{"id":165666,"date":"2025-06-04T22:45:12","date_gmt":"2025-06-04T22:45:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/165666\/"},"modified":"2025-06-04T22:45:12","modified_gmt":"2025-06-04T22:45:12","slug":"hamburg-dauer-frust-im-job-so-stoppen-wir-eine-negativspirale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/165666\/","title":{"rendered":"Hamburg | Dauer-Frust im Job: So stoppen wir eine Negativspirale"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext\">Hamburg (dpa\/tmn) &#8211; Es ist schon die dritte E-Mail am Tag, sie betrifft einen nicht, man steht aber wieder einmal CC. Dazu noch der Kollege, der unbedingt quatschen will, obwohl man gerade Besseres zu tun hat. Sie k\u00f6nnen auch \u00fcber solche vermeintlichen Nichtigkeiten nicht mehr hinwegsehen? Entscheidungen und Neuerungen empfinden Sie von vornherein als unangenehm?\u00a0<\/p>\n<p>Wer im Beruf alles nur noch negativ sieht, schlittert auf Dauer in die Unzufriedenheit. Aber was hilft, wenn im Job st\u00e4ndig Frust statt Freude angesagt ist?<\/p>\n<p>Wie entsteht so eine Negativspirale im Beruf?<\/p>\n<p>Eine Negativspirale im Beruf entwickelt sich durch das Zusammenspiel innerer und \u00e4u\u00dferer Faktoren. Sie beginnt oft unmerklich und verst\u00e4rkt sich zunehmend, wenn nicht fr\u00fchzeitig gegengesteuert wird. \u00abEin dysfunktionaler Gedanke folgt auf den n\u00e4chsten\u00bb, sagt Karriereberaterin Ragnhild Struss. Je mehr Negatives passiert, desto mehr f\u00fchlt man sich in seiner Weltsicht best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Nur \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde &#8211; schlechtes Arbeitsklima, \u00dcberlastung oder fehlende Anerkennung &#8211; seien selten die alleinigen Ausl\u00f6ser, so Struss. \u00abDie inneren Faktoren bilden eine Art fruchtbaren Boden, auf den eine \u00e4u\u00dfere Situation, ein Satz, ein Umstand f\u00e4llt, wodurch die Unzufriedenheit gedeiht und w\u00e4chst\u00bb, sagt Struss. Zu den inneren Faktoren z\u00e4hlen etwa:<\/p>\n<ul>\n<li>Selbstzweifel<\/li>\n<li>Perfektionismus<\/li>\n<li>geringe Selbstwirksamkeit <\/li>\n<li>oder auch eine pessimistische Weltsicht gepaart mit negativen Glaubenss\u00e4tzen wie \u00abIch bin nur gut genug, wenn ich perfekt bin.\u00bb\u00a0<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wie erkennt man, dass man mittendrin steckt und nicht nur eine schlechte Phase hat?<\/p>\n<p>Meist ist das sehr schwierig. \u00abWir merken nicht, wie es schleichend schlimmer wird\u00bb, sagt Laura Venz, Professorin f\u00fcr Arbeits- und Organisationspsychologie an der Leuphana Universit\u00e4t L\u00fcneburg. Aber es kann helfen, sich selbst zu beobachten und das eigene Verhalten zu reflektieren. Ein wichtiges Instrument hierf\u00fcr kann ein Tagebuch oder ein Journal sein, in dem regelm\u00e4\u00dfig eigene Gedanken, Gef\u00fchle und Reaktionen festgehalten werden. Auch Feedback von Kollegen, der F\u00fchrungskraft, Freundinnen oder der Familie sollte ernst genommen werden.\u00a0<\/p>\n<p>Jede Person sei unterschiedlich anf\u00e4llig f\u00fcr eine solche Spirale, sagt Laura Venz. Wer sehr perfektionistisch oder gar arbeitsw\u00fctig ist, wird l\u00e4nger brauchen, bis er oder sie es bemerkt. Wer ohnehin sehr achtsam mit sich und der Umwelt und reflektiert ist, merkt es schneller und kann fr\u00fcher die Notbremse ziehen.\u00a0<\/p>\n<p>Auf welche Warnsignale sollte man achten?<\/p>\n<p>Zu den typischen Anzeichen z\u00e4hlen\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li>anhaltende Frustration<\/li>\n<li>Gereiztheit und \u00c4rger<\/li>\n<li>erh\u00f6hte Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Konflikte und Streitigkeiten<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"bodytext\">Dazu k\u00f6nnen kommen:\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li>ein Gef\u00fchl der Hoffnungslosigkeit oder Hilflosigkeit<\/li>\n<li>emotionale Ersch\u00f6pfung oder Burn-out-Anzeichen<\/li>\n<li>verminderte Motivation und innerer R\u00fcckzug<\/li>\n<li>Konzentrationsprobleme<\/li>\n<li>Ged\u00e4chtnisprobleme <\/li>\n<li>Entscheidungsunf\u00e4higkeit.\u00a0<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"bodytext\">Auch physisch k\u00f6nnen sich Signale zeigen, etwa:\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li>chronische M\u00fcdigkeit<\/li>\n<li>Schlafst\u00f6rungen<\/li>\n<li>Kopfschmerzen<\/li>\n<li>Verspannungen\u00a0<\/li>\n<\/ul>\n<p>Welche kurzfristigen Auswege gibt es?<\/p>\n<p>In akuten Momenten von Frustration oder \u00dcberforderung ist es Ragnhild Struss zufolge hilfreich, bewusst innezuhalten, tief durchzuatmen und sich innerlich zu stoppen. Das durchbricht den Automatismus und hilft, Abstand zur belastenden Situation zu gewinnen.\u00a0<\/p>\n<p>Durch Achtsamkeits\u00fcbungen wie Meditation, Atemtechniken oder kurze Body-Scans gewinnt man Klarheit \u00fcber das, was im Moment wirklich passiert. Das hilft, nicht impulsiv zu reagieren, sondern bewusster zu handeln. Etwa, indem man sich von belastenden Situationen distanziert, indem man f\u00fcr einen kurzen Spaziergang vor die T\u00fcr geht.<\/p>\n<p>Und was hilft langfristig?<\/p>\n<p>Entscheidend ist, zu erkennen, dass man in einer Negativspirale steckt. Laura Venz r\u00e4t zun\u00e4chst, die eigene Situation zu analysieren. L\u00e4sst sich zum Beispiel die Arbeitsbelastung reduzieren? \u00abDann kann es an zweiter Stelle darum gehen, wie die Person besser mit der Belastung umgehen kann.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Wichtig: Venz sieht nicht die alleinige Verantwortung beim Individuum. \u00abWenn die Arbeitsbelastung zu hoch ist, muss die ge\u00e4ndert werden, nicht die Person.\u00bb Helfen k\u00f6nnen ein besseres Zeitmanagement, Konfliktl\u00f6sungskompetenzen im Team oder mehr tats\u00e4chliche Erholung in der Freizeit. \u00abWenn allerdings die F\u00fchrungskraft das Problem ist, muss man die Situation \u00e4ndern, also sich einen anderen Job suchen\u00bb, stellt Venz klar.<\/p>\n<p>Ragnhild Struss warnt aber davor, zu schnell den Job zu wechseln, da h\u00e4ufig die Schuld oder Ursache in den \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden gesucht werde. \u00abWenn sich die Umst\u00e4nde ver\u00e4ndern, aber das Problem \u00fcberdauert, dann muss man nach innen gucken\u00bb, sagt die Organisationspsychologin. Wer nicht wei\u00df, was einen zufrieden stimmt, kann es auch im n\u00e4chsten Job nicht erreichen.<\/p>\n<p>Struss h\u00e4lt \u00abJob Crafting\u00bb f\u00fcr das entscheidende Instrument. Das bedeutet, den Job bewusst so zu gestalten, dass er zur eigenen Pers\u00f6nlichkeit, zu den eigenen Bed\u00fcrfnissen und F\u00e4higkeiten passt. Dabei wird das Augenmerk auf Aufgaben, Arbeitsweise, Beziehungen und Einstellungen gelegt, um nachhaltige Zufriedenheit zu erreichen.<\/p>\n<p>Wann ist professionelle Hilfe sinnvoll ? und welche Optionen gibt es?<\/p>\n<p>Anfangs ist es noch gut m\u00f6glich, eigene Wege zu finden. Sprechen Sie mit Kollegen, Ihrer Partnerin oder Freunden. Wenn man allerdings so tief drinsteckt, dass man nicht mehr rauskommt oder es krankhafte Z\u00fcge annimmt, ist Hilfe von au\u00dfen n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Um langfristig Muster und Glaubenss\u00e4tze zu ver\u00e4ndern, kann eine professionelle Reflexion in Form von Coaching oder psychologischer Begleitung entscheidend sein. So lassen sich neue, hilfreiche Muster etablieren.<\/p>\n<p>Gr\u00f6\u00dfere Betriebe haben ein eigenes Gesundheitsmanagement, auch die Krankenkassen bieten Laura Venz zufolge Unterst\u00fctzung oder k\u00f6nnen wissenschaftlich fundierte Apps empfehlen, mit denen man alleine arbeiten kann. Dar\u00fcber hinaus bietet unter anderem die Bundesanstalt f\u00fcr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) Zugang zu verschiedenen <a href=\"https:\/\/www.baua.de\/DE\/Angebote\/Publikationen\/Praxis\/A110\" target=\"_blank\" class=\"externalLink\" rel=\"noopener\">Trainingsangeboten<\/a>.\u00a0<\/p>\n<p>Wie kann man vorbeugen, damit es nicht (wieder) so weit kommt?<\/p>\n<p>Wichtig ist, bewusst Bedingungen zu schaffen, unter denen Zufriedenheit und innere Stabilit\u00e4t nachhaltig erhalten bleiben. \u00abEine Negativspirale ist letztlich ein Signal daf\u00fcr, dass das gelebte Leben nicht mit der eigenen Pers\u00f6nlichkeit \u00fcbereinstimmt ? es ist ein psychischer Weckruf\u00bb, so Struss. Eine effektive Pr\u00e4vention liege deshalb darin, proaktiv und authentisch zu leben, anstatt reaktiv zu handeln.<\/p>\n<p>Ein Jobwechsel sollte Laura Venz zufolge die letzte, aber nicht undenkbare Ma\u00dfnahme sein. Vor jeder Ma\u00dfnahme steht allerdings die Diagnose. Gehen Sie einen Schritt zur\u00fcck und analysieren Sie, bevor Sie kommunizieren. Wenn Sie kommunizieren, dann dort, wo das Problem am besten aufgehoben ist. \u00abMan darf ruhig ehrlich zugeben, dass man \u00fcberfordert ist\u00bb, sagt Venz. Auch Hilfe in Anspruch zu nehmen, sei nichts, wof\u00fcr man sich sch\u00e4men m\u00fcsse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hamburg (dpa\/tmn) &#8211; Es ist schon die dritte E-Mail am Tag, sie betrifft einen nicht, man steht aber&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":165667,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1826],"tags":[1140,630,4941,29,30,692,1710,13353,624,57439,11727],"class_list":{"0":"post-165666","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hamburg","8":"tag-arbeit","9":"tag-beruf","10":"tag-cjab","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-hamburg","14":"tag-karriere","15":"tag-psychologie","16":"tag-ratgeber","17":"tag-tmn0370","18":"tag-work-life-balance"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114627524949527449","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/165666","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=165666"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/165666\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/165667"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=165666"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=165666"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=165666"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}