{"id":169440,"date":"2025-06-06T09:54:13","date_gmt":"2025-06-06T09:54:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/169440\/"},"modified":"2025-06-06T09:54:13","modified_gmt":"2025-06-06T09:54:13","slug":"auf-kunstvolle-weise-wortkarg-judith-kuckarts-roman-die-welt-zwischen-den-nachrichten-literaturkritik-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/169440\/","title":{"rendered":"Auf kunstvolle Weise wortkarg &#8211; Judith Kuckarts Roman \u201eDie Welt zwischen den Nachrichten\u201c : literaturkritik.de"},"content":{"rendered":"<p>Judith Kuckarts Roman \u201eDie Welt zwischen den Nachrichten\u201c<br \/>\nVon <a href=\"https:\/\/literaturkritik.de\/public\/mitarbeiterinfo.php?rez_id=5185\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hannes Krauss<\/a><a href=\"https:\/\/literaturkritik.de\/rss\/ma\/5185\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" height=\"16\" border=\"0\" alt=\"RSS-Newsfeed neuer Artikel von Hannes Krauss\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/rss.gif\" style=\"vertical-align:bottom;margin-left:5px;\"\/><\/a><br \/>\n <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"vgw-img\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/c2eb4c4fb1d347dca91608be5d924976.gif\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><br \/>\n<a class=\"icon\" href=\"#biblio\">Besprochene B\u00fccher \/ Literaturhinweise<\/a><\/p>\n<p class=\"rez\">Judith Kuckart hat ein Dutzend Romane, Erz\u00e4hlungen und Essays ver\u00f6ffentlicht. Dennoch rangiert in ihrem Wikipedia-Eintrag die Schriftstellerei nur an vierter Stelle (hinter Tanz, Choreografie und Regie). Und im Literaturbetrieb bewegt sich diese Autorin oft unter dem Aufmerksamkeitsradar.&#13;<\/p>\n<p class=\"rez\">Ihr zuletzt erschienener Roman Die Welt zwischen den Nachrichten bietet eine gute Gelegenheit, nicht nur die Verfasserin kennenzulernen, sondern auch ein originelles St\u00fcck Gegenwartsliteratur. Das Buch mag in die Rubrik Autofiktion passen, unterscheidet sich aber von vielem, was sonst unter diesem Etikett firmiert. Es ist weder Bekenntnis noch Enth\u00fcllung; es ist ein gelungener Versuch, f\u00fcnfundsechzig Jahre Leben in Literatur zu packen.&#13;<\/p>\n<p class=\"rez\">Judith Kuckart hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sich ihre Romane und Erz\u00e4hlungen auch aus Biographischem speisen. In all ihren Texten finden wir Spuren einer Vita, die die Autorin von Schwelm \u00fcber Dortmund, Wuppertal, Rom, Z\u00fcrich und viele andere Stationen nach Berlin (und gelegentlich wieder zur\u00fcck) f\u00fchrte. Ihr j\u00fcngster Roman nun handelt explizit davon (und enth\u00e4lt Spuren der bisherigen B\u00fccher). In unterschiedlich langen Sequenzen werden vor dem Hintergrund zeitgeschichtlicher Schl\u00fcsselereignisse (wie \u00d6lkrise, Geiselnahmen und Morde der RAF, Ende der DDR) Bilder aus einem bewegten Leben aufgef\u00e4chert \u2013 Momentaufnahmen, die sich zu einer ganz eigenen Form von Autofiktion formieren.&#13;<\/p>\n<p class=\"rez\">Themen sind unter anderem die Kindheit in einer kleinb\u00fcrgerlichen Familie, eine Kleinstadtjugend am Rande des Ruhrgebiets, Portr\u00e4ts von Mutter, Gro\u00dfmutter und Vater (\u201eIch liebte den, aber ich konnte ihn eigentlich nicht leiden\u201c), eine in den Terrorismus abgedriftete Nachbarstochter, Tanz und Theater, Freundschaften, Beziehungen (toxische und haltbare), eine Vergewaltigung und eine Teenager-Schwangerschaft. Entstanden ist ein ungemein facettenreiches Buch, das Vergangenes literarisch gestaltet.&#13;<\/p>\n<p class=\"rez\">Die verschiedenen Erinnerungssplitter und -szenen werden erg\u00e4nzt durch zw\u00f6lf eingef\u00fcgte \u201eKantinengespr\u00e4che\u201c mit \u201eEva K.\u201c. Diese hatte die Erz\u00e4hlerin einst zum Tanzen ermuntert und ihr die erste Schreibmaschine gekauft; Frau K. hat aber auch Z\u00fcge einer fr\u00fcheren Englischlehrerin und gelegentlich klingt sie wie ein Alter Ego der Autorin. Ob diese Gespr\u00e4che real sind oder nur im Kopf der Erz\u00e4hlerin stattfinden, bleibt offen. Gesichert ist ihr Ort, eine Theaterkantine. Hier wird in der Gegenwart kommentiert und reflektiert, was auf der (Vergangenheits-)B\u00fchne sich abspielt. Zugleich ist das ein Verweis auf die Institution, in der die Autorin ihre \u00e4sthetische Grundausbildung erhalten hat: das Theater.&#13;<\/p>\n<p class=\"rez\">Judith Kuckart erz\u00e4hlt weniger, als dass sie Ereignisse sprachlich inszeniert. Erkl\u00e4rungen und Schlussfolgerungen sind rar, stattdessen findet man mit Bedacht gew\u00e4hlte Requisiten. Kuckarts Texte erfordern die Mitarbeit der Leserinnen und Leser. Dass sie mitunter ein bisschen chaotisch wirken, mag an der Herkunft der Autorin vom Tanztheater liegen. \u201eZu tanzen ist eine Mischung aus Chaos und Ordnung\u201c, hei\u00dft es an einer Stelle dieses Buches, das sich streckenweise liest wie Sprache gewordener Tanz.&#13;<\/p>\n<p class=\"rez\">Kuckarts Schreibweise l\u00e4sst Raum f\u00fcr Assoziationen. Manches bleibt vage, anderes wird verschwiegen. Die Sprache ist auf kunstvolle Weise wortkarg, aber das schafft Nachdenk-L\u00fccken. Einzelne S\u00e4tze rei\u00dfen L\u00f6cher in den Alltagsnebel. Fl\u00fcchtiger Lekt\u00fcre widersetzt sich das Buch. Unverkennbar \u2013 nicht nur wegen der eingestreuten Schwarz-Wei\u00df-Fotografien \u2013 ist, dass zu den literarischen Vorbildern der Autorin auch Alexander Kluge geh\u00f6rt. Bei ein paar Datumsangaben mag man fragen, ob das inszenierte Lakonie oder Nachl\u00e4ssigkeit ist \u2013 aber das soll ein Problem f\u00fcr Buchhalter bleiben. Buchleser k\u00f6nnen sich freuen \u00fcber ein eindrucksvolles St\u00fcck Literatur.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/literaturkritik.de\/..\/gegenwartskulturen.php\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ein Beitrag aus der Redaktion Gegenwartskulturen der Universit\u00e4t Duisburg-Essen<\/a><\/p>\n<p><a name=\"biblio\"\/><\/p>\n<tr>\n<td height=\"1\" bgcolor=\"#FF9900\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/spacer.gif\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\"\/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td height=\"1\" bgcolor=\"#FF9900\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/spacer.gif\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\"\/><\/td>\n<\/tr>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Judith Kuckarts Roman \u201eDie Welt zwischen den Nachrichten\u201c Von Hannes Krauss Besprochene B\u00fccher \/ Literaturhinweise Judith Kuckart hat&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":169441,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-169440","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114635817990917729","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/169440","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=169440"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/169440\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/169441"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=169440"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=169440"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=169440"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}