{"id":169593,"date":"2025-06-06T11:19:10","date_gmt":"2025-06-06T11:19:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/169593\/"},"modified":"2025-06-06T11:19:10","modified_gmt":"2025-06-06T11:19:10","slug":"kann-er-mir-nicht-erzaehlen-alexander-zverev-verschwendet-seine-wertvolle-zeit-mit-ausreden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/169593\/","title":{"rendered":"&#8222;Kann er mir nicht erz\u00e4hlen&#8220;: Alexander Zverev verschwendet seine wertvolle Zeit mit Ausreden"},"content":{"rendered":"<p><strong>Alexander Zverev startet begeisternd in die Tennissaison, mal wieder ist der Deutsche ganz nahe dran an seinem gro\u00dfen Traum vom ersten Grand-Slam-Triumph. Doch danach wird es desastr\u00f6s. Nun macht er es sich auch noch selbst wieder schwer &#8211; und sorgt f\u00fcr Zweifel.<\/strong><\/p>\n<p>Es fing alles ziemlich gut an f\u00fcr Alexander Zverev: Deutschlands bester Tennisspieler dominierte Novak Djokovic im Viertelfinale der French Open einen Satz lang, Zverev jagte den Serben an diesem Fr\u00fchsommerabend bei angenehmen 20 Grad Celsius quer \u00fcber den m\u00e4chtigen Court Philippe-Chartrier. 6:4 hie\u00df es nach 46 Minuten. Der 1,98-Meter-H\u00fcne hatte den ersten Schritt gemacht in Richtung seines f\u00fcnften French-Open-Halbfinals in Serie. Und vor allem auf dem Weg zum so sehnlichst erwarteten ersten Grand-Slam-Titel seiner erfolgreichen aber unvollendeten Karriere. <\/p>\n<p>Doch dann ging alles den Bach runter: Rekord-Grand-Slam-Sieger Djokovic, der mit 38 Jahren l\u00e4ngst seine einstige Magie verloren hat, die ihn nahezu unschlagbar machte, lehnte sich auf. Und Zverev ging unter: 6:3, 6:2 und 6:4 gehen die drei letzten S\u00e4tze an Djokovic. Und Zverev geht geschlagen vom Platz, mal wieder. Schuld daran ist: die Temperatur an diesem Pariser Sommerabend. Sagt Zverev. Die Wahrheit ist nat\u00fcrlich eine ganz andere &#8211; und f\u00fcr Zverev bitter wie \u00e4rgerlich. <\/p>\n<p>&#8222;Kann er mir nicht erz\u00e4hlen&#8220;<\/p>\n<p> &#8222;Es war sehr kalt, deshalb war die Geschwindigkeit bei meinem Aufschlag nicht besonders hoch&#8220;, erkl\u00e4rte Zverev seine Pleite. Zu Beginn der Partie habe auf dem Court Philippe-Chatrier noch die Sonne geschienen und es seien um die 20 Grad gewesen. &#8222;Da konnte ich noch ein paar Winner spielen und Schaden mit meinem Aufschlag anrichten.&#8220; Danach habe es sich aber deutlich abgek\u00fchlt, das Spiel sei dadurch langsamer geworden. &#8222;Ab einem gewissen Punkt hatte ich das Gef\u00fchl, dass ich nicht mehr wusste, wie ich gegen ihn einen Punkt von der Grundlinie machen soll&#8220;, schilderte Zverev nach dem n\u00e4chsten geplatzten Traum von einem Grand-Slam-Titel. &#8222;Ich hatte das Gef\u00fchl, dass er auf alles, was ich mache, eine Antwort hatte&#8220;, sagte Zverev und f\u00fcgte anerkennend hinzu: &#8222;Er hat heute besser gespielt als ich.&#8220; <\/p>\n<p>Doch wo Djokovic seine Matches fr\u00fcher durch seine \u00fcbergro\u00dfe Klasse gewann, hat Zverev diesmal das Spiel verloren. &#8222;Er erkl\u00e4rt es damit, dass es in Satz eins 20 Grad Celsius waren, das Spiel schneller war und er die Vorhand mehr ziehen konnte. Aber in den S\u00e4tzen zwei, drei und vier&#8230; Es gab ja keinen Temperatursturz&#8220;, schimpfte die einstige Weltklassespielerin Barbara Rittner, die w\u00e4hrend des Turniers als Expertin f\u00fcr Eurosport arbeitet. &#8222;Das kann er mir nicht erz\u00e4hlen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Das alte Spiel&#8220;<\/p>\n<p>Zverev hat es mal wieder nicht geschafft, auf h\u00f6chstem Niveau zu adaptieren, sich mit ver\u00e4ndernden Bedingungen und vor allem einem Gegner zu arrangieren, der innerhalb des Matches sein Spiel umstellt. Djokovic dagegen fand nach dem ersten Satz, in dem Zverev ihn mit der puren Wucht seiner m\u00e4chtigen Grundschl\u00e4ge erdr\u00fcckte, gleich ein ganzes Ma\u00dfnahmenpaket, den st\u00e4rkeren Gegner seiner St\u00e4rken zu berauben: Der 38-J\u00e4hrige spielte Zverev immer wieder tief in die schw\u00e4chere Vorhand, attackierte wohldosiert und spielte immer h\u00e4ufiger Serve-and-Volley. Und dann nat\u00fcrlich das: 44 (!) Stoppb\u00e4lle spielte der Serbe und zerm\u00fcrbte den Weltranglisten-Dritten damit. <\/p>\n<p>&#8222;Der Matchball war bezeichnend. Er ist ganz locker dran, h\u00e4tte ihn normal spielen k\u00f6nnen &#8211; und schiebt ihn dann ins Aus&#8220;, sagte Rittner. &#8222;Ich konnte es selber gar nicht fassen. Sascha hat wirklich oft, wenn er am Stoppball dran war, die falsche L\u00f6sung gefunden.&#8220; Zverev, der nach dem starken ersten Satz immer weiter hinter die Grundlinie zur\u00fcckwich und dem Routinier die Initiative \u00fcberlies, fand auf Djokovics neue Ideen keinerlei Mittel. &#8222;Das alte Spiel eben&#8220;, sagte Rittner.<\/p>\n<p>Dass sich der Deutsche scheinbar wehrlos in sein Schicksal ergab, trieb wiederum Boris Becker zur Wei\u00dfglut: &#8222;Es ist auch ein St\u00fcck weit respektlos. Wenn ich gegen einen Spieler gespielt h\u00e4tte, der h\u00e4tte mir den f\u00fcnften Stopp gespielt, dem h\u00e4tte ich beim sechsten Stopp einen Schlag so in den Bauch gezogen, der w\u00fcrde nie wieder einen Stopp spielen&#8220;, sagte das deutsche Tennisidol als Experte bei Eurosport. &#8222;Ich w\u00e4re da anders mit dem Ball umgegangen &#8211; und viele andere Spieler \u00fcbrigens auch.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Habe genug von dem Schei\u00df&#8220;<\/p>\n<p>Zverev jedoch verlegte sich in seiner Analyse auf die Bedingungen &#8211; es ist ein bekanntes Muster: Beim Aus beim Masters-Turnier im Mai gegen Lorenzo Musetti (6:7, 4:6) hatte der Deutsche auf die B\u00e4lle geschimpft. &#8222;Die B\u00e4lle waren ein Witz heute. Sie sagen, wir spielen in Monaco, Madrid und M\u00fcnchen mit den gleichen B\u00e4llen. Dann kommen wir hierher und die B\u00e4lle sind ganz anders. Sie sind sehr gro\u00df. Es ist schwierig, hier Winner zu schlagen&#8220;, sagte Zverev. Es sei &#8222;kein Wunder, dass der Typ (Musetti) sechs Fu\u00df hinter der verdammten Grundlinie&#8220; stehe. &#8222;Es ist unm\u00f6glich, mit diesen B\u00e4llen Tennis zu spielen. Wenn das unterhaltsames Tennis sein soll, wei\u00df ich nicht, was zum Teufel wir hier tun. Ich habe genug von diesem Schei\u00df.&#8220; <\/p>\n<p>Dass der eher defensiv agierende Musetti nicht nur genauso viele Winner wie er selbst (20) schlug, sondern gleich 14 vermeidbare Fehler (22:36) weniger produzierte, unterschlug der Deutsche in seiner Analyse. Auch, dass er keine Mittel fand, um auf Musettis Spiel zu reagieren. Es war Zverevs dritte Niederlage im dritten Duell der beiden. Musetti steht nun im Halbfinale der French Open, Zverev nicht.<\/p>\n<p>Zverev, mit 28 Jahren unter den hochbegabten und schon hocherfolgreichen mehrfachen Grand-Slam-Siegern Carlos Alcaraz (22 Jahre alt) und dem kommenden Dominator Jannik Sinner (23) in der Weltspitze l\u00e4ngst Teil einer \u00fcberholten Generation, sieht den gro\u00dfen Traum vom ersten Grand-Slam-Titel nach vier Finalniederlagen l\u00e4ngst in der G\u00f6tterd\u00e4mmerung verblassen. Der Finalniederlage gegen Jannik Sinner bei den Australian Open im Januar (3:6, 6:7, 3:6) folgten desastr\u00f6se Monate, eine Entt\u00e4uschung reihte sich an die n\u00e4chste, nur das zweitklassige Turnier in M\u00fcnchen konnte er gewinnen. In den ersten vier Matches bei seinem liebsten Grand-Slam-Turnier hatte Zverev zumeist \u00fcberzeugt und nur einen Satz verloren. Doch nun, bei der gro\u00dfen Herausforderung, verlor der Deutsche seine Linie, verfiel aus der Dominanz in die Passivit\u00e4t. <\/p>\n<p>&#8222;Man hat den Eindruck, dass er gegen die Topspieler im selben Trott spielt und darauf hofft, dass das Ergebnis gut wird&#8220;, sagte Boris Becker. &#8222;Das reicht gegen die Spieler jenseits der Top Ten, aber gegen die oberen F\u00fcnf musst du dich mal weiterentwickeln.&#8220; Bei Grand-Slam-Turnieren gewann Zverev bisher nur f\u00fcnf Matches gegen Top-10-Spieler, 18 Mal ging er geschlagen vom Platz.<\/p>\n<p>Immer und immer weiter w\u00fcnschen sich Experten, dass Zverev seine zu oft das Ruder \u00fcbernehmende Passivit\u00e4t loswerden m\u00fcsse, stattdessen aktiv seine gewaltigen Qualit\u00e4ten bis zum letzten Punkt auf den Platz zu bringen. &#8222;Gegen Superstars wie Djokovic oder auch Sinner und Alcaraz musst du die Punkte machen. Du musst derjenige sein, der aggressiver agiert und an den Sieg glaubt&#8220;, beschw\u00f6rt Becker einen grundlegenden Wandel in der Taktik des besten deutschen Tennisspielers seiner Generation. Experten w\u00fcnschen sich seit jeher, dass Zverev viel n\u00e4her an der eigenen Grundlinie agiert.<\/p>\n<p>&#8222;Was will Sascha?&#8220;<\/p>\n<p>Damit dies gelingt, w\u00e4re laut Becker ein Trainerwechsel bei der deutschen Nummer eins n\u00f6tig. &#8222;Irgendwann brauchst du neue Ger\u00e4usche und ein neues Umfeld&#8220;, sagte Becker. Aus seiner Box bekommt Zverev in der Regel w\u00e4hrend der Matches kaum Impulse. Ein Konzept, das immerhin zu 24 Karrieretiteln und bis auf Platz 2 der Weltrangliste gef\u00fchrt hat. Doch der letzte gro\u00dfe Schritt, der an die Spitze der Welt und zum ersten Grand-Slam-Erfolg will und will nicht gelingen. &#8222;Die Frage ist: Was will Sascha? Ist er zufrieden damit, die Nummer zwei der Welt zu sein? Ist er zufrieden mit einer bis dato hervorragenden Tennis-Karriere?&#8220;, fragt sich auch Becker. &#8222;Oder sagt er, dass er es nochmal wissen will und alles auf den Kopf stellt?&#8220;<\/p>\n<p>Zverev, der derzeit von Vater Alexander Senior als Trainer und Bruder Mischa als Manager betreut wird, hat in der Vergangenheit zahlreiche gro\u00dfe Namen verschlissen: In der Vergangenheit hatte er unter anderem bereits mit Ivan Lendl, Juan Carlos Ferrero, David Ferrer und Sergi Bruguera zusammengearbeitet. In der alten Konstellation verf\u00e4llt Zverev zu oft in alte Muster &#8211; und verschwendet seine wertvolle Zeit. Schon in drei Wochen trifft sich die versammelte Weltklasse in Wimbledon zum n\u00e4chsten Grand-Slam-Turnier.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Alexander Zverev startet begeisternd in die Tennissaison, mal wieder ist der Deutsche ganz nahe dran an seinem gro\u00dfen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":169594,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[136],"tags":[10329,29,20798,30,22181,265,4206],"class_list":{"0":"post-169593","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-sport","8":"tag-alexander-zverev","9":"tag-deutschland","10":"tag-french-open","11":"tag-germany","12":"tag-grand-slam-turniere","13":"tag-sport","14":"tag-tennis"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114636152078360651","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/169593","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=169593"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/169593\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/169594"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=169593"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=169593"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=169593"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}