{"id":169512,"date":"2025-06-06T10:34:09","date_gmt":"2025-06-06T10:34:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/169512\/"},"modified":"2025-06-06T10:34:09","modified_gmt":"2025-06-06T10:34:09","slug":"warum-thomas-mann-in-japan-so-populaer-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/169512\/","title":{"rendered":"Warum Thomas Mann in Japan so popul\u00e4r ist"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 06.06.2025 09:25 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Die B\u00fccher von Thomas Mann haben Generationen von Schriftstellern gepr\u00e4gt. Dabei gelten sie als sperrig. Selbst in Japan feiert Mann Erfolge. Zu seinem 150. Geburtstag erscheint die Novelle &#8222;Tonio Kr\u00f6ger&#8220; in der 16. Neu-\u00dcbersetzung.<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm gro\u00dfen Thomas-Mann-Jubil\u00e4umsjahr ist Yasumasa Oguro kein Weg zu weit, um den &#8211; seiner Meinung nach &#8211; gr\u00f6\u00dften deutschen Schriftsteller zu feiern. Und so hat der Professor aus Fukuoka auf dem Weg zum Jubil\u00e4ums-Kongress der Thomas-Mann-Gesellschaft in L\u00fcbeck auch in M\u00fcnchen Station gemacht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nHier hatte er einst an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t studiert und seine Liebe zur Literatur des Nobelpreistr\u00e4gers entdeckt. Mittlerweile lehrt er an der Ky\u016bsh\u016b-Universit\u00e4t, quasi der Hochburg der japanischen Mann-Forschung. Der dort aktive &#8222;Forschungskreis Thomas Mann&#8220; h\u00e4lt diesen Herbst bereits seine 130. Tagung ab.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWer sich mit Yasumasa Oguro unterh\u00e4lt, erf\u00e4hrt, dass Thomas Mann sich in Japan bereits seit den sp\u00e4ten 1920er-Jahren gro\u00dfer Beliebtheit erfreut &#8211; obwohl die Lekt\u00fcre nicht so einfach ist f\u00fcr seine Landsleute.<\/p>\n<p>    Einfluss auf japanische Autoren<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nVor allem Schriftsteller beeinflusse er stark, so etwa den japanischen Klassiker Yukio Mishima, aber auch einen zeitgen\u00f6ssischen Autor wie Haruki Murakami. Die meisten Japaner meinen, Murakami stehe unter dem gro\u00dfen Einfluss der amerikanischen Literatur, erz\u00e4hlt Oguro: &#8222;Aber als ich Student war und &#8218;Naokos L\u00e4cheln&#8216; las, hatte ich den Eindruck, dass Murakami sehr gerne Thomas Manns &#8218;Zauberberg&#8216; gelesen haben muss.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch andere Literaturwissenschaftler sehen das so. L\u00e4ngst gibt es wissenschaftliche Arbeiten \u00fcber den &#8222;Zauberberg&#8220; als Quelle und Bezugspunkt f\u00fcr den Roman &#8222;Naokos L\u00e4cheln&#8220; aus dem Jahr 1987.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Das Buch-Cover der neu ins Japanische \u00fcbersetzten Novelle &#8222;Tonio Kr\u00f6ger&#8220; von Thomas Mann.\n                    <\/p>\n<p>    16. Neu-\u00dcbersetzung von &#8222;Tonio Kr\u00f6ger&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAm 13. Juni erscheint nun Thomas Manns Novelle &#8222;Tonio Kr\u00f6ger&#8220; in Yasumasa Oguros Neu-\u00dcbersetzung. Es ist bereits die 16. japanische \u00dcbersetzung dieser autobiografisch gepr\u00e4gten K\u00fcnstlergeschichte. Oguro will mit der neuen Fassung, den in Japan zuvor ver\u00f6ffentlichten Versionen in eher &#8222;leicht verst\u00e4ndlicher Sprache&#8220;, so wie es der Professor ausdr\u00fcckt, eine Fassung entgegen stellen, die dem Original gerecht wird. In den bisherigen \u00dcbersetzungen sei zu viel verloren gegangen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nOguro preist die musikalische Komposition, die Sonatenform der Erz\u00e4hlung. Der Professor, der aus Hokkaid\u014d stammt, verbindet Pers\u00f6nliches mit dem Text. &#8222;\u2018Tonio Kr\u00f6ger\u2018 ist f\u00fcr mich eine Reise-Geschichte. Tonio ist im Norden geboren und aufgewachsen, f\u00e4hrt dann nach M\u00fcnchen gen S\u00fcden und nachher wieder nach L\u00fcbeck und D\u00e4nemark. Er pendelt zwischen Nord und S\u00fcd. Ich selbst bin Nord-Japaner und lehre an der Ky\u016bsh\u016b-Universit\u00e4t im S\u00fcden und pendele auch zwischen Norden und S\u00fcden.&#8220;<\/p>\n<p>    Keinerlei direkte Beziehung zu Japan<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nYasumasa Oguros Liebe zu Thomas Mann kann auch die Tatsache nicht tr\u00fcben, dass der Schriftsteller selbst keinerlei Beziehung zu Japan pflegte &#8211; Vattaru und Koto, sein japanisches Dienstboten-Paar im Exil in Pacific Palisades mal ausgenommen. Die beiden waren G\u00e4rtner und K\u00f6chin. &#8222;Zivilisiert, artig, flei\u00dfig, reinlich&#8220; seien sie, notierte Thomas Mann 1947: &#8222;Und sie verbeugen sich so h\u00fcbsch, die flachen H\u00e4nde auf den Oberschenkeln.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n\u00dcber diese herablassenden Worte sieht der 1964 geborene Professor hinweg. Und weist lieber darauf hin, dass Thomas Mann auch mit dem japanischen Studenten Toshio Morikawa korrespondierte, aus dem dann sp\u00e4ter ein bedeutender Thomas-Mann-Forscher wurde.<\/p>\n<p>    Korrespondenz mit Klaus Pringsheim<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAu\u00dferdem habe sich der Nobelpreistr\u00e4ger kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gegen die Atombomben-Abw\u00fcrfe auf Hiroshima und Nagasaki ausgesprochen. &#8222;Aber es stimmt: Er hatte kein gro\u00dfes Interesse an Japan und der japanischen Kultur. Im politischen Sinne hat er einige Male von Japan geredet.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZudem habe er sich mit seinem Schwager Klaus Pringsheim, dem Dirigenten und Zwillingsbruder seiner Frau Katia Mann, der lange Zeit in Tokio lebte, \u00fcber Japan unterhalten. Klaus Pringsheim leitete als Kompositionslehrer und Kapellmeister die Kaiserliche Musikakademie in der japanischen Hauptstadt und liegt dort in Japan auch begraben. Auch er habe Mann in Briefen aus Japan berichtet.<\/p>\n<p>    &#8222;Manchmal sehr, sehr schweigsam&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEine Frage w\u00fcrde Yasumasa Oguro gern seinem Idol stellen, h\u00e4tte er Gelegenheit dazu, erz\u00e4hlt er: &#8222;Wieso hat Thomas Mann seine Romane und Novellen selbst ausgelegt und erkl\u00e4rt? Warum war er als Interpret seiner selbst so redselig, und dann aber pl\u00f6tzlich so schweigsam, wenn es um deren Glutkern geht? Er war in all seiner Redseligkeit manchmal sehr, sehr schweigsam.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 06.06.2025 09:25 Uhr Die B\u00fccher von Thomas Mann haben Generationen von Schriftstellern gepr\u00e4gt. 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