{"id":16734,"date":"2025-04-08T22:28:16","date_gmt":"2025-04-08T22:28:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/16734\/"},"modified":"2025-04-08T22:28:16","modified_gmt":"2025-04-08T22:28:16","slug":"guenter-netzer-ruehrt-ausstellung-netzer-die-70er-jahre-zu-traenen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/16734\/","title":{"rendered":"G\u00fcnter Netzer r\u00fchrt Ausstellung &#8222;Netzer &#8211; die 70er Jahre&#8220; zu Tr\u00e4nen"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 08.04.2025 08:05 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong><strong>Das deutsche Fu\u00dfballmuseum in Dortmund ist in diesem Fr\u00fchjahr noch ein bisschen mehr zum Sehnsuchtsort f\u00fcr Fu\u00dfball-Romantiker geworden. &#8222;Netzer &#8211; die 70er Jahre&#8220; hei\u00dft der Titel einer Ausstellung, die seit gestern Abend in ein Jahrzehnt entf\u00fchrt, das f\u00fcr viele Fans noch immer &#8222;die gute alte Zeit&#8220; im Fu\u00dfball verk\u00f6rpert. Und in der G\u00fcnter Netzer der Sehnsuchtsspieler war, auch f\u00fcr diejenigen, die es nicht mit Gladbach hielten.<\/strong><\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEs war einer dieser Momente, die mit gro\u00dfer Wucht herunterfahren. Nicht aus der Tiefe des Raums dieses Mal, sondern von einem kleinen Podium, auf dem G\u00fcnter Netzer sa\u00df. Es passierte also etwas, das nicht zu erwarten war. Denn ein \u00fcberw\u00e4ltigter, schluchzender Netzer war in all den Jahren voller Schlagzeilen nie zu erwarten gewesen. Nicht, wenn es etwas zu feiern gab. Und erst recht nicht, wenn es etwas zu betrauern gab.<\/p>\n<p>    G\u00fcnter Netzer: &#8222;Ich f\u00fchle mich erschlagen&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch dieses 80-j\u00e4hrige Leben auf 1.000 Quadratmetern Projektionsfl\u00e4che und diversen Leinw\u00e4nden in allen Farben und Facetten in gerade einmal 25 Minuten vorbeifliegen zu sehen &#8211; das war zu viel f\u00fcr Netzer. &#8222;Ich f\u00fchle mich total erschlagen&#8220;, fl\u00fcsterte er fast tonlos ins Mikrofon von Moderator Sven Pistor. Und es gab keinen Zweifel, dass das der Wahrheit entsprach. Seine eigene Sprachlosigkeit zu beschreiben, bedeutete f\u00fcr den Mann, der &#8222;eigentlich alles gesagt hat, was zu sagen ist&#8220;, an diesem Abend eine neue Dimension der \u00d6ffentlichkeit und der Offenheit.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDieser Bilder- und Zitatesturm durch Netzers Leben hat es auch wirklich in sich. Monatelang wurde daran mit unerh\u00f6rter Akribie und Empathie gearbeitet. F\u00fcr den Museumsdirektor Manuel Neukirchner und sein vielk\u00f6pfiges Team ein echter Kraftakt, der sich immer wieder an der Frage rieb: Wie wurde Netzer in der \u00d6ffentlichkeit wahrgenommen und wie war seine Eigenwahrnehmung? Dieses Spannungsfeld, das bis heute besteht, bestimmt eine rasante Reise durch die 70er, die es so noch nie gegeben hat.<\/p>\n<p>    Viele bunte Erinnerungen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch warum ist das so? Warum sind die 70er bis heute ein Jahrzehnt, das Gl\u00fccksgef\u00fchle weckt? Vielleicht liegt es auch an den Farben von damals. Orange, Gr\u00fcn, Rot oder Braun. Die 70er bleiben in der Erinnerung als das erste durchgehend farbige Jahrzehnt. Mit Farbfernsehen, mit grellfarbigen schnellen Autos (auch von Netzer), mit bunten Sp\u00fclmittelblumen \u00fcber dem Abwaschbecken in der K\u00fcche, mit Roten und Gelben Karten im Fu\u00dfball und mit Mut zur Farbe in der Klamottenwahl.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnd mit Fu\u00dfballern, die l\u00e4ngst mehr darstellten als brav gescheitelte Durchschnittstypen. Johan Cruyff, Franz Beckenbauer, Paul Breitner, George Best, Mario Kempes und nat\u00fcrlich Netzer, der wie ein Dressman unterwegs war, selbst als in M\u00f6nchengladbach noch mit dem Finger auf seine unanst\u00e4ndig langen Haare gezeigt wurde.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Ich glaube, es gibt keinen Fu\u00dfballer, mit dem man diese Zeit so gut erkl\u00e4ren kann wie mit G\u00fcnter Netzer&#8220;, erkl\u00e4rte Museumsdirektor Neukirchner feierlich: &#8222;Die Zeit der unangepassten Individualisten. F\u00fcr viele eine wunderbare Fu\u00dfballzeit. F\u00fcr viele ein Paradies, aus dem man sich nicht vertreiben lassen will. Und da schlie\u00dfe ich mich gerne mit ein.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDamit w\u00e4ren schon mal die wichtigsten Beweggr\u00fcnde f\u00fcr diese Fu\u00dfball-Retroshow erkl\u00e4rt, die nun im Museum gegen\u00fcber des Dortmunder Hauptbahnhofs noch bis in den Oktober hinein gezeigt wird. Beschrieben wird ein Kapitel deutscher Gesellschaftsgeschichte, das sich wie beim &#8222;Wunder von Bern&#8220; am Fu\u00dfball sehr nachvollziehbar erz\u00e4hlen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>    Netzer und das Feuilleton<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nTats\u00e4chlich war es so, dass sich mit dem Beginn der 70er Jahre auch das Feuilleton f\u00fcr den Fu\u00dfball zu interessieren begann. Mit seinen langen blonden Haaren, seiner N\u00e4he zu Film- und Fernsehschaffenden und seinem Hang zu schnellen Autos und auch wegen seines Aussehens dr\u00e4ngte sich Netzer geradezu auf, die Ver\u00e4nderung der Gesellschaft anhand der Ver\u00e4nderungen im Fu\u00dfball zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Das hat mir sehr geschmeichelt. Ich fand das wunderbar, dass es Menschen gab, die solche Worte f\u00fcr mich und meinen Fu\u00dfball fanden, die ich selbst nie imstande gewesen w\u00e4re zu finden&#8220;, sagte er. Netzer hat noch immer diese klare Stimme, diese Pr\u00e4zision in seinen S\u00e4tzen, die stets den sicheren Weg zu ihrem Ende finden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnd Netzer ist noch immer mit diesem hintergr\u00fcndigen Witz unterwegs, mit dieser Gabe, sich selbst und seine Gespr\u00e4chspartner nicht \u00fcber die Ma\u00dfen ernst zu nehmen. Allerdings machte Netzer in Dortmund dabei eine r\u00fchmliche Ausnahme. Und auch hier stockte ihm die Stimme, weil die Erinnerung an seine Anfangszeit bei Real Madrid bis heute keine sch\u00f6ne ist.<\/p>\n<p>    Netzer und Paul Breitner &#8211; ziemlich beste Freunde<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Breitners hatten ihn damals kurzerhand in ihrer Familie aufgenommen, nachdem auch Paul in die spanische Hauptstadt gewechselt war. Und so dankte Netzer dem Ehepaar Hilde und Paul Breitner, ihm in Madrid auf die Spr\u00fcnge geholfen zu haben, ihm ein soziales Netz gespannt zu haben. &#8222;Ich kann euch nicht genug danken&#8220;, sagte Netzer, und unten im Foyer war auch Breitner l\u00e4ngst das Wasser in die Augen gestiegen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNetzer war vieles. Er war ein Fu\u00dfball spielender Beau und ein k\u00fchl rechnender Gesch\u00e4ftsmann. Er war Vorbild und Idol f\u00fcr eine Jugend, die ihre Widerspr\u00fcche gegen die Erwachsenenwelt ausleben wollte. Er wirkte wie ein Rebell und war doch der Sensibelste auf dem Platz, der ohne die bedingungslose Unterst\u00fctzung seiner Mannschaft nicht auf seine St\u00e4rken vertrauen konnte. Ganz sicher ist das der Grund, warum Netzer sich im Verein stets wohler f\u00fchlte als in der Nationalmannschaft.<\/p>\n<p>    Netzer: &#8222;Werde besser gemacht als ich wirklich war&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEines aber wollte Netzer nie sein: ein Revoluzzer n\u00e4mlich, ein 68er. Zwar \u00fcberwarf er sich immer wieder auch \u00f6ffentlich mit seinem damaligen Gladbacher Trainer Hennes Weisweiler, doch von der politischen Linken wollte sich der Lange vom Niederrhein deshalb auf keinen Fall vereinnahmen lassen. Und: So aufregend und unvorhersehbar sein Spiel auch war &#8211; der Netzer ohne Fu\u00dfballschuhe wusste auch immer, wo und wie sich noch ein bisschen mehr Geld verdienen lie\u00df.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWahrscheinlich macht auch das bis heute den Reiz der Fu\u00dfballers Netzer aus: Am Ball war er ein k\u00fchner Tr\u00e4umer, vielleicht sogar ein Poet. Abseits des Platzes ist er bis heute ein kluger, n\u00fcchterner Satzsucher und ein Mann, von dem man als Fan niemals das &#8222;Du&#8220; annehmen w\u00fcrde. Ein Mann, der heute noch glaubhaft versichert: &#8222;Jetzt, wo ich nicht mehr spiele, glaube ich, dass ich besser gemacht werde als ich wirklich war.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 08.04.2025 08:05 Uhr Das deutsche Fu\u00dfballmuseum in Dortmund ist in diesem Fr\u00fchjahr noch ein bisschen mehr zum&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":16735,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1833],"tags":[299,3364,29,217,347,30,11058,1209],"class_list":{"0":"post-16734","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-dortmund","8":"tag-bundesliga","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-dortmund","12":"tag-fussball","13":"tag-germany","14":"tag-guenter-netzer","15":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114304706339269469","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16734","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16734"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16734\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/16735"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16734"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16734"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16734"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}