhin Unterst\u00fctzung, um die letzten 500.000 Franken zu decken.<\/p>\n<p>Der Wei\u00dfe Turm als Bau-Zukunft<\/p>\n<p>Das Bauwerk ist mehr als ein kulturelles Symbol. Es zeigt, welche M\u00f6glichkeiten der digitale Betonbau bietet \u2013 von der Materialentwicklung \u00fcber die Algorithmik bis zur robotischen Fertigung.<\/p>\n<p>ETH-Pr\u00e4sident Jo\u00ebl Mesot bringt es auf den Punkt: \u201eDer Turm vereint neuestes Wissen aus der Forschung mit dem Know-how von Firmen und Fachleuten.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Wei\u00dfe Turm bei Mulegns ist das h\u00f6chste 3D-gedruckte Geb\u00e4ude der Welt \u2013 ein Projekt zwischen digitaler Baukunst&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":164332,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[31779,1793,52210,29,214,30,1794,215],"class_list":{"0":"post-164331","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-additive-fertigung","9":"tag-art-and-design","10":"tag-betonbau","11":"tag-deutschland","12":"tag-entertainment","13":"tag-germany","14":"tag-kunst-und-design","15":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114624705762000045","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/164331","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=164331"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/164331\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/164332"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=164331"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=164331"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=164331"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}